mini|Nidwaldner Fahne 14. Jahrhundert Die Geschichte des Kantons Nidwalden umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des schweizerischen Kantons Nidwalden von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Frühgeschichte und Antike Die ersten menschlichen Spuren mini|Illustration der neolithischen Seeufersiedlung in Kehrsiten (4. Jh. v. Chr.) mini|hochkant|Archäologischer Fund in Stans: ein Mädchenskelett aus der Eisenzeit (2. Jh. v. Chr.) Die ersten Spuren menschlichen Daseins im Gebiet des Kantons Nidwalden stammen aus der Jungsteinzeit. Überreste einer Pfahlbausiedlung in Kehrsiten in Stansstad bezeugen eine Siedlungstätigkeit am Vierwaldstättersee während der Zeit zwischen etwa 4000 und 3100 v. Chr. Eine weitere jungsteinzeitliche Dauersiedlung lässt sich bei der sogenannten Loppburg bei Stansstad belegen. Der Platz diente auch in der Spätbronzezeit als Siedlungsstätte. Weitere bronzezeitliche Siedlungsplätze, die aber nicht ganzjährig genutzt wurden, sind am Renggpass in Hergiswil und bei der Rotzburg in Ennetmoos bekannt. Zumindest der Renggpass scheint bereits in der Jungsteinzeit begangen worden zu sein. Aus der Latènezeit stammt das Grab eines zehnjährigen Mädchens, das in Stans gefunden wurde. Dieser Fund und vereinzelte weitere Streufunde lassen eine dauernde Besiedlung in der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. als wahrscheinlich erscheinen. Siedlungsstruktur und Lebensformen dieser keltischen Bevölkerung bleiben aber im Dunkeln.

Römische Zeit Aus römischer Zeit sind in Nidwalden keine Schriftzeugnisse überliefert, einzig aus archäologischen Funden und Geländenamen lassen sich einige Kenntnisse gewinnen. Das Gebiet der heutigen Kantone Ob- und Nidwalden war spätestens seit römischer Zeit dauernd besiedelt. Eine gallorömische Bevölkerung, also eine römisch-keltische Mischbevölkerung im 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr., ist durch Brandgräber in Buochs und Oberdorf und durch einen Gutsbetrieb (Villa) am Weg zum Brünigpass in der Uechteren (Alpnach) bezeugt. Aufgrund von überlieferten Geländenamen mit keltischen und lateinischen Wurzeln kann gesagt werden, dass in Nidwalden zumindest das Dreieck zwischen Oberdorf, Buochs und Hergiswil dauerhaft besiedelt gewesen ist. Nach dem Untergang des Römischen Reiches blieben die Menschen in der Gegend, wie die überlieferten Orts- und Flurnamen mit voralemannischen Wurzeln zeigen.

Mittelalter Einwanderung der Alemannen Die Alemannen, ein germanischer Volksstamm, wanderten ab dem 8. Jahrhundert in das Gebiet des heutigen Nidwaldens ein. Anhand alemannischer Flurnamen lässt sich die alemannische Landnahme im Tal und auf den Bergen ansatzweise nachvollziehen. Zuerst liessen sich Alemannen im bereits besiedelten Gebiet in und um die Stanser Ebene nieder, bevor sie in das Engelbergertal und auf die Alpen vorstiessen. Die Einwanderung verlief wahrscheinlich friedlich. Die Alemannen vermischten sich mit der bereits ansässigen gallorömischen Bevölkerung. Bereits älter ist die Stanser Kirche, die bis in die Zeit um 600 zurückgeht, wie archäologische Befunde beweisen. Wann und wie weit die gallorömische Bevölkerung christianisiert worden war, lässt sich allerdings nicht sagen. Wahrscheinlich scheint aber, dass die alemannischen Einwanderer auf eine bereits zumindest zum Teil christianisierte Bevölkerung trafen. Die Stanser Kirche blieb bis ins 10. Jahrhundert, als die Buochser Kirche gebaut wurde, die einzige im Tal. Die Pfarrei umfasste wahrscheinlich das ganze heutige Kantonsgebiet sowie Engelberg.

Landesausbau im Hochmittelalter Etwa ab dem 12. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung, neues Ackerland und Weiden wurden gerodet. Vor allem Adelsfamilien und Klöster aus dem Mittelland und den Voralpen organisierten diesen Landesausbau: die Adelshäuser Lenzburg, Sellenbüren-Regensberg, Habsburg und Brienz-Ringgenberg-Raron sowie die Klöster Muri, Murbach und das von ihm abhängige Kloster Luzern. Landesausbau war nicht nur eine Vergrösserung der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Ebenso wichtig waren der Ausbau und die «Verdichtung» der Adelsherrschaften. Die Herrschaft der Adelshäuser über die Besitzungen in Nidwalden war jedoch nur oberflächlich. Lokale Verwalter, die sogenannten Dienstadligen, handelten zwar offiziell im Auftrag der Adelsfamilien, in Wirklichkeit herrschten sie jedoch recht selbständig. Viele der Adelsbesitzungen verschwanden wieder. Bis 1283 gingen die meisten Besitzungen durch Schenkungen, Verkauf oder Tausch an die Klöster über. Im 13. Jahrhundert blieben nur die beiden Klöster Murbach-Luzern und Engelberg sowie die Adelsfamilie der Habsburger als grössere Herrschaften im Tal übrig. Die Besitzungen der Klöster waren grundherrschaftlich organisiert: Die einzelnen Bauerngüter wurden von Verwaltungszentren, den Dinghöfen, aus verwaltet. Das Kloster Murbach-Luzern hatte noch im 14. Jahrhundert einen solchen Dinghof in Stans mit 18 abhängigen Erblehen und 30 zinspflichtigen Gütern. Das Kloster Engelberg hatte einen etwas kleineren Dinghof in Buochs.

Landwirtschaft im Hoch- und Spätmittelalter mini|Ürtebücher der Ürtekorporation Dallenwil|links In Nidwalden wurde das Land im Hochmittelalter auf verschiedene Arten genutzt: Alp- und Weidewirtschaft, einfacher Ackerbau und Gartenwirtschaft. Die Landwirtschaft diente der Eigenversorgung, der Handel war gering. Eine Zelgenverfassung (genossenschaftlich geregelte Dreifelderwirtschaft), wie sie in anderen Gegenden üblich war, konnte jedoch nicht entstehen. Die unterschiedlichen Nutzungsformen und die nur schwach ausgebildete Herrschaft standen dem entgegen. Wie in anderen Alpentälern ist ab dem 14. Jahrhundert eine Spezialisierung der Landwirtschaft zu beobachten. Grossviehhaltung und Käseproduktion wurden ausgebaut, bis andere Wirtschaftsformen, etwa Ackerbau, im 16. Jahrhundert fast vollständig verschwanden. Die steigende Nachfrage nach Fleisch und Käse in den oberitalienischen Städten machte den Export von Grossvieh und Käse über die Alpen lukrativ, gleichzeitig ermöglichten sinkende Preise den Import von Getreide aus dem süddeutschen Raum. Neben Zürich stieg vor allem die Bedeutung Luzerns als Marktplatz für Getreide. Der Wandel führte aber auch zu Konflikten zwischen Gross- und Kleinbauern um den knapper werdenden Weideplatz für das Vieh.

Entwicklung der Ürten (Genossenschaften) Der wirtschaftliche Wandel stärkte die Ürten, wie die lokalen landwirtschaftlichen Genossenschaften in Nidwalden heissen. Ürten gab es bereits seit längerer Zeit, aber erst im Verlauf des landwirtschaftlichen Wandels im Spätmittelalter wuchsen sie zu Körperschaften, in denen sich die lokale Politik abspielte. Genossenschaftliche Elemente sind zuerst in den Dörfern Stans und Buochs fassbar, wo wohl auch gemeinsame Wuhrbauten (Schutzdämme) an der Engelberger Aa eine Rolle spielten. Ab dem 14. Jahrhundert, parallel zur Spezialisierung der Landwirtschaft hin zu einer exportorientierten Grossviehhaltung, traten die Ürten vermehrt in Erscheinung. Ihre politische Bedeutung nahm stetig zu, und die Ürten entwickelten sich zu einer Art Vorläufer der heutigen politischen Gemeinden. Beispiele sind die Dorfeinungen von Buochs aus den Jahren 1399 und 1433, in denen Fragen der landwirtschaftlichen Nutzung geregelt und Bedingungen für die Aufnahme neuer Dorfleute formuliert wurden. Die Ürten blieben bis ins 19. Jahrhundert tragende Elemente der Staatsorganisation.

