mini|Siegel von John de Warenne, 7. Earl of Surrey John de Warenne, 7. Earl of Surrey (auch Earl of Surrey and Sussex oder Earl Warenne; nach anderer Zählung auch 8. Earl of Surrey) (* 30. Juni 1286; † zwischen 28. und 30. Juni 1347 in Conisbrough Castle) war ein englischer Magnat. Er überstand als einer der wenigen Magnaten die turbulente Herrschaft von König Eduard II. und die unruhige Frühzeit Eduards III.
Herkunft, Kindheit und Jugend John de Warenne war ein Sohn von William V de Warenne († 1286) und von dessen Frau Joan de Vere, einer Tochter von Robert de Vere, 5. Earl of Oxford. Nur wenige Wochen nach seiner Taufe am 7. November starb sein Vater bei einem Turnierunfall. Damit wurde der kleine John der Erbe seines Großvaters John de Warenne, 6. Earl of Surrey. Als er gerade sieben Jahre alt war, starb 1293 seine Mutter Joan. Bei der Heirat seiner Eltern war vereinbart worden, dass im Falle ihres Todes die Vormundschaft über ihren Erben und die Verwaltung der Güter an ihre Eltern, Robert de Vere, 5. Earl of Oxford, und dessen Frau fallen solle. 1296 starb auch Robert de Vere. Wo John de Warenne anschließend aufwuchs, ist unbekannt. Erst nach dem Tod seines gleichnamigen Großvaters 1304 tritt er in Erscheinung, als er nun die Titel Earl of Surrey und Sussex sowie Güter in Sussex, Surrey, Lincolnshire, Yorkshire, Wiltshire und Norfolk erbte. Da er immer noch minderjährig war, wurden seine Ländereien unter königliche Verwaltung gestellt. Im Februar 1305 sandte König Eduard I. ihn zu einem Turnier nach Guildford, das seiner Familie gehörte. Obwohl seine Güter noch von königlichen Treuhändern verwaltet wurde, lebte Warenne anschließend auf seinen Burgen. Im Mai 1306 stellte das Parlament in Westminster seine Volljährigkeit fest. Vor der Parlamentseröffnung übergab ihm Eduard I. am 7. April die Ländereien seines Großvaters, obwohl er noch keine 21 Jahre alt war und noch keine Hommage geleistet hatte. Noch während des Parlaments bot der König Warenne am 15. Mai 1306 im Westminsterpalast die Heirat mit seiner Enkelin Joan, Tochter von Eduards Tochter Eleonore und von Heinrich von Bar, an. Obwohl das Mädchen nur halb so alt wie er war, willigte Warenne ein. Joan war am 13. April in England eingetroffen und mit großem Pomp nach Westminster eskortiert worden. Eine Woche nach ihrer Verlobung veranstaltete der König eine prächtige Feier für den Ritterschlag seines ältesten Sohnes, des Prince of Wales, bei der fast 300 weitere Männer einschließlich Warenne ebenfalls zum Ritter geschlagen wurden. Dazu beinhalteten die Feiern eine Reihe von Hochzeiten, darunter die von Warenne und Joan am 25. Mai.
Warenne unter Eduard II. Vom Freund des Königs zum Gegner Gavestons König Eduard I. starb im Juli 1307, sein Nachfolger wurde sein Sohn Eduard II. Warenne gehörte zu den Earls, die kurz darauf, am 6. August 1307, die Erhebung des königlichen Günstlings Piers Gaveston zum Earl of Cornwall bezeugten. Am 26. August 1307 wurde Warenne erstmals in das Parlament berufen. Anfang 1308 reiste er mit dem König nach Frankreich, wo dieser heiratete und dem französischen König für seine südwestfranzösischen Besitzungen huldigte. Auch an der Krönung Eduards II. am 25. Februar 1308 in Westminster Abbey nahm er teil.
Nach diesem hoffnungsvollen Anfang verschlechterten sich die Beziehungen zwischen dem König und seinen Baronen rasch. Der junge Warenne schwankte dabei zwischen dem König und der Adelsopposition und wechselte mehrfach die Seiten. Obwohl er zu Beginn der Herrschaft Eduards II. dem König verbunden war, gehörte er bald zu den Gegnern Gavestons. Zusammen mit dem Earl of Arundel, der seine Schwester Alice geheiratet hatte, und dem Earl of Hereford kämpfte er im Dezember 1307 bei einem Turnier in Wallingford gegen Gaveston und dessen Gefolgsleute. In einer umstrittenen Entscheidung wurde Gaveston zum Sieger erklärt, was Warenne so aufbrachte, dass er in der Folge zum erbitterten Gegner Gavestons wurde. Im Januar 1308, als er mit dem König in Frankreich war, unterzeichnete er als einer von vier Earls das Boulogne Agreement, das vielfach als Beginn der Adelsopposition gegen Gaveston gilt. Warenne und Arundel gehörten dieser Opposition an, der es gelang, im April 1308 im Parlament die Exilierung Gavestons durchzusetzen. Um diese Zeit wurde Warenne ein Gefolgsmann von Thomas of Lancaster, eines Cousins des Königs und mächtigster Magnat Englands, der sich zum führenden Gegenspieler des Königs und von Gaveston entwickelte. Warenne sagte Lancaster, vielleicht während eines Turniers Ende März 1308 in Dunstable, zu, ihn mit 80 Men-at-arms und einem weiteren Earl zu dienen. Im April 1309 gehörte Warenne zusammen mit Arundel, der vermutlich der andere, nicht näher benannte Earl war, zum Gefolge Lancasters. Im Juni 1309 verbot der König Lancaster, Warenne, Arundel und drei weiteren Earls, an Turnieren oder ähnlichen Abenteuern teilzunehmen.
