Die Pundt & Kohn OHG war ein 1862 von F. J. S. Kohn in Geestemünde (Bremerhaven) gegründetes Holzimport- und Holzverarbeitungsunternehmen. Es gehörte bis zur Zerstörung durch alliierte Bombenangriffe 1944 zu den bedeutendsten und ältesten Unternehmen dieser Branche an der Unterweser und wurde nach dem Tode seines letzten Eigentümers Hans Kohnert in der dritten Generation 1967 aufgelöst. Der Aufstieg und Fall des Unternehmens gelten als beispielhaft für die Geschichte eines mittelständischen hanseatischen Familienunternehmens,Jürgen Rabbel: Vergessenes Kapitel der Geestemünder Geschichte. "Nordsee-Zeitung" (Bremerhaven), 30 November, 2019 (Rezension einer Sonderausstellung "Kapitäne und Holzfabrikanten" zur Geschichte von "Pundt & Kohn" des Historischen Museums, Bremerhaven)Neue Sonderausstellung im HMB. Geschichte der Unternehmerfamilie Kohn in Geestemünde, no author, "Aktuelle Elbe-Weser. Die-Wochenzeitung für die Region", 27. Dezember 2019, p. 9Spurensuche am Geestemünder Querkanal. n. a., "Niederdeutsches Heimatblatt", Mitteilungsblatt der Männer vom Morgenstern, Dezember 1995, Nr. 552, S. 1–2 mini|Brigg „Johann“, „Kapitänsbild“, für F.J.S. Kohn (1828–1879), den Vater Franz Kohn's, gemalt von Carl Justus Harmen Fedeler (1799–1858)

Firmengeschichte Gründung und erste Generation (1863–1879) Der Segelschiffskapitän und Reeder Franz Johann Syabbe Kohn gründete 1862 in Geestemünde eine eigene Holzimportfirma und erweiterte zu diesem Zweck im Frühling 1863 ein ursprüngliches Lagerhaus alten Stils, zweigeschossig und dreimal unterkellert, am Geestemünder Deich in der Nähe der Alten Geestebrücke zum Wohn-, Kontor- und Lagerhaus. Im Sommer des gleichen Jahres erfolgte dann die Vereinigung mit dem Holzhandel des Kapitän Dietrich Pundt, gleichfalls am Geeste-Deich gelegen. Beide gründeten die Firma Pundt & Kohn (P&K). Begünstigt durch den Bau neuer Hafenanlagen an der Geeste sowie der rasant wachsenden Nachfrage nach Grubenholz, Eisenbahnschwellen und Bauholz für Wohn- und Fabrikbauten im Zuge des Bevölkerungswachstums und der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts florierte das Geschäft. Archivlink abgerufen am 25. September 2026Richard Zimmermann: Deutschlands Holzbedarf. Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft / Journal of Institutional and Theoretical Economics. Bd. 50, H. 4., 1894, S. 573–582Jürgen Rabbel: Vergessenes Kapitel der Geestemünder Geschichte. "Nordsee-Zeitung" (Bremerhaven), 30 November, 2019 (Rückblick auf die „Sonderausstellung Holzgroßhandel Pundt & Kohn“, Historisches Museum, Bremerhaven)

Da das heimische Holzangebot diese große Nachfrage nicht mehr decken konnte, verlegte man sich auf den Holzimport überwiegend aus Skandinavien, Russland und teilweise auch aus Amerika, von wo man überwiegend Edelhölzer bezog. Angesichts des Gewichtes des Transportgutes war bis weit in das 19. Jahrhundert hinein der Wasserweg der mit Abstand kostengünstigste. Archivlink abgerufen am 25. September 2026Richard Zimmermann: Deutschlands Holzbedarf ('Germany's need for wood', in German). Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft / Journal of Institutional and Theoretical Economics. Band. 50, Heft 4, 1894, S. 573–582 So kam es nicht von ungefähr, dass sich Holzimportfirmen gerade am Unterlauf von Flüssen wie der Weser konzentrierten, von wo aus das importierte und bearbeitete Holz durch Lastkähne, später zunehmend auch durch die Eisenbahn in die Zentren der Industrialisierung verteilt wurde. Dies galt auch für die Firma P&K, deren erste Holzlagerplätze in der Deichstraße (später Bussestraße genannt) direkt am Geestedeich kurz von der Einmündung der Geeste in die Weser lagen, wo auch bis zum Zweiten Weltkrieg das alte Wohn- und Bürohaus des Geschäftsinhabers stand. Nach nur fünfjähriger Zusammenarbeit schied Mitinhaber Diedrich Pundt 1868 krankheitsbedingt aus der Firma aus. Von nun an führte Franz J.S. Kohn das sich gut entwickelnde Holzimportgeschäft, verbunden mit seiner Reederei mit eigenen Schiffen bzw. Schiffsanteilen (Guayana und die Briggs Marianne, Auguste und Salia), alleine weiter, bis er am 13. August 1879 starb. Danach übernahm sein Sohn Franz Kohn den elterlichen Betrieb.

