Orson Welles’ Othello (Originaltitel: Othello) ist ein Filmdrama des US-amerikanischen Regisseurs Orson Welles aus dem Jahr 1951 nach dem Theaterstück Othello von William Shakespeare.

Welles produzierte den Film, adaptierte das Drehbuch und spielte auch die Titelrolle. Die Dreharbeiten des Films, der von United Artists finanziert wurde, dauerten drei Jahre. Othello, der in Marokko, Venedig, der Toskana und Rom gedreht wurde, erhielt 1952 den Hauptpreis der Internationalen Filmfestspiele von Cannes. Der Film wurde auch unter den Titeln Othello und The Tragedy of Othello: The Moor of Venice vermarktet.

Handlung In der Anfangssequenz werden die aufgebahrten Othello und Desdemona in einer eindrucksvollen Prozession zu ihrem Grab getragen. Über dem Geschehen hängt, gefangen in einem Käfig, Iago, der auf die Zinnen des Kastells gezogen wird. Danach folgt die Handlung und zeigt, wie es zu dieser Tragödie kam. Der Film folgt im Wesentlichen dem klassischen Stück Othello, restrukturiert aber einzelne Szenen und ist im Vergleich zum etwa dreistündigen Theaterstück deutlich gekürzt.

Der dunkelhäutige Feldherr Othello ehelicht die venezianische Adelstochter Desdemona gegen den Willen ihres Vaters Brabantio in einer Liebesheirat. Desdemonas erfolgloser Verehrer Roderigo ist über die Ehe bestürzt, wird aber durch Versprechungen von Othellos Fähnrich Iago von einem Selbstmord abgehalten. Der eifersüchtige Iago wurde jüngst bei einer Beförderung zum Leutnant von Othello gegen den unerfahrenen Michael Cassio übergangen, seither schwört er auf Rache.

Kurz nach der Heirat wird Othello zum Gouverneur von Zypern ernannt, als dort ein Krieg droht. Desdemona sowie seine Gefährten reisen mit ihm. Iago platziert ein Taschentuch, das Desdemona gehört, in den Besitz von Michael Cassio. Anfänglich mit Andeutungen, dann immer unverhohlener behauptet Iago gegenüber Othello, dass seine Frau und der junge, gutaussehende Leutnant Cassio eine Affäre und sogar miteinander geschlafen hätten. Othello glaubt anfangs an die Unschuld seiner Frau, aber Iago sät weiter Zweifel und liefert fingierte Beweise.

Iago hofft, sowohl Othello als auch Cassio zu ruinieren. Er überzeugt den naiven Roderigo, seinen angeblichen Nebenbuhler Cassio zu ermorden. Als Roderigos Mordversuch an Cassio scheitert, tötet Iago ihn als Mitwisser. Othello hat sich währenddessen in eine rasende Eifersucht gesteigert und erwürgt Desdemona, obgleich diese ihre Unschuld beteuert. Ihre Dienerin Emilia, zugleich Iagos Ehefrau, findet den Leichnam ihrer Herrin und deckt die Intrigen ihres Mannes auf. Dafür ersticht Iago sie und wird festgenommen.

Othello bemerkt seinen Fehler und tötet sich selbst, sterbend legt er sich neben seine tote Ehefrau. Zum Schluss kehrt der Film wieder zur anfangs gezeigten Grabprozession zurück.

Synchronisation Laut der deutschen Synchronkartei existieren zwei deutsche Synchronfassungen. Die hier erwähnten Sprecher beziehen sich auf die zweite Synchronisation von 1993, diese entstand bei der Hermes Synchron, Berlin.

Othello Orson Welles Wolfgang Dehler Iago Micheál Mac Liammóir Hartmut Reck Roderigo Robert Coote Ulrich Matthes Desdemona Suzanne Cloutier Maud Ackermann Brabantio Hilton Edwards Klaus Miedel Lodovico Nicholas Bruce Frank Glaubrecht Michael Cassio Michael Laurence Hubertus Bengsch Emilia Fay Compton Regina Lemnitz Bianca Doris Dowling Simone Petschke Erzähler (N. N.) Friedrich Schoenfelder

Produktion Welles kürzte das drei-Stunden-Filmmaterial auf 91 Minuten herunter.

Die lange Drehzeit von drei Jahren ist mit erheblichen Finanzierungsproblemen zu erklären. Nachdem der italienische Produzent Insolvenz anmelden musste, steckte Welles sein eigenes Geld in den Film, was aber nicht ausreichte.Brigitte Tast, Hans-Jürgen Tast: Orson Welles – Othello – Mogador. Aufenthalte in Essaouira. (= Kulleraugen Vis.Komm. Nr. 42). Schellerten 2013, ISBN 978-3-88842-042-9. Welles musste auf seine Gage aus Der dritte Mann zurückgreifen, aber auch das reichte nicht aus. Eine wichtige Rolle (Desdemona) musste neu besetzt und demnach alle Szenen neu gedreht werden.Filming Othello Wellesnet.com, abgerufen am 5. Juni 2021. Micheál Mac Liammóir, der die wichtige Rolle des Iago spielte, beschrieb die Hintergrundgeschichte des Films später in seinem Buch Put Money in Thy Purse.

