Die Bundesrepublik Deutschland und die Republik Korea teilen einige Gemeinsamkeiten, beide Länder haben eine geteilte Geschichte hinsichtlich des Zweiten Weltkriegs und erlebten ein Wirtschaftswunder in den 1950er und 1960er Jahren. Wirtschaftlich gesehen sind beide Länder rohstoffarm und Marktführer im High-Tech-Bereich. Nach dem Inkrafttreten des Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Südkorea 2011 sind die Handelsvolumina rasant gestiegen. Auf Grundlage der guten politischen und wirtschaftlichen Beziehungen werden die Kulturbeziehungen auch weiter vorangetrieben.

Geschichtlicher Hintergrund Der koreanische Staat Joseon nahm im Rahmen des Deutschland-Korea Vertrags von 1883 erstmals diplomatische Beziehungen mit dem Deutschen Reich auf, die auch nach 1905 in Kraft blieben. 2024 wurde 140 Jahre diplomatischer Beziehungen gefeiert.

1955 erkannte die Bundesrepublik Südkorea offiziell als souveränen Staat an.

Politische Beziehungen zwischen Deutschland und Südkorea Die erste Kontaktaufnahme der Republik Korea mit der Bundesrepublik Deutschland war Anfang 1953 bezüglich des Koreakriegs die Hilfsleistung an Korea von Seiten der BRD durch eine Spende zur Ausstattung der ärztlichen Behandlungsstellen in Südkorea und die Entsendung des Deutschen Roten Kreuzes. Danach entwickelte sich eine enge und vertrauensvolle beiderseitige Beziehung. Jedoch wurde diese durch die „Ost-Berlin-Spionage-Affäre“ 1967 stark beeinträchtigt. Erst nach fast drei Jahren wurden die von der Affäre ausgelösten Konflikte beigelegt und durch die gegenseitigen Besuche immer weiter verbessert. Bis heute pflegen die beiden Länder freundschaftliche Beziehungen zueinander.

Grundsteinlegung in den 1950er Jahren Nach dem Ende des Koreakriegs nahmen die beiden Länder konsularische (1954)Han, Jong-soo, Die Beziehungen zwischen der Republik Korea und der Bundesrepublik Deutschland 1948–1986, Frankfurt am Main, 1991, S. 109. und diplomatische (1957)KNTO / KOIS, bearbeitet von Thomas Schneider, „Wirtschaftsentwicklung und Beziehungen zu Deutschland“, 2001. (Abgerufen am 27. Januar 2016) Beziehungen auf. Zur Verminderung der wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeit von den USA nach ihrer Staatsgründung 1948 suchte die Republik Korea einen neuen Partner. Unter diesem Aspekt entsandte die südkoreanische Regierung den Minister für Handel und Industrie Kim Il-hwan im Jahr 1958Park, Jae-young, „Kommunismus-Kapitalismus als Ursache nationaler Teilung Das Bild des geteilten Koreas in der deutschen und des geteilten Deutschlands in der koreanischen Literatur (seit den 50er Jahren)“, 2005. (Abgerufen am 27. Januar 2016) in die Bundesrepublik Deutschland. Die koreanische Seite interessierte sich für die Mitwirkung der Bundesrepublik beim wirtschaftlichen Aufbau sowie für die weitere wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit. Dementsprechend fand im gleichen Jahr ein Gegenbesuch des Bundeswirtschaftsministers Ludwig Erhard statt. Er wies auf die Bereitschaft der Bundesregierung hin, der Republik Korea Wirtschaftshilfe zu leisten. Neben Amerika wählte Südkorea als erstes die BRD als einen der bedeutendsten Partner aus, da diese die größte Wirtschaftsmacht in Europa war. Aus der Sicht der Bundesrepublik Deutschland sollte Südkorea, ein schwach entwickeltes Land, als Absatzmarkt, Rohstofflieferant und Zielort der Kapitalanlage angesehen werden. Das gemeinsame Interesse der beiden Länder an der wirtschaftlichen Kooperation führte zu ersten beiderseitigen Besuchen auf Ministerebene. Mit diesen Besuchen wurde der Grundstein der bilateralen Beziehungen zwischen der Republik Korea und der Bundesrepublik Deutschland gelegt.Vgl. Han, Jong-soo, die Beziehungen zwischen der Republik Korea und der Bundesrepublik Deutschland 1948–1986, Frankfurt am Main, 1991, S. 104–114.

