Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Vietnam wurden am 23. September 1975 aufgenommen.Akten zur auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland: 1. Januar bis 30. Juni 1976, Band 1 Die Teilung sowohl Deutschlands als auch Vietnams während der 1950er, 1960er und 1970er Jahre in einen kommunistischen und einen kapitalistischen Staat bildet eine historische Gemeinsamkeit. Basierend auf dem Vertrauensverhältnis, das zwischen der DDR und Vietnam bestand, werden bilaterale Partnerschaften angestrebt.Hans-Jörg Bullinger et al.: Deutsch-Vietnamesische Joint Ventures. Aufbaumöglichkeiten für klein- und mittelständische Unternehmen. Gabler, Wiesbaden 1995, ISBN 3-409-13248-1, S. 46. Eine bedeutende Grundlage für die Zusammenarbeit beider Staaten stellt die Hanoier Erklärung dar, die im Oktober 2011 von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem vietnamesischen Premierminister Nguyễn Tấn Dũng unterzeichnet wurde. Nach der Entführung des Vietnamesen Trinh Xuan Thanh durch den vietnamesischen Auslandsgeheimdienst in Berlin wurde die "strategische Partnerschaft" zwischen beiden Ländern durch Deutschland im Oktober 2017 ausgesetzt.Pressemitteilung des Auswärtigen Amtes vom 22. September 2017, abgerufen am 25. Oktober 2017 2018 wurde sie wieder aufgenommen und seitdem mit verschiedenen Initiativen und Besuchen intensiviert; gleichwohl wurden die Beziehungen noch nicht auf eine höhere Ebene der "umfassenden" strategischen Partnerschaft gehoben, wie es etwa mit den USA geschehen ist.

Geschichte 1949 wurden die ersten Kontakte zwischen der DDR und Nordvietnam geknüpft, basierend auf der gemeinsamen sozialistischen Ausrichtung. Während des Vietnamkriegs verhielt sich die Bundesrepublik Deutschland solidarisch mit den USA, wobei der zivilgesellschaftliche Protest gleichzeitig in großem Umfang gegen den Krieg mobilisiert hat.

Nach der Vereinigung von Nord- und Südvietnam im Jahre 1976 setzte sich die Zusammenarbeit der DDR mit der neu gegründeten Sozialistischen Republik Vietnam fort. Gefördert wurden besonders Entwicklungsprojekte in den Bereichen Energieversorgung und Landwirtschaft. Außerdem unterstützte man den Aufbau und die Weiterentwicklung von Technik und Handwerk durch umfangreiche Beratung. Im Zuge dieser Entwicklungspolitik erfolgte die Ausbildung von jährlich 2000 Lehrlingen, 200 Studenten und 50 Postgraduierten aus Vietnam in der DDR.Dirk Braun-Friderici: Vietnam – Entwicklungsperspektiven eines vielversprechenden „Emerging Market“ in Südostasien. In: Marion Grein (Hrsg.): Der asiatische Wirtschaftsraum. Ein Markt und seine Möglichkeiten. China, die chinesischen Sonderwirtschaftszonen, Taiwan, Südkorea, Japan, Singapur und Vietnam. Liber Verlag, Mainz 1995, ISBN 3-88308-070-5, S. 254.

mini|Das deutsche Hospitalschiff Helgoland 1970 in Vietnam.

Das deutsche Motorschiff Helgoland wurde von 1966 bis 1972 im Auftrag der Bundesregierung vom Deutschen Roten Kreuz als Hospitalschiff in Südvietnam eingesetzt und die medizinische Ausstattung nach Ende des Einsatzes an medizinische vietnamesische Einrichtungen übergeben.Diskussionsbeitrag von Manfred Blum vom 3. März 2008 bei einestages (PDF) S. 39

1967 lieferte das deutsche Chemie- und Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim 720 Tonnen Trichlorphenolatlauge an ein Tochterunternehmen von Dow Chemical nach Neuseeland, womit das Unternehmen Agent Orange für die Entlaubung im Vietnamkrieg herstellte. Der Verkauf wurde 1991 durch einen Bericht im Der Spiegel bekannt und ein weiteres Jahr später von Boehringer Ingelheim bestätigt. Der Handel erregte auch deshalb Aufsehen, da der spätere Bundespräsident Richard von Weizsäcker bis zum Jahr vor der Lieferung Mitglied der Geschäftsführung des Unternehmens gewesen war.

