mini|Königreich Serbien vor Kriegsbeginn

Der Serbienfeldzug 1914, der sofort nach Beginn des Ersten Weltkrieges eingeleitet wurde, umfasste drei erfolglose Offensiven der österreichisch-ungarischen Armee zwischen August und Dezember 1914 gegen das Königreich Serbien. Alle Angriffe der k.u.k. Balkanstreitkräfte scheiterten wegen Fehlplanungen und des erbitterten serbischen Widerstandes. Kurzfristig gelang Anfang Dezember 1914 die Einnahme von Belgrad, aber eine überraschende serbische Gegenoffensive zwang die Österreicher kurz darauf zum verlustreichen Rückzug. Die k.u.k. Armee hatte im ersten Kriegsjahr nicht nur in Serbien, sondern auch an der Ostfront in Galizien schwere Niederlagen und hohe Mannschaftsverluste hinzunehmen. Im Herbst 1915 folgte der Serbienfeldzug der Mittelmächte unter Beteiligung der Verbündeten Österreich-Ungarns, der zur Besetzung Serbiens führte.

Vorgeschichte Nach dem Attentat von Sarajevo (28. Juni 1914) hatte die „Friedenspartei“ mit dem Tod Franz Ferdinands einen ihrer wichtigsten Fürsprecher verloren. Der Chef des Generalstabes Franz Conrad von Hötzendorf hatte bereits 1907 ein militärisches Vorgehen gegen Serbien gefordert. Der k.u.k. Außenminister Leopold Graf Berchtold hatte am 7. Juli den k.u.k. Gesandten in Belgrad, General Giesl von Gieslingen instruiert: „Wie immer die Serben reagieren – Sie müssen die Beziehungen abbrechen und abreisen; es muss zum Krieg kommen“. Das Deutsche Reich war als engster Verbündeter in die Zusammenhänge der Julikrise eng involviert, es unterstützte Österreich-Ungarn und drängte dazu das beabsichtigte Ultimatum unannehmbar zu machen. Das Ultimatum wurde am 23. Juli um 18 Uhr abends durch den Gesandten Giesl in Belgrad übergeben. Das war bewusst so verfasst, dass ein souveräner Staat es nicht akzeptieren konnte. Serbien antwortete innerhalb der vorgegebenen Frist, akzeptierte es jedoch nicht bedingungslos. Schließlich erklärte Österreich-Ungarn mit deutscher Blankovollmacht am 28. Juli 1914 den Serben den Krieg. Durch die Bündnisverpflichtungen der damaligen Großmächte wurde so der Erste Weltkrieg ausgelöst. Mit der allgemeinen Mobilisierung des Russischen Kaiserreichs sank, rein militärisch betrachtet, der Balkan sofort zum Nebenkriegsschauplatz herab.

Auf serbischer Seite waren vor Beginn des Weltkrieges die Balkankriege gerade abgeschlossen worden und das Königreich hatte sich noch nicht erholt. Über 36.000 Soldaten waren getötet und 55.000 verwundet worden. Die serbische Armee hatte gerade begonnen, ihre Munitionsbestände wieder aufzufüllen. Trotzdem waren die Versorgungsprobleme zu Beginn des neuen Krieges nicht ausreichend gelöst. Vielen Einheiten fehlte noch die einheitliche Uniformierung, Gewehre waren knapp. Es wurde nach der Mobilisierung festgestellt, dass rund 50.000 Soldaten ohne vollständige Ausrüstung in den Kampf ziehen mussten. Sie leisteten zunächst in extra aufgestellten Komitatschi-Bataillonen den regulären Einheiten als Freischärler wichtige Dienste.

Vorbereitungen und Planungen mini|hochkant|Feldzeugmeister Oskar Potiorek

Schon am 30. Juli verfügte Feldzeugmeister Potiorek die Konzentration der k.u.k. 6. Armee im Raum östlich von Sarajewo. Nach dem Abschluss der Mobilisierung sollte diese Armee zur Offensive nach Užice antreten. Potiorek wusste Anfang August noch immer nicht, ob er bei seinen Planungen mit der im Banat stehenden k.u.k. 2. Armee rechnen konnte, oder ob diese sofort an die Ostfront versetzt würde. Im besten Falle hätte er für seinen Angriff über fünf Korps, ansonsten nur über das XV., XVI. und XIII. Korps verfügt und wäre von vornherein zur reinen Defensive an der Donau und Drina gezwungen gewesen. Am 5. August erklärte auch das Königreich Montenegro der k.u.k. Monarchie den Krieg, was Potiorek dazu zwang, mehrere Gebirgsbrigaden zur Sicherung Bosniens nach Süden abzuziehen.

