mini|Beispiele deutschsprachiger Beschilderung im namibischen Alltag. Die deutsche Sprache in Namibia (auch und ehemals vor allem als Südwesterdeutsch bekannt, heute von Wissenschaftlern auch mit dem Kunstwort Namdeutsch bezeichnet,Anika Tina Kroll-Tjingaete: STRUKTURELLE VERÄNDERUNGEN IN DER DEUTSCHEN SPRACHE IN NAMIBIA: EINE UNTERSUCHUNG ANHAND VON TEXTEN AUS DER ALLGEMEINEN ZEITUNG. UNAM, Mai 2016.Dialekt-Studie zu Südwesterdeutsch, Institut für Germanistik Deutsche Sprache der Gegenwart der Universität Potsdam unter der Jugend in Namibia vor allem auch als Namlish oder Namsläng bekanntNamdeutsch. Humboldt-Universität zu Berlin. Abgerufen am 13. April 2020.), stellt sprachwissenschaftlich gesehen eine Sprachvarietät, eine Sprachinsel und ein Viertelzentrum der deutschen Sprache dar.Karina Schneider-Wiejowski, Birte Kellermeier-Rehbein, Jakob Haselhuber: Vielfalt, Variation und Stellung der deutschen Sprache. Walter de Gruyter, Berlin 2013, ISBN 978-3-11-030930-0, S. 46. Die heute in Namibia lebenden Nachfahren von Einwohnern der bis 1915 bestehenden Kolonie Deutsch-Südwestafrika sind die einzige verbliebene deutsche Sprachgemeinde der Gegenwart mit einer nennenswerten Anzahl von Muttersprachlern in den ehemaligen deutschen Kolonien.
Hintergrund Das im multilingualen Namibia gesprochene Deutsch hat die Stellung einer Minderheitensprache, ist als eine der elf Nationalsprachen anerkannt und neben Afrikaans, Otjiherero, Oshivambo und Englisch (der heutigen einzigen Amtssprache) eine der lebendigen Sprachen des Landes. Verkehrssprache ist es aktuell nach Stefan Engelberg vom Institut für Deutsche Sprache nicht.Stefan Engelberg, Doris Stolberg: Sprachwissenschaft und kolonialzeitlicher Sprachkontakt, De Gruyter, 2012, Reihe Koloniale und Postkoloniale Linguistik / Colonial and Postcolonial Linguistics (KPL/CPL), Nr. 3. In einigen Teilen des Landes genießt Deutsch, meistens neben Afrikaans, Oshivambo und in jedem Fall Englisch, auch einen offiziellen Status auf kommunaler Ebene.
In der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika war bis 1919 die deutsche Sprache einzige Amtssprache. Auf wiederholtes Bemühen der ansässigen weißen deutschsprachigen Einwohner bekam von 1984 bis 1990 Deutsch in ihren Siedlungsgebieten in Südwestafrika den Status einer „semi-offiziellen“ Amtssprache.
Deutsch profitiert als Kommunikationsmittel auch von seiner Ähnlichkeit zu Afrikaans und hat eine herausragende Stellung in Wirtschaft und Tourismus. Viele namibische Landschaften, Städte und Orte sowie Straßen- und Gegenstandsbezeichnungen tragen deutsche Namen.
Einige deutschsprachige Einwohner sehen die Zukunft der deutschen Muttersprache in Namibia als gefährdet an. Auf einer Veranstaltung 2010 äußerte sich der Vorsitzende der „Arbeits- und Fördergemeinschaft der Deutschen Schulvereine in Namibia“ (AGDS) und zitierte dazu u. a. den Sprachwissenschaftler Ulrich Ammon. Jedoch blieben die dortigen Aussagen nicht unwidersprochen.Stefan Fischer: In: Allgemeine Zeitung. 13. September 2010. Diese Sprache wurde 2013/14 mittels eines gemeinsam von der Universität Potsdam und der Universität Namibias getragenen Forschungsprojekts untersucht. und . Das Variantenwörterbuch des Deutschen verzeichnet ab seiner 2. Auflage 2016 „Namibismen“, d. h. spezifisch namibische Eigenheiten des Standarddeutschen.
Im April 2021 wurde das Forum deutschsprachiger Namibier u. a. auch zur Förderung der Sprache gegründet.Erfolgreiche Forum-Gründung. Allgemeine Zeitung, 26. April 2021.
