mini|Immo und Lara Buhl, Shanthi, Freilichtbühne St. Katharina in Nürnberg Immo Buhl (* 16. November 1942Paul S. Ulrich: Biographisches Verzeichnis für Theater, Tanz und Musik/Biographical Index for Theatre, Dance and Music. Berlin Verlag. Arno Spitz GmbH. 1997. S. 261. ISBN 978-3-87061-479-9. in NürnbergBedeutende Tänzerin und Choreographin; Biografie von Immo Buhl; Programmflyer zur Tanzaufführung Ostern am 26./27. März 2004 (Eingesehen am 13. Februar 2016).In einigen Quellen wird Fürth/Bayern als Geburtsort angegeben. Nach Buhls eigenen Angaben ist jedoch Nürnberg ihr Geburtsort., geb. Richter) ist eine deutsche Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin des Contemporary- und Modern Dance.
Leben und Werk Familie und Ausbildung Immo Buhl wurde als Tochter von Heinz Richter und dessen Ehefrau Gretel Herbst geboren. Ihre Mutter gab ihr den besonderen Namen „Immo“ aus einem Buch, das sie vor ihrer Geburt gelesen hatte. Immo Buhl entstammt einer künstlerisch veranlagten Familie.IMMO BUHL Vita. Dance Germany. Abgerufen am 8. Februar 2016. Ihre Mutter war Ausdruckstänzerin und hatte an der Jutta-Klamt-Schule in Berlin studiert. Ihr aus Westfalen stammender Vater war Pianist, ihr Großvater Bildhauer, der u. a. Stuckaturarbeiten für das Opernhaus Nürnberg schuf, und ihre Tante Opernsängerin.
Immo Buhl, die bereits als VierjährigeHelga Schabel: Von der Ästhetik des Schmerzes, Aufführungskritik; in: St. Galler Tagblatt vom 24. Februar 1986. unter Anleitung ihrer Mutter mit dem Tanzen anfing, besuchte in Nürnberg die Rudolf-Steiner-Schule. Sie besuchte ab ihrem 17. Lebensjahr die Loheland-Akademie bei Fulda; dort erhielt sie Unterricht in Bewegungsschulung nach Bess M. Mensendieck, Raumlehre, Anatomie und Körperdynamik. Ihre Ausbildung schloss sie mit einem staatlich anerkannten Examen ab. Bei ihrem etwa dreijährigen Aufenthalt in Westafrika (Douala, Kamerun), wo auch ihre Tochter Lará Buhl geboren wurde, lernte sie auch kultische Tanzformen der Eingeborenen und Formen des primitiven Ausdruckstanzes kennen.Karin Lorenz: „Manchmal ist das schön hart“. In: Abendzeitung Nürnberg vom 26. September 1978. Seite 9Serie: Das Fürther Portrait: Immo Buhl in: Fürth Aktuell. Ausgabe November 1982. Nach Deutschland zurückgekehrt, studierte sie privat bei Jessica Iwanson in München American Modern Dance und Graham-Technik; außerdem lernte sie bei Iwanson Formen des American Modern Jazz und des Soul-Ballett. Bei Charlotte Miller (London School of Contemporary Dance) erfolgten weitere Studien zur Vertiefung ihrer Graham-Technik.
Tänzerin und Choreografin 1975 hatte Immo Buhl die Erstgründung ihrer Imotion Dance Company & Schule für modernes Ballett. Der Name der Dance Company leitete sich ab von dem Vornamen von Immo Buhl und motion (engl.) = Bewegung. Imotion war eine Gruppe von Tänzerinnen, die aus der eigenen „Schule für modernes Ballett“ hervorgegangen waren. 1976 erfolgte die offizielle Gründung der Imotion Dance Company & Schule für modernes Ballett. Mit ihrer eigenen Dance Company, die zunächst nur aus Tänzerinnen bestand, gab Buhl in den folgenden Jahren zahlreiche Gastspiele in der damals noch kaum entwickelten freien Ballett-Szene Mittelfrankens. Auftritte der Company fanden anfangs auf der Studiobühne Fürth, Nürnberger Str. 3 in Fürth, statt.Klaus Martin Wiese: Entschieden mehr als Spielerei. In: Abendzeitung Nürnberg vom 13. Januar 1978. Erstmals gastierte sie mit ihrer Dance Company im Januar 1978 im Kleinen Saal der Nürnberger Meistersingerhalle. Mit ihrer Dance Company trat Immo Buhl auch einmal im Jahr auf der Freilichtbühne im Fürther Stadtpark (u. a. alljährlich Juli 1977 bis Juli 1981) sowie im Berolzheimerianum in Fürth, dem Spielort der heutigen Comödie Fürth, auf. Im April 1983 verlegte Buhl die Dance Company von Fürth nach Nürnberg und beteiligte sich an der Wahlkampfaktion Grüne Raupe der Grünen Partei. In der Folgezeit trat sie als Tänzerin auch in den Shows von Udo Lindenberg, Wolf Biermann, Bettina Wegner und Konstantin Wecker auf.[Interview mit IMMO BUHL in: Nürnberger Nachrichten vom 9. November 2016].