1976 wurde die westdeutsche Botschaft in Hanoi registriert.Hellmut Kapfenberger: Berlin Bonn Saigon Hanoi. Zur Geschichte der deutsch-vietnamesischen Beziehungen. Verlag Wiljo Heinen, Berlin und Böklund 2013, ISBN 978-3-95514-006-9, S. 403. Abgesehen davon leistete die BRD nach Ende des Vietnamkriegs Entwicklungshilfe, verhielt sich jedoch vorerst zurückhaltend aufgrund der kommunistischen Einstellung Vietnams und des eigenen Bündnisses mit den USA. Vietnams Tendenz, sich zu seinem sozialistischen Bruderstaat DDR zu orientieren, bekräftigte den geringen wirtschaftlichen Austausch. Das Verhältnis zwischen den beiden Staaten verschlechterte sich wegen der vietnamesischen Besetzung Kambodschas. Zudem ereignete sich ein Zwischenfall, bei dem deutsche Handelsschiffe von vietnamesischen Kriegsschiffen unter Beschuss genommen wurden, nachdem sie vietnamesische Flüchtlinge an Bord genommen hatten. Als Konsequenz stellte die BRD die staatliche Entwicklungshilfe ein. Diese Spannungen konnten 1986 durch die Reise einer Wirtschaftsdelegation des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft entschärft werden.Dirk Braun-Friderici: Vietnam – Entwicklungsperspektiven eines vielversprechenden „Emerging Market“ in Südostasien. In: Marion Grein (Hrsg.): Der asiatische Wirtschaftsraum. Ein Markt und seine Möglichkeiten. China, die chinesischen Sonderwirtschaftszonen, Taiwan, Südkorea, Japan, Singapur und Vietnam. Liber Verlag, Mainz 1995, ISBN 3-88308-070-5, S. 252–253. mini|Bronzetafel am Johannisbollwerk (Jan-Fedder-Promenade) in Hamburg mit Danksagung der vietnamesischen Flüchtlinge der Cap Anamur Schiffe Die Bundesrepublik verpflichtete sich auf der Indochinakonferenz 1979 zur Aufnahme vietnamesischer Asylbeantragender, die über deutsche Schiffe gerettet wurden. Ab dem gleichen Jahr setzte das deutsche Hilfskomitee Ein Schiff für Vietnam die Cap Anamur als Hospitalschiff zur Rettung und medizinischen Versorgung tausender Flüchtlinge ein, woraufhin Proteste aus den Bundesländern entstanden.

Ein positives Ergebnis des Reformprozesses war die Entwicklung von einer Planwirtschaft zu einer Marktwirtschaft mit „sozialistischer Orientierung“. Das Verhältnis beider Staaten normalisierte sich, sodass auch die Entwicklungshilfe in den Bereichen Bildung, Energie und Umwelt sowie wirtschaftliche Beziehungen wieder aufgenommen wurden. Des Weiteren engagiert sich Deutschland bei der Umsetzung der vietnamesischen Rechtsordnungsreform und führt den deutsch-vietnamesischen Rechtsstaatsdialog. Die bilateralen Beziehungen werden durch Staatsbesuche von beiden Seiten gepflegt.

