mini|hochkant=1.4| Die Dorfkirche Lohmen ist ein Feldsteinbau, der nach 1285 erbaut wurde. Das Patronat hatte seit dem 13. Jahrhundert das Kloster Dobbertin. Lohmen liegt im Süden des Landkreises Rostock in Mecklenburg-Vorpommern und gehört zur Propstei Rostock im Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche).

Geschichte Lohmen wurde erstmals in einer Schenkungsurkunde am 28. September 1225 erwähnt, als Fürst Heinrich Borwin II. von Mecklenburg das Dorf Lohme mit allem Ackerland dem Kloster Dobbertin schenkte. Seine Söhne Johann von Mecklenburg und Nikolaus I. von Werle bestätigen am 28. August 1227 in Güstrow dem Mönchskloster Dobbertin den ihm von ihrem verstorbenen Vater vor zwei Jahren vorher übereigneten Güterbesitz, darunter „das dorff Lome“.MUB I. (1863) Nr. 343. Es ist wahrscheinlich aus der slawischen Zeit überkommen, denn der Name wird als Stein- oder Windbruchort gedeutet. Fürst Nicolaus von Rostock beurkundete am 23. November 1237 in Güstrow den Dobbertiner Nonnen mit den Grenzen des Klostergebietes auch ihren Besitz am Dorf Lohmen.MUB I. (1863) Nr. 469 1263 nahm Papst Urban IV. das Kloster Dobbertin und dessen Güterbesitz und Rechte, darunter das Patronat von Lohmen („ius patronatus im dorffe Lumene“) in seinen Schutz.MUB II. (1864) Nr. 983.

Von der katholischen Zeit der Lohmener Kirche und seinen Priestern ist wenig bekannt. Ende des 13. Jahrhunderts soll ein Priester Bernhard dort gewirkt haben. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurden Johann und Bodo als Pfarrherren genannt und etwa 100 Jahre später war es Johannes von Poserin.Gemeindeblatt für die Gemeinden der Propstei Goldberg mit Brütz, Dobbertin, Goldberg, Kirch-Kogel, Lohmen, Mestlin, Woosten. Nr. 4, August 1934. 1518 wurde in die Patronatskirchen des Klosters Dobbertin in Lohmen und in Groß Upahl eingebrochen; dabei wurden Messgeräte gestohlen. Jacob Berckhane mit Knecht Peter wurden als Diebe ermittelt.

Während der Reformationsjahre im Kloster Dobbertin sind vom 19. bis 29. September 1557 auch die unter dem Patronat des Klosters stehenden Kirchen zu Mestlin, Kirch-Kogel, Goldberg, Demen und Lohmen visitiert worden. In Lohmen war Joachim Rosenow seit vier Jahren Pastor. Er war noch aus der katholischen Kirche gekommen und dort auch Küster gewesen. Ein alter Mann, der noch „nach dem Zölibat lebte, den Katechismus und die Artikel nicht recht verstand“, wie die Visitatoren kritisierten.

Das Visitationsprotokoll von 1649 berichtete bezüglich der Hebungen und Einkünfte in der Pfarre zu Lohmen von Differenzen zum Kloster Dobbertin. Während der Amtszeit von Pastor Rossow war von 1716 bis 1721 auch von Diebstahl, Schlägereien, Vergewaltigungen und Schwängerung der Untertanen in Lohmen zu hören. Pastor Rossow selbst klagte vor dem Klosteramtsgericht gegen das Kloster Dobbertin wegen „eingeklagter Pfändung“ und anderer Beschwerden.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. 7.25.3 Gerichtsbarkeit Nr. 3910. Mit der Witwe des Pastors Rossow hatte das Klosteramt noch 1726 heftige Auseinandersetzungen, denn deren Tochter hatte einen „verdächtigen Umgang“ mit dem Leutnant Helwig.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. 7.25.4 Kirche Nr. 3829. Sein Nachfolger Pastor Zesch klagte 1725 ebenfalls gegen das Dobbertiner Klosteramt wegen des „Klingelbeutelgeldes“. 1775 kam es nach Pfarrbeschwerden über den Pfarracker zu Vergleichen zwischen der Pfarre Lohmen und dem Kloster Dobbertin.LKAS, OKR Schwerin, Pfarrarchiv Lohmen, Nr. 56 Ländereien der Kirche und Pfarre. Doch Unglaubliches vollbrachte 1795 der Lohmener Pastor Nikolaus Friedrich Regendanz: Wegen Trunkenheit, Veruntreuung von Kirchengeldern und Vernachlässigung seiner Amtsgeschäfte wurde er dann entlassen. Neben Schuldenklagen der Gläubiger und Eingriffe in die Lohmer Pfarreinkünfte hatte ihn das Klosteramtsgericht 1795 auch noch verurteilt.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. 7.25.3 Gerichtsbarkeit Nr. 3546.