Buhls Company bestand anfangs aus 14 Tänzerinnen, mit 11 Tänzerinnen als Kerntruppe; 1982 wurde die Gruppe auf die Solotänzer reduziert. Immo Buhl konzipierte in ihren Anfängen reine Frauenstücke; 1986 nahm sie erstmals zwei männliche Tänzer in ihre Company auf.
Die von ihr gegründete Schule für Contemporary Expression Dance-modern ballet zeitigte in den frühen 1980er Jahren zahlreiche Ableger; sie bildete auch zahlreiche Schülerinnen/Schüler aus, die ihren Stil später fortführten. Ab 1996 fanden ihre Auftritte häufig auch im neuen, eigenen Tanzstudio statt, das über eine eigene Studio-Bühne verfügte. Ab 1997 übernahm Lará Buhl die Direktion der Tanzschule, die im Laufe der Jahre unterschiedliche Standorte in Nürnberg hatte; bei Immo Buhl blieb die künstlerische Leitung. 2006 verlegte Immo Buhl ihr tänzerisches Wirken nach Regensburg; im Frühjahr 2013 kehrte sie wieder nach Nürnberg zurück. Seit 2009 wird der von ihr gegründete Buhl-Dance-e.V. als eingetragener, gemeinnütziger Verein (e.V.) geführt. Immo Buhl tritt auch heute noch, meistens gemeinsam mit ihrer Tochter Lará Buhl, als Tänzerin auf.
Tanzstil/Tanztechnik Buhls Tanzkunst entzieht sich einer Fixierung auf bestimmte Stilrichtungen. Ihre Auftritte und Choreografien „sind kaum in herkömmliche Ballett-Vorstellungen einzuordnen“. Ihr aus dem Modern Dance entwickelter völlig eigener Tanzstil galt Anfang der 1980er Jahre als „vielbeachtetes Novum“. Immo Buhl entwickelte einen eigenen Tanzstil, in dem sie den amerikanischen Modern Dance im Stil Martha Grahams mit dem Ausdruckstanz verband; westafrikanische Einflüsse integrierte sie ebenfalls in ihre Tanzchoreografien. Charakteristisch für ihren Tanz sind „geschmeidige, fließende, aus dem Zentrum des Körpers entwickelte“ Bewegungen. Oftmals geht sie von Abbildern der Natur (Schlangen, Vögel) aus, deren Bewegungen sie in ihren Tanz integriert. Weitgreifende Bewegungen der Arme und Hände gehören ebenfalls zu den Besonderheiten ihres Tanzstils.
Von der Tanzkritik wurde Buhl häufig als in der Tradition des Expressionismus stehende Ausdruckstänzerin bezeichnetFritz Schleicher: Archaische Gebärde, Aufführungskritik; in: Nürnberger Nachrichten/Feuilleton. Dezember 1990.; als ihre künstlerischen Vorbilder wurden Martha Graham und Mary Wigman genannt.Harald Raab: Ein neues Tanz-Talent in der Stadt, Aufführungskritik; in: Mittelbayerische Zeitung/Kultur vom 4. Mai 2007.Harald Raab: Mystik und Dynamik: Poesie in Bühnentanz und Malerei, Aufführungskritik; in: Mittelbayerische Zeitung vom 29. Januar 2008. Immo Buhl selbst lehnte jedoch eine Deutung ihres Schaffens in eine bestimmte Tanzrichtung, auch des Expressionismus, stets ab. Sie verwendete für den von ihr geschaffenen Tanzstil den Begriff „Buhl-Technik“. Auf einer fundierten Kenntnis der menschlichen Anatomie fußend, entwickelte Immo Buhl eine frei fließende Körper- und Bewegungstechnik.
Immo Buhl schuf bis zum Jahr 2004 weit über 150 Choreografien; heute dürften es weit über 200 eigene Choreografien sein. Als Choreografin bildete sie immer wieder den „Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft in seinen wechselnden Erscheinungsformen“ ab; ihre Themen „greifen ins Allgemein-Menschliche“ (Norbert Servos). In allen ihren Choreografien „erkennt man einen Gestaltungswillen, der ganz und gar eigen ist“.Hartmut Regitz: Eine unendliche Bewegung, Aufführungskritik; in Stuttgarter Nachrichten vom 25. März 1985. Sie selbst versteht sich in ihren Choreografien nicht als Choreografin, sondern als „Geschichtenerzählerin mit den Mitteln des Tanzes“.Imotion Dance Company: Premiere. Versuchung durch Macht; in: Hamburger Freies Theater Magazin. Okt./Nov’ 82, o.S.Fritz Schleicher: Auf dem Weg zur Originalität. Aufführungskritik; in: Nürnberger Nachrichten/Feuilleton vom 24. November 1981. Seite 16.
Aufführungen Immo Buhl trat, zunächst in der Region Nürnberg, dann in Süddeutschland und bei Gastspielen auf Kleinkunstbühnen, auf anerkannten Spielstätten und bei Tanzfestivals im In- und Ausland auf.Lodernde Brände an allen Ecken und Enden, Fürth vor 25 Jahren, Pressebericht vom 21. Oktober 2006.Pressestimmen zur Immotion Dance Company Abgerufen am 10. Februar 2016.
Nürnberg/Fürth/Erlangen Spielorte in Nürnberg und Umgebung waren u. a.: Meistersingerhalle, Kleiner Saal, Januar 1978 Markgrafentheater Erlangen, Mai 1978 Hauptmarkt Nürnberg, Freilichtbühne, Juni 1978 Stadtpark Fürth, Freilichtbühne, Juli 1977–Juli 1981, alljährlich Meistersingerhalleaß: Stark in der Improvisation. Aufführungskritik; in: Nürnberger Zeitung/Feuilleton vom 14. Oktober 1978. Seite 23., Großer Saal, Oktober 1978 Meistersingerhalle, Großer Saal, Februar 1980 (mit dem Tanzdrama Zarathustra) Gostner Hoftheater, Mai 1980 und Mai 1981 (u. a. mit Traumgesicht und Das Gebet) Schauspielhaus NürnbergMichael Bader: Neuer Anlauf; Vorbericht in: Fürther Nachrichten vom 26. Januar 1983.M.B.: Vage Ahnungen, Aufführungskritik in: Nürnberger Nachrichten vom 6. Dezember 1983Ursula Lindl: Phoenix im Zwielicht. Kritik in: Nürnberger Nachrichten vom 22. Januar 1985.Fritz Schleicher: Artige Erotik ; Aufführungskritik in: Nürnberger Nachrichten vom 10. Februar 1987. Seite 16. (mehrfach, u. a. Dezember 1980 mit Zarathustra, November 1981 mit dem Tanzdrama Makkaba und mit Der Fremde, 1982 mit Traumgesicht und Die Schatten von Bernada Albas Haus, Januar 1983 mit der Tanzperformance They won´t go when I go (mit Musik von Stevie Wonder), Dezember 1983 mit dem Solo-Abend Nebel – Leben. Vier Szenen aus dem Leben (Musik: Christian Kusche), 1985 mit dem Tanzwerk Light, Februar 1987 mit Orlando, April 1988 mit Stories To Tell, Part II) Stadttheater Fürth, u. a. März 1983, März 1989 Kulturzentrum Desi, Nürnberg, Juni 1986 Tafelhalle NürnbergFritz Schleicher: Starre Rituale; Aufführungskritik in: Nürnberger Nachrichten vom 26./27. März 1988.M.B.: Schicksal in „Leid-Ackern“; Aufführungskritik in: Nürnberger Nachrichten vom 18. Oktober 1988. Seite 19. (mehrfach, u. a. Dezember 1987 mit Orlando; März 1988 mit Stories To Tell, Part I; November 1988 mit Leid-Äcker nach einem Text von Tania Blixen; Juni 1989 mit Die Stunde Null; Dezember 1990; Februar 1992; April 1995; November 1996) Kulturforum Fürtho.A.: Reifer Stil; Aufführungskritik in: Fürther Nachrichten vom 18. Mai 1990, Mai 1990
Nürnberger Auftritte (1982–1996; Auswahl) Im Mai 1982 trat sie beim Festival „Nürnberger Kulturzirkus“, dessen Mitbegründerin sie war, auf; zur Auftragsproduktion der Stadt Nürnberg schuf sie die Choreographie zu ihrem Tanzdrama Drudenstern mit Musik-Collagen und Live-Percussion.W. Bronnenmeyer: Requiem und Pentagramm; Aufführungskritik in: Nürnberger Zeitung vom 22. Mai 1982.Fritz Schleicher: Fade Posen; Aufführungskritik in: Nürnberger Nachrichten vom 22./23. Mai 1982.
Ab 1982 erfolgte eine intensive Zusammenarbeit Buhls mit dem Komponisten und Musiker Christian Kusche, dem Sohn des Künstler-Ehepaars Benno Kusche und Christine Görner, der Original-Musiken zu Buhls Choreografien verfasste.Inge Obermayer: Alles Leben ist Tanz. Immo Buhl und die Imotion Dance Company, in: Nürnberger Zeitung (Wochenendbeilage) vom 25. November 1983. Seite 12. Die Zusammenarbeit von Buhl/Kusche war eine „Symbiose zwischen Tanz und Musik“, ein „Gleichklang des Aufnehmens und Umsetzens“.
Anlässlich des 50. Jahrestages der Machtergreifung der Nationalsozialisten brachte sie mit sechs Tänzerinnen ihrer Dance Company am 8./9. Juli 1983 ihr Tanzdrama Angst auf der Freilichtbühne St. Katharina in Nürnberg zur Uraufführung.s.c.: Über Angst. Immo Buhls neue Choreographie; Vorbericht in: Nürnberger Zeitung vom 2./3. Juli 1983. Im Dezember 1983 gastierte sie mit ihrem Solo-Tanzabend Nebel – Leben. Vier Szenen aus dem Leben (Komposition/Musik: Christian Kusche) im Nürnberger Schauspielhaus.