Blütezeit und zweite Generation (1879–1909) mini|Hans Kohn im Betriebskontor, 1930er Jahre Die Lagerflächen an der Geeste erwiesen sich bald als zu klein. In dem neuen Industriehafen Geestemündes fanden sich neue Bau- und Lagerflächen, die zudem durch eine Schleuse von der Geeste abgetrennt, das ganze Jahr über weitgehend eisfrei und tideunabhängig waren. P&K errichtete an der West- und Nordseite des Querkanals, dem Verbindungskanal zwischen dem Hauptkanal und dem 1877 eingeweihten Holzhafen Geestemünde, längs der Schönianstraße neue Lagerschuppen auf einer Länge von 300 m, in großen zweistöckigen, für den Import extra hergerichteter Lagergebäuden sowie offene Lagerplätze der Firma auf über 10.000 m². Die Firma importierte um 1890 jährlich ca. 30.000 Festmeter Holz, im Vergleich zu 25.000 Festmetern der 1872 in Geestemünde gegründeten Konkurrenzfirma Chr. Külken. Zur Erleichterung ihres Imports gründete P&K Ende der 1880er Jahre eine eigene Dampfschiffs-Reederei mit zwei, besonders für den Holzimport hergerichteten Schiffen von 750 und 1.150 tons; weitere Schiffe waren 1890 in Planung. Paul Hirschfeld: Hannovers Großindustrie und Großhandel. Herausgeg. von der Deutschen Export-Bank, Berlin. Duncker u. Humblot, Leipzig 1891, S. 310–311 Auch ein neues Bürogebäude in der Schönianstraße 15 wurde zu dieser Zeit gebaut. 1887 erfolgte der Umzug der Familie Kohn in eine neue repräsentative Villa an der nahegelegenen Borriesstraße 6.

Zusammen mit den beiden anderen großen Holzimport- und Verarbeitungsbetrieben Geestemündes, Chr. Külken und Rogge, weitete P&K bis in die 1890er Jahre den Holzhandel systematisch aus. Per Binnenschiff bis in das Oberwesergebiet hinein, und per Bahn ins Ruhrgebiet und andere im Aufbau befindlichen Industriezentren. Der Durchbruch kam allerdings erst mit dem Zollanschluss der Unterweserorte (1888) und der dadurch ermöglichten Einbeziehung des Holzhafens in ein viel größeres räumliches und wirtschaftliches Absatzgebiet. Innerhalb nur eines Jahrzehnts verdreifachte sich der Holzimport an der Unterweser.Stefanie Bietz: Holzhandel und Möbelkonsum in Europa. Zur Selbstdarstellung bürgerlicher Gesellschaftskreise um 1900. Themenportal Europäische Geschichte, www.europa.clio-online.de, 19. Dezember 2010, PDF-Datei abgerufen am 25. August 2024.

Die verschiedenen Entwicklungsstadien der industriellen Holzbearbeitung im 19. Jahrhundert, die sich nicht kontinuierlich, sondern zyklisch entwickelte, hatten einen entscheidenden Einfluss auf die Betriebsgestaltung von P&K. Archivlink abgerufen am 25. September 2026 Eine Schlüsselstellung kam dabei den Hobelmaschinen zu. Archivlink abgerufen am 25. September 2026 Bereits 1877 wurde eine Genehmigung für ein Säge- und Hobelwerk am Querkanal beantragt. 1890 errichtete Pundt & Kohn dann am Kopf des Querkanals, zwischen Industriestraße, Kanalstraße und Sägestraße ein modernes Säge- und Hobelwerk mit Rundstabfabrikation, das unter der Bezeichnung Geestemünder Holzindustriewerke Backhaus & Co. firmierte. Im Gegensatz zu dem nicht verwirklichten Projekt von 1877 verfügte der Betrieb jetzt über einen direkten Gleisanschluss an der Industriestraße.

