Suzanne Schulting (* 25. September 1997 in Groningen) ist eine niederländische Shorttrackerin und Eisschnellläuferin. Im Shorttrack wurde sie 2018 und 2022 dreifache Olympiasiegerin.
Schulting wuchs in der Provinz Friesland auf und begann in früher Kindheit mit dem Eislaufen. Ab ihrer Jugend legte sie ihren Schwerpunkt bei Wettkampfteilnahmen zunächst auf die Disziplin Shorttrack. 2014 debütierte sie im Shorttrack-Weltcup und feierte dort 2017 erste Siege. Bei ihrer ersten Olympiateilnahme 2018 in Pyeongchang gewann Schulting die Goldmedaille über 1000 m. Sie wurde als niederländische Sportlerin des Jahres 2018 ausgezeichnet. In den folgenden Jahren zählte sie zu den international erfolgreichsten Shorttrackerinnen. Sie errang bis 2024 insgesamt elf Weltmeister- und siebzehn Europameistertitel. Außerdem wurde sie 2022 in Peking über 1000 m sowie mit der niederländischen Staffel erneut Olympiasiegerin. Wegen einer Knöchelverletzung Anfang 2024 läuft Schulting seit Beginn der Saison 2024/25 vor allem Eisschnelllaufrennen. Sie debütierte im November 2024 im Eisschnelllauf-Weltcup.
Werdegang Anfänge und Aufstieg in die internationale Spitze (bis 2016) Suzanne Schulting wuchs in der Bauerschaft Uilesprong nahe Tijnje in der friesischen Gemeinde Opsterland auf. Ihr Vater Jan Schulting spielte in den 1980er-Jahren als Fußballprofi für den SC Heerenveen und trainierte später andere Fußballvereine aus der Region, ihre Mutter arbeitete als Physiotherapeutin. Schulting hat zwei jüngere Schwestern.Renze Lolkema: ‘Stapelgek op Suzanne’. In: Leeuwarder Courant. 12. März 2016, S. 42. Abgerufen am 25. Dezember 2024 via LexisNexis. In ihrer Kindheit begann sie früh mit dem Eislaufen auf einem zugefrorenen Graben in der Nähe ihres Elternhauses. Parallel dazu spielte sie zunächst auch Tennis und turnte, konzentrierte sich ab ihrer Jugend aber auf den Eislauf. Sie bestritt sowohl Wettkämpfe im klassischen Eisschnelllauf auf 400-Meter-Bahnen als auch im Shorttrack auf 111-Meter-Bahnen.Carl Mureau: Suzanne Schulting leert wat winnen is. In: Trouw. 9. Januar 2017, S. 16. Abgerufen am 25. Dezember 2024 via LexisNexis. In den Anfangsjahren ihrer Laufbahn wurde sie als Talent in beiden Disziplinen gesehen und von Medien sowie vom niederländischen Nationaltrainer Jeroen Otter mit ihrer Landsfrau Jorien ter Mors verglichen, die im Shorttrack und im Eisschnelllauf in den 2010er-Jahren internationale Medaillen gewann.Renze Lolkema: Suzanne Schulting? Kwestie van tijd. In: Leeuwarder Courant. 5. November 2015, S. 16. Abgerufen am 25. Dezember 2024 via LexisNexis.
Schulting nahm 2012 im Alter von 14 Jahren an den Eisschnelllaufrennen der Olympischen Jugend-Winterspiele in Innsbruck teil und belegte den vierten Platz über 500 m. Zwei Jahre später zog sie als Mitglied des niederländischen Juniorenteams in das 18 Kilometer von ihrem Heimatort entfernte Heerenveen, wo sie im Eisstadion Thialf trainierte. Sie besuchte in Heerenveen die auf Sporttalente ausgerichtete OSG Sevenwolden und machte 2015 ihren Havo-Abschluss.Sjinkie. In: Leeuwarder Courant. 8. Mai 2021. Abgerufen am 25. Dezember 2024 via LexisNexis. Obwohl sie auf nationaler Ebene weiterhin gute Ergebnisse im Eisschnelllauf erreichte, legte Schulting ihren Schwerpunkt bei Wettkampfteilnahmen ab Mitte der 2010er-Jahre auf Shorttrackrennen. Als Vorbild nannte sie 2015 den mehrfachen Shorttrack-Weltmeister Sjinkie Knegt unter anderem wegen dessen Kurventechnik und Fähigkeiten, Rennen zu kontrollieren. Bei ihren ersten Einsätzen im Shorttrack-Weltcup in der Saison 2014/15 verpasste Schulting Top-Ten-Ergebnisse. Bei den Europameisterschaften 2015 wurde sie 24. der GesamtwertungSchulting had het graag beter gedaan bij debuut. In: Leeuwarder Courant. 26. Januar 2015, S. 44. Abgerufen am 25. Dezember 2024 via LexisNexis. und gewann die Silbermedaille mit der Staffel über 3000 m.
