Die Schlacht um Kiew war eine Schlacht im Deutsch-Sowjetischen Krieg während des Zweiten Weltkriegs zwischen der Sowjetunion und dem Deutschen Reich. Diese große Kesselschlacht fand von Mitte August bis zum 26. September 1941 statt und endete mit einem Sieg der Wehrmacht. Dabei wurden 43 Divisionen von 5 sowjetischen Feldarmeen, darunter die 5., 37., 26., 21. und 38. Armee vollständig und die 40. Armee schwer geschlagen. Kiew wurde am 19. September 1941 besetzt. Die deutschen Besatzer begingen zahlreiche Kriegsverbrechen, wobei sie am 29./30. September 1941 beim Massaker von Babyn Jar in Kiew über 30.000 Juden ermordeten.Andreas Kappeler: Kleine Geschichte der Ukraine, Beck, München 1994, S. 219. Kiew wurde im November 1943 in der Zweiten Schlacht um Kiew von der Roten Armee zurückerobert.
Vorgeschichte Die Panzergruppe 1 hatte in der Panzerschlacht bei Dubno-Luzk-Riwne (23. bis 29. Juni 1941) einen großen Teil der mechanisierten Kräfte der sowjetischen Südwestfront ausgeschaltet. Die verbleibenden mobilen Kräfte hatten nur noch wenige Panzer, wurden aber von eintreffenden mechanischen Verbänden verstärkt. Anfang Juli stieß der nördliche Flügel der deutschen 6. Armee mit dem XVII. Armeekorps über den Styr- und Slutsch-Abschnitt nach Korosten vor, wo man wieder auf starken Widerstand der sowjetischen 5. Armee traf. Südlich davon folgte die Masse der deutschen 6. Armee (LV., XXIX., später auch LI. A.K.) hinter dem III. A.K. (mot.) nach Schitomir nach. Diese Kräfte strebten auf die Metropole Kiew zu und trieben einen Keil zwischen die sowjetische 5. und 6. Armee. Weiter südlich erreichte die Panzergruppe 1 am 7. Juli mit dem XXXXVIII. A.K. (mot.) den Raum Berditschew und besetzte die Stadt am folgenden Tag nach kurzem Kampf. Gleichzeitig drängte die deutsche 17. Armee die sowjetische 26. Armee aus den Raum Tarnopol nach Proskurow zurück. Dieser Umstand zwang die südliche noch am Dnjestr-Abschnitt ausharrende sowjetische 12. Armee (Generalmajor P. G. Ponedelin), schnell nach Osten zurückzugehen, um einer Abschneidung durch die 17. Armee von Norden her zu entgehen.
Als die Masse der deutschen 6. Armee (Feldmarschall von Reichenau) den befestigten Raum von Nowograd-Wolynski entlang der sowjetischen Grenze von 1939 bedrohte, konzentrierte sich die rote Südwestfront darauf, die Panzergruppe 1 auf dem Weg nach Kiew zu stoppen und die Verbindungen zwischen der 5. und 6. Armee wiederherzustellen. Die Stawka befahl starke Gegenangriffe, um den deutschen Vormarsch auf Kiew aufzuhalten. Für die folgende Schlacht bei Korosten standen der Südwestfront sofort das 9., 19. und 22. mechanisierte Korps zur Verfügung, während das 16. und 18. mechanisierte Korps von der 12. Armee und der 9. Armee noch nach Norden beordert werden mussten. Ab dem 11. Juli griff die im Raum Korosten konzentrierte sowjetische 5. Armee (General Michail I. Potapow) mit dem 31. Schützenkorps (Generalmajor A. I. Lopatin) und dem 9., 19. und 22. mechanisierte Korps in südwestlicher Richtung an und traf hauptsächlich auf die Linien des deutschen III. (mot)., XVII. und XXIX. Armeekorps. Wenige Tage später schloss sich auch die sowjetische 6. Armee (Generalleutnant I. N. Musytschenko) der Offensive an, indem sie mit dem 49. Schützenkorps und dem 16. mechanisierten Korps nach Nordwesten auf Berditschew angriff (das 18. mechanisierte Korps kam zu spät aus dem äußersten Süden). Nach vier Tagen erbitterter Kämpfe und trotz des Vorrückens der nördlichen Angriffsgruppe mit 16 Kilometern Tiefe mussten die sowjetischen Truppen schließlich ihre Angriffe abbrechen. Die Folge waren weitere schwere Panzerverluste: Beim 9., 19. und 22. mechanisierte Korps blieben nur noch 95 Panzer übrig; die Sowjets waren gezwungen, sich hinter die Ausgangsstellungen zurückzuziehen.
