Der Bahnhof Bad Belzig ging 1879 mit der Eröffnung der Bahnstrecke Berlin–Blankenheim, einer Teilstrecke der Kanonenbahn, in Betrieb. Seit 1904 wurde er außerdem von der ursprünglich privaten Brandenburgischen Städtebahn bedient, welche jedoch seit 2003 weitgehend ohne Verkehr und teilweise stillgelegt ist. Das Empfangsgebäude der Hauptbahn stammt aus der Eröffnungszeit des Bahnhofs und steht ebenso unter Denkmalschutz wie das Stationsgebäude der Städtebahn und eine Reihe von weiteren Bauten im Bahnhofsbereich.
Lage und Name mini|links|Südlich des Bahnhofs endet die Bebauung. Straße zum Städtebahnhof, links das Empfangsgebäude der Staatsbahn.
Der Bahnhof liegt in der Stadt Bad Belzig im Landkreis Potsdam-Mittelmark bei Streckenkilometer 65,23 der Bahnstrecke Berlin–Blankenheim, Nullpunkt der Kilometrierung ist der Bahnhof Berlin-Charlottenburg. Die Strecke verläuft im Bereich des Bahnhofs annähernd von Osten nach Westen. Die im Bahnhof Treuenbrietzen beginnende Städtebahn erreicht Bad Belzig aus Richtung Südosten, der Bahnhof befindet sich bei Streckenkilometer 21,6. Ihre Weiterführung in Richtung Brandenburg an der Havel verlässt den Bahnhof in gleiche Richtung, unterquert die Hauptbahn und wendet sich dann nach Norden.
mini|Bahnhof Belzig und Umgebung 1911. Die Staatsbahnstrecke verläuft von Nordosten nach Südwesten, die Städtebahn nach Südosten (Treuenbrietzen) und Norden (Brandenburg).
Der Bahnhof liegt etwa einen Kilometer südöstlich des Stadtzentrums am Stadtrand, deutlich oberhalb der Innenstadt. Die städtische Bebauung endet im Bahnhofsbereich südlich kurz hinter den Bahnanlagen. Ursprünglich gehörte das Areal östlich der Burg Eisenhardt mit dem Bahnhof zur Gemeinde Sandberg, die erst 1914 nach Belzig eingemeindet wurde. Südlich des Bahnhofs befand sich im Mittelalter der Wohnplatz Bergermark.
Bis Ende 2011 hieß die Station nur Belzig, die Stadt hatte den Zusatz Bad bereits 2010 erhalten. Nach der Eröffnung der Brandenburgischen Städtebahn 1904 wurde bis ca. 1950 zwischen den Bahnhöfen Belzig Staatsbf, später Belzig Rb (für Reichsbahn) der Hauptbahn und Belzig Städtebf bzw. Belzig Brandenb Städteb der Städtebahn unterschieden. Nach der Verstaatlichung der Städtebahn galt die Bezeichnung Belzig für beide Teile.
Geschichte mini|Empfangsgebäude der Städtebahn
Der Bahnhof ging zusammen mit der Strecke am 1. April 1879 für den Güterverkehr und am 15. April des gleichen Jahres für den Personenverkehr in Betrieb. Die Bahnverbindung führte bald nach ihrer Eröffnung zu einem Aufschwung des Tourismus in der Stadt.Helga Kästner: Belzig auf historischen Ansichtskarten. Ein historischer Stadtrundgang. helga-kaestner.de; abgerufen am 10. Februar 2016.
Belzig war einer der wichtigsten Bahnhöfe der Strecke und erhielt als einzige Station der Strecke östlich der Elbe ein Empfangsgebäude des größeren Typs.Jürgen Krebs: Kanonenbahn Berlin–Sangerhausen. Zwischen Fläming und Mansfelder Land. Wolfgang Herdam Fotoverlag, Gernrode 2004, ISBN 3-933178-09-6, S. 54–55. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Belzig zum Knotenpunkt. Die ursprünglich private Brandenburgische Städtebahn verband Belzig in der einen Richtung mit Niemegk und Treuenbrietzen und in der anderen mit Brandenburg an der Havel, Rathenow und Neustadt (Dosse). Die Städtebahn baute einen separaten Bahnhofsteil mit einem eigenen Empfangsgebäude, aber auch die Anlagen der Staatsbahn wurden in diesem Zusammenhang erweitert.
mini|Bahnhof mit Stellwerk am Bahnsteig
1923 ging vom benachbarten Bahnhof Wiesenburg (Mark) die schon vor dem Ersten Weltkrieg geplante Verbindung nach Roßlau und weiter in den mitteldeutschen Raum in Betrieb. Damit und mit dem neuen Verschiebebahnhof Seddin wuchs die Bedeutung der Strecke und auch des Bahnhofs Belzig vor allem im Güterverkehr. Belzig war ein Bahnhof der zweithöchsten Bahnhofsklasse II, vor allem seine betrieblichen Aufgaben waren bedeutend.
