mini|Schild des Rabatt-Spar-Vereins Niedersedlitz und Umgebung – Dresden mini|Kassenbuch „Einigkeit-Bierden“ aus dem Jahr 1936 Sparvereine, auch Sparclubs, sind ein Teil der Vereinskultur im deutschsprachigen Umfeld und kamen Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Neben dem Anliegen des gemeinsamen Sparens spielte die Geselligkeit eine Rolle. Heute (Stand 2016) sind Sparvereine auch als Mikrofinanzinstitut in West- und Zentralafrika sowie in Teilen Südostasiens wieder im Kommen.
Sparvereine spielten auch eine Rolle als Vorfeldorganisation bei der Gründung eines (zumeist) genossenschaftlichen Bankinstituts wie Bau-, Produktions- und Handelsgenossenschaften. Der Begriff findet sich mehrfach als Namensbestandteil von entsprechenden Instituten.
Entwicklung in Deutschland Erste Gemeinschaften von Kleinsparern sind in Deutschland schon ab dem Jahr 1847 verzeichnet.Vereinssparen, S. 6. Die Idee des Gemeinschaftssparens verbreitete sich in Norddeutschland, wo sie zuerst als aufgegriffen wurde.Karl Eugen Ritter: Der Sparvertrag auf den Namen eines Dritten. Dissertation der juristischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität zu Erlangen, 1960, S. 13. Erste Sparclubs in Hamburg, betrieben ab 1878 von Seeleuten und Hafenarbeitern, dienten aber auch der gegenseitigen Unterstützung in Notfällen. Einschlägige Statuten forderten einen unbescholtenen Charakter der Neumitglieder, eine Ersteinlage und monatliche Zahlungen. Der Berliner Generalstaatskassenbuchhalter und ehrenamtliches Mitglied der Armenkommission, Gottlieb Samuel Liedke hatte 1845 vorgeschlagen, mit sogenannten Zwecksparvereinen Bedürftigen zu ermöglichen, auf gemeinsame Rechnung und in großen Mengen preiswerte Haushalts- und Lebensmittel zu erwerben. Bei diesem Konzept fungierten die Sparvereine (auch Liedkesche Vereine genannt) gleichzeitig als Einkaufsgenossenschaften. Durchgesetzt hat sich aber die Trennung von Sparverein und Konsumgenossenschaft. Eine Vielzahl von Gründungen fanden schon um 1879 im sächsischen Umfeld statt, neben Leipzig und Chemnitz auch insbesondere in den Industriedörfern des Erzgebirges. In Sachsen waren die Haftungsvorgaben weniger strikt. Es kam bereits 1890 zu Beschwerden über die Vergnügungs- und Putzsucht der Unterschichten. Ebenso protestierten schon im Kaiserreich mittelständische Betriebe und der Kleinhandel gegen die Konsumvereine.
Abgrenzung von den Genossenschaftsbanken und Konsumgesellschaften In den deutschsprachigen Ländern entstand parallel mit den Sparkassen und Raiffeisenkassen ein durchaus frühes und bedeutendes Mikrofinanzangebot jenseits der großen Finanzinstitute. Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818–1888) hatte landwirtschaftliche Einkaufsgenossenschaften zum günstigen Einkauf von Produktionsgütern wie beispielsweise Saatgut und Düngemittel wie auch zugehörige Finanzdienstleistungen initiiert. Die von Hermann Schulze-Delitzsch (1808–1883) gegründeten Spar- und Konsumvereine auf Genossenschaftsbasis arbeiteten im eher städtischen und kommunalen Umfeld, sprachen aber ebenso weniger vermögende Schichten an. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland schlossen sie sich mit den Raiffeisenbanken zusammen.
Sparvereine ermöglichten Sparanlagen unterhalb der genossenschaftlichen Sparkassen. Im Sparverein wurden Gebühren und Aufwand für ein eigenes Konto oder Sparbuch gemeinsam getragen. Gleichzeitig war der Sparverein eine gesellige Einrichtung. Die gemeinsamen Einlagen wurden oft im Rahmen einer Feier oder Veranstaltung ausgezahlt, und gelegentlich dienten sie der Finanzierung einer gemeinsamen Fahrt oder Veranstaltung über den Sparverein, ob eingetragen oder nicht. Ebenso finden sich Sparvereine, neben Turn- und Gesangsvereinen, auch im Umfeld der Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Alldeutschen Bewegung im Kaiserreich.
