Abelke Bleken († 18. März 1583 in Hamburg) war eine deutsche Bäuerin, die aufgrund des Vorwurfs der Hexerei verbrannt wurde. Sie ist die einzige Frau in Hamburg, deren vor Gericht vorgebrachte Erwiderungen, die sogenannte Urgicht, dokumentiert sind. Der Ablauf des Prozesses und die Anklagepunkte zeigen, dass derartige Urteile oftmals aufgrund ähnlicher vorheriger Konflikte erfolgten.

Hamburger Stadtrecht Schon im Hamburger Stadtrecht von 1270 stand Zauberei unter Strafe. So übernahm es auch Hamburger Stadtrecht von 1605: Dort ist zudem der Teufelspakt ausdrücklich als Straftat genannt.Roswitha Rogge: Abelke Bleken in der Biografien-Datenbank: Frauen aus Hamburg www.hamburg-frauenbiografien.de.

Vorgeschichte, Gerichtsverhandlung und Hinrichtung

Abelke Bleken bewirtschaftete als alleinstehende Frau einen Hof mit neun Hektar Land am Ochsenwerderer Norddeich. Durch einen Deichbruch, vermutlich bei der Allerheiligenflut 1570, wurde ihr Land in Mitleidenschaft gezogen. Trotz der erlittenen Verluste bestand die Deichpflicht weiter, wonach Hofbesitzer verpflichtet waren, den an ihr Land angrenzenden Deich instandzuhalten. Abelke Bleken und ihr Nachbar Henneke Schwormstede konnten diesen Pflichten jedoch nicht nachkommen, da sie weder über Geld noch Arbeitskraft verfügten, den beschädigten Deich wiederherzustellen. Der örtliche Vogt Dirick Gladiator (Klaeter)Die Namensfassung Klaeter ist eine Verschreibung, dazu: Otto Beneke: Hamburgische Geschichten. 1916, S. 112. pfändete nach der Besichtigung der schadhaften Deiche einen ihrer Kessel. Dieses geschah im Zusammenhang mit dem Spadelandsrecht, das die Deichpflichten und ihre Überwachung regelte. Kam ein Landbesitzer seiner Pflicht nicht nach, so wurde zunächst ein Pfand eingezogen. Letztendlich gingen diejenigen, die Deichpflichten nicht erfüllen konnten, ihres Besitzes verlustig. Damit drohte ihnen Heimatlosigkeit und Armut.

1577 mussten Bleken und Schwormstede und vermutlich weitere Nachbarn ihre Höfe dem Hamburger Ratsherrn Johann HugeHuge († 1583) war ein Enkel des Hamburger Bürgermeisters gleichen Namens. überschreiben, der sie zu einem großen Gut zusammenlegte. Bleken bat die Vögtin um Rückgabe des Pfandguts, was diese jedoch verweigerte. Ob das vor oder nach ihrer Vertreibung von ihrem Land geschah, ist nicht bekannt. Nachdem auf dem Landsitz Johann Huges Vieh gestorben und in Gladiators Familie Personen erkrankt und seine Ehefrau, die Vögtin, gestorben war, machte man Abelke Bleken hierfür verantwortlich. Sie habe sich aufgrund persönlicher Not rächen wollen und daher Schadenszauberei begangen, so die Anklage.

Unter der Folter „bekannte“ Bleken, seit vier Jahren Teufelsbuhlschaft getrieben zu haben, und schilderte die zauberischen Praktiken, mit denen sie die Schäden angerichtet habe. Zumeist ging es dabei um Vorfälle, bei denen Frauen Mensch und Tier versorgten. Der Mittäterschaft bezichtigte sie Geseke Schwormstedt aus Tatenberg, entweder die Ehefrau ihres früheren Nachbarn oder eine nahe Verwandte, sowie Peter Wenten, der mit ihr zusammen festgenommen worden war, und dessen Ehefrau Anneke, die vermutlich ebenfalls ihr Land an Huge verloren hatten.

mini|rechts Abelke Bleken starb als verurteilte Hexe am 18. März 1583 auf dem Scheiterhaufen. Die Richtstätte Hamburg befindet sich Lohmühlenpark 1. Sie wurde über den Armesünderdamm der heutigen Straße Steindamm vor die Stadtmauer geführt und gut sichtbar für die Umgebung lebendig verbrannt. Am 26. August wurden fünf weitere, namentlich unbekannte „Hexen“ hingerichtet,Namen der Opfer der Hexenprozesse / Hexenverfolgung Freie und Hansestadt Hamburg (pdf, abgerufen am 18. März 2021) darunter vermutlich auch Geseke Schwormstedt und Peter Wenten.

