mini|Eisenwerk Maximilianshütte um 1960, im Hintergrund Teublitz Die Maxhütte in Haidhof, gegründet als T. Michiels, Henry Goffard & Cie, kurz danach umbenannt in Eisenwerk-Gesellschaft Maximilians-Hütte – bei Burglengenfeld (benannt nach Maximilian dem II., König von Bayern), war ein Stahlwerk. 1851 wurde die Keimzelle der Maxhütte (MH) gegründet. Produktionsbeginn war im Januar 1853. Nach Verlagerung eines Großteils der Produktion sowie der Hauptverwaltung nach Rosenberg war das Werk Maxhütte-Haidhof ein Zweigwerk der MH. Heute ist es zum Teil ein Industriedenkmal in Maxhütte-Haidhof sowie ein Gründerzentrum und eine Firmenniederlassung.

Maxhütte ist zugleich der Hauptort der Stadt Maxhütte-Haidhof im Oberpfälzer Landkreis Schwandorf.

Geschichte T. Michiels, Henry Goffard & Cie Mit Beginn der Geschichte der modernen Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts und des damit verbundenen, vernetzten Verkehrssystems wuchs auch der Bedarf an Schienen. Spätestens als der Adler Ende 1835 seinen kommerziellen Betrieb auf der Strecke zwischen den beiden Städten Nürnberg und Fürth aufnahm, war die Eisenbahn auch in Bayern angekommen. Vor allem Gustav von Schlör, bayerischer Staatsminister für Handel und Öffentliche Arbeiten – auch als Eisenbahnminister bekannt – war ein vehementer Befürworter eines flächendeckenden Eisenbahnnetzes. Als Direktor der privaten Ostbahn-Gesellschaft setzte er im Bayerischen Landtag den Bau der Bahnlinie von Schwandorf über Weiden nach Bayreuth durch und legte damit einen Grundstein für die wirtschaftliche Entwicklung dieser strukturschwachen Region.

Gustav von Schlör regte bereits 1848 in einer Eingabe an, „Die volkswirtschaftlichen Verhältnisse der Oberpfalz in einem vom Staate zu errichtenden Walzwerk zusammen zu fassen, um den vielen Holzkohleöfen den Absatz zu sichern und den Schienenbedarf wenigstens teilweise zu befriedigen.“ Er scheiterte mit dieser Eingabe, da der bayerischen Staatsregierung das nötige Kapital fehlte.

mini|Henry Goffard

Am 12. Oktober 1850 unterbreitete der belgische Konsul in München, Télémaque Fortuné Michiels, zusammen mit dem Eisenbahnbauer Henry Goffard dem bayerischen König Maximilian II. den Vorschlag, in der Nähe von München ein Walzwerk zur Schienenproduktion zu bauen. Télémaque F. Michiels war zudem Unternehmer und unterhielt in Eschweiler-Aue über seine Anonyme Gesellschaft (Aktiengesellschaft) T. Michiels & Cie. seit 1852 ein Stahlwalzwerk, die spätere Phoenix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb.

Aufgrund neu entdeckter Kohlevorkommen entschied man sich zur Verlagerung des geplanten Stahlwerkes in die Oberpfalz statt in der Nähe von München. Am 22. Dezember 1850 reiste Michiels nach Burglengenfeld, wo im dortigen Sauforst (der Begriff kommt von „Schauen“ und nicht von „Sau“ (= Schweine)) 1835 eine „bräunliche Masse“ und zwar rote Kohle – heute als Lignit eingelagert in Braunkohle bekannt – gefunden und seitdem abgebaut wurde. Nach verschiedenen, zum Schluss erfolgreichen Verhandlungen mit den beiden Staatsministern Gustav von Schlör und Ludwig von der Pfordten kauften beide Unternehmer (Michiels und Goffard) die ersten Grundstücke zwischen Burglengenfeld und Haidhof auf. Dies erfolgte bereits vor einem abgeschlossenen Werks-Schienen-Liefervertrag mit der bayerischen Regierung und ihren Staatsbahnen.