Zur Station gehörte ein Lokbahnhof, der allerdings nur relativ geringe Bedeutung besaß. Er unterstand dem Bahnbetriebswerk Seddin. In den 1930er Jahren war in ihm nur drei Lokomotiven stationiert. Der Lokbahnhof wurde in den 1970er Jahren geschlossen und in eine Triebfahrzeug-Einsatzstelle umgewandelt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg beeinflusste die deutsche Teilung den Verkehr auf der Strecke. Die direkte Verbindung nach West-Berlin war nur noch für den Güterverkehr zugelassen, Züge in den Ostteil der Stadt mussten den Umweg über den Berliner Außenring nehmen. Die Strecke blieb vor allem für den Güterverkehr von Bedeutung. 1963 wurde der Personenverkehr auf dem Städtebahnabschnitt zwischen Belzig und Treuenbrietzen eingestellt. Güterzüge nutzten die Strecke weiterhin, später nur noch zwischen Belzig und Niemegk. 1990 ging die elektrische Fahrleitung im Bahnhof in Betrieb. Am westlichen Bahnhofskopf entstand ein Stellwerksneubau, der ursprünglich als elektromechanisches Stellwerk geplant war. Jedoch standen ab 1990 genügend Materialien zur Verfügung, um dort ein Gleisbildstellwerk einzurichten.
Im Jahr 2003 endete der Verkehr auf der Städtebahn zwischen Brandenburg und Belzig. Die Strecke wurde stillgelegt und später teilweise abgebaut. Die Strecke nach Niemegk wurde von der Deutschen Regionaleisenbahn übernommen, die sie für Sonderfahrten und gelegentlichen Güterverkehr nutzen möchte.
Mit dem Anschluss an ein Elektronisches Stellwerk 2005/2006 wurden die Gleis- und Bahnsteiganlagen umgebaut und eine Reihe nicht mehr benötigter Gleise entfernt. 2011 wurde das Bahnhofsgebäude saniert.
Anlagen mini|Links: Bahnmeisterei (von 1938), Empfangsgebäude (1904) und Gleise der Städtebahn, rechts: Staatsbahngebäude (1879), Hintergrund: Stellwerk Big (ca. 1990).
Allgemein
Die Bahnhofsanlage gilt vom denkmalschützerischen Standpunkt als „exemplarisches Beispiel für einen Gemeinschaftsbahnhof, an dem verschiedene Eisenbahnunternehmen aufeinander treffen und verkehrlich miteinander verbunden werden“. Hierbei geht es weniger um Einheitlichkeit, sondern es ist vielmehr „das Wachstum im Laufe mehrerer Phasen nachvollziehbar“.Jörg Raach, Matthias Baxmann: Faszination Eisenbahn. Bahnkultur in Brandenburg. L+H Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-939629-21-4, S. 115–117. Auf der Nordseite der Gleise liegt das ursprünglich von der Staatsbahn genutzte Empfangsgebäude. Auf der Südseite liegen die Anlagen der Brandenburgischen Städtebahn mit einem eigenen Empfangsgebäude. Im Westteil des Bahnhofs befinden sich die Anlagen für den Personenverkehr, im Ostteil die früheren Anlagen für den Güterverkehr und betrieblich genutzte Gleise.
Auf der Denkmalliste des Landes Brandenburg stehen folgende Bauten: „Empfangsgebäude der Staatsbahn mit Gaststätte, Wartesaal, Toiletten und Eiskeller“ (Nr. 11), Bauinspektionsgebäude (Nr. 9), Wasserstation „Wasserwerk“ (Nr. 6), Güterschuppen mit beidseitigen Laderampen, Empfangsgebäude der Brandenburgischen Städtebahn (Nr. 3), Wohnhaus (Nr. 1), Doppel-Wohnhaus (Nr. 2), Lagerhäuschen (Brennstofflager), Wohnhaus (Nr. 4), Güterschuppen, Lok- und Wagenhalle, Stellwerk „Big“.
Die Nummern bezeichnen die Hausnummern in der Straße „Am Bahnhof“, die Hausnummern 1 bis 4 liegen dabei auf der Südseite der Gleisanlagen, die anderen nördlich der Gleise.
Denkmalgeschützte Bauten Empfangsgebäude mini|Empfangsgebäude, Straßenseite
Das Gebäude auf der Nordseite der Gleisanlagen entstand mit dem Bau der Strecke 1878/79 und entspricht dem Standardbautyp für größere Bahnhöfe der Strecke Berlin–Blankenheim. Ursprünglich identische bzw. spiegelsymmetrisch zu Belzig angelegte Bahnhofsgebäude gibt es in Barby, Calbe (Saale) West, Hettstedt und Klostermansfeld.