Im Winter 2015/16 gelang Schulting der Durchbruch in die internationale Spitze des Shorttracks. Zu Beginn der Saison lief sie in Montreal mit dem vierten Rang über 1500 m erstmals unter die ersten Zehn im Weltcup. Im weiteren Saisonverlauf erreichte sie in der Wettkampfserie ihre ersten Podestplatzierungen, unter anderem mit dem zweiten Platz über 1000 m beim Weltcup in Shanghai. Im Januar 2016 wurde sie bei den Europameisterschaften in Sotschi Zweite über 1000 m, Dritte über 1500 m und Vierte über 500 m und gewann damit die Bronzemedaille im Mehrkampf. Zudem holte sie die Goldmedaille mit der Staffel an der Seite von Jorien ter Mors, Yara van Kerkhof und Lara van Ruijven. Im selben Monat holte sie bei den Juniorenweltmeisterschaften in Sofia Bronze mit der Staffel und Silber im Mehrkampf. Bei den Weltmeisterschaften 2016 in Seoul qualifizierte sich Schulting für das Superfinale der besten acht Läuferinnen über 3000 m, das sie für sich entschied. In der Mehrkampfwertung belegte sie als beste Niederländerin den fünften Rang. Der Nationaltrainer Jeroen Otter beschrieb die 18-jährige Schulting – die in dieser Saison zum ersten Mal mit dem A-Kader trainierte – Anfang 2016 als ambitionierte Athletin mit großem Antrieb, ihre noch vorhandenen technischen Defizite aufzuholen.Lisette van der Geest: Brutaal genoeg om alles te willen. In: De Volkskrant, 12. Februar 2016, S. 31. Abgerufen am 25. Dezember 2024 via LexisNexis. Er lobte ihr großes Selbstbewusstsein und bescheinigte ihr, dass sie wie auch Jorien ter Mors und Sjinkie Knegt „Gier und Mut“ (auf Niederländisch: „gretigheid en durf“) besitze.Lisette van der Geest: Piraat op ijzers met vuur in het hart. In: De Volkskrant, 14. März 2016, S. 9. Abgerufen am 25. Dezember 2024 via LexisNexis.
Erste Weltcupsiege und olympische Goldmedaille in Pyeongchang (2016 bis 2018) mini|links|Suzanne Schulting bei einem Interview im Februar 2018 In der Saison 2016/17 zählte Suzanne Schulting über 1000 m und 1500 m zu den stärksten Läuferinnen im Weltcup. Sie stand in fünf Einzelrennen auf dem Podest und feierte am 5. Februar 2017 über 1500 m in Dresden ihren ersten Weltcupsieg. In Abwesenheit mehrerer südkoreanischer Konkurrentinnen wie Shim Suk-hee wurde Schulting damit die erste niederländische Frau, die ein Shorttrack-Weltcuprennen für sich entschied.Schulting na historische zege: eindelijk, ik ben zó blij! auf nos.nl. 5. Februar 2017. Abgerufen am 26. Dezember 2024. Am gleichen Tag gewannen die Niederländerinnen um Schulting auch die Weltcupstaffel. Im Weltcup-Gesamtklassement stand sie am Saisonende an erster Stelle über 1000 m und hinter Shim Suk-hee an zweiter Stelle über 1500 m. Bei den Großereignissen des Winters knüpfte Schulting eingeschränkt an diese Leistungen an: Während der Europameisterschaften 2017 in Turin zog sie sich eine fiebrige Erkrankung zu, konnte nicht alle Rennen laufen und wurde Elfte des Mehrkampfs. Mit der Staffel – für die sie wegen ihrer Krankheit im Finale nur in einer von 27 Runden auf dem Eis stand – gewann sie die EM-Bronzemedaille.Lisette van der Geest: Schulting baalt enorm van machteloosheid en ziekte. In: AD/Groene Hart, 16. Januar 2017, S. 16/17. Abgerufen am 26. Dezember 2024 via LexisNexis. Bei den Weltmeisterschaften 2017 in Rotterdam holte Schulting die Bronzemedaille über 1000 m, blieb aber als Mehrkampfsiebte insgesamt hinter den besten Athletinnen um die britische dreifache Weltmeisterin Elise Christie zurück.Renze Lolkema: Schulting nog niet zo goed als iedereen hoopte. In: Leeuwarder Courant, 13. März 2017, S. 44. Abgerufen am 26. Dezember 2024 via LexisNexis.
