Capital Airlines war eine in Washington ansässige US-amerikanische Linienfluggesellschaft, die im Juli 1961 in United Air Lines aufgegangen ist. Das Unternehmen entstand im April 1948 aus der Umfirmierung der Pennsylvania-Central Airlines, die ihren Betrieb ursprünglich im April 1927 unter dem Namen Skyline Transportation Company als Postfluggesellschaft aufgenommen hatte.

Geschichte 1920er-Jahre mini|250px|Die Waco 9 „Miss Pittsburgh“, mit der Clifford Ball den Flugbetrieb aufnahm, wird im Terminal des Flughafens Pittsburgh ausgestellt

Im Jahr 1925 kaufte der Autohändler und Flugenthusiast Clifford Ball gemeinsam mit dem Ingenieur Barr Peat einige Landflächen des Farmers Harry Neel nahe der Ortschaft Dravosburg (Pennsylvania) auf, um den ersten Flugplatz im Großraum Pittsburgh/McKeesport zu errichten. Der Platz erhielt zunächst den Namen Pittsburgh-McKeesport Airport, bevor er ein Jahr später von Ball und Peat zu Ehren des verunglückten Fliegers Cyrus K. Bettis in Bettis Field umbenannt wurde.The Tube City Almanar, Flying the Nostalgic Skies, 8. April 2005 Im selben Jahr schrieb der United States Postal Service einen Transportvertrag für Luftpost zwischen Pittsburgh und Cleveland (Ohio) aus, den Clifford Ball am 27. März 1926 gewann. Er gründete daraufhin die Fluggesellschaft Skyline Transportation Company, die auch als Clifford Ball Airline bekannt war. Die Gesellschaft nahm ihren Betrieb am 21. April 1927 mit zwei Maschinen des Typs Waco 9 auf, welche die Taufnamen „Miss Pittsburgh“ und „Miss McKeesport“ trugen. Kurz darauf setzte das Unternehmen sieben dieser Flugzeuge für den US-Postal Service ein. Die Contract-Air-Mail-Route nach Cleveland wurde mit Zwischenstopp in Youngstown beflogen.Aerodacious, CAM Contract Air Mail First Flights CAM-11

Im ersten Betriebsjahr beförderte die Gesellschaft Luftpost im Wert von 58.800 US-Dollar und gelegentlich auch Passagiere. Zu den ersten Fluggästen gehörte der Schauspieler Will Rogers. Durch den Aufkauf kleinerer Unternehmen konnte das Streckennetz schnell erweitert und ab 1928 ein planmäßiger Passagierflugbetrieb mit Maschinen des Typs Fairchild FC-2 angeboten werden. Im August 1929 wurde eine Linienverbindung von Cleveland über Pittsburgh nach Washington eingerichtet und mit sechssitzigen Fairchild 71 beflogen.Clifford Ball Inc., Flugplan 1929/30 Die Strecke trug die Bezeichnung „Path of the Eagle“.Ed Coates' Civil Aircraft Photograph Collection, Clifford Ball (Airlines), New Standard D-27, NC9122 (c/n 114)

1930er-Jahre Clifford Ball verkaufte seine mittlerweile in Clifford Ball Inc. umbenannte Fluggesellschaft im November 1930 zum Preis von 137.000 US-Dollar an die Pittsburgh Aviation Industries Corporation, welche vom Anwalt George Hann, dem Universitätsprofessor Charles Bedell Monro sowie dessen Schwager Fred R. Crawford gegründet worden war. Die neuen Eigentümer benannten das Unternehmen in Pennsylvania Air Lines (PAL) um. Das Liniennetz wurde zeitgleich von Cleveland über Detroit nach Chicago erweitert.Pennsylvania Air Lines, Flugplan 1. August 1930 Im Jahr 1932 verlegte PAL den Geschäftssitz vom Flugplatz Bettis Field auf den neu eröffneten Allegheny County Airport und beförderte rund 9.000 Fluggäste. Der Air Mail Scandal führte im Februar 1934 dazu, dass die US-Regierung alle Postflugverträge aufkündigte und die Gesellschaft ihren Flugbetrieb für einige Monate aussetzte. Um an der Neuausschreibung der Postverträge teilnehmen zu können, wurde die Schreibweise des Gesellschaftsnamens im März 1934 in Pennsylvania Airlines geändert. Im Juni 1934 kaufte das Unternehmen die im August 1929 gegründete Kohler Aviation auf und konnte dadurch das Liniennetz von Detroit über Grand Rapids nach Milwaukee (Wisconsin) ausdehnen.Ed Coates' Civil Aircraft Photograph Collection, Kohler Aviation Corp., Loening C-2C Air Yacht, NC138H (c/n 235)Pennsylvania Airlines, Flugplan 1. Februar 1935

