mini|Das Zitat auf einer Hausfassade in Berlin-Mitte „Wir schaffen das!“ ist ein Ausspruch, den die damalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Bundespressekonferenz am 31. August 2015 im Hinblick auf die Flüchtlingskrise in Deutschland 2015/2016 und die zunehmende Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland äußerteAngela Merkels „Wir schaffen das!“ im Kontext. SWR2, abgerufen am 23. November 2018 (Audio). und der seitdem in den Medien und in der politischen Auseinandersetzung weitreichenden Widerhall gefunden hat. Er gilt als Kern-Slogan bzw. Soundbite der „neuen Willkommenskultur“ und begründete die damalige Flüchtlingsdebatte. Sie wiederholte den später vielfach kritisierten Satz mehrmals, unter anderem beim CDU-Bundesparteitag am 14. Dezember 2015.Im Auge des Orkans. In: Die Zeit, Nr. 38/2015.Rede auf Parteitag zur Flüchtlingspolitik: „Und deshalb werden wir das schaffen“. Auf tagesschau.de vom 14. Dezember 2015, abgerufen am 26. Januar 2016 (Archiv).

Das Zitat aus der Bundespressekonferenz vom 31. August 2015 (die sogenannte Sommerpressekonferenz der Bundesregierung) ist in der Folge immer wieder verkürzt wiedergegeben worden. Wörtlich sagte die Bundeskanzlerin nach der Aufzählung von gemeinsam durch Bund, Länder und Kommunen bewältigten historischen Momenten der Bundesrepublik: „Ich sage ganz einfach: Deutschland ist ein starkes Land. Das Motiv, mit dem wir an diese Dinge herangehen, muss sein: Wir haben so vieles geschafft – wir schaffen das! Wir schaffen das, und dort, wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden, muss daran gearbeitet werden. Der Bund wird alles in seiner Macht Stehende tun - zusammen mit den Ländern, zusammen mit den Kommunen -, um genau das durchzusetzen.“Protokoll der Bundespressekonferenz vom 31. August 2015 (Archiv).

Mitte September 2016 relativierte Merkel angesichts deutlicher Verluste ihrer Partei bei den Wahlen zum Landtag in Mecklenburg-Vorpommern und zum Abgeordnetenhaus von Berlin sowie des Aufkommens der AfD erstmals diesen Satz.

Verwendung des Ausspruchs Verwendung vor Angela Merkel Bereits am 22. August 2015, also vor der ersten Verwendung durch Angela Merkel, hatte der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Sigmar Gabriel die Formulierung „Wir schaffen das“ im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik der Großen Koalition gebraucht. Gabriel konkretisierte das von ihm damit angestrebte Ziel folgendermaßen: „Frieden, Menschlichkeit, Solidarität, Gerechtigkeit: Das zählt zu den europäischen Werten. Jetzt müssen wir sie unter Beweis stellen. Ich bin sicher, wir schaffen das.“„Wir schaffen das“ stammt nicht von Merkel. In: FAZ, 1. September 2016, abgerufen am 7. September 2016

Verwendung durch Angela Merkel Am 31. August 2015 sagte Merkel den Satz erstmals: „Ich sage ganz einfach: Deutschland ist ein starkes Land. Das Motiv, mit dem wir an diese Dinge herangehen, muss sein: Wir haben so vieles geschafft – wir schaffen das! Wir schaffen das, und dort, wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden, muss daran gearbeitet werden. Der Bund wird alles in seiner Macht Stehende tun – zusammen mit den Ländern, zusammen mit den Kommunen –, um genau das durchzusetzen.“

Der Satz wurde von Merkel teilweise auch leicht erweitert verwendet. So sagte sie auch: Bleibt Merkel beim „Wir schaffen das?“ Auf tagesschau.de vom 17. Februar 2016, abgerufen am 19. Februar 2016. Bei der Neujahrsansprache am 31. Dezember 2015 erklärte sie: .„Wir schaffen das, denn Deutschland ist ein starkes Land“. In: FAZ.net, 31. Dezember 2015, abgerufen am 26. Januar 2016.