Über den olympischen Winter 2017/18 hinweg schwankten Schultings Ergebnisse:Frank Huiskamp: De grillen van een toptalent dat zelf moet leren van haar fouten. In: NRC Handelsblad, 9. Oktober 2017, S. 6. Abgerufen am 26. Dezember 2024 via LexisNexis. In einigen Weltcuprennen wurde sie – unter anderem wegen Fehlstarts und von ihr verursachten Zusammenstößen – bestraft und im Klassement nach hinten versetzt.Johan Stobbe: Schulting zoekt in Dordrecht naar revanche. In: Leeuwarder Courant, 5. Oktober 2017, S. 14. Abgerufen am 26. Dezember 2024 via LexisNexis. Hingegen erreichte sie beim Weltcup in Dordrecht als Zweite über 1000 m ein weiteres Podestergebnis in der Wettkampfserie und siegte mit der Staffel in einem Weltcuprennen in Seoul. Bei den Europameisterschaften 2018 in Dresden gewann sie Silber über 1000 m. Schulting selbst bezeichnete sich regelmäßig gegenüber Medien als Flummi (im Original: „stuiterbal“)Lisette van der Geest: De rust zelve... ...de stuiterbal. In: BN/DeStem, 9. Februar 2018, S. 22/23. Abgerufen am 26. Dezember 2024. und vertrat die Ansicht, nach Tiefpunkten würden stets entsprechende Höhepunkte folgen.Lisette van der Geest: Brullen, gillen, schelden en springen... In: AD/De Dordtenaar, 23. Februar 2018, S. 2–3. Abgerufen am 26. Dezember 2024 via LexisNexis. „Voor Schulting geldt een levenswijsheid die haar soms flink vermoeit: hoe dieper de dalen, des te hoger de pieken.“ In der Zeit vor den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang war Schulting angespannt. Sie bekam nach eigener Angabe wenig Schlaf und suchte mediale Aufmerksamkeit,Erik van Lakerveld: Suzanne Schulting prolongeert olympische titel: de stuiterbal is volwassen geworden. In: De Volkskrant.nl, 11. Februar 2022. Abgerufen am 26. Dezember 2024 via LexisNexis. indem sie Vlogs auf YouTube veröffentlichte und viel auf Instagram postete.Tim Reedijk: Stuiterbal van de nieuwe generatie. In: De Gelderlander, 10. Februar 2018, S. 42–43. Abgerufen am 26. Dezember 2024 via LexisNexis. Bei den olympischen Shorttrackrennen stürzte sie im Vorlauf über 500 m und schied über 1500 m im Halbfinale aus. Mit der Staffel um Yara van Kerkhof, Lara van Ruijven und Jorien ter Mors gewann sie das B-Finale und profitierte von der Disqualifikation zweier Teams im A-Finale, wodurch sie die olympische Bronzemedaille gewann. Im abschließenden Wettkampf über 1000 m erreichte Schulting das A-Finale, übernahm dort fünf Runden vor Schluss die Führung und entschied das Rennen vor Kim Boutin aus Kanada für sich. Sie wurde damit als erste Niederländerin Olympiasiegerin im Shorttrack.Olympia 2018: Shorttrack: Niederländerin Schulting holt Gold über 1000 m auf spox.com. 22. Februar 2018. Abgerufen am 26. Dezember 2024. Im März 2018 belegte Schulting bei den Weltmeisterschaften in Montreal – geschwächt von einer GrippeHans Ruggenberg: Schulting na relay-zilver: ’Eind goed, al goed’. In: De Telegraaf, 19. März 2018, S. 17. Abgerufen am 26. Dezember 2024 via LexisNexis. – den 24. Platz im Mehrkampf und holte mit der Staffel die Silbermedaille. Am Jahresende wurde Schulting als niederländische Sportlerin des Jahres 2018 ausgezeichnet.
Mehrfache Weltmeisterin und weitere Olympiasiege in Peking (2018 bis 2022)