Rolle im Genossenschaftswesen Einige Sparvereine, die auch teilweise über die Betriebe, Verbände oder (etwa bei Bahn und Post) über die zugehörige Regionalverwaltung des Dienstherrn organisiert wurden, waren auch Vorläufer von einschlägigen Bankinstituten im Arbeitnehmerbereich, ähnliche Entwicklungen finden sich auch bei Handwerkern, Beamten und Landwirten. Umgekehrt kamen Sparvereine auch nach bereits etablierten Sparkassen auf- wie etwa am Beispiel der bereits 1824 gegründeten Amberger Sparkasse untersucht wurde. Sie wurde dabei nicht als Konkurrenz betrachtet. In Amberg war bis 1880 auch ein Privat-Spar-Verein, eine PrivatSpar-Gesellschaft sowie der Sparverein der Gewehrfabrikarbeiter und der Sparverein der Arbeiter der Gebr. Baumann’schen Blechwaarenfabrik gegründet worden.Anna Schiener: Die städtische Sparkasse Amberg im 19. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Oberpfalz. (Regensburger Beiträge zur Regionalgeschichte. 14). Archiv des St. Katharinenspitals Regensburg – edition vulpes, Regensburg 2013, ISBN 978-3-939112-69-3, S. 296 ff. Bereits die Namen weisen auf eine gewisse soziale Differenzierung hin.
Nach der Aufhebung der Sozialistengesetze und Erleichterungen bei den Haftungsvorgaben um 1890 wurde die Einrichtung von Genossenschaften generell wie speziell für Arbeitnehmer erleichtert. Bei (teilweise heute noch existierenden) Baugenossenschaften findet sich die Herkunft aus dem Sparverein noch im Namen, etwa bei Gemeinnützige eG Bau- und Sparverein Geislingen, ebenso beim anfänglich sozialistisch orientierten, 1899 gegründeten Hamburger Konsum-, Bau- und Sparverein „Produktion“, der unter anderem eine eigene Kaffeerösterei betrieb.Josef Rieger, Max Mendel, Walther Postelt: Die Konsumgenossenschaft „Produktion“, 1899–1949, Geschichte einer genossenschaftlichen Verbrauchervereinigung von der Gründung bis zum fünfzigsten Geschäftsabschluß und ihrer Vorläufer. Hamburg 1949.
Während etwa der Sparverein in Dresden auch vor 1860 schon jüdische Mitglieder hatte, schlossen andere, auch bereits genossenschaftlich organisierte Institute bzw. Vereinigungen Juden aus. Der Bankier Werner Kleemann, (u. a. im Vorstand der Dresdner Bank) setzte sich noch in den 1920er Jahren massiv für ein jüdisches Genossenschaftswesen ein. Noch 1932 wurde dann der Leih- und Sparverein Esra als dritte jüdische Berliner Kreditgenossenschaft für die besonders benachteiligten Ostjuden in Berlin gegründet.
Sparschränke
mini|Sparschrank einer Schulsparkasse aus dem Wirtschaftsmuseum in Ravensburg
Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts kamen Sparschränke (auch: Gemeinschaftssparschrank, Sparkasten oder Sparkästchen, in Österreich auch Sparvereinskasten) auf, die eine Einzahlung von Spareinlagen auch ohne Anwesenheit eines Kassierers ermöglichten. Derartige Modelle aus Stahl, oder seltener aus Holz, verfügen über eine Reihe nummerierter Fächer mit Schlitzen, in die Bargeld gesteckt werden konnte. Die Schränke wurden in vielen Gaststätten aufgehängt und fanden sich ebenso in Schulen und Läden, wo etwa das herausgegebene Wechselgeld zum Sparen verwendet wurde. Sie wurden von Banken und Sparkassen im Rahmen der Unterstützung des Gemeinschaftssparens, versehen mit einem Aufdruck des jeweiligen Instituts, kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Schrank fungierte als Blickfang für den zukünftigen Sparer, als .Vereinssparen, S. 17.
Blütezeit und Rückgang Das Vereinssparen in Deutschland erlebte nach dem Ersten Weltkrieg eine Blütezeit, kam aber während des Zweiten Weltkrieges fast vollständig zum Erliegen. Die Genossenschaften wurden in der Deutschen Arbeitsfront vereinnahmt, das Spendenwesen unter anderem beim Winterhilfswerk zentral aufgestellt.
Rolle in der DDR Die DDR führte die (Konsum)Genossenschaften separat von der Handelsorganisation, der Konsum blieb eine Genossenschaft und war ebenso nicht Gegenstand der späteren Reprivatisierung durch die Treuhandgesellschaft.
