Die Bahnstrecke Berlin–Stralsund, auch Berliner Nordbahn genannt, ist eine elektrifizierte Hauptbahn in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Sie verläuft von Berlin über Neustrelitz und Neubrandenburg nach Stralsund.

Die 1877/1878 eröffnete Strecke ist zwischen Hohen Neuendorf und Neustrelitz zwei-, im weiteren Verlauf jedoch nur eingleisig. Im Abschnitt Berlin Bornholmer Straße – Oranienburg kommt eine parallele Strecke der S-Bahn Berlin hinzu. Der Fernverkehr auf dem Berliner Abschnitt wurde 1952 eingestellt, der in West-Berlin gelegene Teil hatte danach noch einige Jahre lokalen Güterverkehr und ist heute ohne Verkehr. Fernzüge werden auf diesem Abschnitt über den Berliner Außenring und die Stettiner Bahn geleitet.

Geschichte

Erste Bestrebungen und Vorplanung mini|links|Planung der Berliner Nordbahn, 1873

Im Jahr 1844 schlossen sich Stralsunder Kaufleute und Unternehmer im Verein zur Erlangung einer Eisenbahn von Berlin über Neu-Strelitz nach Stralsund zusammen und brachten 1844 eine Denkschrift Vorläufige Ansichten über eine Berlin-Stralsunder Eisenbahn heraus.Biblioteca geographica: Verzeichniss der seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts bis zu Ende des Jahres 1856 in Deutschland erschienenen Werke über Geographie und Reisen. Leipzig 1858, S. 343.

Der Verein sammelte dazu auch große finanzielle Mittel an. Diese Bemühungen scheiterten zunächst am zuständigen preußischen Ministerium, das das Vorhaben in den 1840er und 1850er Jahren noch ablehnte. Im Jahre 1863 wurde zunächst mit der Angermünde-Stralsunder Eisenbahn eine Nebenstrecke der Berlin-Stettiner Eisenbahn über Prenzlau, Anklam und Greifswald bis Stralsund geführt, wo am 26. Oktober 1863 der erste aus Angermünde kommende Zug im neu errichteten Bahnhof eintraf. mini|links|Aktie der Berliner Nord-Eisenbahn-Gesellschaft vom 1. Juli 1870 Danach bemühten sich die Stralsunder mit einer inzwischen neu gegründeten Berliner Nord-Eisenbahn-Gesellschaft weiterhin um eine direkte Verbindung mit Berlin und legten 1869 Entwürfe zu einer Bahnlinie Berlin – Neustrelitz – Stralsund – Arkona vor. Im Jahre 1870 erteilten die Staaten Preußen und Mecklenburg-Strelitz dafür schließlich die Konzessionen.

Aus finanziellen Gründen musste sich diese Gesellschaft am 15. Dezember 1875 auflösen. Der preußische Staat erwarb die unvollendete Bahn und übertrug die weiteren Baumaßnahmen der Direktion der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn.

Bau und Inbetriebnahme mini|links|Bahnhof Demmin, um 1885

Die Strecke wurde in drei Etappen eröffnet:

10. Juli 1877: Berlin – Oranienburg – Neustrelitz – Neubrandenburg (134 km) 1. Dezember 1877: Neubrandenburg – Demmin (42 km) 1. Januar 1878: Demmin – Stralsund (47 km)

In den ersten Monaten verkehrten die Züge vom Bahnhof Gesundbrunnen zunächst über die Ringbahn weiter zum Güterbahnhof der Niederschlesisch-Märkischen Bahn. Am 1. Oktober 1877 ging für den Güterverkehr dann der damalige Nordbahnhof an der Ecke Bernauer Straße / Schwedter Straße im Bereich des späteren Mauerparks in Betrieb.

Für den Personenverkehr konnte ab 1. Dezember 1877 nach einem Vertrag mit der Berlin-Stettiner Eisenbahn der Stettiner Bahnhof (1950 in Nordbahnhof umbenannt) an der Invalidenstraße genutzt werden.Peter Bley: Berliner Nordbahn – 125 Jahre Eisenbahn Berlin–Neustrelitz–Stralsund. Neddermeyer, Berlin 2002, ISBN 3-933254-33-7, S. 13–16. Am 1. Januar 1878 konnte der Betrieb auf der kompletten Berliner Nordbahn mit Stralsund als Endstation aufgenommen werden.

Der Bau der Nordbahn hatte bedeutende Auswirkungen auf die Dörfer im Einzugsbereich der Bahnstrecke: Teilweise vervielfachte sich deren Einwohnerzahl in den folgenden Jahrzehnten. Nordbahn wurde Bestandteil von Ortsnamen (Glienicke/Nordbahn) und gab Zeitungen ihren Namen (Nordbahn-Nachrichten).

Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts ließ die Preußische Staatsbahn die Bahnanlagen im Bereich Gesundbrunnen umfassend umbauen. Während dieser Zeit, von 1892 bis 1898 erfolgte der Personenverkehr nicht vom Stettiner Bahnhof, sondern vom für Personenzüge hergerichteten Nordbahnhof. Für den Umsteigeverkehr zur Ringbahn diente während dieser Zeit eine provisorische Station Gesundbrunnen (Nordbahn) östlich des Bahnhofs Gesundbrunnen.Peter Bley: Berliner Nordbahn – 125 Jahre Eisenbahn Berlin–Neustrelitz–Stralsund. Neddermeyer, Berlin 2002, ISBN 3-933254-33-7, S. 28–33.

Elektrischer Vorortbetrieb nach 1900 Bei Oranienburg befand sich neben der Durchgangsstrecke eine 1,76 Kilometer lange ovale Ringstrecke, auf der von 1907 bis 1913 ein elektrischer Betrieb mit Oberleitung und Wechselspannung von 6,3 kV und 25 Hz im ununterbrochenen Verschleißbetrieb untersucht wurde.Frühgeschichte elektrischer Bahnen in Preußen. In: Preußen-Report. Band 10. Hermann-Merker-Verlag, Fürstenfeldbruck, ISBN 3-89610-005-X, S. 12.Versuchsbahnen. In: Röll: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens. 1912.

Bis 1912 wurden von den Ferngleisen getrennte Vorortgleise zwischen Gesundbrunnen und Frohnau gebaut. Gleichzeitig wurde die Strecke auf einen Damm verlegt, um im Straßenniveau liegende Bahnübergänge zu vermeiden. Schrittweise bis 1926 folgte der Abschnitt Frohnau – Borgsdorf. In diesem Zusammenhang wurden die Stationen Stolpe und Hohen Neuendorf zusammengelegt, der neue Bahnhof Hohen Neuendorf entstand etwas weiter südlich der alten Station.Peter Bley: Berliner Nordbahn – 125 Jahre Eisenbahn Berlin–Neustrelitz–Stralsund. Neddermeyer, Berlin 2002, ISBN 3-933254-33-7, S. 36, 38, 53.

1925 wurde die Teilstrecke vom Bahnhof Gesundbrunnen, über die der Vorortverkehr seit der Verlegung lief, bis Oranienburg mit dem Gleichstromsystem der späteren Berliner S-Bahn elektrifiziert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg mini|links|Trasse der Nordbahn südlich des Bahnhofs Bornholmer Straße, 1988

Im Sommer 1945 wurde aufgrund der Reparationsvereinbarungen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs das zweite Fernbahngleis der Nordbahn abgebaut, ebenso das zweite S-Bahn-Gleis nördlich des Bahnhofs Wilhelmsruh bis Borgsdorf.

Da seit 1950 der Stettiner Bahnhof nun Nordbahnhof hieß, musste der frühere Nordbahnhof umbenannt werden. Er lag zwar auf West-Berliner Gebiet im damaligen Bezirk Wedding, wurde aber nach der in Ost-Berlin gelegenen Eberswalder Straße benannt. Er blieb auch weiterhin für den Güterverkehr in Betrieb. Mit Schließung des Stettiner Bahnhofs wurde der Reisezugverkehr auf dem Berliner Teil der Nordbahn zum Fahrplanwechsel am 18. Mai 1952 eingestellt. Reisezüge von der Nordbahn fuhren seitdem in Richtung Karower Kreuz, zunächst über die 1950 eröffnete Bahnstrecke Berlin-Karow–Fichtengrund, ab Ende 1952 über den Berliner Außenring, und weiter zum Bahnhof Lichtenberg oder zum Ostbahnhof.

Mit dem Mauerbau am 13. August 1961 endete der durchgehende elektrische S-Bahn-Betrieb, die Strecke wurde zwischen Frohnau und Hohen Neuendorf unterbrochen. Unmittelbar nach dem Mauerbau gab es mehrere Monate auf Brandenburger Seite zwischen Oranienburg und Hohen Neuendorf einen S-Bahn-Inselbetrieb, der erst wieder mit dem Bau einer Verbindungskurve und der Elektrifizierung des Berliner Außenrings zwischen Hohen Neuendorf und Blankenburg im November 1961 Anschluss an das Hauptnetz der S-Bahn erhielt. Auf Berliner Gebiet wurde der S-Bahn-Betrieb, nunmehr in Frohnau endend, bis zur Übergabe der Betriebsrechte der S-Bahn in West-Berlin von der Deutschen Reichsbahn an die BVG am 9. Januar 1984 weitergeführt. Zwischen Januar und 30. September 1984 war der Verkehr jedoch eingestellt. Bei Sanierungsarbeiten im Jahr 1985 wurde die S-Bahn-Trasse teilweise in das Profil der alten Fernbahngleise gelegt.