Anzahl und Verbreitung Gegenwärtig erstreckt sich das Verbreitungsgebiet insbesondere auf ländliche Gegenden in Zentralnamibia und die Städte Windhoek und Swakopmund. Nach verschiedenen Angaben lebten im Jahr 22.000, 16.000–25.000 (2012)Stefan Engelberg und Doris Stolberg: Sprachwissenschaft und kolonialzeitlicher Sprachkontakt. Akademie-Verlag. Berlin. 2012. S 298f. ISBN 978-3-05-005973-0., 9020 (Volkszählung 2011)Weniger Deutsch? Allgemeine Zeitung, 23. März 2021. bzw. knapp 20.000 deutsche Muttersprachler (2011)Publikation der „Initiative Deutsch in Namibia“ (DiN): Häufig gestellte Fragen. Abgerufen am 7. November 2015. in 3549 Haushalten (2011) Namibias. abgerufen am 15. Januar 2014 Zur Volkszählung 2023 gaben 6000 Menschen in 2600 Haushalten Deutsch als Hauptsprache an.Rund 6000 Personen sprechen zu Hause hauptsächlich Deutsch. Hitradio Namibia, 6. November 2024. Weiterhin sprechen in den Jahren 2024/25 verschiedene Quelle von etwa 20.000 Deutsch-Muttersprachlern, während hingegen andere sogar von 30.000 sprechen.Christian Zimmer et al.: Das Korpus Deutsch in Namibia (DNam): Eine Ressource für die Kontakt-, Variations- und Soziolinguistik. In: Deutsche Sprache, Freie Universität Berlin/Humboldt-Universität zu Berlin/University of Namibia/Institut für deutsche Sprache, Heft 3/2020. (PDF)Infobrief vom 31. Mai 2025: Deutsch in Namibia. Verein Deutsche Sprache, 31. Mai 2025.
Das sogenannte Küchendeutsch ()Ingo H. Warnke: Deutsche Sprache und Kolonialismus. Walter de Gruyter. Berlin. 2009. S 114f. ISBN 978-3-11-020037-9. gebrauchen etwa 15.000 Menschen (Stand 2009), die überwiegend älter als 50 Jahre sind, als zweitsprachliche Kontaktvarietät. Jüngere Namibier nutzen eher Englisch (früher v. a. vor 1990 Afrikaans) zur Verständigung zwischen den Ethnien des Landes.
Deutsch als Fremdsprache wird vermutlich von mehreren zehntausend bis hunderttausend Einwohnern gesprochen.
Namibisches Bildungswesen
mini|Die Deutsche Höhere Privatschule Windhoek ist eine der bekanntesten deutschsprachigen Schulen Namibias Mit ca. 1 % Anteil von Deutschlernenden an der Gesamtschülerzahl im Land liegt Namibia im oberen afrikanischen Mittelfeld bei der Beliebtheit von Deutsch als Fremdsprache. Generell stieg die Popularität der deutschen Sprache bis Mitte der 2010er und stabilisierte sich seither. Im Jahr 2013 lernten einschließlich Deutschlernenden an Universitäten und Goethe-Instituten 7000 Menschen in Namibia Deutsch, 2014 dann 7600, 2015 schon 9378, und 2019 noch 9248. Stand März 2014 erhielten zudem 1500 Schülerinnen und Schüler Unterricht in Deutsch als Muttersprache.
Neben 32 Schulen, an denen etwa 14.000 Schüler Deutsch als Fremdsprache lernen, gibt es 18 Bildungseinrichtungen die Deutsch als Muttersprache unterrichten und in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schulvereine in Namibia (AGDS) organisiert sind. Hierzu zählen private sowie staatliche Schulen und Kindergärten, z. B. in Windhoek, Swakopmund, Grootfontein, Omaruru, Otavi und Otjiwarongo.Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schulvereine in Namibia - Mitglieder Die deutschen Privatschulen in Lüderitz und in Karibib wurden bereits in den 1970er bzw. 1980ern ersatzlos geschlossen.
An der Universität von Namibia ist Deutsch in so fern herausgehoben als dass „German Studies“ (neben English bzw. Afrikaans Studies) eines von drei Masterprogrammen für Sprach- und Kulturstudien ist.University of Namibia - Kursliste 2024 der School of Humanities, Society and Development
Geschichte der deutschen Sprache in Südwestafrika Während der Zeit als deutsche Kolonie von 1884 bis 1915 war Deutsch die einzige Amtssprache in Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia). Zu dieser Zeit lebten bereits eine Afrikaans sprechende Bevölkerung, die Buren, einige Orlam-Stämme und vor allem die Rehoboth Baster im Lande. Sie siedelten vor allem im Südosten, nachdem sie über den Oranje aus der Kapprovinz vorgedrungen waren. Aber auch in anderen Teilen des Landes gab es burische Siedlungen, die zum Teil aufgrund der britischen Besitzergreifungen in Südafrika in mehreren Einwanderungswellen in Südwestafrika eintrafen. In weiten Gebieten des Landes gab es bereits vor der deutschen Kolonialisierung burische Niederlassungen.