In der DDR selbst waren Vereinsleben und Gastronomie erheblichen Einschränkungen unterworfen. Der bedeutende DDR-Autor Willi Bredel zeigt das gespaltene Verhältnis der Kommunisten zu den sozialdemokratischen Traditionen. Bredel beschreibt in seiner Trilogie „Verwandte und Bekannte“ anhand des Sparvereins Maienblüte in Hamburg das familiäre Leben der sozialdemokratisch geprägten Hamburger Arbeiterschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Humor und genauer Milieukenntnis. Die ursprüngliche Sozialfaschismusthese der KPD konnte Bredel nach 1934 nicht mehr offen verfechten, Bredel verdeckt seine Abrechnung mit der vorgeblich gescheiterten Sozialdemokratie in durchaus dichten und auch im Westen anerkannten Familienromanen. Der Sparverein dient als Knotenpunkt für die verschiedenen Handlungsfäden in der Romanhandlung und wird als ursprüngliche Tarnorganisationen für die Arbeiterbewegung unter den Sozialistengesetzen beschrieben, auch Verspießerung und Revisionismus werden anhand des Vereinslebens gezeigt.Willi Bredel: Dokumente seines Lebens. Aufbau-Verlag, 1961, S. 31. Eine mögliche Erklärung für Bredels Rekurrieren auf Hamburg und dessen starker KPD liegt möglicherweise in der Vorgeschichte in Sachsen. Die Kommunisten hatte insbesondere in den Jahren 1928–1930 vergeblich versucht, beim dort früh etablierten sozialdemokratischen Genossenschaftswesen oder bei den Gewerkschaften Fuß zu fassen oder Sparvereine in kommunistische Kampfverbände umzuwandeln, stießen dabei aber auf erbitterten Widerstand.
Wiederaufkommen im Westen nach 1948 Nach der Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen wurden dort viele der Sparclubs neu- oder wiedergegründet.
Örtliche Banken und Sparkassen empfahlen und unterstützten diese Sparform vielfach, weil sie der diente und den Weg dafür bereitete, dass Clubmitglieder vom bald zum Einzelkunden der jeweiligen Bank wurden.Vereinssparen, S. 9. Die Geldinstitute nahmen von sich aus Kontakt zu Wirten und Geschäftsinhabern (beispielsweise Frisören oder Einzelhändlern) auf und warben für die Aufstellung eines Sparschrankes in den Geschäfts- und Gasträumen. Sie wirkten bei der Gründung örtlicher Vereine, zum Beispiel durch Auswahl geeigneter Personen für den Vereinsvorstand, mit, gaben Mustersatzungen heraus und stellten neben einem Sparschrank auch Formulare, Bücher und Geldtüten kostenlos zur Verfügung. Bei Auszahlungen war oft ein Vertreter der Bank oder Sparkasse mit Glückwünschen und guten Ratschlägen anwesend. Die Größenordnung der Sparvereine wuchs rapide: Förderten 1950 noch 143 Sparkassen das Vereinssparen, wobei der Umsatz bei 14,08 Millionen Deutsche Mark lag, waren es zwei Jahre darauf bereits 333 Sparkassen mit einem Umsatz von 49,23 Millionen Mark.Vereinssparen, S. 29. Allein in Hamburg soll es um 1965 2.800 der Clubs mit 185.000 Einzahlern gegeben haben.
Banken versuchten in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg auch, Sparschränke auch unabhängig von Sparvereinen in eigener Verwaltung aufzustellen, so etwa in Geschäften. Dies wurde bald wieder eingestellt: Der Aufwand dafür und die Kosten für die Führung von Einzelkonten hielten dem Vergleich mit Sparvereinen nicht Stand.Vereinssparen, S. 14.
Der anfänglichen Unterstützung der Sparvereine folgte in den 1980er und 1990er Jahren ein langsamer Rückzug der Geldinstitute. Zwar ermöglichen bis heute Banken die einfache Kontoführung für die Erlöse aus dem Gemeinschaftssparen: Sparbücher und Gemeinschaftskonten sind für die eingetragenen Sparvereine nach wie vor erlaubt und verbreitet. Die Organisation und die Beschaffung von Hilfsmitteln müssen die Spargemeinschaften jedoch selbständig abwickeln.Immer Flüssig. ZEIT-magazin.
Dessen ungeachtet wird das Gemeinschaftssparen in Gaststätten auch heute noch vielerorts genutzt. Der größte Hersteller von Sparschränken in Deutschland hat seit 1922 über 800.000 der Kästen hergestellt,Weihnachtsgeld dank Sparschrank. In: Saarbrücker Zeitung vom 9. September 2008. von denen nach Unternehmensangaben noch mindestens 250.000 im Einsatz sind.Pressemitteilung der Nordia GmbH vom 1. Oktober 2002.
Ablauf des Kleinsparens im Sparverein