Das Ulmer Oratorium ist eine zur Feier des 125-jährigen Bestehens des Ulmer Münsterturms von Marios Joannou Elia geschaffene Jubiläumskomposition. Die für Mai 2015 angesetzte Uraufführung scheiterte, wobei zu den Gründen unterschiedliche Aussagen vorliegen. So habe Elia bis März kein vollständiges probentaugliches Noten- und Dirigiermaterial geliefert."Ulmer Oratorium" zum Münsterturm-Jubiläum abgeblasen Dies wurde vom Komponisten bestritten und Fehler der Stadt beim Projektmanagement ins Feld geführt.Komponist Elia: „Ich war einfach zu hilfsbereit“ Südwest Presse Ulm, 27. März 2015, abgerufen am 2. Oktober 2017 Auch laut dem damaligen Oberbürgermeister Ivo Gönner sei die Aufführung nicht an mangelnden Noten, sondern an Unklarheiten über die konkrete Produktion gescheitert.Oratorium: Verwirrung geht weiter. Gönner weicht in letzter Sitzung ausVerwirrspiel um das „Ulmer Oratorium“Meldung Südwest Presse, 27. März 2015Komponist Marios Joannou Elia: Ulmer Oratorium war am Tag der Absage abgeschlossen
Entstehung Die 60-minütige Auftragskomposition der Stadt Ulm, die überwiegend zwischen 2013 und 2014 entstand,Polymedia Works by Marios Joannou Elia ist für 400 Musiker komponiert (u. a. zehn Solisten, sieben Chöre, zwei Orchester und drei Hauptbühnen).Ein Mann fürs Monumentale Sie war als Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 125. Jahrestag der Münsterturmvollendung geplant.Meldung Südwest Presse Ulm, 27. März 2015
Das Libretto des Oratoriums schrieb Robert Kleindienst. Gesamtkünstlerischer Leiter des Projektes mit 450 Mitwirkenden war Marios Joannou Elia (zwischen 2013 und März 2015).Spektakel zu Ehren des Münsters
Neben die Gesangssolisten und die Münsterorgel sollten „Instrumente“ der MünsterbauhütteDie Harmonie von Flex und Steinsäge (insgesamt 46 Werkzeuge wie Knüpfel und Flex; Bausteine werden als Klangkörper genutztVorbereitungen für "Ulmer Oratorium" laufen) und ein „Glockenorchester“ unter Einbeziehung der Münsterglocken und weiterer Glocken treten.
Das Sakrale betrachtet Elia im „Ulmer Oratorium“ in überreligiöser Dimension, in weltanschaulicher Hinsicht. Das Werk lehnt sich an das Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy an, mit dem der Festakt zur Fertigstellung des Münsterturms 125 Jahre zuvor gefeiert wurde.Ein Mann fürs Monumentale
Besetzung Das Werk hat folgende Besetzung:Spektakel zu Ehren des Münsters"Ulmer Oratorium" auf dem Münsterplatz
Koloratursopran, Lyrischer Sopran, Mezzosopran, Tenor, Bass, Pop/Jazz-Gesang, Violine, Orgel, Trompete (inkl. Sprechgesang), E-Bass, Philharmonisches Orchester, Blasorchester, Erwachsenenchor, Kinderchor, Glockenorchester, Münsterbauhütte-Ensemble, diverse Schlagzeugensembles sowie Elektronik.
Uraufführung Die Uraufführung war am 29. und 30. Mai 2015 als Open Air auf dem Ulmer Münsterplatz vor jeweils 4500 Zuschauern geplant.Spektakel zu Ehren des Münsters
Wegen Differenzen zwischen Auftraggebern und dem Komponisten konnte die Uraufführung des 500.000 Euro teuren „Ulmer Oratoriums“ jedoch nicht stattfinden.Meldung Südwest Presse, 27. März 2015 Laut dem Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner stellte der Komponist die Partitur nicht fristgerecht fertig, so dass die beteiligten Ensembles nicht mehr ausreichend Probenzeit hatten. Elia wies dies jedoch zurück.Meldung Südwest Presse Ulm, 12. Mai 2015 Die Gesamtkomposition sei vollständig und rechtzeitig der Kulturabteilung der Stadt Ulm vorgelegt worden. Deren Projektorganisation sei aber mangelhaft gewesen.Meldung Südwest Presse, 27. März 2015 Zudem hatten die Ulmer Akteure in die Originalkomposition eingegriffen und forderten gravierende musikalische Änderungen.Komponist Marios Joannou Elia: Ulmer Oratorium war am Tag der Absage abgeschlossenKomponist Elia: „Ich war einfach zu hilfsbereit“ Elia wehrte sich ebenfalls gegen Darstellungen der Nicht-Aufführbarkeit seines Werkes.Meldung Augsburger Allgemeine, 11. März 2015Komponist Marios Joannou Elia: Ulm muss seine Schwächen aufdecken
Die Presse (z. B. Südwest PresseMünsterturm-Jubiläum am Boden und Stuttgarter ZeitungDer Kleinmut der Besteller) kritisierte die Haltung der Stadt Ulm.
