mini|Henry Lewis, um 1856 gemalt von John B. Irving II. Henry Lewis (* 12. Januar 1819 in Newport, Grafschaft Shropshire, England; † 16. September 1904 in Düsseldorf) war ein US-amerikanischer Landschafts- und Genremaler, der sich von 1853 bis zu seinem Tode im Malermilieu der Düsseldorfer Schule aufhielt. Von 1867 bis 1881 war er außerdem Konsularagent der Vereinigten Staaten von Amerika in Düsseldorf. Eine besondere Bedeutung erlangte er in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Schöpfer eines bewegten Panoramas und eines reichhaltig illustrierten Buches vom Mississippi River.
Leben Kindheit Lewis wurde als Sohn von Thomas G. Lewis in Newport geboren, einer Kleinstadt in den West Midlands Englands. Angeblich wanderte er 1829 als Zehnjähriger mit seinem Vater und zwei Brüdern nach Boston in die Vereinigten Staaten aus, wo er eine kurze formale Schulbildung erhielt. Jüngere Nachforschungen datierten die Auswanderung auf den Zeitraum 1833/1834 und stellten einen von Lewis behaupteten Erwerb einer US-amerikanischen Staatsbürgerschaft in Frage.John Graham Cook: The Artist Henry Lewis. The Case of the Falsified Résumé. In: Minnesota Historical Society: Minnesota History. The Quarterly of the Minnesota Historical Society. Vol. 57, Heft 5 (Frühjahr 2001), S. 242 In Boston trat er 1836 eine Ausbildung zum Zimmermann an. Als eifriger Leser besuchte er in seiner Freizeit eine Bibliothek, die ihm unter anderem die Lektüre von James Fenimore Coopers romantischen Schilderungen des Wilden Westens ermöglichte. 1836 zogen Henry Lewis und sein Vater nach St. Louis, Missouri, wo George T. Lewis, Henrys Bruder, bereits wohnte und Henry eine Arbeit als Bühnenbauer des Theater- und Opernhauses fand.
Frühe Jahre als Maler mini|Saint Louis in 1846, Gemälde, 1846 mini|Cheever’s Mill on the St. Croix River, Gemälde, 1847 Als junger Mann entschloss sich Henry Lewis, Künstler zu werden. 1845 eröffnete er zusammen mit James F. Wilkins (1808–1888), einem ausgebildeten, aus England stammenden Kunstmaler, ein Atelier. Bald hatte seine weitgehend autodidaktische Malerausbildung einen Stand erreicht, dass er nach lokalen Maßstäben als „Landschaftsmaler von mehr als gewöhnlichem Verdienst“ angesehen wurde. Zu seinen ersten Motiven gehörte eine Panorama-Ansicht von Anwesen in reichen Vororten am Illinois-Flussufer von St. Louis, die er Western Metropolis nannte. 1846 schickte er das Bild zur American Art-Union. Danach präsentierte er es auf einer Ausstellung in St. Louis und errang damit den ersten Preis. Sein künstlerisches Interesse galt besonders dem Mississippi River, den er auf Studienreisen in den Jahren 1846, 1847 und 1848 erkundete. Auf seiner Reise des Jahres 1847 begleitete er den Geologen David Dale Owen auf einer Erkundungsfahrt in das St.-Croix-Tal. Außerdem war er seit dieser Zeit häufig Gast des Armee-Hauptmanns und Malers Seth Eastman (1808–1875), damals Kommandant von Fort Snelling, und seiner Frau, der Schriftstellerin Mary Henderson Eastman (1818–1887).Zum Ehepaar Eastman siehe Näheres im Artikel Seth Eastman in der englischsprachigen Wikipedia. Auf seiner Studienreise des Jahres 1848 war Lewis in Begleitung des Journalisten John S. Robb, der der Zeitung St. Louis Reveille lebendige Berichte der gemeinsamen Flussreise schickte. Robb berichtete den Zeitungslesern auch davon, dass Lewis’ Skizzen zu einem bewegten Panoramabild des Mississippi entwickelte, das vor einem Publikum durch Abrollen von Bildern mit Flussansichten von Städten und Szenen vorgeführt werden sollte. Den Plan dazu hatte Lewis wohl seit etwa 1846 gefasst und fortlaufend entwickelt. Den Anstoß dazu dürfte er durch andere Hersteller erhalten haben, die seinerzeit in St. Louis ihre Panoramen öffentlich zur Schau stellten oder Panoramen entwickeln wollten, insbesondere von dem franko-amerikanischen Maler Leon Pomarede, mit dem er 1848 dazu vorübergehend kooperierte. Zwischen 1846 und 1849 wurden in St. Louis und anderen Städten dem Publikum sechs bewegte Panoramen vorgestellt, 1846 das angeblich drei Meilen lange Panorama von John Banvard, 1848 das Leviathan Panorama von John Rowson Smith, dessen Länge sogar mit vier Meilen angegeben wurde. Im September 1848 stellte Lewis ein Team zusammen, das seine Skizzen auf große Leinwände zu übertrug und so das eigentliche Panorama von 12 Fuß Breite und mehr als 1300 Fuß Länge entstehen ließ. Hierfür gewann er den Maler John R. Johnston, aber auch den späteren Architekten Edwin F. Durang, den späteren Bühnenmaler John Leslie und James B. Laidlow, einen Bühnenmaler aus Schottland.Lisa Knopp: What the River Carries. Encounters with the Mississippi, Missouri, and Platte. University of Missouri Press, Columbia/Missouri 2012, ISBN 978-0-8262-1974-9, S. 17 ff.