Den Zuschlag für die Posttransporte zwischen Washington und Detroit erhielt im Sommer 1934 die Konkurrentin Central Airlines, die eigens hierfür am 31. März 1934 gegründet worden war und ihren Betrieb mit Ford Trimotor aufnahm. Diese Fluggesellschaft beschäftigte ab Dezember 1934 mit Helen Richey die erste US-amerikanische Linienpilotin und gehörte zu den wenigen Unternehmen, die Maschinen des Typs Stinson Model A bestellten, welche ab Herbst 1935 zum Einsatz kamen.Ed Coates' Civil Aircraft Photograph Collection, Central Airlines, Stinson A, NC15106 (c/n 9106)ATC 556 (9-25-1934) Stinson Model A

Weil Pennsylvania Airlines ohne die staatlichen Postaufträge wirtschaftlich nicht überleben konnte, kauften deren Eigentümer die Central Airlines auf und schlossen beide Unternehmen am 1. November 1936 zur Pennsylvania-Central Airlines (PCA) zusammen, für die sich im allgemeinen Sprachgebrauch der Name Penn Central einbürgerte. Die Flotte des fusionierten Unternehmens bestand aus Stinson A, Ford Trimotor sowie drei Boeing 247, welche im Frühjahr 1936 von Pennsylvania Airlines in Dienst gestellt worden waren.Pennsylvania Airlines, Flugplan März 1936 Im Folgejahr wurden Baltimore, Buffalo, Charleston, Harrisburg und Williamsport in das Streckennetz eingebunden, gefolgt von Norfolk (Virginia) am 1. April 1938.Pennsylvania-Central Airlines, Flugplan 1. November 1937Pennsylvania-Central Airlines, Flugplan 1. April 1938 Parallel dazu erwarb PCA fünfzehn weitere Boeing 247 von United Air Lines.Ed Coates' Civil Aircraft Photograph Collection, Pennsylvania-Central Airlines, Boeing 247D, NC13359 (c/n 1741) Eine Linienverbindung von Detroit über Flint nach Sault Ste. Marie wurde am 20. Juli 1938 eröffnet, nachdem die Gesellschaft den Postflugvertrag für diese Route gewonnen hatte.Aerodacious, Contract Air Mail First Flights AM-41 Im selben Jahr bestellte PCA neben Douglas DC-3 auch sechs Douglas DC-5 und gehörte damit zu den wenigen Unternehmen, welche diesen Typ geordert hatten. Alle Bestellungen für die Douglas DC-5 wurden in den frühen 1940er-Jahren kriegsbedingt annulliert.Douglas DC-5, the forgotten Douglas

1940er-Jahre mini|250px|Mitte der 1940er-Jahre setzte Pennsylvania-Central Airlines ausschließlich Douglas DC-3 ein Pennsylvania-Central Airlines musterte ihre Boeing 247 ab Anfang 1940 schrittweise aus und ersetzte sie durch Douglas DC-3. Das Streckennetz wurde zeitgleich von Charleston (West Virginia) über Knoxville und Chattanooga (Tennessee) nach Birmingham (Alabama) erweitert. Daneben richtete PCA eine Linienroute von Norfolk über Raleigh (North Carolina) nach Knoxville ein.Pennsylvania-Central Airlines, Flugplan 1. April 1941 Nachdem die Gesellschaft im Jahr 1941 ihren Geschäftssitz von Pittsburgh nach Washington verlegt hatte, verwendete sie ab etwa Mitte 1944 aus Werbegründen den Namenszusatz „The Capital Airline“.Pennsylvania-Central Airlines, Flugplan 1. August 1944 New York wurde ab dem 1. November 1945 von Chicago über Detroit und Pittsburgh angeflogen.Pennsylvania-Central Airlines, Flugplan 1. November 1947

Im Sommer 1946 stellte PCA ihre ersten Douglas DC-4 in Dienst, die doppelt so viele Sitzplätze wie die DC-3 besaßen und auf den Hauptstrecken zum Einsatz kamen. Als weitere Zielorte wurden in den späten 1940er-Jahren unter anderem Atlanta (Georgia), Mobile (Alabama), Memphis (Tennessee) und New Orleans (Louisiana) in das Liniennetz aufgenommen.Capital Airlines, Streckennetz im Flugplan 1948 Bereits im November 1943 hatte das Unternehmen erstmals internationale Streckenrechte von Miami und New Orleans in die Karibik sowie nach Südamerika beantragt, bekam diese aber von der US-Luftfahrtbehörde nicht genehmigt.Flight International, 18. November 1943