Unterwalden, Ob- und Nidwalden mini|Matthäus Merians Karte «Das Landt Unterwalden» von 1650 Bis 1999 galten Ob- und Nidwalden zusammen mit den beiden Basel und den beiden Appenzell offiziell als Halbkantone. Während die Entstehung der Basler und Appenzeller Halbkantone recht genau bekannt ist, kann die Entstehung Unterwaldens, bzw. Ob- und Nidwaldens, wegen der Quellenarmut im späten Mittelalter nur lückenhaft nachgezeichnet werden. Sicher ist, dass die Bezeichnungen Unterwalden sowie Ob- und Nidwalden ins Spätmittelalter zurückgehen, wobei die Bezeichnung «Unterwalden» älter ist als die beiden Länderorte Ob- und Nidwalden. Der Name Unterwalden bedeutet ursprünglich «im Wald gelegen» und taucht zuerst in lateinischer Form (inter silvas) im 12. Jahrhundert als Bezeichnung für die klösterlichen Besitzungen in der Region auf. «Unterwalden» geht auf die Habsburger und vor allem auf die Reichsvogtei Waldstätte zurück. 1291 kaufte König Rudolf von Habsburg die Besitzungen des Klosters Murbach-Luzern in den beiden Tälern (v. a. die grundherrlichen Rechte an den Klosterhöfen in Stans, Alpnach und Giswil). Zusammen mit Vogteirechten über die lokal begüterten Klöster Engelberg, Beromünster und der Obervogtei über Murbach-Luzern entstand eine Herrschaftsklammer über grosse Teile beider Täler. Diese blieb aber wohl blosser Anspruch, die lokalen Dienstadligen walteten wahrscheinlich recht selbständig. Nach dem Tod des Habsburgischen Königs Albrecht bildete König Heinrich VII. aus diesen Herrschaftsrechten 1309 «Unterwalden», verlieh ihm die Reichsfreiheit und schlug es zur neu geschaffenen Reichsvogtei Waldstätte. Die Reichsvogtei übertrug er dem Grafen Werner von Homberg zur Verwaltung – ein Vorgehen, das gegen die Habsburger, die direkten Konkurrenten Heinrichs VII. gerichtet war. Unterwalden war ursprünglich der rechtstopographische Begriff für einen Teil der Reichsvogtei Waldstätte, es war keine autonome Gemeinde und kein Kanton. Die alten Rechtsverhältnisse innerhalb der Reichsvogtei Waldstätte wurden jedoch in der sich bildenden Eidgenossenschaft bewahrt. Der Name Unterwalden erschien fortan immer noch in den eidgenössischen Bündnissen, obwohl Unterwalden und die Reichsvogtei nach 1330 auseinanderfielen. Die sich im Gebiet Unterwaldens erst formenden eidgenössischen Länderorte Ob- und Nidwalden «erbten» das Stimmrecht Unterwaldens, das in zwei halbe Stimmen aufgeteilt wurde. Bis 1798 hatten Nidwalden und Obwalden zusammen nur eine Stimme und konnten ihre Gesandten nur abwechslungsweise an die eidgenössische Tagsatzung schicken. Diese Regelung führte immer wieder zu mehr oder weniger heftigen Streitigkeiten um die Verteilung der Bundesrechte. Solche Aufteilungen bestehender Stimmrechte lassen sich auch bei den späteren Trennungen in Halbkantone beobachten: Auch als die Stände Appenzell 1597 und Basel 1833 in Halbkantone aufgeteilt wurden, erbten die neu gebildeten Halbkantone je die Hälfte des bisherigen Stimmgewichts.

Entstehung des Länderorts Nidwalden