Die Zeit als Panorama-Schausteller Nachdem das Panorama im August 1849 fertiggestellt worden war, wurde es in der Folgezeit in St. Louis und auf einer großen Amerikatour, die von Milwaukee über Chicago bis in die großen Städte der Ostküste ging, erfolgreich aufgeführt. Die Präsentation erfolgte zweiteilig – in einem Teil Upper Mississippi und einem Teil Lower Mississippi – an zwei verschiedenen, auf einander abgestimmten Orten, jeweils mit Vorlesung von Erläuterungen zu den dargestellten Einzelszenen und mit Musikbegleitung. Sein Partner bei der Präsentation des Panoramas war Washington King, der später Bürgermeister von St. Louis wurde. Nachdem es in Cincinnati aufgeführt worden war, wo 1848/1849 das Panorama entstanden war, beschrieb die dortige Western Art-Union es als „by far the best that we have seen“ („bei Weitem das Beste, was wir gesehen haben“).Henry Lewis. In: Donald Ralph MacKenzie: Painters in Ohio, 1788–1860. Dissertation, Ohio State University, Columbus/Ohio 1960, S. 217 f. () Geringeren Erfolg hatten weitere Aufführungen in kanadischen Städten, so dass Lewis sich Ende 1851 entschloss, das Panorama in seinem Geburtsland Großbritannien zu präsentieren. Nach Aufführungen in England zog er im Frühjahr 1852 weiter ins niederländische Den Haag. Ende 1852 stellte er das Panorama im Cürten’schen Saal an der Berger Straße in Düsseldorf aus. Dem Maler Charles Wimar zufolge verfehlte das Werk seine Wirkung beim deutschen Publikum.Sabine Morgen: Die Ausstrahlung der Düsseldorfer Malerschule nach Amerika im 19. Jahrhundert. Düsseldorfer Bilder in Amerika und amerikanische Maler in Düsseldorf. Göttinger Beiträge zur Kunstgeschichte, Band 2, Edition Ruprecht, Göttingen 2008, ISBN 978-3-7675-3059-1, S. 700 f. 1853 ließ sich Lewis in Düsseldorf nieder, von wo aus er weitere Touren mit seinem „Original Reisen-Cyclorama“ unternahm. Als sich jedoch herausstellte, dass er mit dem Bild kaum noch einen Profit machen konnte, entschloss er sich es zu verkaufen. Einen Käufer fand er 1857 in einem Niederländer namens Hermens (oder Hermans), der im Sommer 1860 nach Zahlung nur des halben Kaufpreises sich und das Bild nach Kalkutta einschiffte. Berichte über den weiteren Verbleib des Bildes existieren nicht.
Das Bilderbuch über den Mississippi mini|400px|Ansicht von New Orleans (Louisiana), doppelseitiges Panoramabild aus dem Buch Das illustrirte Mississippithal, 1854 Möglicherweise hatte Lewis bereits seit 1848 geschäftlichen Kontakt mit Heinrich Arnz, dem Eigentümer der Verlagsgesellschaft Arnz & Comp. aus Düsseldorf, um ein „work on the Mississippi“ herzustellen. Jedenfalls konkretisierten sich die schriftstellerischen und lithografischen Arbeiten zu dem Bilderbuch mit dem Titel Das illustrierte Mississippithal in den Jahren bis zum Herbst 1857, ehe die komplette deutschsprachige Fassung des Buches mit 431 Seiten und 54 Lithografien in den Verkauf gehen konnte. Das Werk, das in Teilen schon ab 1854 publiziert wurde, schilderte den deutschsprachigen Lesern in einer Ansammlung von Berichten, die Lewis ohne Nennung von Quellen zusammengetragen hatte, die Gegenden des Mississippi sowie Ereignisse in ihrer Geschichte und Bräuche ihrer Einwohner. 1858 wechselte die Firma Arnz & Comp. infolge eines Betrugsskandals den Eigentümer. Das Projekt der englischsprachige Ausgabe The Valley of the Mississippi Illustrated, deren erster Teil bereits 1854 in der New Yorker Daily Tribune beworben wurde, geriet dadurch in Mitleidenschaft. Nur Fragmente davon erschienen in einem Aachener Verlag und blieben erhalten.
Im Düsseldorfer Malermilieu mini|Derendorf bei Düsseldorf, 1855, Privatbesitz mini|A Street in Saint Louis, 1863, Saint Louis Art Museum mini|Die Godesburg, 1866, Reading Public Museum