Vertiefung der Beziehungen und Krise in den 1960er bis 1980er Jahren

mini|Staatsbesuch des südkoreanischen Präsidenten Park Chung-hee in der Bundesrepublik Deutschland 1964 1964Das Bundesarchiv, , Stand: 15. Juli 2013. (Abgerufen am 27. Januar 2016) besuchte der südkoreanische Staatspräsident Park Chung-hee als erstes Staatsoberhaupt der Republik Korea die Bundesrepublik Deutschland. Einen Gegenbesuch in Südkorea stattete der Bundespräsident Heinrich Lübke im Jahr 1967 ab.Deutsche Botschaft Seoul, . (Abgerufen am 27. Januar 2016) Dies galt als erster Staatsbesuch eines europäischen Staatsoberhauptes in Südkorea. Mit diesen beiderseitigen Besuchen erreichten die Beziehungen ihren Höhepunkt. Aus der Sicht Südkoreas war die Unterstützung ihrer Entwicklungspläne durch die Bundesrepublik Deutschland von großer Relevanz. Die BRD war außerdem bereit, zur Erfüllung der Pläne weiterhin finanzielle Hilfe zu leisten. Außerdem rückte die Teilungsproblematik in den Mittelpunkt: Sowohl Südkorea als auch Westdeutschland waren mit einem geteilten Staatsgebiet konfrontiert und mussten eine Politik finden, die diese Situation lösen konnte. Das gemeinsame Schicksal der Teilung beider Nationen sowie das gleiche Ziel der Wiedervereinigung schufen nicht nur eine freundliche Atmosphäre, sondern leisteten auch einen Beitrag zur Förderung der Beziehungen beziehungsweise der großzügigen Entwicklungshilfe der Bundesrepublik Deutschland an Südkorea.Vgl. Han, Jong-soo, die Beziehungen zwischen der Republik Korea und der Bundesrepublik Deutschland 1948–1986, Frankfurt am Main, 1991, S. 121–131. Mitte Juni 1967, einige Monate nach dem Besuch des Bundespräsidenten in der Republik Korea, wurde die Entführung von 17 Südkoreanern in der BRD nach Südkorea durch den südkoreanischen Geheimdienst bekannt. Sie wurden der Spionage für Nordkorea verdächtigt.Han, Jong-soo, die Beziehungen zwischen der Republik Korea und der Bundesrepublik Deutschland 1948–1986, Frankfurt am Main, 1991, S. 132–147. Diese Affäre wirkte sich sehr negativ auf die beiderseitigen Beziehungen aus. Nicht nur die Beziehungen auf Regierungsebene verschlechterten sich durch dieses Ereignis, sondern das Bild Südkoreas wurde dadurch auch in der BRD negativ beeinflusst. Erst nach dem Besuch einer westdeutschen Sonderdelegation in der Republik Korea begann Anfang 1969 die Normalisierung der bilateralen Beziehungen. Diese wurden durch den Besuch des Bundesaußenministers Walter Scheel in der Republik Korea 1970 weiter verbessert. Im April 1986 machte der Staatspräsident Chun Doo-hwan zur Verstärkung der Beziehungen zur EG bzw. zur BRD eine Europareise, die ihn unter anderem auch nach Bonn führte. Er konzentrierte sich auf die Vertiefung der wirtschaftlichen Kooperation, besonders auf dem Gebiet der Technologie und Direktinvestition. In den 1970er sowie 1980er Jahren wurden die Beziehungen durch die beiderseitigen Visiten sowie Zusammenarbeit im Allgemeinen immer weiter verstärkt.

Die Weiterentwicklung der bilateralen Beziehungen Nachdem sich Deutschland am 3. Oktober 1990 wiedervereinigte, blieben Nord- und Südkorea weiterhin ein geteiltes Land. Der 25. Jahrestag der deutschen Einheit fiel auf das Jahr 2015, in dem sich die koreanische Teilung zum siebzigsten Mal jährte.Auswärtiges Amt, „Beziehungen zwischen der Republik Korea und Deutschland“, 2015. (Abgerufen am 27. Januar 2016) Die politischen Erfahrungen der deutschen Wiedervereinigung sind für Südkorea ein alternatives Modell auf der Suche nach einem eigenen Weg zur koreanischen Wiedervereinigung. Dazu wurde 2011 ein Expertengremium geschaffen, dessen Ziel in Kooperation zwischen dem koreanischen Vereinigungsministerium und dem deutschen Ministerium für Wirtschaft und Energie die Vertiefung des Meinungsaustauschs zum Thema der Vereinigung war. Außerdem fand 2014 ein Besuch der Präsidentin Südkoreas, Park Geun-hye, in Berlin sowie Dresden statt.Deutsche Botschaft Seoul, , 2014. (Abgerufen am 27. Januar 2016) Auch der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck besuchte 2015 Korea.Bundespräsident, „Staatsbesuche in Südkorea und der Mongolei“, 2015. (Abgerufen am 27. Januar 2016)

