Nach dem Königlichen Staatsstreich in Rumänien im August 1944 wurde die kommende militärische Niederlage des Deutschen Reichs im Zweiten Weltkrieg auch in Rumänien sichtbar. Der Frontwechsel des Landes kam für die Volksgruppenführer und die Wehrmachtsangehörigen im Banat völlig überraschend. Pläne zur Evakuierung der Deutschen Volksgruppe aus dem Banat stießen besonders auf den Widerstand der SS-Führung im serbischen Belgrad.

Mit dem Unternehmen Behrends drangen deutsche Einheiten zwar nach Rumänien vor, wobei die SS-Polizei-Division noch die Flucht von etwa 12.000 Banater Schwaben ermöglichte. Als jedoch die Rote Armee Anfang Oktober 1944 schnell nach Westen vorstieß, gelang die Evakuierung der Westbanater Schwaben aufgrund widersprüchlicher Befehle und mangelnder Organisation nur noch zum Teil. Auch wollten viele der Donauschwaben ihr Haus und ihren Hof nicht verlassen.

Aus der Batschka wurde etwa die Hälfte der deutschsprachigen Bevölkerung evakuiert, im rumänischen Banat etwa 30.000, im serbischen Banat gelang dies nur etwa 10 Prozent. Die Schuldfrage ist in der Geschichtsschreibung der Donauschwaben umstritten.

Geschichte Vorgeschichte

Situation im rumänischen Banat Als der Krieg infolge des Rückzugs der deutschen Truppen von der Ostfront auf das Königreich Rumänien übergriff, schloss das Land nach dem Königlichen Staatsstreich in Rumänien am 23. August 1944 mit der Sowjetunion einen Waffenstillstand unter der Bedingung, dass Rumänien auf der Seite der Sowjetunion gegen seinen vormaligen Verbündeten Deutschland den Krieg fortsetzte. Die Lage in Bukarest war jedoch noch nicht entschieden, zeitweilig hatte es den Anschein, als würde es den deutschen Truppen in und um Bukarest unter Generalleutnant Alfred Gerstenberg mit dem Unternehmen Margarethe IIWährend des Unternehmens Margarethe II wurde Bukarest von deutschen Kräften unter anderem auch bombardiert. (vgl. Narcis I. Gherghina: Bombardamentele germane asupra Bucureştiului: 23-26 august 1944. In: Dosarele Istoriei. Nr. 8 (97), 2004, S. 35–38. In rumänischer Sprache.) gelingen, den Putsch niederzuschlagen. Außerdem wurde mit einer Reaktion der sich im serbischen Banat und in Ungarn befindlichen deutschen bzw. ungarischen Streitkräfte gerechnet. In Vršac (Werschetz) lag ein Teil der 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“, in Detta ein Bataillon der Spezialeinheit „Brandenburg“.Theodor Schieder, Werner Conze: Das Schicksal der Deutschen in Rumänien. Band 3 der Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa. Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte, Deutscher Taschenbuch Verlag, 1984. ISBN 3-423-03272-3, S. 171 f.

Die deutsche Front brach jedoch bald zusammen und die Rote Armee stand Anfang September im rumänischen Banat. Auch die rumänische Besatzung der Stadt Timișoara () ging Anfang September auf die sowjetische Seite über. Bereits Ende August kontrollierten rumänische Behörden bereits weite Teile der Region.Stephan Olaf Schüller: Für Glaube, Führer, Volk, Vater- oder Mutterland?: die Kämpfe um die deutsche Jugend im rumänischen Banat (1918-1944). Band 9 der Studien zur Geschichte, Kultur und Gesellschaft Südosteuropas, LIT Verlag Münster, 2009, ISBN 3-8258-1910-8, S. 448. Von deutschen und ungarischen Truppen wurden vereinzelt Versuche einer Gegenoffensive unternommen, was zu Zerstörungen in vielen Dörfern führte.Hans-Heinrich Rieser: Das rumänische Banat: eine multikulturelle Region im Umbruch : geographische Transformationsforschungen am Beispiel der jüngeren Kulturlandschaftsentwicklung in Südwestrumänien. Franz Steiner Verlag, 2001. ISBN 3-7995-2510-6, S. 98 Stabsführer Andreas Rührig ordnete am 9. September die Evakuierung der im rumänischen Teil des Banats lebenden Schwaben nach Serbien an, jedoch verhinderte die sich rasch verändernde Front die geplante vollständige Evakuierung der deutschsprachigen Bevölkerung, die sich bis zuletzt in ihrer großen Mehrzahl gegen diese Maßnahme gewehrt hatte. Etwa 30.000 kamen dieser Aufforderung nach.Johann Böhm: Hitlers Vasallen der Deutschen Volksgruppe in Rumänien vor und nach 1945. Lang, 2006. ISBN 3-631-55767-1, S. 184.

