Das Verborgene Museum war ein Museum in Berlin, in dem seit 1987 Werke von Künstlerinnen aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Bildhauerei und Architektur ausgestellt wurden. In erster Linie wurden in Vergessenheit geratene europäische Künstlerinnen vorgestellt, die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert geboren und als erste zu öffentlichen Ausbildungsstätten zugelassen wurden sowie an Akademien und Kunstschulen wirkten. Weltweit war es das einzige Museum, „das sich ausschließlich Werken vergessener Künstlerinnen des letzten Jahrhunderts widmet.“ Zum 1. Januar 2022 wurde es geschlossen, und die Bestände werden nun in der Berlinischen Galerie gezeigt. Geschichte
Anfänge mini|Das Verborgene Museum, Raum 1 1987 war anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins von den beiden Künstlerinnen Evelyn Kuwertz und Gisela Breitling in Zusammenarbeit mit dem Projektträger Neue Gesellschaft für Bildende Kunst eine Ausstellung über die Kunst vergessener Künstlerinnen gestaltet worden.Monika Kaiser: Das Verborgene Museum 1987/88 in der Akademie der Künste in Westberlin. In: Monika Kaiser: Neubesetzungen des Kunst-Raumes. Feministische Kunstausstellungen und ihre Räume, 1972–1987. Transcript-Verlag, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-8376-2408-3, S. 238–275, S. 239. Sie trug den Titel Das Verborgene Museum. Dafür waren alle Depots der Westberliner Museen nach entsprechenden Werken durchforstet worden. Doch die Gruppe um Gisela Breitling wollte nicht nur eine, sondern viele Ausstellungen, und zwar in einem eigenen Museum. Nur zufällig, so die Museumsleiterin Marion Beckers, bestand die Gruppe aus Frauen: „Wir hätten auch Männer aufgenommen, aber damals war noch die Zeit der Frauengruppen. Und Männer haben sich für die Kunst der Frauen noch nicht sehr interessiert.“
Unmittelbar nach der Initialausstellung wurde zur Verwirklichung der weitergehenden Pläne der Verein Das Verborgene Museum e. V. gegründet.Monika Kaiser: Das Verborgene Museum 1987/88 in der Akademie der Künste in Westberlin. In: Monika Kaiser: Neubesetzungen des Kunst-Raumes. Feministische Kunstausstellungen und ihre Räume, 1972–1987. Transcript-Verlag, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-8376-2408-3, S. 238–275, S. 254, Anmerkung 39. Passende Räume fand die Gruppe in Berlin-Charlottenburg im Hinterhof des Gebäudes Schlüterstraße 70. Maßgeblich für die Namensgebung des Museums war jedoch nicht die versteckte Lage, sondern der konzeptionelle Ansatz: „Verborgen“ waren die hier gezeigten Werke bisher für Besucher der Museen, in deren Beständen sie sich befanden, ohne beachtet und ausgestellt zu werden. Die öffentliche Präsentation solcher Arbeiten ist das Anliegen des Verborgenen Museums.
Weitere Entwicklung Das Museum in der Schlüterstraße stellte seit der ersten Ausstellung in seinen Räumen um die 100 Künstlerinnen vor und rief sie damit in Erinnerung. Die präsentierten Kunstwerke erfuhren und erfahren dank der „Pionierarbeit“ des Museums hier oftmals ihre erste Würdigung in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.
Als besonderes Erfolgserlebnis wertete es das Museum, wenn es eine Künstlerin zum ersten Mal zeigte und ihre Werke später Eingang in große Museen fanden. Dies gelang bei Lotte Laserstein, die in Deutschland vor allem durch die Ausstellung im Verborgenen Museum 2003 wiederentdeckt wurde. 2014 waren dann drei Bilder von ihr in der Ausstellung Wien–Berlin in der Berlinischen Galerie zu sehen.
Bis zu der Ausstellung Photographien einer Reise durch die Sowjetunion 1932/33 1989 im Verborgenen Museum waren die Werke von Lotte Jacobi in deutschen Museen seit 1937 nur fünfmal präsentiert worden, dabei niemals in einem großen Berliner Haus.Petra Sorg: Das Verborgene Museum zeigt Fotografien von Lotte Jacobi. Die Kamera war ihre Eintrittskarte. www.berliner-zeitung.de, 27. Januar 1997, abgerufen am 25. Februar 2016.
Für die Anerkennung von Marianne Breslauer leistete das Museum ebenfalls Grundlegendes: Zwei Jahre, nachdem ihre Fotografien in der Ausstellung Fotografien 1927–1937 zu sehen waren, gab es in der Neuen Nationalgalerie eine Ausstellung über die Berliner Fotografin.