1983/1984 wurde der Südteil der Nordbahn elektrifiziert. Am 2. Juni 1984 ging die Fahrleitung aus Richtung Berlin bis Neustrelitz in Betrieb.Lothar Schultz: Die Lloydbahn, Neustrelitz–Rostock–Warnemünde. Verlag Bernd Neddermeyer, Berlin 2010, ISBN 978-3-941712-08-9, S. 155. Die Elektrifizierung diente vor allem dem Verkehr auf der in Neustrelitz abzweigenden Strecke nach Rostock. Der Nordteil der Berliner Nordbahn wurde erst 1993/94 elektrifiziert. Am 23. Mai 1993 begann der elektrische Betrieb zwischen Neustrelitz und Neubrandenburg, am 29. Mai 1994 auf der Gesamtstrecke bis Stralsund.Peter Bley: Berliner Nordbahn – 125 Jahre Eisenbahn Berlin–Neustrelitz–Stralsund. Neddermeyer, Berlin 2002, ISBN 3-933254-33-7, S. 107.

Nach 1990 Nach der politischen Wende wurden vor allem viele kleinere Bahnhöfe in meist dünn besiedelten Gebieten geschlossen (u. a. Düsterförde (1996), Strelitz Alt (1995),Aus Bahnhof will bislang keiner etwas machen. In: Nordkurier. Strelitzer Zeitung, 11. Juni 2002. Fichtengrund (1994), Neddemin, Randow, Toitz-Rustow), teils übernahmen Busse den Ersatzverkehr.

1992 erfolgte der Lückenschluss der S-Bahn-Gleise zwischen Berlin-Frohnau und Hohen Neuendorf, sodass wieder durchgehender S-Bahn-Betrieb auf der Nordbahn nach Oranienburg möglich ist.

Das elektronische Stellwerk Waidmannslust steuert seit Oktober 2011 den Streckenabschnitt der S-Bahn zwischen Berlin-Schönholz und Hohen Neuendorf – jeweils ausschließlich der genannten Bahnhöfe. Dies ist der erste Abschnitt, der auf das neue Zugbeeinflussungssystem der S-Bahn Berlin (ZBS) umgerüstet wurde.

Ausbau der Verbindung Berlin–Rostock

Der Abschnitt Birkenwerder–Neustrelitz wird seit 2007 im Rahmen eines Projekts zum Ausbau der Verbindung Berlin–RostockMecklenburg-Vorpommern und Deutsche Bahn AG über Zeitplan für den Ausbau der Strecke Berlin-Rostock einig. Pressemitteilung Nr. 23/10 des mecklenburgischen Ministeriums für Verkehr, Bau und Landesentwicklung vom 2. Februar 2010. für eine Streckengeschwindigkeit von weitgehend 160 km/h und für höhere Radsatzlasten von bis zu 25 Tonnen ertüchtigt.Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung: Bundesverkehrswegeplan 2003, Juli 2003 Die Sicherungstechnik wurde auf elektronische Stellwerke umgerüstet.

Die Kosten des Ausbaus der 198 Kilometer langen Strecken betrugen (Stand: 2012) insgesamt 850 Millionen Euro. Hiervon stammten 577 Millionen Euro vom Bund, 167 Millionen Euro aus dem EFRE und weitere Gelder aus Eigenmitteln der DB Netz AG.

Das gesamte Bauvorhaben erfolgte in Teilschritten. Zunächst wurde bis November 2007 der Abschnitt Löwenberg (Mark)–Gransee ausgebaut,, Presseinformation der Deutschen Bahn vom 9. November 2007 worauf von März bis November 2009 der Streckenabschnitt Dannenwalde–Fürstenberg folgte. Der Abschnitt zwischen Gransee und Dannenwalde folgte zwischen Juli 2011 und August 2012.Bahn ertüchtigt Abschnitt Gransee–Dannenwalde. Pressemitteilung der Deutschen Bahn AG vom 30. Juni 2011.

Zwischen dem 10. September 2012 und dem 9. Juni 2013 war die Teilstrecke zwischen Oranienburg und Neustrelitz voll gesperrt, um weitere Bauvorhaben zu realisieren. Im moorigen Untergrund zwischen Nassenheide und Löwenberg wurde eine Tiefgründung der Trasse durch das Einrammen von 7.200 Rammpfählen realisiert. Gleichzeitig wurde der Abschnitt zwischen Fürstenberg und Neustrelitz ausgebaut und mit 16.000 Rüttelstopfsäulen stabilisiert.

63 Kilometer Gleise wurden erneuert und fünf elektronische Stellwerke neu errichtet. Die eingleisige Wiederinbetriebnahme, zunächst für April 2013 geplant, verzögerte sich jedoch bis zum 9. Juni 2013. Zum Jahresende 2013 ging der Streckenabschnitt wieder zweigleisig in Betrieb. In den Stationen Nassenheide, Grüneberg und Löwenberg entstanden neue Bahnsteige. Während der Sperrpause wurde im Bereich um den Bahnhof Oranienburg nach Munitionsresten aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht.