Heinrich Neu (geboren am 11. Mai 1906 in Schwarzrheindorf; gestorben am 20. Juli 1976 in Bonn)Ernst Heinen, Carl August Lückerath (Bearb.): Akademische Lehrerbildung in Köln. Eine Quellensammlung zur Geschichte der Pädagogischen Akademie Köln, der Pädagogischen Hochschule Köln und der Pädagogischen Hochschule Rheinland, Abteilung Köln (Schriften zur rheinischen Geschichte, Heft 5) Verlag der Buchhandlung Gondrom KG, Köln 1985, ISBN 3-88874-013-4, Kurzvita auf S. 397.Herbert M. Schleicher (Bearb.): 80.000 Totenzettel aus Rheinischen Sammlungen. Band III Ko-Po. (Veröffentlichungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e. V., Sitz Köln. Nr. 42). Köln 1988, S. 566. war ein deutscher Kunsthistoriker und Hochschullehrer an der Pädagogischen Hochschule Rheinland in Köln. Von 1928 bis 1945 wirkte er im Auftrag und ab 1933 im Dienst der Provinzialverwaltung der Rheinprovinz an der Erstellung der Reihe Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz mit. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte er seit deren Gründung dem Kollegium der Pädagogischen Hochschule Köln an.
Leben Herkunft Der Katholik Heinrich Neu war der Sohn des aus Lommersdorf bei Blankenheim in der Eifel gebürtigen Bankbeamten und späteren Leiters der Rheindorfer Sparkasse Johann Neu (1862–1937)Stadtarchiv Bonn, Sterbeurkunden, Standesamt Bonn-Beuel, Urkunde-Nr. 166/1937. und dessen aus Aachen stammenden Ehefrau Johanna Neu, geborene Unverfehrt (1872–1947). Insbesondere die Herkunft seines Vaters, Lommersdorf war einst Hauptort des Herzogtums Arenberg mit Sitz in dem unweit desselben gelegenen Aremberg, prägte seine weitere berufliche Entwicklung, bzw. beeinflusste seinen Interessensschwerpunkt: die Geschichte der Eifel, der in dieser ansässigen Herrschaftsgeschlechter und im Besonderen das Haus Arenberg. Neus Elternhaus stand vis-à-vis der Doppelkirche in Schwarzrheindorf, der er ebenso wie seinem Geburtsort mehrere Aufsätze widmete.Erika Wenig (Bearb.): Bibliographie Professor Dr. Heinrich neu anläßlich seines 65. Geburtstages am 11. Mai 1971. (=Studien zur Heimatgeschichte des Stadtbezirks Bonn-Beuel, Heft 13) Hrsg. Stadt Bonn, Bonn 1971, S. 2. Seine Vorfahren waren Bauern, Kaufleute und Handwerker. Entstammten also einer bäuerlich-bürgerlichen Schicht, die traditionell und nach ihrer Lebenserfahrung mehr zu praktischen Berufsfeldern, statt wissenschaftlichen Tätigkeiten tendierten.Ernst Heinen, Carl August Lückerath: Rheinland – Reich – Westeuropa. Gesammelte Schriften von Heinrich Neu. Festgabe zur Vollendung des siebzigsten Lebensjahres am 11. Mai 1976. Bouvier Verlag Herbert Grundmann, Bonn 1976, ISBN 3-416-01049-3, S. XI f.
Ausbildung Heinrich Neu besuchte zunächst die Volksschule in seinem Geburtsort Schwarzrheindorf und wechselte dann an das Königliche Gymnasium in Bonn. Aus wirtschaftlichen Gründen war er 1922 gezwungen den Schulbesuch abzubrechen. Der täglich steigende Brückenzoll und das Schulgeld entwickelten sich zunehmend zu einem finanziellen Problem. Er bildete sich im Selbstlernsystem weiter und legte am 25. März 1924 als Externer am Schiller-Gymnasium in Köln-Ehrenfeld das Zeugnis der Reife ab. Bereits in Bonn begegnete er Theodor Litt und dem Volkskundler Josef Müller, die bei ihm erste geisteswissenschaftliche und historische Ambitionen weckten.Ernst Heinen, Carl August Lückerath: Rheinland – Reich – Westeuropa. Gesammelte Schriften von Heinrich Neu. Festgabe zur Vollendung des siebzigsten Lebensjahres am 11. Mai 1976. Bouvier Verlag Herbert Grundmann, Bonn 1976, ISBN 3-416-01049-3, S. XII.
Mit Ablegung des Abiturs begann er unter den sich verbessernden wirtschaftlichen Verhältnissen ein Studium an der Universität in Bonn, mit den Hauptfächern Geschichte, Latein und Germanistik. Im Fach Geschichte waren Aloys Schulte, Wilhelm Levison und Fritz Kern seine Lehrer, Conrad Cichorius in der Alten Geschichte. Otto Wenig nennt hier als weitere, für Heinrich Neu wichtige Professoren Friedrich Marx, Anton Elter, Christian Jensen, Ernst Bickel, Friedrich Oertel, Alfred Wiedemann und Heinrich Goussen. Im Bereich der Germanistik hörte er Vorlesungen von Oskar Walzel und Rudolf Meißner.Erika Wenig (Bearb.): Bibliographie Professor Dr. Heinrich neu anläßlich seines 65. Geburtstages am 11. Mai 1971. (=Studien zur Heimatgeschichte des Stadtbezirks Bonn-Beuel, Heft 13) Hrsg. Stadt Bonn, Bonn 1971, S. 3. Neu selbst äußerte, dass ihn im Besonderen das Schulte-Kolleg über deutsche Verfassungsgeschichte und die Seminare von Kern und Levinson anregten. Von entscheidender Bedeutung wurde für ihn Kerns Seminar. Bei ihm wurde Neu auch am 25. Juli 1930 mit der Arbeit Die revolutionäre Bewegung auf der deutschen Flotte 1917–1918 zum Dr. phil. promoviert (mündliche Doktorprüfung 12. Juni 1929Erika Wenig (Bearb.): Bibliographie Professor Dr. Heinrich neu anläßlich seines 65. Geburtstages am 11. Mai 1971. (=Studien zur Heimatgeschichte des Stadtbezirks Bonn-Beuel, Heft 13) Hrsg. Stadt Bonn, Bonn 1971, S. 4.). Bezogen auf sein weiteres Schaffen erhielt er entscheidende Impulse von Hermann Aubin und dessen Assistenten Franz Steinbach, die im Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande seine akademischen Lehrer waren.
Erste berufliche Schritte Wirtschaftlich und politisch stand Heinrich Neus Start in das Berufsleben unter schlechten Vorzeichen. Über die ersten lokalhistorischen Veröffentlichungen zum Gebiet der Eifel kam er in Kontakt zu Ernst Wackenroder, einem Mitarbeiter der Kunstdenkmälerinventarisation der Rheinprovinz und über diesen zu Paul Clemen. Es war der Beginn seiner Mitarbeit an dem Gesamtwerk Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Seine erste Mitwirkung erfolgte an der Seite von Wackenroder selbst, dem einzigen festangestellten in dem Bereich der Denkmäleraufnahme. Zu dessen 1932 erschienener Bearbeitung des Kreis Schleiden lieferte Neu ab Ende 1928 unter anderem für die Orte im südöstlichen Kreisgebiet, das ungefähr der heutigen Gemeinde Blankenheim entsprechen könnte, die geschichtlichen Darstellungen und las ferner die gesamte Korrektur mit.Ernst Wackenroder (Bearb.) in Verbindung mit Johannes Krudewig und Hans Wink: Die Kunstdenkmäler des Kreises Schleiden. (=Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 11. Band, II. Abt.), L. Schwann, Düsseldorf 1932 (Unveränderter Nachdruck Pädagogischer Verlag Schwann-Bagel, Düsseldorf 1982, ISBN 3-590-32116-4), S. VI f. Clemen offerierte Neu in der Folge eine auf Grund der geschichtlich-politisch-bedingten Entwicklungen nach dem Ersten Weltkrieg delikate Aufgabe, nämlich die Bearbeitung der ehemaligen preußischen Kreise Eupen und Malmedy. Die Arbeiten hierzu waren bereits vor dem Krieg durch Heribert Reiners begonnen, aber nicht zur Vollendung geführt worden. Offizielle Stellen durften hier nicht agieren. Der 1931 bis 1933 von ihm bearbeitete Band Die Kunstdenkmäler von Eupen–Malmedy erschien 1935 in Kommission bei Schwann. Anschließend sollte Neu auf Honorarbasis über die Geschichte der Rheinischen Republik arbeiten und zu diesem Zweck Materialien zusammentragen. Als sein Auftraggeber firmierte der Zentrumspolitiker Wilhelm Hamacher als Vertreter der Rheinprovinz im Reichsrat. Eine weitere Behandlung des Themas, das durchaus in Verbindung mit der Frage einer Diskussion der Reichsreform stand, musste nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten unterbleiben.Ernst Heinen, Carl August Lückerath: Rheinland – Reich – Westeuropa. Gesammelte Schriften von Heinrich Neu. Festgabe zur Vollendung des siebzigsten Lebensjahres am 11. Mai 1976. Bouvier Verlag Herbert Grundmann, Bonn 1976, ISBN 3-416-01049-3, S. XII f.