Der Gesellschaftsname wurde am 21. April 1948 in Capital Airlines geändert. Im selben Jahr richtete das Unternehmen preisgünstige Nachtflüge (vermarktet unter dem Werbenamen „Nighthawk“) zwischen Chicago und New York ein, um mehr Kunden zu gewinnen.Aviation Online Magazine, History of Capital Airlines Capital Airlines war die erste US-Fluggesellschaft, die einen solchen Billigverkehr in Einklassenauslegung anbot.Capital Airlines, Virtual Museum, Unternehmensgeschichte

1950er-Jahre mini|250px|Ab Juli 1955 setzte Capital Airlines Vickers Viscount ein und wurde dadurch zur ersten US-Fluggesellschaft, die Turboprop-Flugzeuge betrieb Anfang der 1950er-Jahre war Capital Airlines die fünftgrößte US-amerikanische Fluggesellschaft. Die ersten fünf gebrauchten Lockheed L-049 Constellation, deren höhere Geschwindigkeit kürzere Flugzeiten auf den Strecken von der Ostküste der Vereinigten Staaten nach New Orleans und Mobile ermöglichte, wurden im Sommer 1950 auf Ratenkaufbasis vom Hersteller erworben.Flight International, 2. März 1950 Ab Frühjahr 1952 übernahm Capital Airlines zudem Lockheed Constellation der Version L-749 von KLM.Flight International, 23. November 1951rzjets.net, Lockheed Constellation, Capital Airlines Die Gesellschaft beförderte im Geschäftsjahr 1953 rund 2,25 Millionen Passagiere. Zu dieser Zeit bestand die Flotte aus sieben Lockheed Constellation, fünfundzwanzig Douglas DC-3 und fünfundzwanzig Douglas DC-4.Flight International, 11. Juni 1954 Im Juni 1954 bestellte Capital Airlines als erstes US-amerikanisches Unternehmen zunächst vierzig, im Dezember 1954 weitere zwanzig britische Turboprop-Flugzeuge des Typs Vickers Viscount, die ab dem 15. Juli 1955 ausgeliefert wurden und am 26. Juli 1955 erstmals auf der Strecke von Washington nach Chicago zum Einsatz kamen.

Ab Mitte der 1950er-Jahre geriet die Gesellschaft in zunehmende wirtschaftliche Schwierigkeiten. Im Jahr 1955 trat Capital Airlines ihre sieben von KLM erworbenen Lockheed L-749 an British Overseas Airways Corporation ab und erhielt von dieser im Gegenzug eine gleiche Anzahl an Lockheed L-049 sowie eine Zuzahlung in Höhe von 3,85 Millionen US-Dollar.Flight International, 29. Juni 1961Flight International, 11. März 1955 Die finanziellen Probleme führten in den späten 1950er-Jahren dazu, dass Capital Airlines ihre getätigten Bestellungen für Flugzeuge der Typen Bristol Britannia, De Havilland Comet 4 und 4A sowie Convair CV-880 stornieren musste.

Stündliche Verbindungen von New York nach Chicago und Detroit sowie zwischen Washington und Chicago wurden ab April 1958 angeboten.Capital Airlines, Flugplan April 1958 Zu dieser Zeit bestand die Flotte aus insgesamt 104 Flugzeugen der Typen Douglas DC-3 (20), Douglas DC-4 (14), Lockheed L-049 (12) und Vickers Viscount (58).Flight International, 18. April 1958 Die US-Luftfahrtbehörde bewilligte Capital Airlines zum Jahresbeginn 1959 Linienrechte für Direktflüge aus den nordöstlichen Bundesstaaten nach Miami, Jacksonville, Tampa und West Palm Beach. Für diese neuen Strecken nach Florida mietete die Gesellschaft zusätzlich drei Vickers Viscount 812 von Continental Airlines.Flight International, 16. Januar 1959

1960er-Jahre Ab Jahresbeginn 1960 kamen von Pan American World Airways geleaste Douglas DC-6 auf den Routen nach Florida zum Einsatz.Flight International, 8. Januar 1960 Gleichzeitig führte die Gesellschaft eine neue Bemalung bei ihren Flugzeugen ein. Wegen der anhaltenden hohen Verluste im operativen Geschäft kam Capital Airlines mit den Ratenzahlungen für ihre Vickers Viscount in Verzug. Bis April 1960 beliefen sich die Verbindlichkeiten gegenüber dem britischen Hersteller Vickers auf rund 4,3 Millionen Pfund. Vickers ließ daraufhin mehrere Flugzeuge pfänden.Flight International, 22. April 1960 Capital Airlines beantragte zeitgleich staatliche Unterstützung, um den drohenden Konkurs abzuwenden und die Pfändung weiterer Flugzeuge zu verhindern. Die US-Luftfahrtbehörde Civil Aeronautics Board (CAB) sah das Hauptproblem im Missmanagement der Geschäftsführung und nicht in den getätigten Investitionen, so dass die Gesellschaft keine öffentlichen Finanzhilfen erhielt.Flight International, 13. Mai 1960