Das Empfangsgebäude ist ein im Kern zweigeschossiger und siebenachsiger Ziegelbau mit Walmdach, der anschließende dreiachsige Gaststättentrakt auf der Westseite ist eingeschossig, Grund dafür ist, dass man beim Bau die Wartesäle der III. und IV. Klasse mit einer ausreichenden Höhe versehen wollte. Im zentralen Teil des Gebäudes lagen Fahrkartenausgabe, Diensträume und der Wartesaal I. und II. Klasse. Im darüberliegenden Obergeschoss wurden zwei Dienstwohnungen für Bahnbedienstete eingerichtet. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Bau auf seiner Ostseite im gleichen Stil erweitert, außerdem entstand ein eingeschossiger Anbau auf der Westseite. Zu den gestalterischen Komponenten des Bahnhofsgebäudes zählt ähnlich wie bei anderen Bahnhöfen der Strecke der „handwerklich sauber ausgearbeitete ornamentale Terrakotta-Bauschmuck“.
mini|Bahnhofsgebäude (2006) mit Bahnsteigüberdachung
Im Jahr 2010 wurde das Gebäude von den Stadtwerken Bad Belzig gekauft, anschließend saniert und am 25. November 2011 als Fläming-Bahnhof Bad Belzig wieder eingeweiht. Im Bahnhof befinden sich ein Vermessungsbüro, die Sozialberatung des Kreises Potsdam-Mittelmark, ein LandschaftsarchitekturbüroFlaemingbahnhof auf den Seiten der Stadtwerke Bad Belzig, abgerufen am 7. Februar 2014. sowie ein Regionalladen mit Café.
Bahnsteigüberdachung Die Denkmaldatenbank erwähnt die unmittelbar an das Empfangsgebäude anschließende Überdachung aus der Zeit des Bahnhofsumbaus von 1900/1905 mit Pultdach und genieteten Stahlträgern. Bei der Sanierung des Bahnhofsgebäudes 2011 wurde sie nicht wieder aufgebaut.
Toilettenhaus und Eiskeller mini|Eiskeller und Toilettenhaus Das Toilettenhaus schließt sich östlich an das Empfangsgebäude an. Es ist ein einstöckiger massiver Ziegelbau. Neben den Toiletten für Herren und Damen befanden sich noch Abstellräume und Stallungen im Gebäude, die von den im Bahnhof lebenden Angestellten genutzt wurden.
Empfangsgebäude und Toilettenhaus sind baulich verbunden. Ursprünglich war der Durchgang zwischen beiden mit einem für die Bahnhöfe der Strecke typischen Torbogen versehen wurde. Dieser wurde bei der Erweiterung des Bahnhofsgebäudes 1904 beseitigt.
mini|Ehem. Bahninspektion
Ebenfalls vom Anfang des 20. Jahrhunderts stammt auch der östlich angrenzenden Eiskeller auf der Straßenseite.
Verwaltungsgebäude (Bahninspektion, Am Bahnhof 9) Das Direktionsgebäude der Bahninspektion der Preußischen Staatsbahn, später Reichsbahn-Betriebsamt, liegt schräg gegenüber dem Empfangsgebäude auf der anderen Straßenseite. Es ist ein repräsentativer zweigeschossiger, achtachsiger verputzter Bau mit Mansarddach. Es wurde 1906/07 gebaut und bis 1946 als Betriebsamt von der Reichsbahn genutzt.
Wasserstation mini|Ehem. Wasserstation
Die Wasserstation liegt auf der gleisabgewandten Straßenseite etwa 200 Meter westlich des Empfangsgebäudes. Sie stammt aus der Zeit des Baus der Bahnstrecke 1877/78. Die Hauptwasserstationen der Strecke wurden in Halensee (heute Berlin-Grunewald) und Güsten angelegt, Belzig erhielt neben Hettstedt eine Wasserstation mittlerer Dimension.
Die Versorgung der Lokomotiven im Wasser erwies sich hier als besonders schwierig, da der Bahnhof an den Hängen des Hohen Flämings etwa 30 Meter über der Talsohle liegt und eine wasserführende Schichte in der Nähe des Bahnhofes nicht zu finden war. Deswegen musste ein Brunnen in 720 Meter Entfernung im Tal angelegt werden. Von dort wurde das Wasser 33 Meter hoch zur Wasserstation gedrückt.
mini|Güterschuppen
Das Gebäude wird heute privat genutzt, erhalten ist eine Wasserstandmarkierung an der Straßenseite.
Güterschuppen Der Güterschuppen liegt mehrere hundert Meter östlich des Empfangsgebäudes. Er ist ein Ziegelbau, der auf 1878/1879 datiert ist und somit ebenfalls aus der Eröffnungszeit des Bahnhofs stammt. Zwei Laderampen am Schuppen stehen ebenfalls auf der Denkmalliste. Das Gebäude ist derzeit ungenutzt.
Bahnhofsempfangsgebäude (Städtebahn) mini|Bahnhofsgebäude der Städtebahn und Bahnmeisterei Am Bahnhof 4