Die Firma P&K gehörte in dieser Zeit zu den ältesten und größten Unternehmen dieser Branche an der Unterweser, umsatzmäßig war P&K bei weitem das größte Unternehmen. Auf Grund seiner wirtschaftlich und handelspolitisch überregionalen Bedeutung fand Pundt & Kohn daher bereits 1894 in der Brockhaus EnzyklopädieBrockhaus’ Konversationslexikon (1894). F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Stichwort: Geestendorf (Bremerhaven) S. 640 Erwähnung.

Expansion und dritte Generation (1909–1945) Über Warenlieferkredite war Pundt & Kohn ein bedeutender Gläubiger der insolventen Firma J.H. Krumnack, Möbelfabrik, Dampfsägewerk und Holzhandlung. In Melle.Schriftverkehr Kumnack – Pundt & Kohn Aus diesem Grund und auch aus familiären Interessen wurde diese Firma von Pundt & Kohn am 27. September 1909 im Rahmen der liquidierenden Zwangsversteigerung übernommen.Eröffnungsschrift zum Konkursverfahren vom 6. April 1909 Nach dem Tod von Franz Kohn 1909 führte sein Sohn Hans Kohn die Geschäfte von P&K in dritter Generation weiter und sein älterer Sohn Gerhard Kohn übernahm die Geschäftsführung der neu erworbenen Fabrikation in Melle, die 1909 als Meller Möbelfabrik GmbH (MMM) mit dem Hauptgeschäftsfeld Möbelfabrikation im Handelsregister eingetragen wurde.Grigo, Sabine (1986): Die Möbelindustrie im Grönegau und im angrenzenden Ravensberg-Lippe. In: Der Grönegau – Meller Jahrbuch, Band 4, 1986: 46–58 Alleinige Inhaberin war die offene Handelsgesellschaft Pundt & Kohn in Geestemünde, bei der beide Brüder persönlich haftende und zeichnungsberechtigte Gesellschafter waren.

In den folgenden Jahren gründeten die Gesellschafter außerdem die Firma Unterweser Holzhandel GmbH, Wesermünde. Alleinige Eigentümerin war deren Mutter, die Witwe des 1909 verstorbenen Franz Kohn, Johanne Kohn. Geschäftsführer der Firma war Hans Kohn, der zusammen mit seinem Bruder Gerhard nunmehr vier Betriebe im Rahmen einer steuerlichen Organgesellschaft zusammenfasste: Die Muttergesellschaft Pundt & Kohn, die MMM, die Backhaus & Co sowie die Unterweser Holzhandel GmbH. Die Organschaft diente nicht zuletzt dem Zweck der Steuervermeidung. Dies insbesondere durch Gewinnabführung und/oder Gewinn- und Verlustverrechnung zwischen den rechtlich unabhängigen Betrieben, bei denen größenabhängig und konjunkturell unterschiedliche Gewerbe-, Lohnsummen und Körperschaftssteuer anfielen. Allein der Wert der Holzvorräte von P & K betrug laut Gewerbesteuererklärung (1926) 1.252.225 RM. Das entspräche heute einer Kaufkraft von ca. USD 5,2 Mio. bzw. € 4,5 Mio. (bei einem Kurs von 1 RM = 3,60 €). Davon abgesehen war die Organschaft aber auch überlebenswichtig für P&K wegen großer Verluste in der Weltwirtschaftskrise (1929–32), unter der die Meller Möbelfabrik weniger zu leiden hatte. P&K verbuchte in dieser Zeit existenzbedrohende Verluste in Höhe von über 400.000 RM, u. a. wegen des Ausfalls von Forderungen aus Lieferantenkrediten an Geschäftskunden, die in Konkurs gegangen waren.Gewerbesteuerakten von P&K, 1929–1932, Stadtarchiv, Bremerhaven

1937 beantragte Hans Kohn die Änderung des Familien- sowie Firmennamen Kohn in Kohnert, dies wurde am 14. August 1937 ministeriell genehmigt. Grund waren die Anfeindungen wegen des jüdisch klingenden Familiennamens Kohn/Cohn im Rahmen der nationalsozialistischen Arisierung. In der Kriegszeit konzentrierte sich der Holzimport bei P&K auf das (neutrale) Schweden, und hier insbesondere auf das Kramfors-Sägewerk im Härnösand-Distrikt in Nord-Schweden.

Wiederaufbau und Ende (1945–1967)