Namachloris ist eine ausgestorbene Gattung aus der Familie der Goldmulle, die im Oberen Eozän vor rund 41 bis 38 Millionen Jahren im südlichen Afrika lebte. Es ist einer der frühesten bekannten Vertreter der Goldmulle und der bis heute am besten dokumentierte überhaupt. Die Funde umfassen nahezu das gesamte Skelett einschließlich des charakteristischen, erstmals für eine ausgestorbene Form der Goldmulle nachgewiesenen dritten Unterarmknochens und einiger komplexer Handstrukturen. Sie stammen aus einem Travertingebiet im Sperrgebiet im Süden von Namibia, ihre Entdeckung geht in das Jahr 2013 zurück. Anhand der Fossilien kann ein Tier rekonstruiert werden, das etwas größer als der heutige Wüstengoldmull war. Die besondere Gestaltung der Vordergliedmaßen lässt auf gute grabende Eigenschaften schließen, wonach Namachloris offensichtlich eine ähnliche unterirdische Lebensweise wie die heutigen Arten verfolgte. Die Anordnung der Fossilien in kugeligen Konzentrationen werden als Hinterlassenschaften von Greifvögeln gedeutet. Die Erstbeschreibung der Gattung erfolgte im Jahr 2015.
Merkmale Namachloris stellte einen kleinen Vertreter der Goldmulle dar, der etwas größer wurde als der heutige Wüstengoldmull (Eremitalpa). Der Schädel war kurz, vorn zugespitzt und hinten breit, wie bei den heutigen Goldmullen erreichte er seine größte Breite im Bereich des Hirnschädels. Das Hinterhauptsbein zeigte sich stark gerundet und verfügte über kräftige, weit auseinanderliegende Gelenkflächen, auf den Scheitelbeinen bestand ein kleiner Sagittalkamm. Der Jochbogen war vollständig ausgebildet, aber schlank, nahm nach hinten aber an Massivität zu. Die Orbita zeichnete sich nur schwach entwickelt durch eine kleine Eindellung am Schädel ab, das Foramen infraorbitale vor dem vorderen Rand der Orbita hatte eine längliche Form und lag oberhalb des ersten und zweiten Mahlzahns. Das Nasenbein besaß keine Verwachsungen mit dem Mittelkieferknochen oder dem Oberkiefer, allerdings mit dem Stirnbein. Am Mittelkieferknochen traten seitlich der Nasenöffnungen kräftige Knochenwülste auf. An der Schädelbasis war die Paukenblase relativ groß geformt. Die Gehörschnecke zeigte sich mit ihren 3 bis 3,5 Umdrehungen stark gewunden und ähnelte dadurch derjenigen der heutigen Goldmulle, die eine Gesamtwindung von bis zu 1200° aufweist. Einige erhaltene Ohrknöchelchen wie der Amboss besaßen auch einzelne Schwellungen. Der Hammer war normal gebaut mit einem kleinen, gerundeten Kopf. Sein Gewicht von 0,48 mg ist geringer als bei jedem rezenten Vertreter der Goldmulle.