Denkmälerinventarisation in der Rheinprovinz Zum 1. April 1933 trat Heinrich Neu schließlich in den Dienst der Rheinischen Provinzialverwaltung, um nun an der Seite von Ernst Wackenroder als zweiter festangestellter Mitarbeiter der Kunstdenkmäleraufnahme an dem Großprojekt der Inventarisation mitzuwirken. Bis 1943 war er mit der Erstellung mehrerer Bände befasst. Die intensive Beschäftigung sah neben Ortsbesichtigungen und Inaugenscheinnahme aller relevanten Kunstgegenstände Archivrecherchen in zahlreichen größeren wie kleineren Archiven vor. Die Arbeit erfolgte bei sehr geringem Budget unter großem zeitlichen Druck, der durch die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs noch seine Verschärfung fand. Diese wirkte sich nicht nur in dem Verlust kurz zuvor inventarisierten Kulturguts aus.Ernst Heinen, Carl August Lückerath: Rheinland – Reich – Westeuropa. Gesammelte Schriften von Heinrich Neu. Festgabe zur Vollendung des siebzigsten Lebensjahres am 11. Mai 1976. Bouvier Verlag Herbert Grundmann, Bonn 1976, ISBN 3-416-01049-3, S. XIII. So wurde beispielsweise der zweite Halbband des Kreis Mayen 1943 noch vor seiner Fertigstellung ein Raub der Flammen, als am 12. Juni 1943 der fertiggestellte Satz mit Einschluss der Klischees und weiteren Unterlagen bei einem Fliegerangriff im Druckhaus Schwann in Verlust geriet.Heinrich Neu mit Hanna Adenauer und Josef Busley (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Mayen. Die Kunstdenkmäler der Ämter Mayen-Stadt und Mayen-Land, Münstermaifeld, Nieder-Mendig und Polch. (=Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 17. Band II. Abteilung, Halbband 2) L. Schwann, Düsseldorf 1943 (Rekonstruktion des kriegsbedingt nicht erschienen Teilbandes Pädagogischer Verlag Schwann-Bagel, Düsseldorf 1985, ISBN 3-590-32144-X), S. V.
Zweiter Weltkrieg Nachdem während des Dritten Reichs die Provinzialverwaltung dem Oberpräsidium der Rheinprovinz in Koblenz eingegliedert worden war, erhielt Heinrich Neu als Folge des Kriegsbeginns die Aufgabe, für den Bereich des Regierungsbezirks Koblenz die Sicherung national wertvoller Kunstdenkmäler einzuleiten. Zunächst galt es dabei eine Aufnahme aller Kirchen- und sonstigen Glocken durchzuführen und diese nach ihrer Bewahrungswürdigkeit zu klassifizieren. Während Neu nebenbei eine Dolmetscherprüfung in Französisch ablegte, erhielt er nach dem Abschluss dieser konservatorischen Vorsorgemaßnahmen im März 1941 einen Einberufungsbescheid seitens des Wehrbezirkskommandos VI in Bonn. Sein Stellungsbefehl sah den Einsatz als Briefprüfer der Kriegsgefangenenpost des Stalag VI-C in Bathorn im Bourtanger Moor. Der Bonner Dechant Johannes Hinsenkamp erwirkte Neus Versetzung nach Bonn, wo er nach Zuordnung zur AOPÜ in der Koblenzer Straße (heute Adenauerallee) als Kriegs-Postauswerter Einsatz fand, nach Neu „die hektischste Zeit seines Lebens“. Im Angesicht der von Westen herannahenden Alliierten Truppenverbände wurde das Unternehmen „Hildegard“ vom 16. September 1944 gestartet, das die Vernichtung aller Akten und den Abmarsch vorsah. In Hemer sollte die Postüberwachung neu organisiert werden. Mit der Besetzung und dem Kriegsende geriet Heinrich Neu in amerikanische Gefangenschaft, aus der er am 27. Mai 1945 bei Andernach (Hütte Rasselstein) entlassen wurde. Seine Gedanken galten der Wiederaufnahme seiner Beschäftigung in der Kunstdenkmälerinventarisation.Ernst Heinen, Carl August Lückerath: Rheinland – Reich – Westeuropa. Gesammelte Schriften von Heinrich Neu. Festgabe zur Vollendung des siebzigsten Lebensjahres am 11. Mai 1976. Bouvier Verlag Herbert Grundmann, Bonn 1976, ISBN 3-416-01049-3, S. XIV. Die grundlegende veränderte Lage im nun geteilten Deutschland sorgte hier für eine Zäsur in der Vita von Neu.
Pädagogische Akademie Köln