Nach der Kriegserklärung an Russland am 6. August wurde Erzherzog Friedrich zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte ernannt, FZM Potiorek wurde Kommandant der gesamten Balkanstreitkräfte. Der Chef des Generalstabes Conrad von Hötzendorf beharrte (gemäß der Richtlinien des Aufmarsches) auf der sofortigen Verlegung der k.u.k. 2. Armee des Generals von Böhm-Ermolli nach Galizien. FZM Potiorek konnte beim Kaiser erreichen, dass sich zumindest die Gruppe Tersztyanszky mit 6 ½ Infanterie- und 1 Kavalleriedivision sowie 3 Brigaden länger an den weiteren Angriffen gegen Serbien zwischen Donau und unterer Save beteiligen musste. Durch seinen Adjutanten, Oberstleutnant Richard Körner ließ er seine Pläne den Armeeoberkommandos 2 und 5 mitteilen. Die 5. k.u.k. Armee marschierte gegen Serbien südlich der Save und westlich der Drina, das IV. Korps der 2. Armee nördlich der Save auf.

Potiorek glaubte, dass eine Invasion aus Bosnien heraus auch einen inneren Aufruhr in Serbien verursachen werde. Die 5. Armee hatte an der unteren Drina anzugreifen, während zwei Korps der 2. Armee zwischen Šabac und Belgrad angreifen sollten. Die k.u.k. 2. Armee sollte im Norden vor Belgrad sichern und sich mit ihrem rechten Flügel (IV. Korps) durch Angriffe über die Save auf Šabac kraftvoll beteiligen. Das VII. Korps hatte zwischen Pancsova und Báziás defensiv zu bleiben und mit einer schwachen Gruppe die Donau bei Orșova zu forcieren. Potiorek selbst führte die 6. Armee anfangs defensiv entlang der oberen Drina. Sowohl die 6. und 5. k.u.k. Armee hatte bei diesen Operationen auf schwierigem, ⁹ versumpftem aber größtenteils gebirgigem Gelände zu operieren und konnte daher nur mit der Unterstützung leichterer Artillerie rechnen. Conrad genehmigte Potioreks Planungen am 10. August, auch gab er dem AOK 2 Anweisung, dass die Einnahme von Šabac und Mitrovica am südlichen Saveufer erwünscht sei. Ein taktischer Erfolg wäre für die noch am Kriegseintritt zögernden Staaten Bulgarien und Rumänien von enormer Wichtigkeit.

Die Westgrenze Serbiens wurde zu Beginn der Auseinandersetzung nur von schwachen Kräften verteidigt, hauptsächlich von der divisionsstarken Armeegruppe Užice und einigen Reserveverbänden. Hinzu kam im Süden die montenegrinische Armee mit rund 40.000 Mann. Als der serbischen Führung klar wurde, dass der österreichisch-ungarische Angriff auch vom Westen her, über die Drina zu erwarten war, erteilte sie am 9. August der serbischen 2. Armee (Stepanović) den Befehl zur Verschiebung in die Macva.

Kriegsgliederungen August 1914 Österreichisch-Ungarische Balkanstreitkräfte mini|hochkant|Liborius Ritter von Frank

Balkanstreitkräfte Oberbefehlshaber: Feldzeugmeister Oskar Potiorek, Chef des Stabes: GM Eduard von Böltz

Stärke: 319 ½ Bataillone (16 Divisionen), 60 Schwadronen, 142 Batterien (744 Geschütze), 486 Maschinengewehre.

Nach dem Abgang des AOK 2: 239 ½ Bataillone, 37 Schwadronen (etwa 260.000 Mann) 101 Batterien (516 Geschütze), 342 Maschinengewehre

Rayon Banat (AOK 2) General der Kavallerie Eduard von Böhm-Ermolli Stabschef, Generalmajor Artur von Mecenseffy

89 Bataillone, 16 Schwadronen und 50 Batterien (288 Geschütze)

IV. Korps: Gen. der Kav. Karl Tersztyánszky von Nádas Halbe 7. I.T.D.: FML Kasimir von Lütgendorf 31. I.T.D.: FML Erzherzog Joseph 32. I.T.D.: FML Andreas Fail-Griessler

VII. Korps: Gen. der Inf. Otto Meixner von Zweienstamm 17. I.T.D.: FML Johann von Henriquez 34. I.T.D.: FML Joseph Krautwald von Annau

IX. Korps: Gen. der Inf. Lothar von Hortstein 29. I.T.D.: FML Alfred Zedtwitz 23. H.I.D.: FML Heinrich Daempf 10. Kavalleriedivision FML Viktor Mayr Kombinierte Brigade: Generalmajor Alfred Krauß

5. Armee Gen. der Inf. Liborius Ritter von Frank Chef des Generalstabes: GM Maximilian Csicserics von Bacsány

59 Bataillone, 11 Schwadronen und 37 Batterien (212 Geschütze)

VIII. Korps: Gen. der Kav. Arthur Freiherr Giesl von Gieslingen 21. Schützendivision FML Artur Przyborski 9. I.T.D.: FML Viktor von Scheuchenstuel