Auffällig am Unterkiefer war der Winkelfortsatz, der schräg nach unten bis unterhalb der Unterkante des Unterkieferkörpers verlief und dort gerade abschloss. Eventuell stand er wie bei den rezenten Goldmullen mit dem Zungenbein im Kontakt. Das Unterkiefergelenk saß auf einem nahezu horizontal nach hinten orientierten Fortsatz etwas oberhalb der Kauebene, war gerundet und lagerte in einer deutlich definierten Glenoidgrube an der Schädelunterseite. Unter den beiden vorderen Prämolaren und dem ersten Molar war jeweils ein Foramen mentale ausgebildet. Das Gebiss umfasste wie bei zahlreichen heutigen Goldmullen insgesamt 40 Zähne mit folgender Zahnformel: . In der vorderen Bezahnung gab es nur wenige Unterschiede zu den rezenten Formen, so waren der innere obere und der zweite untere Schneidezahn jeweils deutlich größer als die anderen. Hinter dem inneren oberen Schneidezahn, der säulenartig geformt war und etwas schräg nach innen zeigte, befand sich ein kurzes Diastema. Im Unterkiefer war zusätzlich der Eckzahn vergrößert. Die vorderen Prämolar wiesen nur ein Höckerchen auf der Kaufläche auf, sie hatten dadurch eine nagelartige Gestalt und waren nicht molarisiert, ähnelten also nicht den Molaren. Der hinterste Prämolar besaß dagegen mehrere Höckerchen und erreichte nahezu die Größe der Mahlzähne. Die hinteren Backenzähne verfügten über drei Haupthöckerchen (tricuspid). Sie zeigten sich zudem als extrem zalambdodont, das heißt das Ectolph, eine der Hauptscherfalten auf der Kaufläche, bildete die Form eines „V“s, in dessen Spitze sich zwei der Haupthöckerchen (der Paraconus und der Metaconus) befanden. Diese standen eng beieinander und waren an der Basis miteinander verwachsen. Im Gegensatz zu anderen zalambdodonten Säugetieren ebenso wie zu den heutigen Goldmullen dominierte aber der Protoconus, der dritte Haupthöcker, mit seiner extrem breiten Gestaltung die Zahnkrone. An den unteren Molaren bestand ein sehr großes Talonid, ein tiefliegender Vorsprung der Kaufläche, in welchen der Protoconus der oberen Backenzähne bei Gebissschluss greift. Der dritte Molar, der bei den heutigen Goldmullen stark in der Größe reduziert oder gar nicht ausgebildet ist, zeigte sich bei Namachloris kaum verkleinert, was den urtümlichen Status der Form unterstreicht. Die Zahnreihenlänge vom letzten Prämolaren bis zum letzten Molaren betrug im Oberkiefer 4,9 mm, im Unterkiefer 4,6 mm.
Bei allen Goldmullen besitzt der vordere Bewegungsapparat deutliche Anpassungen an eine grabende Lebensweise. Das Schlüsselbein hatte bei Namachloris eine Rasiermesserform mit einer stabartigen Verlängerung, die mit einem der beiden Fortsätze des Acromions am Schulterblatt verbunden war. Die erste Rippe war äußerst kurz und paddelartig breit. Sie glich der der heutigen Goldmulle und gibt somit an, dass bereits bei Namachloris der Umfang des vorderen Brustkorbs deutlich reduziert war. Der Oberarmknochen hatte eine wuchtige Gestalt und verfügte über ein extrem ausgedehntes unteres Gelenkende (Ellenbogengelenk), das in seiner Breite etwa der Länge des Gesamtknochens entsprach. Diese Verbreiterung erfolgte überwiegend über die seitliche Streckung der inneren Epicondyle und die Verdickung der äußeren Gelenkrolle (Capitulum). Oberhalb des Capitulum ragte die äußere Epicondyle als senkrechte Knochenwand steil auf. Am Schaft des Humerus zog sich eine kräftige Knochenleiste als Muskelansatzstelle entlang (deltopectorale Leiste). Auffälligstes Kennzeichen der Elle stellte der extrem verlängerte Fortsatz des oberen Gelenkes dar (Olecranon), das seitlich verschmälert und so blattartig wirkte und zudem deutlich geschwungen war. An der gleichfalls