Gedenken 1959 produzierte der Norddeutsche Rundfunk das plattdeutsche Hörspiel Abelke Bleken, de Hex vun Ossenwarder. Heidi Kabel übernahm hierbei die Rolle der Abelke Bleken.ARD-Hörspieldatenbank, abgerufen am 13. Januar 2022.

Am 7. Juni 2015 weihte der Verein Garten der FrauenRita Bake: Ein neuer Erinnerungsstein im Garten der Frauen. In: OHLSDORF – Zeitschrift für Trauerkultur im Beisein der Zweiten Bürgermeisterin von Hamburg, Frau Katharina Fegebank,Fegebank weiht Stein zur Erinnerung an verbrannte Hexen ein einen ErinnerungssteinGedenkstein für Abelke Bleken auf dem Ohlsdorfer Friedhof für alle jene Frauen ein, die in Hamburg Opfer der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung wurden.Rede zur Einweihung des Erinnerungssteins für Frauen, die in Hamburg Opfer der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung wurden am 7. Juni 2015, gehalten von Dr. Rita Bake

Seit 2015 ist in Ochsenwerder der Abelke-Bleken-Ring in der Nähe ihres ehemaligen Hofes nach ihr benannt.

Abelke Bleken ist Protagonistin des 2023 erschienenen Romans Marschlande von Jarka Kubsova.Jarka Kubsova: Marschlande. Roman. S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 2023, ISBN 978-3-10-397496-6.

Siehe auch Hexenverfolgung in Hamburg Katharina Hanen Mette Harden Margareth Uhler

Literatur

Rita Bake: Verschiedene Welten I, 45 historische Stationen durch das Kontorhausviertel. 20. Station Fronerei. Hexenverbrennungen. Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg 2010. Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Schule und Berufsbildung. Amt für Weiterbildung. Alsterdruck, 3. aktualisierte Auflage 2010, S. 51. ISBN 978-3-929728-27-9. Simone Vollstädt: Abelke Bleken – eine vermeintliche Hexe aus Ochsenwerder. In: Marschlande. Kulturgeschichte zwischen Elbe und Bille. Bd. 1. Kultur- und Geschichtskontor, Hamburg 2011, ISBN 978-3-942998-01-7, S. 208–215. Simone Vollstädt: Abelke Bleken – Ein Opfer der Hexenverfolgung aus Ochsenwerder. Auf- und Ausarbeitung der tragischen Geschichte von Ableke Bleken aus Ochsenwerder, die am 18. März 1583 als Hexe auf dem Scheiterhaufen in Hamburg verbrannt wurde. Hamburg 2019. Eva-Maria Bast: Abelke Bleken. Der Hexerei beschuldigt – Tod auf dem Scheiterhaufen. In: dies.: Hamburger Frauen: historische Lebensbilder aus der Stadt an der Elbe. Bast Medien GmbH, Überlingen 2019, ISBN 978-3-946581-66-6, S. 133–135.

Weblinks

Geständnisprotokoll der Angeklagten Abelke Bleken unter der Folter, 7. März 1583 (pdf, abgerufen am 17. März 2021). Roswitha Rogge: Abelke Bleken in der Biografien-Datenbank: Frauen aus Hamburg www.hamburg-frauenbiografien.de.

Einzelnachweise

Kategorie:Opfer der Hexenverfolgung Kategorie:Hingerichtete Person (16. Jahrhundert) Kategorie:Hingerichtete Person (Heiliges Römisches Reich) Kategorie:Person (Hamburger Geschichte) Kategorie:Geehrte des Projekts Garten der Frauen Kategorie:Hamburger Geschichte (16. Jahrhundert) Kategorie:Geboren im 15. oder 16. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1583 Kategorie:Frau