Die U23-Weltmeisterschaften im Rudern () sind seit dem Jahr 2005 jährlich vom Weltruderverband ausgetragene Weltmeisterschaften der U23-Altersklasse im Rudersport. Zuvor existierten als Vorläufer bereits die Veranstaltungen Match des Seniors (1976–1991), Nations Cup (1992–2000) und U23-Weltregatta (, 2001–2004), die zwar keinen offiziellen Weltmeisterschaftscharakter hatten, de facto aber den Rang einer solchen besaßen.
Beschreibung Die U23-Altersklasse (Senioren B) ist im Rudersport die einzige Nachwuchsklasse im Erwachsenenbereich. Startberechtigt sind Sportler, die im laufenden Kalenderjahr das 23. Lebensjahr noch nicht vollenden. Nach dem altersbedingten Verlassen des Juniorenbereiches (U19) können Nachwuchsathleten in diesem System über vier Saisons um den Anschluss an die Weltspitze kämpfen. Gleichzeitig sind sie im Rudersport aber schon uneingeschränkt für die offene Altersklasse (Senioren A) startberechtigt, so dass sie häufig in beiden Klassen innerhalb eines Jahres starten. Ein Start in der offenen Altersklasse, etwa bei den Ruder-Weltmeisterschaften oder der olympischen Ruderregatta, hat keinen Einfluss auf den Erhalt der Startberechtigung in der U23-Altersklasse.
Die Ruderregatta der U23-Weltmeisterschaften wird typischerweise meist im Juli, gelegentlich auch im August ausgetragen und läuft etwa fünf Tage bis eine Woche lang. Als Wettkampfstätten kommen Regattastrecken der Kategorie A vom Weltruderverband in Betracht, auf denen 6 bis 8 Bahnen mit Albano-System und eine Startanlage zur Verfügung stehen. Die Wettkampfdistanz beträgt in allen Läufen 2000 Meter ohne Kurven, in jedem Wertungslauf können maximal sechs Boote gleichzeitig starten. Wenn – wie üblich – mehr als sechs Meldungen je Wettbewerbsklasse eingehen, wird im Rahmen der Regatta über Vor- und Hoffnungsläufe sowie ggf. Halbfinals eine Qualifikation für die sechs Endlaufstartplätze durchgeführt.
Für die U23-Weltmeisterschaften können alle nationalen Mitgliedsverbände des Weltruderverbandes jeweils eine Mannschaft je ausgetragener Bootsklasse melden. Alle Mannschaftsmitglieder müssen die Staatsangehörigkeit des meldenden Verbandes besitzen. Typischerweise ist eine nationale Qualifikation mit einem Selektionsprozess oder einem Ausscheidungswettkampf wie etwa nationalen U23-Jahrgangsmeisterschaften notwendig für die Auswahl der Mannschaften. Für die U23-Weltmeisterschaften gemeldete Ruderer dürfen bei dieser Veranstaltung grundsätzlich in mehr als einer Bootsklasse eingesetzt werden, wenngleich das ein eher unübliches Verfahren ist.
Das Regelwerk der Regatta wird von den des Weltruderverbandes festgesetzt. Die Titelgewinner dürfen sich (übersetzt etwa U23-Ruder-Weltmeister) nennen.
Die Auswahl der Bootsklassen wurde historisch gelegentlich verändert. Im Programm sind aktuell (2025) Wettbewerbe für Frauen und Männer, jeweils in der offenen Gewichtsklasse und der Leichtgewichtsklasse. Abgesehen vom Fehlen der Wettkampfklassen für Pararuderer ähnelt die Auswahl der Bootsklassen bei den U23-Weltmeisterschaften dem der Titelkämpfe der offenen Altersklasse: Bootsklasse Kürzel Männer Männer (LG) Frauen Frauen (LG) Einer 1x Doppelzweier 2x Doppelvierer 4x – – Zweier ohne Steuermann 2- – – Vierer ohne Steuermann 4- – – Vierer mit Steuermann 4+ – – Achter 8+ – –
Geschichte Das Regattaformat der U23-Weltmeisterschaften wurde in mehreren Evolutionsschritten aus einer Vorgängerveranstaltung heraus konzipiert, die (Vier-Länder-Wettkampf) genannt wurde und nachweisbar bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gerudert wurde. Bei ihr traten männliche Ruderer aus der Schweiz, Frankreich, Belgien und Italien in regelmäßigen Länderwettbewerben gegeneinander an. Am 20. Juli 1975 trafen sich Vertreter dieser vier Verbände und zweier weiterer Nationen in Italien, um über die Einführung eines internationalen Wettbewerbes für Athleten der „zweiten Reihe“ zu beratschlagen. Diese sollten sich unter Gleichen messen und Erfahrungen sammeln. Als Name für die neue Veranstaltung wurden zunächst auch (Fünf-Länder-Wettkampf) und (Sechs-Länder-Wettkampf) im Gespräch. Da sich zunehmend weitere Nationen an einer Beteiligung interessierten, fiel die Wahl des Namens auf Match des Seniors. Einen wesentlichen Einfluss bei der Konzipierung des Match des Seniors hatte der Präsident des italienischen Ruderverbandes Paolo d’Aloja (1931–1984), der die Veranstaltung trotz anfänglichen Widerstandes seitens des Weltruderverbandes zum Erfolg machte.