robusten Speiche befand sich auf der Unterseite am unteren Ende eine markante Grube, die bei den heutigen Goldmullen durch eine knöcherne Brücke überspannt wird, die aber bei Namachloris fehlte. Entsprechend den heutigen Goldmullen besaß auch Namachloris einen „dritten“ Unterarmknochen, bei dem es sich um eine verknöcherte Sehne des Musculus flexor digitorum profundus handelt, einem Beugemuskel des Unterarms. Abweichend zu den heutigen Goldmullen, deren „Flexor“-Knochen eher röhrenartig gestaltet ist, zeigte der von Namachloris etwa an der Schaftmitte eine auffällige Schwellung auf der Innenseite, auf der sich Gelenkflächen für die Verbindung mit der Elle und der Speiche befanden. Zudem war das untere Ende verbreitert und endete in drei knopfartige Schwellungen, an denen wahrscheinlich Teile der Handwurzel gelenkten. Eine markante Struktur der Hand der Goldmulle stellt der Triplex-Knochen dar, der den dritten Fingerstrahl bildet. Der Triplex-Knochen besteht aus dem entsprechenden dritten Mittelhandknochen sowie dem ersten und zweiten Fingerglied, die miteinander fest verwachsen sind. Bei Namachloris erreichte der Anteil der ersten Phalanx am Triplex-Knochen etwa die Länge des Mittelhandknochens und übertraf die der zweiten Phalanx. Bei den heutigen Goldmullen ist dagegen der Triplex-Knochen stärker reduziert, so dass das erste Fingerglied nicht mehr sichtbar ist. Eine weitere charakteristische Bildung tritt bei den Goldmullen am zweiten Fingerstrahl auf, bei der das Große Vieleckbein, das Kleine Vieleckbein und der zweite Mittelhandknochen ebenfalls miteinander verwachsen sind (der sogenannte Trapezium-trapezoid-metacarpal-II-Komplex oder „ttm“- beziehungsweise „Totem“-Knochen). Dieser besaß bei Namachloris eine komplexe Oberfläche aus Buckeln und Vertiefungen, die in entsprechende Strukturen des Triplex-Knochens einrasteten und so beiden Fingerstrahlen eine stabile Verbindung gaben. Die Endglieder der Finger waren gespalten und konnten so kräftige Krallen aufnehmen. Das Gelenkende hing rückenseitig über.
Der hintere Bewegungsapparat ist dagegen bei den Goldmullen weniger stark spezialisiert. Das Becken entsprach dem der heutigen Vertreter, abweichend von diesen trat auf der Oberfläche des Sitzbeins nahe der Hüftgelenkspfanne eine aufgeraute Fläche auf, die möglicherweise als Ansatzstelle für ein verstärktes Ligamentum supraspinale diente, welches bei der Stabilisierung der Wirbelsäule mitwirkt; allerdings ist eine derartige Struktur ungewöhnlich für Kleinsäuger. Der Oberschenkelknochen von Namachloris wies vorne und hinten Verschmälerungen auf, der Kopf, der auf einem kurzen Hals saß, erreichte die gleiche Höhe wie der Große Rollhügel. Ein dritter Rollhügel befand sich prominent an der Mitte des Schaftes, der Schaft wiederum war seitlich auffällig gekrümmt. Das untere Gelenk (Kniegelenk) zeigte sich ebenfalls abgeplattet, was aber nicht ganz so deutlich erschien wie beim heutigen Wüstengoldmull. Schien- und Wadenbein waren oben und unten miteinander verwachsen. Durch die starke seitliche Krümmung des Schienbein entlang des oberen Schaftabschnittes entstand hier eine weite Öffnung zwischen den beiden Unterschenkelknochen. Das Fußgelenk am unteren Ende der beiden Knochen war ähnlich gestaltet wie bei heutigen Goldmullen und besaß eine konkave Gelenkfazette, die mit einem kugeligen Gelenk am Fersenbein artikulierte. Ebenso befand sich am Sprungbein ein kleiner, flacher Gelenkkopf, der mit einer ebensolchen flachen Gelenkdelle am Schienbein gelenkte. An den übrigen Fußknochen, etwa den Mittelfußknochen gab es zumeist nur wenige Abweichungen zu den heutigen Formen der Goldmulle.
Fossilfundstelle