mini|Lage am 21. Juli
Zu diesem Zeitpunkt gingen sowohl die Stawka als auch das Oberkommando der Südwestfront davon aus, dass die Heeresgruppe Süd die gescheiterte Gegenoffensive nutzen würde, um die eigene Offensive mit der Panzergruppe 1 auf Kiew fortzuführen. Die 26. Armee (Generalleutnant F. J. Kostenko) wurde daher aus der Front gezogen, ihrem Armeeoberkommando wurde die Kontrolle über alle Streitkräfte östlich und nordöstlich von Belaja-Zerkow übergeben, wobei die Verteidigung des südwestlichen Vorfelds von Kiew sowie eine engere Verbindung mit der nördlicher stehenden noch kampfkräftigen 5. Armee angeordnet wurde. Zur Sicherung der Stadtbefestigungen wurde sogar das 3. Luftlandekorps (Generalmajor W. A. Glasunow) aus der Reserve der Südfront nach Kiew herangezogen und bei Borispol stationiert, um einem möglichen deutschen Fallschirmangriff über den Dnjepr entgegenzuwirken. Schließlich wurde am 23. Juli für die Befehlsführung im Festungsbereich von Kiew das Oberkommando der 37. Armee neu aufgestellt, der rasch acht Schützen-Divisionen zugeführt wurden.
Nachdem die deutsche 6. Armee den Abschnitt zwischen Schitomir und Berditschew eingenommen hatte, begann auf Befehl des OKW nicht der sofortige Vorstoß auf Kiew, sondern das Abschwenken des XXXXVIII. und XIV. A.K. (mot.) nach Südosten, um die Voraussetzungen einer Umfassung der zurückgehenden sowjetischen Streitkräfte (12. und 18. Armee) am östlichen Ufer des südlichen Bug zu schaffen, welche in der Kesselschlacht bei Uman mündeten. Das III. Armeekorps (mot.) verblieb zur Auffrischung der 13. und 14. Panzer-Division vorerst im Raum Bogusław-Korsun am Dnjepr stehen und wurde mit Teilen der SS-Division „Wiking“ verstärkt.
Erster Angriff auf den Festungsbereich Kiew Der nach Westen an den Fluss Irpen gelehnte Befestigte Raum von Kiew blieb für die Rote Armee das letzte Standbein am rechten Ufer des Dnjepr. Die 165. Schützendivision zog sich am Morgen des 31. Juli über den Dnjepr zurück und bezog zwischen dem Vororten Bortnitschi und Woronkow neue Stellungen. Die 175. Schützendivision und die kombinierte Division Motykin positionierten sich an der Südfront des befestigten Raumes von Kiew, wo das 64. Schützenkorps (Generalmajor A. D. Kuleschow) die Verteidigung übernommen hatte.
Nach Erreichung des Befestigten Raumes an der südlichen Landseite von Kiew begannen die Divisionen des deutschen XXIX. A.K. (General der Infanterie Hans von Obstfelder) mit den Vorbereitungen zum Angriff auf den äußeren Festungsring. Die Aufklärung wurde durchgeführt, schwere Artillerie in Stellung gebracht. Am 4. August morgens um 6:00 Uhr begann nach einer einstündigen Artillerievorbereitung unter Einsatz der schweren Artillerie der Angriff auf den befestigten Raum Kiew. Zum Angriff wurden angesetzt: die 75. Infanteriedivision (Angriffszone Tarasowka), 44. Infanteriedivision (Angriffszone Jurowka), 99. Infanteriedivision (zwischen dem Dorf Gatnoje und Vita-Pochtowaja), 71. Infanteriedivision (zwischen Vita-Pochtowaja - Kruglik) und die 95. Infanteriedivision (etwa zwischen Wassilkow bis zum Dnjepr).
Am 4. August bildete sich aus der Pinsker MilitärflottilleN.A. Piterskij, " Die Sowjetflotte im Zweiten Weltkrieg", Stalling 1966, mit Kommentaren von Jürgen Rohwer. (Konteradmiral D. D. Rogatschow) die Kiewer Flussflottille, welche mit mehreren Kanonenbooten und Monitoren die Truppen der 37. und 26. Armee unterstützte. Am 5. August nahm die deutsche 44. Infanteriedivision Jurowka ein, die 99. Infanteriedivision kämpfte nördlich von Gatny. Die 95. Infanteriedivision startete eine Offensive entlang des Dnjepr gegen die Dörfer Kremenishtsche und Chotow. Am Abend des 6. August wurde Tarasowka von der 44. Infanteriedivision genommen, am folgenden Tag wurde auch die 299. Infanteriedivision zwischen der 71. und 99. I.D. eingeschoben, um gegen die Linie Schuljany - Ust-Wolynski - Stalinka anzugreifen. Einheiten der sowjetischen 6. und 5. Luftlande-Brigade (Oberst A. I. Rodimzew) verstärkten den Abschnitt Teremki-Nowosjolki. Die 75. und die 44. Infanteriedivision wurden bis zum Abend des 9. August dem LV. A.K. (General der Infanterie Erwin Vierow) unterstellt, dieses Generalkommando blieb aber selbst dem XXIX. A.K. untergeordnet. Am 8. August wurde die neu formierte sowjetische 37. Armee offiziell unter dem Kommando von Generalmajor A. A. Wlassow damit beauftragt, Kiew unter allen Umständen zu verteidigen. Die Stawka übertrug auch die 284. Schützendivision (Oberst G. P. Pankow) und die 295. Schützendivision (Oberst I. D. Andrjukow) an die 37. Armee, eine erste Staffel der 284. Schützendivision wurde bereits im südlichen Festungsbereich eingesetzt.