Am 17. April 1851 schlossen Michiels und Goffard mit der königlichen bayerischen Staatsregierung einen Vertrag über die Errichtung eines Schienenwalzwerkes in der Oberpfalz sowie über die kontinuierliche Lieferung von Eisenbahnschienen an die bayerischen Staatsbahnen ab. Noch am selben Tag wurde die Kommandit-Gesellschaft auf Aktien „T. Michiels, Henry Goffard & Cie“ unter finanzieller Beteiligung von Münchner und Augsburger Geschäftsleuten gegründet. Als Sitz der Gesellschaft wurde die zu errichtende Fabrikanlage im Sauforst bei Burglengenfeld und als Gesellschaftskapital 600.000 Gulden angegeben. Am 29. Juli 1851 wurde die Genehmigung zum Bau des Eisenwerkes im Sauforst erteilt. Durch verschiedene Widrigkeiten personeller und technischer Art verzögerte sich der Bau des Walzwerkes erheblich. So waren die angeworbenen Arbeiter weder Fachleute noch hochmotiviert, zudem stammten sehr viele aus dem kriminellen Milieu. Die vor Ort geförderte Lignit-Kohle (auch als Rohbraunkohle oder junge Braunkohle bezeichnet) war extrem feucht (Wassergehalt um 40 %) und sie ließ sich weder im Puddelofen noch im Schweißofen ohne vorherige Trocknung verwenden. Aus diesem Grunde mussten mehrere hundert Trockenkammern auf dem Betriebsgelände neu aufgestellt werden. Erst am 10. Januar 1853 konnte der Betrieb endlich aufgenommen werden.

Eisenwerk-Gesellschaft Maximilians-Hütte – kurz: Maxhütte mini|Erster Aktienmantel der Eisenwerk-Gesellschaft Am 4. März 1853 meldete das Landgericht Burglengenfeld an die Regierung der Oberpfalz in Regensburg, dass mittlerweile „Vier Buttel und ein Schweißofen“ Tag und Nacht arbeiten würden. Hintergrund dieser Meldung war auch der, dass dem Unternehmen das Kapital ausging. Bevor es richtig los ging, bestand schon Gefahr eines Konkurses. So verließ als erster der Mitgesellschafter Télémaque Fortuné Michiels das Unternehmen. In einer darauf folgenden Generalversammlung beschloss man die Kommandit-Gesellschaft auf Aktien „T. Michiels, Henry Goffard & Cie“ aufzulösen und eine neue Gesellschaft mit anderen Statuten zu gründen. Am 26. September 1853 wurde die Eisenwerk-Gesellschaft Maximilians-Hütte gegründet, welche mit eigenhändiger Unterschrift des Königs Maximilian II. besiegelt wurde. mini|Konzessionsurkunde von 1853

Obwohl laut Auskunft des Geschäftsdirektors Henry Goffard das Werk im August 1853 im regelmäßigen Betrieb war und damit pro Woche 50 Tonnen Schienen produziert wurden, konnte man den abgeschlossenen Schienenlieferungsvertrag nicht erfüllen. Zu diesem Zeitpunkt empfahl Goffard, die Eisenwerk-Gesellschaft Maximilians-Hütte kurz: Maxhütte zu nennen. Am 6. Dezember 1853 wurde sogar ein „königlicher Comissär“ mit Namen Franz Freiherr von Lobkowitz eingesetzt, um das Werk vorwärts zu bringen. Von Lobkowitz verfügte nicht nur über ausreichende wirtschaftliche Kenntnisse, sondern als „königlicher Comissär“ der Ostbahn-Gesellschaft auch über Fachkenntnisse.

Ära Fromm Als am 28. Oktober 1854 Henry Goffard an einem Lungenleiden starb, stand das Werk kurz vor dem Konkurs. Oberingenieur Ernst Fromm, der seit Juni 1853 im Werk tätig war, verfasste einen positiven Bericht, der den Maxhütten-Aktionär Josef Anton Ritter von Maffei veranlasste, die Liquidation des Werkes aufzuschieben. Nach einigen Tagen Bedenkzeit entschloss sich von Maffei die junge Maxhütte mit einem größeren Geldbetrag finanziell zu unterstützen. Diese Entscheidung veranlasste wiederum die belgische Firma Lieutenant und Peltzer in Verviers, sich finanziell an der Maxhütte zu beteiligen.

Der junge rheinische Hütteningenieur Ernst Fromm, der bereits im September 1853 in die technische Leitung der Maxhütte berufen worden war, und Aktionär Josef Anton Ritter von Maffei sowie der „königliche Comissär“ Franz Freiherr von Lobkowitz sorgten von nun an gemeinsam für den Aufschwung der Maxhütte. Bereits im März 1855 konnte Fromm dem Verwaltungsrat berichten, dass die Betriebsergebnisse günstiger als erhofft waren und das Ausbringen der Öfen sogar größer als bei den Öfen in anderen deutschen Werken war, welche mit guter Steinkohle gespeist wurden.

1855 wurde auch die Produktion von Eisenbandagen aufgenommen. Da die Erzlieferungen aus den Amberger Staatsgruben wenig verlässlich waren, schlug Ernst Fromm bereits 1856 vor, nach modernstem Verfahren aus eigenen Erzen und eigenen Hochöfen sich das Roheisen selbst herzustellen. Die Idee einer eigenen Hochofenanlage in Rosenberg, heute Ortsteil von Sulzbach-Rosenberg, war damit geboren.