In den 1960er- und 1970er-Jahren wurden weitere wichtige Weichenstellungen im internationalen Rudersport vorgenommen. Die Ruder-Weltmeisterschaften waren zunächst ab 1962 im vierjährigen Rhythmus installiert worden, da bei den Ruder-Europameisterschaften unterdessen Teilnehmer aus Übersee selbstverständlich geworden waren. Ab 1974 ersetzten Weltmeisterschaften im jährlichen Rhythmus die Europameisterschaften für mehr als 30 Jahre vollständig. Eine weitere Neuerung war die Einführung des Frauenruderns bei der olympischen Ruderregatta ab 1976 und die Berücksichtigung von Leichtgewichtswettbewerben auf internationaler Ebene. Die Weltmeisterschaften der Junioren wurden 1967 installiert und sind damit ebenfalls ein Produkt jener Zeit.
Das Match des Seniors startete 1976 mit Wettbewerbsklassen für Männer und Frauen der offenen Gewichtsklasse. Ab 1984 folgten zusätzlich Klassen für das gewichtsbeschränkte Leichtgewichtsrudern, das damals im Aufwind befindlich war und auch bei den offenen Weltmeisterschaften aufgewertet wurde. Mit weiteren Änderungen wuchs die Zahl der Wettbewerbe bis 2015 auf 21, davon sieben für Männer, fünf für Leichtgewichts-Männer, sechs für Frauen und drei für Leichtgewichts-Frauen. Die Teilnehmerzahl belief sich 2015 auf über 800 Athleten aus 51 Nationen. Der stärkste teilnehmende Verband wird durch eine Punktewertung ermittelt und seit 1984 mit dem „Paolo d’Aloja Cup“ geehrt.
Die Organisation der Veranstaltung lag in den ersten vier Jahren bis 1979 in den Händen eines ehrenamtlichen Generalsekretärs, danach war bis 2003 eine internationale Kommission verantwortlich. Der Weltruderverband übernahm die Regatta, die längst zur De-facto-Weltmeisterschaft geworden war, im Jahr 2004 und verlieh ihr im Folgejahr den Status einer offiziellen Weltmeisterschaft. Ab 2017 folgen zusätzlich U23-Europameisterschaften im Rudern.
Austragungen Von 1976 bis 2018 fanden alle Austragungen der Veranstaltung in Europa statt. Für 2019 sind die Titelkämpfe erstmals an nichteuropäische Ausrichter vergeben. Jahr Stadt Land Gewässer Match des Seniors 1976 Mâcon Frankreich Saône 1977 Tours Frankreich Cher 1978 Willebroek (Mechelen) Belgien Hazewinkel 1979 Örkelljunga Schweden Hjälmsjön 1980 Terni Italien Lago di Piediluco 1981 Essen Deutschland Baldeneysee 1982 Wien Österreich Neue Donau 1983 Candia Canavese (Turin) Italien Candiasee 1984 Kopenhagen Dänemark Bagsværd-See 1985 Banyoles Spanien Estany de Banyoles 1986 Hamburg Deutschland Wassersportzentrum Hamburg-Allermöhe 1987 Allèves Frankreich Lac d’Aiguebelette 1988 Willebroek (Mechelen) Belgien Hazewinkel 1989 Amsterdam Niederlande Bosbaan 1990 Ottensheim (Linz) Österreich Donau-Nebenarm 1991 Naro (Sizilien) Italien Lago San Giovanni Nations Cup 1992 Motherwell (Glasgow) Vereinigtes Königreich (Schottland) Strathclyde Country Park 1993 Ioannina Griechenland Pamvotida-See 1994 Paris Frankreich Stade nautique de Vaires-sur-Marne 1995 Groningen Niederlande KPN Watersportbaan 1996 Willebroek (Mechelen) Belgien Hazewinkel 1997 Mailand Italien Idroscalo 1998 Ioannina Griechenland Pamvotida-See 1999 Hamburg Deutschland Wassersportzentrum Hamburg-Allermöhe 2000 Kopenhagen Dänemark Bagsværd-See U23-Weltregatta 2001 Ottensheim (Linz) Österreich Donau-Nebenarm 2002 Genua Italien Mittelmeer-Hafen 2003 Belgrad Serbien und Montenegro Save 2004 Posen Polen Maltasee U23-Weltmeisterschaften 2005 Amsterdam Niederlande Bosbaan 2006 Willebroek (Mechelen) Belgien Hazewinkel 2007 Motherwell (Glasgow) Vereinigtes Königreich (Schottland) Strathclyde Country Park 2008 Brandenburg an der Havel Deutschland Regattastrecke Beetzsee 2009 Račice u Štětí Tschechien Ruderkanal Račice 2010 Brest Belarus Ruderkanal Brest 2011 Amsterdam Niederlande Bosbaan 2012 Trakai Litauen Galvesee 2013 Ottensheim (Linz) Österreich Donau-Nebenarm 2014 Varese Italien Lago di Varese 2015 Plowdiw Bulgarien Ruderkanal Plowdiw 2016 Rotterdam Niederlande Willem-Alexander Baan 2017 Plowdiw Bulgarien Ruderkanal Plowdiw 2018 Posen Polen Maltasee 2019 Sarasota Vereinigte Staaten Nathan Benderson Park 2020 Bled Slowenien Bleder See 2021 Račice u Štětí Tschechien Ruderkanal Račice 2022 Varese Italien Lago di Varese 2023 Plowdiw Bulgarien Ruderkanal Plowdiw 2024 St. Catharines Kanada Royal Canadian Henley Rowing Course 2025 Posen Polen Maltasee 2026 Duisburg Deutschland Regattabahn Duisburg
Weblinks – Website des Weltruderverbandes (englisch)
Einzelnachweise Die Veranstaltung wurde etwa im Jahr 1953 in Wijnegem bei Antwerpen und im Jahr in Mailand ausgetragen. Über eventuelle weiter zurückliegende Veranstaltungen dieser Serie liegen keine Informationen vor.