Schließung Im Januar 2022 gab der Verein seine Auflösung bekannt und übergab die Arbeit und die Sammlung an die Berlinische Galerie in Berlin-Kreuzberg, mit der es schon mehrere Kooperationen gegeben hatte. Die Vereinsgeschäftsführerin und Chefkuratorin Marion Beckers schied aus. Das Archiv des Verborgenen Museums werde in das „hervorragende“ Archiv der Berlinischen Galerie eingegliedert und dort erstmals öffentlich zugänglich sein. Das Ziel sei es „Entdeckung und Erforschung von Künstlerinnen fortzusetzen, in einem Museum mit Sammlung und Archiv zu institutionalisieren und zugleich eine größere Reichweite zu erzielen“.
Finanzierung 2010 stellte der Senat im Rahmen des Berliner Künstlerinnenprogramms Infrastrukturmittel zur Sicherung und Bespielung der Ausstellungsräume in Höhe von 55.000 Euro zur Verfügung. Pressemitteilung der Berliner Kulturverwaltung, auf www.berlin.de, 5. Januar 2011, abgerufen am 6. Februar 2016.
Die Berliner Kulturverwaltung trug die Miete für die Museumsräume und die Hälfte des Gehalts der Museumsleiterin, die Mittel für die jeweiligen Ausstellungen mussten die Museumsmacherinnen jeweils neu beantragen (Stand: Januar 2014). Das Engagement der vielen Ehrenamtlichen, die unentgeltlich beim Museum mitwirkten, war eine wesentliche Säule des Museumsbetriebs.
Ausstellungen mini|hochkant|Ilse Heller-Lazard: Maja Klauser, 1933 Übersicht Das Verborgene Museum widmete sich weltweit als einzige Institution dem Lebenswerk vergessener Künstlerinnen aus allen Bereichen der bildenden Künste, deren Wiederentdeckung, Erforschung, Präsentation und Publikation. Die Frauen gehören überwiegend der um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert geborenen Generation an, die als erste an öffentlichen Ausbildungsstätten zugelassen waren. Ein Schwerpunkt waren um 1900 geborene Fotografinnen.brennpunkt. Magazin für Fotografie. Sonderausgabe. Edition Bührer, Berlin 2009, ISBN 978-3-86931-066-4, S. 19/20.
Die thematischen Ideen für Ausstellungen entstanden auf verschiedenen Wegen: Manchmal kamen Nachlassverwalter auf das Verborgene Museum zu, in anderen Fällen meldeten sich Kunsthistoriker. Auch Dachbodenfunde der Angehörigen verstorbener Künstlerinnen haben schon zu Ausstellungen geführt, so etwa 2009 im Falle von Ilse Heller-Lazard.Christiane Meixner: Wiederentdeckt: die Malerin Ilse Heller-Lazard. Der Tagesspiegel, 9. Januar 2010. Mittlerweile wurden die Hinweise auf solche Dachbodenfunde so zahlreich, dass das Museum ihnen nicht immer nachkommen konnte. Aus Platzgründen musste sich das Museum meist auf einen Überblick über die Vielfalt der Themen der ausgestellten Künstlerin beschränken.
Bis 2012 konzentrierte sich das Museum auf Einzelausstellungen. 2013 wurden in der Ausstellung Künstlerinnen im Dialog die Bezüge zwischen den Werken verschiedener Künstlerinnen der 1920er Jahre aufgezeigt. Dieser Ausstellungstypus bildeten in der Folge neben den Einzelausstellungen einen weiteren festen Programmpunkt des Verborgenen Museums.Künstlerinnen im Dialog. art-in-berlin.de, 19. August 2013, abgerufen am 25. Februar 2016.