Zunächst wurde allerdings im Werk Haidhof 1858 der erste Puddelstahl erzeugt. Mit dem Kauf von Erzfeldern bei Sulzbach vom damaligen Erzlieferanten Graf von Poninsky wurde der Grundstein für die Entwicklung der Maxhütte in Rosenberg gelegt. Gekauft wurden die Erzfelder Etzmannsberg, Karoline, St. Anna, St. Georg, Delphin sowie Eichelberg. Das Feld Delphin wurde 1895 mit einem Schacht erschlossen und gleichzeitig in Erzfeld Fromm mit dem Fromm-Schacht umbenannt. Die Förderung lief dort bis 1943.

Werk Rosenberg mini|Maxhütte Rosenberg mit Ostbahnlinie Nürnberg-Schwandorf-Regensburg Im August 1861 erwarb die Haidhofer Maxhütte gegenüber dem Dorf Rosenberg sowie dem Burgstall Rosenberg entlang der neu eröffneten Ostbahnlinie Nürnberg-Schwandorf-Regensburg ein größeres Gelände mit Kalksteinbruch. Der Preis betrug 15.117,30 Gulden. Unterstützt wurde das Projekt auch von Theodor von Cramer-Klett, dem Eigentümer der Maschinenbau Actiengesellschaft Nürnberg (die spätere MAN). Cramer-Klett zählte neben Gustav von Schlör und Franz Freiherr von Lobkowitz zu den wichtigen Wegbereitern der Eisenbahn in Bayern. Im August 1864 wurde der erste Hochofen in Rosenberg in Betrieb genommen.

Das damalige Hauptwerk in Haidhof wurde trotzdem sukzessive ausgebaut, und 1866 waren schon 21 Doppel-Puddelöfen, ein einfacher Puddelofen sowie zwölf Schweißöfen in Betrieb. Mit einem einzigen Doppel-Puddelofen konnten pro Jahr 600 Tonnen Schmiedeeisen hergestellt werden, während es in Preußen lediglich 480 Tonnen waren. So betrug die Jahreskapazität allein dieser 21 Doppel-Puddelöfen 12.600 Tonnen.

Zudem wurde in 1866 die Stabeisenstraße erweitert. Seit Unternehmensgründung im Jahr 1853 sowie dem anfänglichen Fehlstart entwickelte sich die Maxhütte rasant und wurde in kürzester Zeit das größte Eisenhüttenunternehmen Süddeutschlands. Es war zudem in Nordostbayern der einzige Hersteller von Rohstahl- und Walzstahlprodukten. Damit beherrschte die Maxhütte zu dieser Zeit den heimischen Roheisenmarkt. Die rund 50 kleineren Hochöfen anderer Unternehmer fielen dabei kaum ins Gewicht.

1867 ermöglichte die gerade neueröffnete böhmische Bahn den Transport von qualitativ hochwertiger Steinkohle aus Böhmen und die einheimische, sehr feuchte Lignitzkohle verlor an Bedeutung. Bereits im selben Jahr, also noch in 1867, wurden nur noch 90.000 Zentner Sauforster Lignitzkohle gefördert, allerdings 671.000 Zentner Steinkohle aus Böhmen verbraucht. Im selben Jahr wurden zwei weitere Schweißöfen aufgestellt.

1855 erfand der Engländer Henry Bessemer die Bessemerbirne, ein zylinderförmiges feuerfestes Gefäß, mit der sich das Roheisen zu Stahl umwandeln ließ. Ein solcher Bessemer-Konverter ermöglichte es, in 20 bis 30 Minuten die gleiche Menge an Stahl zu erzeugen, wie ein Puddelofen pro Tag. Das Verfahren war allerdings sehr jung und die Kenntnisse der metallurgisch-chemischen Abläufe im Konverter noch recht unbekannt. Bis in die 1860er Jahre wurde das Verfahren weiter optimiert.

Die Geschäftsleitung der Maxhütte in Haidhof entschied sich trotz der noch nicht ganz marktreifen Technik zum Kauf dieser zukunftsweisenden Technologie. Bereits im Frühjahr 1868 wurde in Haidhof die Bessemer-Hütte in Betrieb genommen, welche für eine Jahreskapazität von 4.000 Tonnen Stahl gut war. Allerdings forderten die bayerischen Staatsbahnen bereits in ihren Lieferverträgen für 1869 und 1870 ausdrücklich Stahlkopf- und Ganzstahlschienen aus Bessemerstahl. Vor allem deshalb, weil dieser Stahl sehr viel härter war und damit höhere Traglasten bewältigen konnte als der alte Puddelstahl. Die Eisenbahnen wurden aufgrund ihres großen Erfolges schließlich immer schwerer. Um diese Lieferverträge erfüllen zu können – die eigene Bessemer-Stahlproduktion musste noch weiter optimiert werden – kaufte man Bessemerstahl unter anderem aus Osnabrück hinzu.

Werk Unterwellenborn