XIII. Korps: Gen. der Inf. Adolf von Rhemen zu Barensfeld 36. I.T.D.: FML Claudius von Czibulka 42. Honved-Division FML Stephan Sarkotić Armeetruppen: 13. Marsch-Brigade: GM Adalbert Letovsky 11. Gebirgs-Brigade: GM Marcel Lawrowski 104. Landsturm-Brigade: GM Theodor Bekić

mini|Österreichisch-Ungarische Infanterie 1914 mini|Serbische Armee 1914

6. Armee Feldzeugmeister Oskar Potiorek, Stabschef, Generalmajor Eduard Böltz

72 Bataillone, 5 Schwadronen und 37 Batterien (162 Geschütze)

XV. Korps General der Infanterie Michael von Appel 48. I.T.D.: FML Johann Eisler von Eisenhort mit 10. Gebirgsbrigade (Oberst Heinrich von Droffa) und 12 Gebirgs-Brigade (Generalmajor Franz Kalser von Maasfeld) 1. I.T.D.: FML Stephan Bogat von Kostanjevac mit der 7. (Generalmajor Otto Seric) und 9. Gebirgs-Brigade (Oberst Joseph Hrozny)

XVI. Korps Feldzeugmeister Wenzel Wurm 18. I.T.D.: FML Ignaz Trollmann 4., 5., 6. und 8. Gebirgs-Brigade 1. Gebirgs-Brigade: GM Guido Novak von Arienti 2. Gebirgs-Brig.: GM Theodor Gabriel 13. Gebirgs-Brigade: Oberst Anton Bechtold

Gruppe Herzegowina und Cattaro 40. H.I.D.: FML Joseph Braun (79. und 80. Honved-Brigade) 3. Gebirgs-Brigade GM. Heinrich Pongrácz 47. H.I.D.: GM Friedrich NovakÖsterreich-Ungarns letzter Krieg Band I, Wien 1930, S. 65.

Serbische Streitkräfte mini|hochkant|Petar Bojović (AOK 1) mini|hochkant|Stepa Stepanović (AOK 2) mini|hochkant|Pavle Jurišić Šturm (AOK 3)

Serbien verfügte über elf starke, gut ausgerüstete Infanteriedivisionen mit etwa 264.000 Mann (202 ½ Bataillone und 48 Schwadronen), 5.500 Reiter und 542 Geschütze. In zweiter Linie waren fünf Landsturm-Divisionen mit zusammen 100–150.000 Mann einsatzbereit. Als der serbischen Heeresleitung klar wurde, dass die bisherigen Aktionen der k.u.k. 2. Armee an der Save lediglich der Ablenkung dienten, erteilte sie am 9. August der serbischen 2. Armee den Befehl zur Verschiebung in den Raum des Drina-Save-Dreiecks.

Oberbefehlshaber: Kronprinz Alexander von Serbien Chef des Generalstabes: Wojwode Radomir Putnik

1. Armee unter General Petar Bojović (Ab November General Mišić), Stabschef: Oberst Božidar Terzić mit 4 Infanterie- und 1 Kavallerie-Divisionen Division-Morava II – Oberst Ljubomir Milić Division-Timok I – General Vladimir Kondić, später Oberst Vojislav Zivanović Division-Timok II – General Vukoman Aračić kgl. serb. Kavallerie-Division – Oberst Branko Jovanović Division-Donau II – General Miloš Vasić Artilleriekommandeur: Oberst Miroslav Milosavljevic, dann Božidar Srećković

2. Armee unter General Stepa Stepanović (Stabschef: Oberst Vojislav Živanović) mit 4 ½ Infanteriedivisionen Division-Morava I – Oberst Ilija Gojković Division-Donau I – Oberst Milivoje Anđelković Kombinierte Division – General Mihajlo Rašić Division-Šumadija I – Stepan Hadzic, ab September 1914 Oberst Božidar Terzić Artilleriekommandeur: Oberst Vojislav Milojević

3. Armee unter General Pavle Jurišić Šturm (Stabschef: Oberst Dušan Pešić) mit 2 ½ Infanteriedivisionen Obrenovac-Detachement – Oberst Nikola Stevanović Division-Drina I – General Krista Smiljanić Division-Drina II – General Leonid Solarevic Ljubovija-Detachement – Oberst Djordje Djordjević Artilleriekommandeur: Oberst Miloš Mihailović

Armeegruppe Uzice unter General Miloš Božanović, ab 20. Oktober Aračić Division-Šumadija II – General Dragutin Milutinović Užice-Brigade – Oberst Ivan Pavlović Lim-Detachement – Oberst Jevrema Mihajlović Mokragora-Detachement

Verteidigungsgruppe Belgrad unter General Michailo Zifković Landsturmbrigade: Oberst Milisav Lešjanina Landsturmbrigade: Oberst Dusan Tufegdžića

Montenegrinisches Heer unter General Bozidar Janković, Stabschef: Oberst Petar Pesić 70 Bataillone (4 Divisionen mit 11 Brigaden), zusammen etwa 40.000 Mann Sandschak-Detachement (General Gojnić) Herzegowina-Detachement (General Martinović) Lovćen-Detachement (Fürst Peter von Montenegro) Ipek-Detachement (General Nešović)

Erste Invasion August 1914