Welles war sehr angetan von der Filmmusik Angelo Francesco Lavagninos. Lavagnino wurde von Welles später für die Komposition der Filmmusik für Falstaff und Der Kaufmann von Venedig (unvollendet) engagiert.

Die berühmten Schauspieler Joseph Cotten (als Senator) und Joan Fontaine (als Pagin) haben im Abspann unerwähnte Cameo-Auftritte im Film.

Veröffentlichung Welles’ Originalversion von Othello hatte seine Premiere bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1952 und wurde auf dem europäischen Kontinent in die Kinos gebracht.

Welles brachte noch eine Version von Othello für den US-amerikanischen Markt heraus.Paul Squitieri: The twofold corpus of Orson Welles's Othello. Dissertation. University of California, 1993, zitiert in Michael Anderegg: Orson Welles, Shakespeare and Popular Culture. Columbia University Press, New York 1999, S. 119. Paul Squitieri, der über diesen Film seine PhD-Arbeit schrieb, meinte, dass die europäische Version die echtere sei und die amerikanische Version künstlerisch zu viele Abstriche gemacht hätte. Welles brachte 1978 einen Film über den Dreh namens Filming Othello heraus.

Kritik mini|Drehort des Films war u. a. die Zitadelle von Essaouira Othello nahm unter marokkanischer Flagge am Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes teil, da Welles keinen Verleiher in den USA finden konnte. Bei Rotten Tomatoes hat der Film eine positive Rate von 90 %.

Auszeichnung Internationale Filmfestspiele von Cannes 1952: Grand Prix (zusammen mit Für zwei Groschen Hoffnung). Fantasporto 1993 Nominiert: International Fantasy Film Award Bester Film

Restaurierung 1992 Im Jahre 1992 wurde durch Beatrice Welles-Smith, Tochter von Orson Welles, eine Restaurierung des Films organisiert. Seit Mitte der 1990er Jahre ist nur noch diese Version auf DVD und Blu-ray erhältlich. Die Restaurierung wurde von Kritikern kritisiert. Jonathan Rosenbaum bemängelte, Orson Welles ursprüngliche Intention sei verzerrt worden und auch der Ton sei schlecht bearbeitet worden. Nur auf der US-BLU RAY – CRITERION COLLECTION – OTHELLO ist die europäische Originalversion als Bonusfilm erschienen. Eine europäische Blu-ray – Auswertung dieser Fassung, gibt es bisher noch nicht.

Filming Othello 1978 produzierte Welles den Dokumentarfilm Filming Othello mit einer deutschen Produktionsfirma. Der 84-minütige Film beschreibt die Hintergründe der langen und komplizierten Dreharbeiten zu Othello. Der Film, der für das deutsche Fernsehen produziert worden war, wurde bei den Berliner Filmfestspielen 1978 gezeigt.

Neben Welles’ Monologen beinhaltet der Film auch Interviews mit den Darstellern Micheál Mac Liammóir und Hilton Edwards in Paris im Jahre 1974. Filming Othello sollte ein Auftakt für eine Reihe von Dokumentarfilmen über Spielfilme Welles’ sein, blieb jedoch der einzige aus dieser Reihe.Orson Welles: An Incomplete Education. Senses of Cinema

Filming Othello wurde 1979 zum ersten Mal in den USA gezeigt, wurde jedoch nicht beachtet und erhielt keine Rezension, bis 1987 Vincent Canby sich in der The New York Times zu dem Film äußerte und ihn sehr lobte.Welles in ‘Filming Othello’. In: The New York Times. 4. Februar 1987.

Welles’ Tochter Beatrice Welles, die die Rechte an Othello und Filming Othello innehat, verhinderte das Zeigen des Dokumentarfilms und erlaubt auch nur das Zeigen einer Version Othellos.Jonathan Rosenbaum: Discovering Orson Welles. Univ. of California Press, Berkeley 2007, ISBN 978-0-520-24738-3.

Siehe auch Liste von verfilmten Werken William Shakespeares

Literatur Micheál Mac Liammóir: Put Money in Thy Purse: The Filming of Orson Welles' “Othello”. Virgin, London 1994, ISBN 0-86369-729-1. Brigitte Tast, Hans-Jürgen Tast: Orson Welles – Othello – Mogador. Aufenthalte in Essaouira. (= Kulleraugen Vis.Komm. Nr. 42). Schellerten 2013, ISBN 978-3-88842-042-9.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1951 Kategorie:Marokkanischer Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Film über Othello Kategorie:Orson Welles