Am 10. August begann eine Gegenoffensive der sowjetischen Truppen am südlichen Abschnitt der Befestigungsfront, dies führte in wenigen Tagen zur Rückeroberung der Linie Jurowka - Vita-Pochtowaja - Kruglik - Vita-Litowskaja. Nach intensiver Artillerievorbereitung hatte die 2. Luftlande-Brigade und die 206. Schützendivision den Ort Schuljany wieder genommen; die 175. Schützendivision konnte die Deutschen aus Tarasowka vertreiben. Die deutschen Truppen mussten ihre ersten Angriffe auf Kiew abbrechen, auch auf Seiten der sowjetischen Truppen im Kiewer Befestigungsbereich wurden zunächst keine militärischen Aktionen durchgeführt. Das Eintreffen der 284. Schützendivision ermöglichte am 11. August einen Gegenangriff im Raum Myschelowka. Die 206. Schützendivision begann Straßenkämpfe im Dorf Gatnoje und kämpfte um Krasny Traktir (etwa 3 km nordöstlich des Dorfes Chabany), während die 147. Schützendivision im Gebiet Myschelowka angriff. Bis zum 16. August war die Situation für die Rote Armee wiederhergestellt und die Front im Festungsbereich stabilisierte sich. Am 20. August beschloss General Potapow, das 27. Schützenkorps (Generalmajor P. D. Artemenko) in die Region westlich Tschernigow auf das linke Ufer des Dnjepr zurückzuziehen, denn die Nordflanke der Südwestfront ragte mit ungeschützten Flanken zu weit nach Westen vor. Die Deutschen hatten den Rückzug der sowjetischen Truppen über den Dnjepr erwartet und begannen sofort mit der Verfolgung, die am Abend des 23. August mit der Etablierung eines Dnjepr-Übergangs bei Okuninowo (Dymer) endete. Die 44. Infanteriedivision (Generalleutnant Friedrich Siebert) wurde am 22. August aus dem Gebiet Tarasowka-Jurowka in den Nordabschnitt des befestigten Bereichs von Kiew verlegt und dem LI. A.K. (General der Infanterie Hans Wolfgang Reinhard) zugewiesen. Am 26. August begann diese Infanteriedivision den Fluss Irpen im Bereich Demidowo zu überqueren und versuchte zwischen Ljutesch - Swaromoje über den Dnjepr zu kommen und am linken Ufer einen weiteren Brückenkopf für den anschließenden Angriff auf Kiew zu bilden.
Kiew anstatt Moskau als neues Operationsziel Am 16. August meldete die Heeresgruppe Süd, dass „die erschöpfte deutsche Infanterie nicht mehr zum Angriff befähigt“ sei und sie „daher die vorübergehende Einstellung des Angriffes auf Kiew angeordnet“ habe. Hitler befahl am 21. August entgegen der anfänglichen Planung des Generalstabes, nach heftigen Auseinandersetzungen mit diesem in der sogenannten Augustkrise, den Stoß der Heeresgruppe Mitte auf Moskau vorläufig zugunsten der vollständigen Eroberung der Ukraine durch die Heeresgruppe Süd abzuändern, mit Schwerpunkt auf das Industriegebiet im Donezbecken. Die zentrale Rolle wurde dabei der 17. Armee zugewiesen, welche in allgemeiner Richtung auf Woroschilowgrad vorzugehen hatte. Die Aufgabe des Flankenschutzes nach Norden fiel dabei der 6. Armee, jener nach Süden der Panzergruppe 1 zu. Interessant ist, dass zu diesem Zeitpunkt nicht an eine Umfassungsoperation, sondern an ein keilförmiges Vortreiben gedacht war, da Generalstabschef Halder jenseits des Dnjepr keine geschlossene Widerstandskraft der Roten Armee erwartete.