mini|hochkant|Nese Erikli (2013) Nese Erikli (* 19. Juli 1981 in Heilbronn) ist eine deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen) mit türkischen Wurzeln. Sie ist seit 2016 Abgeordnete im Landtag Baden-Württemberg und seit 2026 Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

Leben Nese Erikli wurde als jüngstes von sechs Kindern in Heilbronn geboren. Ihre Eltern waren Aleviten aus Anatolien in der Türkei.Arnfrid Schenk: Wie komm ich hier rein? In: Die Zeit. Nr. 19/2013Henrike Mielke: Ausgebremst, unterschätzt, gewählt. stimme.de, 14. September 2019 Eriklis Vater kam 1968 als Gastarbeiter nach Deutschland, arbeitete zunächst bei Kolbenschmidt in Neckarsulm und dann als Straßenbauer bei der Stadt Heilbronn. Ihre analphabetische Mutter folgte 1980 mit fünf in der Türkei geborenen Kindern (drei Töchter, zwei Söhne). Die Familie wohnte zunächst im zu Eberstadt gehörenden Weiler Buchhorn, wo sie unter rund 100 Einwohnern die einzigen Ausländer waren. Als Erikli fünf Jahre alt war, zog die Familie nach Heilbronn, um einem der Söhne eine Ausbildung zu ermöglichen. Nach dem frühen Tod ihres Vaters übernahm Erikli die Verantwortung für Behördengänge und ähnliche Angelegenheiten der Familie.

In Heilbronn besuchte Erikli nach der Grundschule auf Empfehlung der Klassenlehrerin zunächst die Hauptschule. Nach einem halben Jahr wechselte sie auf ihren Wunsch hin zur Realschule und besuchte schließlich ein Wirtschaftsgymnasium, das sie mit dem Abitur abschloss.Listenplatz 21 – „Mir wird nichts geschenkt“. In: Die Welt. 8. September 2013 2002 nahm sie die deutsche Staatsangehörigkeit an und gab die türkische Staatsbürgerschaft auf.Torsten Lucht: Landtagskandidaten im Portrait: Nese Erikli will auf dem grünen Zweig nach oben. suedkurier.de, 26. Februar 2016

Seit 2002 lebt sie in Konstanz. Sie studierte Rechtswissenschaft in Konstanz und Linz bis zur Examensphase und bestand den universitären Teil der Ersten Juristischen Prüfung, nicht jedoch den staatlichen Prüfungsteil.Kunststaatssekretärin Nese Erikli. In: Staatsanzeiger, Rubrik „Porträt der Woche“, Ressort Landespolitik, staatsanzeiger.de, 20. Mai 2026, 18:16 Uhr. Anschließend arbeitete sie unter anderem als Projektleiterin im Stiftungsmanagement beim Blauen Kreuz e. V., einer Suchthilfeorganisation in der Schweiz.

Politik Die von ihr als Diskriminierung empfundene Aussage ihrer Grundschul-Klassenlehrerin, für Erikli als Türkin reiche auch die Hauptschule, brachte Erikli zur Politik. Mit 14 Jahren machte sie in den Sommerferien ein Praktikum im Ludwigsburger Büro des Grünen-Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir. Mit 19 Jahren beantragte sie nach eigenen Angaben die deutsche Staatsbürgerschaft, um wählen zu können. Im Jahr 2000 trat sie den Grünen bei und war von 2012 bis 2017 Mitglied im Kreisvorstand der Grünen in Konstanz sowie von 2013 bis 2016 Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Demokratie, Recht und Innere Sicherheit der Grünen Baden-Württemberg.

Ihr Engagement gilt der Stärkung des Wissenschaftsstandortes Baden-Württemberg sowie der Kulturförderung. Außerdem setzt sich Erikli für mehr Bürgerbeteiligung und demokratische Teilhabe, insbesondere im Kontext sozial benachteiligter Gruppen, ein.