Um 1754 wurde das Pfarrhaus errichtet, das Prediger-Witwenhaus wurde 1784 gebaut. 1786 bat der Klosterhauptmann Kammerherr Hans Friedrich Christian von Krackewitz den Herzog Ulrich in Güstrow zur Erhaltung aller Patronatskirchen im Klosteramt, dass die reichen und vermögenden Kirchen wie Lohmen den armen und gänzlich unvermögenden Kirchen zu Hilfe kommen sollten. Da auch andere adlige Patrone mit ihren Kirchen ähnliche Anträge stellen könnten, lehnte der Herzog sofort ab.LHAS 2.12-3/2 Klöster und Ritterorden, Dobbertin. Nr. 292 Finanzielle Unterstützung der Patronatskirchen 1786.

Von 1838 an war Gustav Lierow als 25-jähriger Sohn des Pächters Hartwig Christoph Lierow aus dem Nachbardorf Spendin Pastor in Lohmen. Sein Eintritt in das Pfarramt vollzog sich unter schwierigen Umständen, da die dortigen Klosterbauern einen so jungen Sohn eines Klosterpächters nicht haben wollten. Doch als der dichtende Pastor sich eingelebt hatte, meinten die Lohmener: „Wat wie hebben, dat weiten wi, oewer wat wi kregen, dat weiten wie nich.“Horst Alsleben: John Brinckman in Lohmen. 2014, S. 12. So blieb Lierow 53 Jahre lang ihr Pastor und starb am 22. Februar 1891 als Kirchenrat in Lohmen. Sein Studienfreund aus Rostocker Studienzeiten, John Brinckman, war nach seiner Rückkehr aus Amerika ab 1842 öfters im Lohmener Pfarrhaus zu Gast. Nach ihren gemeinsamen schriftstellerischen Arbeit brachten sie 1843 das Mecklenburger Album heraus.Horst Alsleben: Lohmens dichtender Pfarrer. SVZ Schwerin, Mecklenburg-Magazin, 13. April 2018.

Das östlich der Dorfkirche gelegene Pfarrgehöft mit Predigerhaus und Backhaus sowie den zwei großen Scheunen brannten am 3. November 1874 abends völlig ab. Dabei wurden fast alle persönlichen Sachen von Lierow, wie Gedichte, Lieder und handschriftliche Dokumente zur Geschichte des Kirchenumbaus von 1870 bis 1874 mit der Beschreibung der Kirche vernichtet.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. 7.25.4 Kirche Nr. 3914, 3846, 3847. Der Wiederaufbau auf dem Pfarrgehöft war mit dem Neubau des Viehhauses 1887 beendet. Die Klostervorsteher hatten den Neubau des Stallgebäudes ohne Genehmigung des Landtages noch 1887 zur Ausführung gebracht. Die wirklichen Baukosten aus der Klosterkasse betrugen 9234,70 Mark.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 16. November 1887, Nr. 26.

Am 26. August 1911 brannte die Pfarrscheune wieder ab und es bedurfte eines Ersatzbaues.Güstrower Zeitung vom 29. August 1911. Der Dobbertiner Klosterhauptmann Erblandmarschall Carl von Lützow berichtete am 11. November 1911 auf dem Landtag zu Sternberg, dass man beabsichtige, „die in Kleesten entbehrliche, sehr gut konservierte Scheune aus Eichenfachwerk mit Rohrdach dorthin zu versetzen“.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 11. November 1911, Nr. 19. Auf dem Landtag am 21. November 1913 konnte man in Sternberg berichten, den Abbruch der alten Scheune in Kleesten und den Wiederaufbau als Pfarrscheune in Lohmen haben die Handwerker des Dobbertiner Klosterbauhofes vollendet und es habe nur 13.190,71 Mark gekostet.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 21. November 1913, Nr. 11.

Die Geschichte des Dorfes Lohmen ist über siebenhundert Jahre eng mit der des Klosters Dobbertin verbunden gewesen. Solange das Klosteramt Dobbertin bestand, war Lohmen ein Klosterdorf und gleichzeitig ein Bauerndorf.

Auf einer Anhöhe östlich des Lohmer Sees wurde 1850 der jetzige Friedhof angelegt. Hier befindet sich auch die gepflegte Grabstätte von Pastor Gustav Lierow.

