mini|350px|Außengrenze des Haagwalds 1752 mini|350px|Waldabteilungen des Haagwalds

Der ehemalige Haagwald auf der Waldgemarkung von Hambach an der Weinstraße war vom Mittelalter bis in die Zeit der Französischen Revolution in kirchlichem Eigentum. Um das Jahr 1822 wurde er dann Teil des Hambacher Gemeindewalds. Dieser wurde im Zuge der Verwaltungsreform von Rheinland-Pfalz im Jahr 1969 in den Stadtwald von Neustadt an der Weinstraße eingegliedert.

Geographie Geographische Lage Der Stadtwald von Neustadt an der Weinstraße ist Teil der Haardt, die den Ostrand des Pfälzerwalds zur Rheinebene hin bildet.

Gewässer Aus dem ehemaligen Haagwald fließen drei Bäche nach Osten durch die Neustadter Ortsteile Diedesfeld bzw. Hambach. Von Süd nach Nord sind dies: Hartgraben (Quelle auf , Länge 14,2 km) Hambach (Quelle auf , Länge 3,1 km) Kanzgraben (Quelle auf , Länge 7,8 km)

Geschichte mini|links|Schlossberg als Zentrum des früheren Haagwalds

Der Ort Hambach wurde nach einer alten Urkunde schon im Jahre 865 als Siedlung erwähnt; der Name leitet sich von der fränkischen Bezeichnung Haganbach her. Dies deutet auf einen Bachlauf hin, der aus einem lichten Wald, einem Hag, kam. In Frage hierfür kommt wegen seines Namens der Hambach, der am Nordfuß des hohen Schlossbergs entspringt – wo seit der Römerzeit helle Esskastanienwälder dominieren – und durch Mittelhambach nach Osten fließt. Er sorgte früher für den Antrieb der Mühle Gutting östlich von Hambach; über Kanzgraben, Hartgraben und Kropsbach ergießt sich sein Wasser schließlich von rechts in den Speyerbach.

Die Kästenburg auf dem Schlossberg, die heute Hambacher Schloss genannt wird, entstand um das Jahr 1000 unter dem Geschlecht der Salier. In dieser Zeit wurden ungefähr 200 Hektar aus dem Hambacher Wald herausgetrennt, die als Kästenburger Burgfrieden, Herrschaftlicher Haag oder Haagwald bezeichnet wurden.

Um das Jahr 1100 vermachte Johannes I., Bischof von Speyer, dem Hochstift seines Bistums aus seinem persönlichen Eigentum die Kästenburg mit dem Herrschaftlichen Haag. Somit gingen Burg und Haagwald in den Besitz des Bistums über. Die Grenzen des Haagwalds wurden aber immer mehr durch Untertanen aus Hambach missachtet; Übergriffe wie Holzdiebstähle und Waldfrevel waren an der Tagesordnung. Aus diesem Grund verfügte das bischöfliche Generalvikariat im Juni 1752, das Gebiet sei durch Grenzsteine zu markieren, um Grenzverletzungen klar aufzeigen zu können. Insgesamt sollten 76 Steine gesetzt werden, teilweise wurden auch vorhandene Loogfelsen zum Einmeißeln der Grenzzeichen benutzt.

Die Grenzen des Haagwalds zogen von der Käsgasse über den Sommerberg zur Hohe-Loog-Ebene, zum Speierheld, zum Triftbrunnen, entlang des Haagwiesengrabens bis zur Freiheitstraße, hoch zum Forstacker, hinunter ins Weihertal, dann weiter um den Schlossberg herum und zurück zur Käsgasse.

Die gesamte Fläche des Haagwalds wurde in neun Waldabteilungen aufgeteilt: Buchenteich (34 Hektar), Bergfelsen (24 Hektar), Rittersberg A (30 Hektar), Rittersberg B (40 Hektar), Winterseite (30 Hektar), Pfaffenplatte (15 Hektar), Suppenschüssel (5 Hektar), Schlossberg (20 Hektar), Kästenburg (2 Hektar).

Die Rechte des Bistums Speyer am Haagwald endeten, als 1801 im Frieden von Lunéville die linksrheinischen deutschen Gebiete an Frankreich abgetreten und in der Folge die Besitztümer der Kirche enteignet wurden. Nachdem die Pfalz 1816 bayerisch geworden war, wurde der Haagwald 1822/23 durch die Regierung veräußert. Mit Ausnahme des etwa 15 Hektar großen engeren Schlossbezirks wurde aus dem Haagwald – bis in die heutige Zeit – kleinparzelliertes Privateigentum.

Die Grenzsteine Die Steine von Nr. 1 bis 43 sind außer Nr. 4 alle noch vor Ort vorhanden. Stein Nr. 51 wurde beim Bau eines Regenrückhaltebeckens an der Ecke Freiheitstraße/Bergstraße aufgefunden und an der ehemaligen Nordostecke des Haagwalds wieder aufgestellt. Am Fuße des Schlossbergs sind nur noch die Steine Nr. 65, 66 und 67 sowie Nr. 74 und 75 vorhanden. Weiter ist der obere Teil eines Steines in eine Gartenmauer eingepasst, die auf einem Privatgrundstück in der Andergasse steht, wobei lediglich die Jahreszahl und das Wappen zu erkennen sind.