Wirtschaftliche Beziehungen Die engen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der Republik Korea werden durch folgende Tatsachen verdeutlicht: Nach der Volksrepublik China und Japan ist Korea der drittwichtigste Absatzmarkt Deutschlands in Asien. Deutschland ist unter den europäischen Ländern der größte Handelspartner Koreas. Das bilaterale Handelsvolumen lag koreanischen Statistiken zufolge im Jahr 2014 bei rund 28,9 Mrd. US-Dollar. Darüber hinaus haben viele große koreanische Konzerne wie z. B. Samsung, Hyundai und LG europäische Zentren in Deutschland errichtet.

2024 lag der Stand bei einem bilateralen Handelsvolumen 2023 von rund 33,9 Milliarden Euro. Rund 540 deutsche Unternehmen beschäftigen etwa 100.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Korea.

Die Entwicklung der bilateralen Kooperation Die deutsch-koreanischen wirtschaftlichen Beziehungen lassen sich auf den „Handels-, Freundschafts- und Schifffahrtsvertrag“ im Jahr 1883 zurückführen. Im gleichen Jahr wurde die deutsche Handelsgesellschaft H. C. Eduard Meyer & Co. gegründet, über die Waren aus Deutschland eingeführt werden, die zur Modernisierung des Landes notwendig waren.Vgl. Chung, Kyu-Hwa, Deutsch-koreanische Kulturbeziehungen gestern und heute, in Koschyk, Hartmut (Hrsg.), Deutschland, Korea geteilt, vereint, München, 2005, S. 287. Weiterhin gehört Deutschland zu den Ländern, die in den sechziger Jahren Korea einen Kredit gewährt hatten. Damit konnte Korea sein Fundament für seine wirtschaftliche Entwicklung legen und ihr sogenanntes „Han-Wirtschaftswunder“ nach dem Vorbild des „Rhein-Wirtschaftswunders“ schaffen.Vgl. Lee, Soo-hyuck, Stand und Perspektiven der deutsch-koreanischen Beziehungen, in Koschyk, Hartmut (Hrsg.), Deutschland, Korea geteilt, vereint, München, 2005, S. 33. Mit der Gründung der Deutsch-Koreanischen Industrie- und Handelskammer 1981 wurde die Zusammenarbeit auf ein neues Niveau gebracht. Noch bis heute ist die Kammer in den meisten Fällen erster Ansprechpartner und Unterstützung für die in Korea tätigen deutschen Unternehmen. Ein neuer Höhepunkt in den wirtschaftlichen Beziehungen war das 2009 unterschriebene und 2011 in Kraft getretene Freihandelsabkommen zwischen EU und Korea, wovon beide Seiten profitieren.

Wirtschaftliche Beziehungen im Rahmen des Freihandelsabkommens mini|Deutsche Exporte von 2011 bis in das erste Halbjahr 2015.Heymann, Eric, „Deutsche Industriebranchen profitieren von Freihandel“ (Stand: 1. September 2015). (Abgerufen am 27. Januar 2016) 2011 trat das Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Korea in Kraft. Der Handel beider Seiten stieg in dem ersten sechs Monaten um 3,9 %. Als der größte Handelspartner Koreas in Europa sind deutsche Exporte nach Südkorea im Vergleich mit 2011 im ersten Halbjahr 2015 um mehr als 50 % gestiegen. Durch den Abbau der Zölle sowie die nicht-tariflichen Handelshemmnisse übertrafen im 1. Halbjahr 2015 die Exporte der Automobilbranche nach Südkorea den Wert des 1. Halbjahres 2011 um 159 %. Vorher war Südkorea für die deutschen Autohersteller, aufgrund von nicht-tarifären Handelshemmnissen, ein nur schwer zugänglicher Markt. Auch die anderen Branchen konnten ihre Exporte in Südkorea erhöhen. Insgesamt genießt Deutschland große Vorteile durch das Freihandelsabkommen. Handelsdefizite von Korea mit Deutschland stehen Überschüsse mit mitteleuropäischen Ländern gegenüber.

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