Wirtschaft Deutschland ist Vietnams größter Handelspartner in der Europäischen Union und beide Länder „sehen erhebliches Potenzial für den Ausbau ihrer Handels- und Wirtschaftsbeziehungen, einschließlich Investitionen.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel gab 2011 an, dass Vietnam seit 1990 von der Bundesrepublik mit etwa 1,5 Milliarden Euro in Form von Krediten und Projektfinanzierungen unterstützt worden sei.Staatsbesuch: Merkel stärkt Zusammenarbeit mit Vietnam. Zeit Online Beispielsweise betrugen die Exporte von Deutschland nach Vietnam von Januar bis Juli 2011 ein Handelsvolumen von 1,8 Milliarden US-Dollar, die Exporte von Vietnam nach Deutschland beliefen sich dagegen auf 1,1 Milliarden Dollar.

Beide Länder drücken in der Hanoier Erklärung von 2011 ihren Willen aus, über zentrale wirtschafts- und handelspolitische Themen, wie zum Beispiel Handelsentwicklung, offene Märkte und fairen Wettbewerb zu diskutieren und durch partnerschaftliche Zusammenarbeit die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Standards in Vietnam zu verbessern. Verschiedene Projekte, die unter anderem vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Auftrag gegeben wurden, setzten schon vor der Hanoier Erklärung an diesen Punkten an. Ein Beispiel dafür ist das Projekt zur Schulung in verantwortungsvoller Unternehmensführung für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, das sich von 2003 bis 2014 erstreckte.

Deutschland war 2024 der größte EU-Handelspartner Vietnams mit einem Handelsvolumen von 18 Milliarden US-Dollar. Die Hauptimportgüter Deutschlands aus Vietnam sind Schuhe, Textilien, landwirtschaftliche Erzeugnisse, Meeresfrüchte, Möbel und Elektronikartikel. Die deutschen Exporte nach Vietnam bestehen hauptsächlich aus Maschinen, Fahrzeugen, Ausrüstungsgegenständen und chemischen Produkten. Diese Warenkategorien sind in den letzten zehn Jahren relativ stabil geblieben, wobei hervorzuheben ist, dass Vietnam zunehmend zu einem Hub von Elektronikgütern geworden ist. Mit neuen Ambitionen in der Halbleiterindustrie verfolgt das Land zudem eine zwischen "West" und "Ost" vermittelnde Strategie (Handelskonflikt USA-China), die auch für deutsche Unternehmen zum Management von Wertschöpfungsrisiken von Bedeutung ist. Die Delegation der deutschen Wirtschaft unterhält Büros in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt und ist Teil des Netzwerks der deutschen Außenhandelskammer (AHK). Über 160 deutsche Unternehmen haben sich zur deutschen Kaufmannschaft zusammengeschlossen, die bemüht ist, eine deutsch-vietnamesische Außenhandelskammer zu gründen, was aber auf Grund der gesetzlichen Grundlagen in Vietnam erschwert ist.http://www.gba-vietnam.org/ Im November 2015 wurde durch eine Absichtserklärung zwischen dem deutschen Wirtschaftsministerium und der vietnamesischen Industrie- und Handelskammer Vorbedingungen für die Etablierung der deutsch-vietnamesischen Außenhandelskammer gelegt. Vietnam ist Mitglied in der World Trade Organization (WTO), der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Asia Free Trade Area (AFTA), der Asia Pacific Economic Conference (APEC) und der World Customs Organization (WCO). Dadurch ergibt sich eine globale Kooperation, unter anderem mit der EU, zum Beispiel auch als Mitglied der ASEAN-Staaten (Association of Southeast Asian Nations). Die EU ist Vietnams drittgrößter Handelspartner.

Politik Im Rahmen der politischen Zusammenarbeit kommt es zu einem regen Austausch zwischen Deutschland und Vietnam auf allen Ebenen. Seit 2011 werden verstärkt Treffen zur verbesserten Kooperation bei Projektförderungen abgehalten, unter anderem in den Bereichen politisch-strategischer Dialog, Wirtschaft, Handel und Investitionen, Justiz und Recht, entwicklungspolitische Zusammenarbeit und Umweltschutz, Bildung, Wissenschaft, Technologie, Kultur, Medien und Gesellschaft. Bereits zuvor gab es auf vielen Gebieten einzelne Absichtserklärungen.