Bei der Bundestagswahl 2013 kandidierte sie im Bundestagswahlkreis Konstanz für Bündnis 90/Die GrünenŞansölye Angela Merkel, koalisyon ortağı kim? In: Milliyet. 22. September 2013 In: Wochenblatt. 24. Mai 2013, abgerufen am 1. Februar 2016 und erhielt 20,6 Prozent der Erststimmen in der Stadt Konstanz (13,3 % der Erststimmen und 12,7 % der Zweitstimmen im Wahlkreis).Bundestagswahl 2013. Wahlergebnis in der Stadt Konstanz. Bericht aus der Wahlnacht. Stadt Konstanz, Hauptamt (PDF; 5,7 MB)

Nese Erikli konnte bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2016 für Bündnis 90/Die Grünen das Direktmandat mit 39,64 Prozent den Landtagswahlkreis Konstanz gewinnen und erzielte damit das bisher beste Ergebnis für ihre Partei im Landtagswahlkreis Konstanz., abgerufen am 15. März 2016 Die Nominierung als Kandidatin der Grünen für den Wahlkreis Konstanz gewann sie zuvor gegen den bisherigen Abgeordneten Siegfried Lehmann mit 53 zu 43 Stimmen. Erikli wurde von ihren Gegnern vorgeworfen, durch kurzfristige Neueintritte Stimmen mitgebracht zu haben.

Bei der Landtagswahl 2021 konnte Nese Erikli ihr Direktmandat mit 42,1 % verteidigen. Sie holte damit bei dieser Wahl das zweitbeste Wahlergebnis in Baden-Württemberg. Von 2021 bis 2026 war Erikli Vorsitzende des Ausschusses für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie Mitglied im Ausschuss für Finanzen. Seit 2022 war sie zudem stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag von Baden-Württemberg. Im September 2017 übernahm sie außerdem einen Sitz im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Zulagenaffäre an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg.

Bei der Landtagswahl 2026 zog Nese Erikli wieder über ein Direktmandat in den Landtag ein. Am 13. Mai 2026 wurde sie zur Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg ernannt.

Politische Positionen

Wohnungspolitik Erikli engagiert sich in ihrem Wahlkreis für das Thema Wohnungsbau. Für Medienecho sorgte dabei ihre Kleine Anfrage zur Entwicklung der Sozialwohnungen in Konstanz und Radolfzell. Sie tritt für einen stärkeren Ausbau des sozialen Mietwohnraums ein und setzte sich insbesondere für die Mieter in der Schwaketenstraße Konstanz ein, die durch Modernisierungsmaßnahmen des Wohnungsunternehmens Vonovia hohe Mieterhöhungen erhalten. Auch das Thema des studentischen Wohnraums treibt Erikli um, weshalb sie auch dazu eine Anfrage an das Ministerium gestellt hat und trotz der positiven Entwicklung den weiteren Ausbau von Wohnheimplätzen fordert.

Nachdem Konstanz 2026 infolge einer neu festgelegten Gebietskulisse aus der Mietpreisbremse herausgefallen war, setzte sich Erikli für die Wiederaufnahme der Stadt ein. Sie forderte gemeinsam mit dem Deutschen Mieterbund eine Überarbeitung der Kriterien, auf deren Grundlage Kommunen in die Mietpreisbremse aufgenommen werden. Im September 2026 wurde bekannt, dass Grüne und CDU die Gebietskulisse für Hochschulstandorte anpassen wollen und Konstanz dadurch ab 2027 wieder unter die Mietpreisbremse fallen soll.

Religionspolitik Erikli tritt für einen modernen und aufgeklärten islamischen Religionsunterricht als Baustein für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. Dieser müsse staatlich organisiert werden und dürfe nicht Verbänden wie Ditib überlassen werden, zu deren Kritikern Erikli zählt und die sie als verlängerten Arm Erdogans betrachtet.

Umwelt- und Landwirtschaftspolitik Erikli gilt als Gegnerin der Pläne der Genossenschaft RegioBodenseefisch, die im Bodensee bis zu 12 Netzgehege für die Zucht von Felchen installieren möchte. Der Bodensee sei laut Erikli „kein Acker“, den man zur Nahrungsmittelproduktion nutzen könne, weshalb sie jegliche Form von Netzgehegen ablehnt.

Mandate Aufsichtsratsmitglied der Baden-Württemberg Stiftung (seit 2016)

Mitgliedschaften NABU (Naturschutzbund Deutschland) BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) Arbeitsgemeinschaft kommunales Kino Konstanz – Zebra Kino e. V. NIEDERBURG Große Konstanzer Narrengesellschaft 1884 e. V. Deutscher Mieterbund Bodensee e. V. Verkehrsclub Deutschland (VCD) e. V.

Weblinks

Webpräsenz von Nese Erikli Abgeordnetenprofil beim Landtag von Baden-Württemberg in der 18. Wahlperiode Profil bei der Fraktion Bündnis 90/die Grünen

Einzelnachweise

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