Die Steine tragen auf der Vorderseite das plastisch herausgearbeitete Wappen des Hochstifts Speyer, dazu die Jahreszahl 1752 sowie laufende Nummern. Die von Stein Nr. 1 bis 29 hinaufziehende Grenze des Haagwalds deckt sich mit der ehemaligen Grenze der V. Haingeraide, heute Diedesfelder Wald. Auf verschiedenen Grenzsteinen und Loogfelsen sind auch das Symbol der V. Haingeraide (ein dreiflügeliges Zeichen in der Form eines Ypsilons), für Diedesfeld die Buchstaben -DF- sowie ein Hufeisen mit einem kleinen Dorn und laufender Nummerierung eingemeißelt. Ab Stein Nr. 29 beginnt auf der Westseite der Hambacher Wald, auf den Steinen ist dann das Wappen von Hambach, ein Hufeisen, zu sehen.

Die noch vorhandenen Zeugen des ehemaligen Haagwalds sind gut sichtbar im Verlauf der beschriebenen Grenze zu erkennen. Lediglich einige Loogfelsen sind infolge Laub- und Erdanhäufung schlecht sichtbar.

Liste der noch vorhandenen Grenzsteine Stein Nr.LageBeschreibungBild VorderseiteBild Rückseite 1 am Alten Haagweg x100px x100px 2 am Sommerberg x100px x100px 3 am Sommerberg x100px x100px 5 am Sommerberg x100px x100px 6 am Sommerberg x100px x100px 7 am Sommerberg x100px x100px 8 am Sommerberg x100px 9 20 m unterhalb Sommerbergweg x100px x100px 10 15 m oberhalb Sommerbergweg x100px x100px 11 am Sommerberg x100px 12 am Sommerberg x100px 13 am Sommerberg x100px 14 am Sommerberg x100px x100px 15 am Sommerberg x100px x100px 16 am Sommerberg x100px x100px 17 am Sommerberg x100px x100px 18 Sommerseite x100px x100px 19 Sommerseite x100px x100px 20 Sommerseite x100px x100px 21 Sommerseite x100px 22 Sommerseite x100px x100px 23 Rittersberg x100px x100px 24 Rittersberg x100px x100px 25 Rittersberg x100px x100px 26 Rittersberg x100px x100px 27 Rittersberg x100px x100px 28 Hohe-Loog-Ebene x100px x100px 29 Hohe-Loog-Ebene x100px x100px 30 Hohe-Loog-Ebene x100px x100px 31 Hohe-Loog-Ebene x100px x100px 32 Hohe-Loog-Ebene x100px x100px 33 Hohe-Loog-Ebene x100px x100px 34 Hohe-Loog-Ebene x100px x100px 35 am Wanderweg Speierheld–Hohe Loog x100px x100px 36 am Wanderweg Speierheld–Hohe Loog x100px x100px 37 am Wanderweg Speierheld–Hohe Loog x100px x100px 38 am Wanderweg Speierheld–Hohe Loog x100px 39 am Wanderweg Speierheld–Hohe Loog x100px 40 am Wanderweg Speierheld–Hohe Loog x100px 41 am Wanderweg Speierheld–Hohe Loog x100px 42 am Wanderweg Speierheld–Hohe Loog x100px x100px 43 am Speierheld x100px 51 am Rückhaltebecken Ecke Freiheitstraße/Bergsteinstraße x100px 65 am Schlossberg-Nordosthang x100px 66 am Schlossberg-Osthang x100px x100px 67 am Schlossberg-Osthang, an der K 9 x100px 74 am Schlossberg-Südhang x100px 75 am Schlossberg-Südhang, an der Käsgasse x100px 90 in der Andergasse – Privatgrundstück x100px

Literatur Philipp Otto Abel: Seine Wälder. In: Hambach an der Weinstraße. Ein Gang durch seine Ortsgeschichte. Buchdruckerei Dr. A. Kraemer, Landau/Pfalz 1956. Karl Ost: Gemeindewald. In: Paul Habermehl: Hambach. Führer durch die Ortsgeschichte. Festgabe zur Einweihung des Pfarrzentrums St. Jacobus. Pilger-Druckerei, Speyer 1977. Walter Eitelmann: Rittersteine im Pfälzerwald. Eine steinerne Geschichtsschreibung. 4. Auflage, Eigenverlag des Pfälzerwald-Vereins, Neustadt an der Weinstraße 1998, ISBN 3-00-003544-3.

Einzelnachweise Datenquelle: www.lvermgeo.rlp.de, Daten mit Genehmigung bearbeitet.

Kategorie:Waldgebiet in Rheinland-Pfalz Kategorie:Geographie (Neustadt an der Weinstraße)