Mit der südafrikanischen Besatzung im Jahr 1915 übernahmen südafrikanische Beamte die Verwaltung des Landes. Trotzdem blieben in der Folgezeit zunächst die deutschen Sprachrechte, namentlich das Schulwesen, unangetastet. 1916 wurde unter dem Namen Der Kriegsbote die heutige Allgemeine Zeitung gegründet, welche heute zu den größten Tageszeitungen des Landes zählt. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges änderte sich die Haltung Südafrikas gegenüber der deutschsprachigen Bevölkerung. In den Jahren 1919 und 1920 wurde fast die Hälfte der deutschen Siedler ausgewiesen.
In der deutschsprachigen Bevölkerung war der Wunsch nach Erhebung des Deutschen zur Amtssprache zu allen Zeiten lebendig und wurde bereits 1932 im Vertrag von Kapstadt entsprechend vertraglich festgelegt.„Nach den Bestimmungen des Vertrages von Kapstadt wird die südafrikanische Regierung aufgefordert, deutsch als dritte Amtssprache einzuführen.“ In der Südafrikanischen Union wurden 1920 Englisch und Niederländisch Amtssprachen. 1925 erfolgte eine Änderung in Englisch und Afrikaans, die 1968 auch für Südwestafrika übernommen wurde. Viele Bemühungen, einen ebensolchen offiziellen Status für Deutsch zu erhalten, schlugen fehl. Die amtliche Ablehnung wurde damit begründet, dass ein solcher Schritt eine Kluft zur Südafrikanischen Union bewirken würde und dass er von den anderssprachigen weißafrikanischen Bewohnern Südafrikas abgelehnt werde. De facto wurden jedoch alle drei Sprachen als Amtssprachen weiterverwendet. Im Jahr 1984, als Namibia noch unter südafrikanischer Verwaltung stand, erhielt Deutsch in den deutschsprachigen Siedlungsgebieten den Status als De-jure-Amtssprache (bzw. einer „semi-offiziellen“ Amtssprache), was jedoch nur acht Jahre bestand.
Nach der Unabhängigkeit Namibias 1990 wurde Englisch einzige Amtssprache. Die Verbreitung und der Einfluss der deutschen Sprache nahmen ab, u. a. bedingt durch die Umbenennung einzelner Straßen, wobei die namibische Regierung bemüht ist, besonders Personen aus der jüngeren Geschichte des Landes mit Straßenbenennungen zu würdigen und gleichzeitig Namen der deutschen, britischen und südafrikanischen Kolonialzeit zu reduzieren. Kritisiert wird hierbei nicht nur, dass man gegen Vereinbarungen zur Bewahrung des kulturellen Erbes verstößt, sondern auch, dass es sich um oftmals unbekannte Persönlichkeiten aus der Vergangenheit der Regierungspartei SWAPO handele, deren überparteiliche, landesweite Bedeutung fraglich ist. In: Allgemeine Zeitung. 19. Dezember 2001. In: Allgemeine Zeitung. 19. Juni 2003.
Sprachsituation heute Verbreitung als Muttersprache mini|Verteilung von Deutsch als Muttersprache in Namibia (2011)
mini|Deutsches (Gaussstraße) und englisches Straßenschild (Goethe Street) an einer Kreuzung in Grootfontein. Letztere wurde mittlerweile nach Sam Nujoma umbenannt. Deutsch als Mutter- bzw. Hauptsprache wurde zur Volkszählung 2011 von insgesamt etwa 20.000 Personen in 4359 Haushalten gesprochen. Insgesamt sprachen zu der Zeit folglich 0,9 % aller Haushalte in Namibia Deutsch als Muttersprache. Am weitesten verbreitet ist Deutsch als Muttersprache in den Regionen Erongo: 2,8 % aller Haushalte Khomas: 2,6 % aller Haushalte Otjozondjupa 1,3 % aller Haushalte In allen anderen Regionen wird Deutsch in jeweils höchstens 0,4 % aller Haushalte als Muttersprache gesprochen.
Die Volkszählung 2023 ergab nur noch wenige tausend deutschsprachige Muttersprachler (etwa 6500). Am weitesten verbreitete war Deutsch als Muttersprache demnach mit einem Anteil von etwa 0,75 Prozent in der Region Khomas, gefolgt von Erongo mit 0,5 Prozent.
Alltag mini|Die Bäckerei Carstensen in Otjiwarongo: Nur eines von vielen Beispielen für die deutsche Sprache im namibischen Alltag.