Die Absage der Uraufführung des „Ulmer Oratoriums“ löste eine lokalpolitische Debatte aus."Oratorium" hat noch politischen Nachklang
Eklat In der letzten Gemeinderatssitzung der Amtszeit Ivo Gönners (vom 17. Februar 2016) kam es zum Eklat.Ein Jubiläum, das nachwirkt Stadtrat Hans-Walter Roth legte die angeblich vollständig gedruckte Partitur des „Ulmer Oratoriums“ auf den Ratstisch, nachdem die Leiterin der Kulturabteilung zuvor noch betonte, dass die Komposition bis heute der Stadt nicht vorliege. Roth sagte dazu, er sei seit dem 8. Mai 2015 im Besitz des fertigen Werks.Oratorium: Verwirrung geht weiter. Gönner weicht in letzter Sitzung aus Roth zufolge schade der Umgang mit dem renommierten Komponisten Elia dem Ruf der Stadt, und eine Musikwissenschaftlerin habe die Partitur als „spielbar“ beurteilt.Ein Jubiläum, das nachwirkt
Gönner deutete an, die Aufführung sei nicht an mangelnden Noten, sondern an Unklarheiten über die konkrete Produktion, also der Umsetzung des Mammutwerks gescheitert. Manche Beteiligte seien mit dem Werk überfordert gewesen. Aus den Reihen des Gemeinderats hörte man auch Kritik an Gönner, weil dieser einen von Elia geforderten Projektmanager für überflüssig hielt.Verwirrspiel um das „Ulmer Oratorium“ Gönner nannte zwei Möglichkeiten, das Oratorium doch noch aufzuführen: durch einen externen Veranstalter mit städtischem Zuschuss oder durch die Stadt Ulm selbst.Ein Jubiläum, das nachwirkt
Trivia Der Werbetrack des „Ulmer Oratoriums“ soll allein in der ersten Woche über 40.000 Mal angeklickt worden sein.Meldung Augsburger Allgemeine, 11. März 2015 Die Ulmer Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen forderte nach der Absage dennoch die Aufführung des „Ulmer Oratoriums“, wenn auch in unvollendeter Fassung, denn „jedes andere Stück ist zweite Wahl“.Meldung Südwest Presse, 11. März 2015 Der stellvertretende Fraktionsvorsitzender der CDU, Hans-Walter Roth, plädierte dafür, dass die Stadt mit dem Komponisten bald zu einer einvernehmlichen Einigung kommen solle. Er schlug als Aufführungstermin das SchwörwochenendeOratorium: Gibt es eine zweite Chance? und später das Reformationsjahr 2017Verwirrspiel um das „Ulmer Oratorium“ vor. In einem Artikel der Südwest Presse wird spekuliert, der Name des Komponisten Marios Joannou Elia habe dazu beigetragen, dass der beliebteste Jungen-Vorname 2015 in Ulm Elias war.Beliebtester Jungen-Vorname 2015 in Ulm: Elias Im März 2025 diskutierte der Fachbereichsausschuss Kultur des Ulmer Gemeinderats die Möglichkeit, die Uraufführung des „Ulmer Oratoriums“ anlässlich des 650. Jahrestags der Grundsteinlegung des Ulmer Münsters im Jahr 2027 nachzuholen. Der Vorschlag von Stadtrat Hans-Walter Roth fand jedoch keine Mehrheit. An der Sitzung nahm Münsterkantor Friedemann Johannes Wieland teil, der 2015 für die Absage der Aufführung verantwortlich war, während der Komponist Elia nicht anwesend war. Zuvor hatte sich SPD-Stadtrat Martin Rivoir positiv gegenüber Roths Initiative geäußert. In seinem Artikel vom 5. März 2025 erinnert Journalist Marcus Golling an die Bilanz des von Münsterkantor Wieland und Ulmer Operndirektor Matthias Kaiser geplanten Ersatzkonzerts des "Ulmer Oratoriums", das „die Erwartungen nicht erfüllte“.
Einzelnachweise
Kategorie:Marios Joannou Elia Kategorie:Oratorium Kategorie:Chorwerk aus dem 21. Jahrhundert Kategorie:Musik (Ulm) Kategorie:Musik 2014