Von der Museumsgründung bis Januar 2014 wurden etwa 90 Ausstellungen gezeigt. Im Jahr 2016 wurden, in Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste in Berlin, Bilder der Fotomonteurin und Malerin Alice Lex-Nerlinger (1893–1975) gezeigt. Darunter befanden sich unter anderem ihre bekannten Werke Paragraph 218 von 1931 und Training von 1930.Künstlerin Alice Lex-Nerlinger. Kunst für Snobs? Nein, fürs Volk, Der Tagesspiegel, 25. April 2016
Einzelausstellungen (Auswahl)
2021: Louise Stomps (1900–1988): Natur Gestalten – Skulpturen 1928–1988. 2020: Mathilde Tardif (1872–1929): Panoptikum der Gesellschaft um 1900. 2019: Marianne Strobl (1865–1917): Industrie-Fotografin in Wien. 2018/2019: Maria Austria (1915–1975): Eine Amsterdamer Fotografin des Neorealismus. 2018: Inge Morath (1923–2002): Aus einem fotografischen Kosmos. 2016: Alice Lex-Nerlinger (1893–1975): die erste Retrospektive von Werken der Malerin und Fotomonteurin,Der verhängnisvolle Paragraph in FAZ vom 8. Juni 2016, S. 12 die mit Hannah Höch, Lea und Hans Grundig u. a. in den 1920er Jahren zur Avantgarde der Fotografie gehörte. 2014/2015: Monique Jacot (1934–2024): Erste deutsche Retrospektive der Schweizer Fotografin, die unter den bisher im Verborgenen Museum ausgestellten Frauen die jüngste ist.Ingeborg Wiensowski: Ausstellung von Reportagefotos: Der Blick geht aufs Wesentliche. Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt, Salvador Dalí – mit ihren Porträtfotos für 'Elle' oder 'Vogue' wurde die Schweizerin Monique Jacot in den Fünfzigern bekannt. Nun würdigt eine Berliner Ausstellung auch ihre Reportagefotos. spiegel.de, 14. Oktober 2014, abgerufen am 25. Februar 2016. Anlass für die Ausstellung war der „Berliner Monat der Fotografie“.Anna Pataczek: Fotografin Monique Jacot. Liebender Blick. Endlich in Berlin: Das Verborgene Museum feiert die Schweizer Fotografin Monique Jacot. tagesspiegel.de, 10. Februar 2014, abgerufen am 25. Februar 2016. 2013/2014: Käthe Augenstein 2001: Yva: Photographien 1925–1938. 2000: Ursula Arnold: Belle Tristesse – Photographien. (Eingerichtet von der Staatlichen Galerie Moritzburg, Halle) 2000: Die Berliner Architektin Hilde Weström: Meine Chance war die zerstörte Stadt. Bauten 1947–1981. Ausstellung im Berlin-Pavillon 1999/2000: Ida Gerhardi: Eine Malerin zwischen Paris und Berlin. (Übernahme vom Kunstverein Kreis Coesfeld) 1999: Bildnisse europäischer Photographinnen 1920–1940. Gertrud Arndt, Ellen Auerbach, Lotte Beese, Marianne Brandt, Marianne Breslauer, Claude Cahun, Trude Fleischmann, Gisèle Freund, Florence Henri, Lotte Jacobi, Grit Kallin-Fischer, Germaine Krull, Madame d’Ora, Elli Marcus, Etel Fodor-Mittag, Lucia Moholy, Ida Nappelbaum, Cami Stone, Elsa Thiemann, Marta Wolff, Yva. 1998: Marta Hegemann: Die Kunst – Ein Gleichnis des Lebens. 1998: Marta Hoepffner: Photokünstlerin und Pädagogin. (Übernahme vom Stadtmuseum Hofheim am Taunus) 1998: Lotte Errell: Reporterin der 30er Jahre – Photographien. (Übernahme aus dem Museum Folkwang, Essen) 1997: Lily Hildebrandt: Gemälde, Hinterglasbilder, Zeichnungen, Photographien. 1997: Ilse von Heyden-Linden: Das Geheimnis der Blauen Balken – Malerei. 1997: Atelier Lotte Jacobi: Berlin • New York – Photographien. 1996: Ré Soupault: Photographien aus Paris 1934–1938. 1995: Marie Vassilieff: Eine russische Künstlerin in Paris. Malerei, Poupée-Portraits und Photodokumente. 1995: Gerta Taro: Photoreporterin im Spanischen Bürgerkrieg 1994 bis Februar 1995: Gerda Leo: Photographien 1926–1932. 1994: Helen Ernst: Berlin – Amsterdam – Ravensbrück: Stationen einer antifaschistischen Künstlerin. Malerei und Graphik. 1994: Gertrud Arndt: Maskerade und Neue Sachlichkeit. Photographien der Bauhaus-Künstlerin 1993: Käthe Loewenthal: Ölbilder – Pastelle – Zeichnungen. 1993: Else Thalemann: Industrie- und Pflanzenphotographien um 1930. 1992: Gerda Rotermund: Gedächtnisausstellung zum 90. Geburtstag – Malerei und Graphik. 1992: Hilde Holger: Tanzkunst in Wien – Bombay – London: Photographien und Kostümentwürfe. 1991: Éva Besnyő: Budapest – Berlin – Amsterdam. Photographien 1930–1989. 1991: Else Lohmann: Die Berliner Jahre 1917–1921. Malerei 1991: Lucy Hillebrand: Raum-Spiele – Spiel-Räume. Architekturentwürfe und Modelle 1990: Lidy von Lüttwitz: Skulpturen 1990: Heidrun Hegewald: Ölbilder – Zeichnungen – Druckgraphik aus der DDR 1989 bis Februar 1990: Finnische Architektinnen 1890–1957. (Übernahme vom Museum für finnische Architektur, Helsinki.) 1989: Imaginationen der Weiblichkeit in der Französischen Revolution – Reproduktionen von Künstlerinnen der Zeit. 1989: Lotte Jacobi: Photographien einer Reise durch die Sowjetunion 1932/33. 1988: Simona Weller (geboren 1940): il segno delle stagioni. Malerei 1987: Louise Rösler: Stadtlandschaften 1935–1984 – Malerei