Nach den vermutlich islamistisch motivierten Anschlägen in Würzburg und Ansbach im Juli 2016 unterbrach Merkel ihren Sommerurlaub für eine Pressekonferenz, in der sie ihren Satz wiederholte und einen Neun-Punkte-Plan vorstellte, mit dem vor allem für mehr Sicherheit vor Terroranschlägen gesorgt werden soll. Sie erweiterte den Satz um Hinweise auf die veränderte politische Weltlage „in Zeiten der Globalisierung“.Angela Merkel wiederholt „Wir schaffen das“, dazu 9-Punkte-Plan. Spiegel Online, 28. Juli 2016; abgerufen am 21. August 2016.

Aufgreifen durch Presse, Politik und Wissenschaft

Der Satz „Wir schaffen das“ wurde von Teilen der Medien sehr schnell als positives Signal in der Flüchtlingspolitik Deutschlands rezipiert. So schrieb der Journalist Georg Diez in seiner Kolumne in der Zeitschrift Der Spiegel die Überschrift .Ja, wir schaffen das. Spiegel Online / kulturSpiegel, 25. Oktober 2015, abgerufen am 26. Januar 2016. Die Holocaust-Überlebende Ruth Klüger bezeichnete bei der Gedenkstunde zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus im Bundestag den Satz als einen .Rede von Ruth Klüger: „Zwangsarbeiterinnen“. Videomitschnitt der Rede auf der Website des deutschen Bundestages. Auf der Website des deutschen Bundestages.„Wir schaffen das“: KZ-Überlebende nennt Merkel-Satz heroisch. Spiegel Online vom 27. Januar 2016, abgerufen am 29. Januar 2016. Auch leichte Abwandlungen des Satzes wurden in der Presse genutzt, um Merkels Satz zu unterstützen. So lautete im Januar 2016 die Überschrift des Journalisten Walter Wüllenweber im Stern: „Obergrenze – das schaffen wir nicht.“Walter Wüllenweber: Obergrenze – das schaffen wir nicht. In: Der Stern. Ausgabe 5/2016, 28. Januar 2016, Online abweichend

Die Phrase wurde in der Presse und bei anderen Gelegenheiten auch vielfach abgewandelt. Der Journalist Hans-Georg Damerau verwendete die Überschrift „Flüchtlingspolitik – ‚Wir schaffen das nicht‘“, um Merkels Flüchtlingspolitik zu unterstützen, da ein „Wir schaffen das nicht“ keine Option sei.Flüchtlingspolitik – „Wir schaffen das nicht“, Ostsee-Zeitung vom 20. Januar 2016, abgerufen am 2. Februar 2016. Der Journalist Thomas Seifert schrieb in einem Leitartikel in der Wiener Zeitung: ., Wiener Zeitung vom 24. Februar 2016, abgerufen am 28. Februar 2016. Der Friedensforscher Egbert Jahn verwendete bei den Frankfurter Montags-Vorlesungen im November 2015 den Titel „Wir schaffen das (nicht)! – Die Ratlosigkeit der deutschen und europäischen Flüchtlingspolitik“, um auf die Flüchtlingspolitik in Europa einzugehen. (PDF) Frankfurter Montags-Vorlesungen vom 2. und 16. November 2015, abgerufen am 2. Februar 2016.

Zum Jahrestag des Satzes schrieben Roland Schulz und Rainer Stadler im Süddeutsche Magazin: „Seit einem Jahr beschäftigt Deutschland diese Frage – eine Glaubensfrage: Wir schaffen das, Wir schaffen das, Wir schaffen das nicht!, Warum wir das schaffen müssen, Schaffen wir das?, oder Wir schaffen das – aber so nicht heißen die entsprechenden Buchtitel. Parteitage, Talkrunden, Ministerien, Leitartikler haben sich an der Frage abgearbeitet, Wirtschaftsverbände, Kirchen, Gewerkschaften, ebenso die ganz große Politik.“Roland Schulz, Rainer Stadler: Land der begrenzten Möglichkeiten. Süddeutsche Magazin Nummer 31, 5. August 2016: 8–25