Unbekannte Täter drangen 1993 gewaltsam in die Kirche ein und stahlen dort zwei 1868 von dem Generalmajor Hartwig von Elderhorst zu Schwerin gestiftete, 67 cm hohe silberne Kirchenleuchter von 1840. Hartwig von Elderhorst war am 30. September 1789 in Klein Upahl geboren und am 11. Oktober in der Kirche zu Lohmen getauft worden. Er machte alle Kriege von 1809 bis 1849, seit 1840 als Generalmajor mit. Am Fuß der Leuchter ist seine Lebensgeschichte eingraviert. Anfang 2001 von dem Lübecker Kunsthändler Peter NitscheInformation von Peter Nitsche am 30. November 2001 zum Kirchenleuchter in Lohmen an das Landesamt für Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin. auf einer Auktion in Hamburg für 3400 Euro erworben, kaufte der Lohmener Pastor Karl-Heinz Schroeter diese Anfang 2002 für 1500 Euro ohne Beteiligung der Kirchengemeinde am Rückerwerb. Die Güstrower Polizei ermittelte neun Jahre.Altarleuchter zurück in der Kirche zu Lohmen. SVZ, Güstrower Anzeiger vom 22. Mai 2002.

Baugeschichte Die Kirche mag Mitte des 13. Jahrhunderts schon im Bau gewesen zu sein. Denn am 27. Oktober 1234 verlieh der Schweriner Bischof Brunward dem Benediktiner-Nonnenkloster Dobbertin neben der freien Wahl des Propstes und der Priorin auch das Archidiakonat über die Kirchen in Goldberg, Ruchow, Karcheez, Woserin und Lohmen.MUB I. (1863) Nr. 425.

Als rechteckiger Feldsteinbau, bestehend aus Chor, Schiff und Turm wurde die Kirche in mehreren Bauphasen errichtet. Der Chor, mit seiner geraden Ostwand und der nördlichen Sakristei, wurde als erster Bauteil in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ausgeführt. Er wird auf 1285 datiert.Tilo Schöfbeck: Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene. 2014, S. 100. Das rechteckige etwas höhere aus behauenen Feldsteinen und auch mit einem Satteldach versehene Kirchenschiff soll um 1300 entstanden sein. Die Bauphasen von 1825 bis zum Ende des 15. Jahrhunderts sind an den Architekturelementen der Gewölbe und Fenstergruppen deutlich ablesbar. Neben den Gewölbeproportionen zeugen die flach- bzw. rechteckig ausgebildeten Kreuzrippen im Chor und in der Sakristei von der ältesten Bauphase.Elke Kuhnert: Die Wandmalereien in der Dorfkirche Lohmen. November 2022. Lohmen ist eine für Mecklenburg typische Feldsteinkirche mit klarer Staffelung der einzelnen Bauglieder.

Der quadratische eingezogene Westturm wurde erst zwischen 1450 und 1460 angebaut.Fred Beckendorff, Reinhard Schaugstat: Lohmen. 2003, S. 46. Ehemals mit einem achtseitigen Turmhelm ausgestattet, wurde dieser nach einem Brand 1771 mit Backsteinen um ein Geschoss erhöht und mit einem Pyramidendach versehen. Die Wetterfahne zeigt die Jahreszahl 1771.Friedrich Schlie: Das Kirchdorf Lohmen. 1901, S. 383. Die Turmspitze mit ihrer Bekrönung wurde 1997 restauriert. Nach dem Dreißigjährigen Krieg muss es um 1655 schon eine Restauration gegeben haben. In den Fenstern der Sakristei befanden sich kleine Rundbildchen mit Wappen und Unterschriften, so auch von Churdt von Behr auf Greese, der von 1653 bis 1659 Klosterhauptmann des Klosters Dobbertin war. Seine Grabplatte von 1660 steht heute an Westseite des Klosterhauptmannhauses im Kloster Dobbertin.Horst Alsleben: Zusammenstellung aller Persönlichkeiten des Klosters Dobbertin. Schwerin 2010–2013.

Erst ab 1870 wurde wieder, nun sehr ausführlich, vom Kirchenumbau und der erfolgten Restaurationen berichtet. Die Kirche sei zwar noch nicht baufällig, habe schöne Gewölbe, aber sei im Innern sehr verfallen. Schon aus diesem Grunde glaubten die Herren Klostervorsteher einer Restauration einer dem Kloster angehörender Kirche.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 22. November 1870, Nr. 26. Auf dem Landtag zu Malchin baten am 22. November 1870 der Dobbertiner Klosterhauptmann Graf von Bernstorff mit seinen beiden Provisoren Landrat Josias von Plüskow und Obrist Leutnant Heinrich von Bülow die Committen um Zustimmung zum „Kirchendurchbau“, der inneren Restaurierung der Patronatskirche zu Lohmen. Dazu hatten sie von einem Architekten Peters Zeichnungen anfertigen lassen, die sehr geschmackvoll ausgeführt waren, doch „zu modern erschienen.“Protokoll zu Malchin am 22. November 1870, Nr. 26.