Situation im serbischen Banat

Nach der deutschen Besetzung des Königreichs Jugoslawien im Balkanfeldzug (1941) wurde Josef Janko zum „Volksgruppenführer“ der Deutschen Volksgruppe im Banat und Serbien ernannt.Johann Böhm: Die deutschen Volksgruppen im unabhängigen Staat Kroatien und im serbischen Banat: ihr Verhältnis zum Dritten Reich 1941–1944. Peter Lang, 2012. ISBN 3-631-63323-8, S. 14. Einige der im Wesentlichen in der Vojvodina, dem serbischen Teil des Banats, lebenden Serbiendeutschen beteiligten sich an Besatzungsaufgaben. Etwa 22.000 dienten teils freiwillig, teils zum Dienst verpflichtet in der 1942 aufgestellten 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ und nahmen am Partisanenkrieg gegen die Jugoslawische Volksbefreiungsarmee teil, wobei sie für ihre brutalen Repressalien und völkerrechtswidrigen Erschießungen von Zivilisten bekannt wurden.Thomas Casagrande: Die volksdeutsche SS-Division „Prinz Eugen“: Die Banater Schwaben und die nationalsozialistischen Kriegsverbrechen. Campus Verlag, Frankfurt/Main 2003, ISBN 3-593-37234-7. S. 196.

Ende September 1944 bewegten sich auf den Banater Straßen nur mäßig große Trecks in Richtung Westen. Innerhalb der Westbanater Volksgruppenführung in Zrenjanin (Groß-Betschkerek) gab es in den ersten Septembertagen keine Klarheit über die Lage. Es lag eine Zusicherung vor, dass eine deutsche Panzerarmee im Anmarsch begriffen sei, zudem sprachen verunsicherte Ortsabordnungen vor und suchten Rat oder verlangten verbindliche Anweisungen. Viele Einheimische der deutschen Minderheit hatten wenig Ambitionen ihre angestammte Heimat zu verlassen.Josef Beer: Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Band I, Ortsberichte, Arbeitskreis Dokumentation, München/Sindelfingen 1991, S. 41.Der Redakteur des „Banater Beobachters“, Georg Peierle, wählte in der Ausgabe vom 3. September als Überschrift für seinen Artikel „Wir bleiben hier. Ein offenes Wort zur Lage.“ (vgl. Josef Beer, S. 114 f.) Es steht nicht fest, ob Janko den Artikel vorher zur Durchsicht bekommen hat (vgl. Johann Wüscht, S. 136; Josef Janko S. 247). Es handelte sich hierbei nicht um eine amtliche Verlautbarung. „Wir bleiben hier“ sollte nach den Vorstellungen Peierles die Einheimischen beruhigen (vgl. Josef Janko S. 247). Die Überschrift motivierte jedoch viele, die Heimat, Haus und Hof nicht verlassen wollten, zum Daheimbleiben. Jakob Awender rief die Bürgermeister und Ortsgruppenleiter zu einer Besprechung des Evakuierungsplanes für den 8. September nach Zrenjanin, da das Banat zum Kampfgebiet zu werden drohte und daher vorübergehend zu räumen wäre (vgl. Josef Beer, S. 117, 124). Hierbei wurde der beabsichtigte Sinn der Zeitungsüberschrift – das vorübergehende Ausweichen aus dem voraussichtliche Kampfgebiet – erklärt, jedoch kursierten inzwischen Abschriften des Artikels und viele kannten nur die Parole „Wir bleiben hier!“, hatten aber den Artikel selbst nicht gelesen. (vgl. Georg Wildmann: Teil 2, Pasching, Langholzfeld, 29. November 2003) Angesichts der nun durch die Vojvodina ziehenden Trecks mit „Volksdeutschen“ aus dem rumänischen Banat machte sich bei vielen Serbiendeutschen eine Stimmung breit, die ein Verbleiben favorisierte.Josef Beer, S. 36.Josef Janko, S. 244. Jedoch lieferten Abstimmungen in den Ortschaften durchaus unterschiedliche Ergebnisse. Sprachen sich in Nakovo (Nakodorf) 90 Prozent und in Zrenjanin noch 80 Prozent der „volksdeutschen“ Befragten für den Verbleib aus, so stimmten in Mokrin lediglich 60 Prozent gegen eine Evakuierung.Gojko Malovi: Vojna uprava u Banatu 1944–45. Magisterarbeit, Belgrad 1979, S. 102. In: Zoran Janjetović:

Evakuierungsplan für das serbische Banat

Josef Janko hatte von Jakob AwenderJohann Böhm: Die deutschen Volksgruppen im Unabhängigen Staat Kroatien und im serbischen Banat. Ihr Verhältnis zum Dritten Reich 1941–1944. Peter Lang, 2013. ISBN 978-3-631-63323-6, S. 14, 22.Johann Wüscht nennt Wilhelm Neuner als Ausarbeiter des Plans (vgl. Johann Wüscht, S. 136). einen auf den 2. September 1944 datierten Evakuierungsplan ausarbeiten lassen, der damit zehn Tage nach dem Umschwenken Rumäniens vorlag. Elfried Kirschner wurde von der SS-Division „Prinz Eugen“ abgestellt um die Evakuierung der Kranken und Gebrechlichen zu organisieren. Adam Maurus zeichnete für die Evakuierung der Schüler verantwortlich und arbeitete mit der Kinderlandverschickung zusammen.Heimatbuch der Stadt Weisskirchen im Banat. Verein Weisskirchner Ortsgemeinschaft, Salzburg 1980, S. 209.Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ostmittel- und Osteuropa in den Jahren 1945 bis 1948. Band III: Das Schicksal der Deutschen in Rumänien. Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte, 1957. S. 88E.Adam Maurus standen jedoch nicht genug Bahnwaggons zur vollständigen Evakuierung der Kinder zur Verfügung (vgl. Heimatbuch Weisskirchen, S. 209). Die letzten Transporte verließen am 1. Oktober 1944 Kovin (Kubin), Pločica (Ploschitz) , Omoljica Omlód (Homolitz) und Banatski Karlovac (Karlsdorf) (vgl. Dokumentation, S. 88E). SS-Sturmbannführer und Leiter des Ergänzungskommando der Waffen-SS Johann Keks war mit der Organisation der Verteidigung mit allen ihm zur Verfügung stehenden Kräften betraut, jedoch gab er diese Aufgabe aus gesundheitlichen Gründen an Karl Heim ab. Dieser beorderte pro Ort jeweils 50 Männer der Deutschen Mannschaft zur Verteidigung ihrer Trecks vor Angriffen der Partisanen.Die bewaffneten Eskorten bestanden größtenteils aus Alten und Jungen und ähnelten in ihrer Zusammensetzung dem Volkssturm (vgl. Josef Beer, S. 36). Zudem Bestand ein Mangel an Schusswaffen (vgl. Zoran Janjetović, Between Hitler and Tito, S. 115). Schwangere Frauen, Frauen mit kleinen Kindern und Ältere sollten zuerst per Bahn evakuiert werden. Der Rest der deutschen Minderheit sollte in organisierten Gruppen folgen.Josef Janko: Weg und Ende deutschen Volksgruppe in Jugoslavien. Stocker, 1982. ISBN 3-7020-0415-7, S. 240.

Im Einklang mit den fünf Kreisen des serbischen Banats sollten fünf Marschgruppen vom jeweils zuständigen Kreisleiter angeführt werden. Diese Gruppen waren in 53 Marschkolonnen unterteilt, die jeweils von einem Dorf angeführt werden sollten, hinzustoßende Ortsgruppen sollten sich den Kolonnen anschließen. Zur Verbesserung der Mobilität wurden die Kolonnen in Zehnergruppen aufgebrochen. Jede der Kolonnen sollte über einen Anführer, Geleitschutz, einen Mediziner, eine Hebamme, einen Jugendwart, einen Frauenwart, sowie einen Wagen mit medizinischen Geräten, Ersatzteilen und Werkzeugen, Archiven, dem Gemeindebuch und Kohlen und Benzin verfügen.Josef Janko, S. 241.