Ebenfalls ein Jahr nach der ersten Äußerung des Slogans forderte der Wiener Religionssoziologe Paul Michael Zulehner angesichts der im Sommer 2016 verstärkt anzutreffenden Angst vor Anschlägen, die nach Ansicht Zulehners häufig von Verantwortungsträgern noch zu einer Politik der Angst gesteigert werde, eine Politik des Vertrauens. Die Überwindung von Angst sei möglich, wenn Engagement und bereitgestellte Mittel durch politische Bildung unterstützt würden, die u. a. aufdecke, dass jede Religion mit Gewalt verbunden worden sei und immer noch werde, das Christentum ebenso wie der Islam. Aber oft könnten Zulehner zufolge Argumente eine Politik des Vertrauens nur wenig befördern. „Heilsamer sind Begegnungen“, meint Zulehner.Paul Michael Zulehner: „Wir schaffen das!“ Angela Merkels Satz aller Sätze feiert Geburtstag. Zum ersten Mal sagte sie ihn am 31. August 2015. Was ist aus ihm geworden? Ein Essay über Hoffnungen und Enttäuschungen – und die Kraft der Begegnung. In: Publik-Forum, Nr. 16, 26. August 2016, 18–20, 20.

Bundespräsident Joachim Gauck meinte im August 2016: „Ich mag mir eine Regierungschefin nicht vorstellen, die vor das Volk tritt und sagt, wir schaffen das nicht. Also, warum sollte man eine solche Person wählen? […] Das Land ist nicht in einem Zustand wie ein sinkendes Schiff, es ist noch nicht mal in einem Zustand eines schweren Orkans, sondern es sind Böen, die uns schütteln, und es sind Böen, die die Gesellschaft auch ein wenig durcheinanderbringen.“Gauck unterstützt Merkel: Deutschland ist kein sinkendes Schiff, faz.net, 13. August 2016, abgerufen am 7. September 2016

Hugo Müller-Vogg titelte bei Huffpost am 31. August 2016 „Der Realitätscheck – was wir bisher geschafft haben und was nicht“ und nahm im Artikel Bezug auf den Ausspruch.Der Realitätscheck – was wir bisher geschafft haben und was nicht Huffingtonpost vom 31. August 2016

In ihrer sprachwissenschaftlichen ArbeitDoris Sava, "Wir pfeifen nicht nach ihrer Tanze" … Lachen in Zeiten der Krise. KRONSTÄDTER BEITRÄGE ZUR GERMANISTISCHEN FORSCHUNG 19/2016, ALDUS VERLAG, S. 185–203. untersucht Doris Sava den Ausspruch als Beispiel eines Internet-Memes.

Die Focus-Online Korrespondentin Martina Fietz schrieb Ende August 2017: „Diese Formulierung dürfte in jeder Biografie der Kanzlerin auftauchen, denn sie steht – aus heutiger Sicht – für die umstrittenste Entscheidung ihrer Kanzlerschaft.“ und „Merkel wiederholte ihr ‚Wir schaffen das‘ anfangs mit der Ergänzung, Deutschland sei ein starkes Land. Im Herbst vergangenen Jahres aber räumte sie in einem Interview ein, dass sie den Satz kaum wiederholen möge, weil zu viel in ihn hineininterpretiert worden sei. Er habe sich zu einer ‚unergiebigen Endlosschleife‘ entwickelt. Ihre Politik hat sich zwischenzeitlich ohnehin verändert.“Wir müssen das schaffen: Merkel-Satz spaltete das Land – aber er bleibt richtig FOCUS Online vom 31. August 2017, abgerufen am 2. September 2017

Im Dezember 2018 bilanzierte der BDA-Präsident Ingo Kramer, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrem Satz: „Wir schaffen das“ recht behalten habe. Überraschend schnell hätten viele Flüchtlinge (nämlich ca. 400.000) in Deutschland einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz erhalten. Die meisten jungen Migranten könnten nach einem Jahr Unterricht so gut Deutsch, dass sie dem Berufsschulunterricht folgen könnten, und die große Mehrheit der erwerbstätigen Flüchtlinge arbeite in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung.Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer: "Die Integration der Flüchtlinge läuft besser als erwartet". Spiegel Online. 14. Dezember 2018

Am 22. Juni 2020 strahlte die ARD den Dokumentarfilm Angela Merkel: Wir Schaffen das – Ein Satz und die Folgen aus. Im Film wird versucht, eine Verbindung zwischen der Flüchtlingskrise 2015/2016 und der COVID-19-Pandemie in Deutschland herzustellen.ARD-Doku scheitert dabei, Verbindung zwischen Flüchtlings- und Corona-Wut zu ziehen focus.de vom 22. Juni 2020, abgerufen am 23. Juni 2020

Distanzierung Merkels von ihrem Ausspruch