Verständigung mit Gaveston Als Gaveston kurz danach aus seinem Exil zurückkehrte, unterstützte Warenne den König, der Gaveston wieder in seinem Rang einsetzte. Verantwortlich hierfür war der Earl of Lincoln, der neben Lancaster führende englische Magnat, der ebenfalls Gavestons Rückkehr tolerierte. Warenne soll sich sogar mit Gaveston angefreundet und ihn danach unterstützt haben. Im Oktober 1309 war er mit dem König und Gaveston in York, während die anderen Magnaten den König und seinen Favoriten mieden. Im Februar 1310 beauftragte ihn der König, während des Parlaments in London für Ordnung und Frieden zu sorgen, da er Auseinandersetzungen mit den anderen Magnaten befürchtete. Während dieses Parlaments musste der König der Wahl eines Komitees, der sogenannten Lords Ordainer, zustimmen, die Reformvorschläge für die königliche Herrschaft erarbeiten sollten. Warenne gehörte neben Gaveston und dem Earl of Oxford als einziger Earl diesem Komitee nicht an, und neben dem Earl of Hertford war Warenne der einzige Earl, der im August 1310 dem Aufruf zur Teilnahme an einem Feldzug nach Schottland folgte, den der König zusammen mit Gaveston führte. Warenne blieb bis Sommer 1311 mit einer englischen Streitmacht in Schottland. Der König belohnte ihn für diese Unterstützung großzügig, unter anderem mit der Übertragung von zwei Gütern in Northamptonshire. Im Juni 1310 übertrug ihm der König die lebenslange Herrschaft über Peveril Castle und den dazugehörenden Ländereien gegen die geringe jährliche Gebühr von 437 Mark. Von dieser zu zahlenden Gebühr gab ihm der König 1310 noch den Großteil zurück und 1311 gewährte er ihm einen lebenslangen Nachlass.
Rolle bei Gavestons Sturz und Hinrichtung 1311 wurde Gaveston jedoch erneut vom Parlament aus England verbannt, und als er dennoch Anfang 1312 zurückkehrte, überzeugte Erzbischof Winchelsey Warenne, sich an der Verfolgung und Gefangennahme Gavestons zu beteiligen. Zusammen mit dem Earl of Pembroke belagerte Warenne Gaveston in Scarborough Castle, wo sich ihnen Gaveston am 19. Mai ergab. Pembroke wollte Gaveston nun nach London bringen, und an der folgenden Hinrichtung Gavestons durch die Earls of Warwick, Hereford und Lancaster war Warenne nicht beteiligt. Durch die Gewalttat gegen Gaveston wurde die Opposition der Barone gespalten. Obwohl das Verhältnis zwischen Warenne und dem König zunächst belastet war, stand er zusammen mit Pembroke in der Folge loyal zum König. Die Earls of Warwick, Lancaster, Arundel und andere Barone hielten dagegen an ihrer Opposition gegen den König fest. Im August 1312 beauftragte der König Warenne, den Frieden in Sussex zu sichern, und 1313 verbot er ihm zweimal die Teilnahme an Turnieren, an denen auch Lancaster, Arundel und andere Gegner des Königs teilnahmen.
Ehekrise Im Sommer 1314 verweigerte Warenne jedoch zusammen mit Lancaster, Arundel und anderen Baronen die Teilnahme am Feldzug des Königs nach Schottland, womit er der vernichtenden englischen Niederlage in der Schlacht von Bannockburn entging. Der Grund für Warennes Fehlen war jedoch nicht eine Solidarität mit den Gegnern des Königs, sondern seine unglückliche Ehe, deren Aufhebung der König verweigerte. Die Ehe mit Joan, die eine Nichte des Königs war, war bislang kinderlos geblieben, so dass der König bereits 1309 Warenne erlaubt hatte, einen Erben nach seinem Wunsch zu benennen, so lange er nicht noch mögliche Kinder aus seiner Ehe enterbte. Im Frühjahr 1313 hatte der König seinen Wachmann William Aune beauftragt, Joan aus Warennes Burg Conisbrough an seinen Hof zu bringen. Ab Juni 1313 lebte Joan im Tower of London, während Warenne offen mit seiner Geliebten Maud Nereford zusammen lebte. Daraufhin drohten ihm die Bischöfe mit Exkommunikation. Obwohl der König dies zu verhindern suchte, wurde Warenne schließlich von Bischof John Langton von Chichester exkommuniziert. Dies führte zu einem langwierigen Rechtsstreit, in den auch der König und andere Adlige verwickelt wurden. Warenne versuchte seine Ehe aufheben zu lassen, um seine Geliebte heiraten zu können und um seine beiden Söhne, die er mit ihr hatte, legitimieren zu können. Er berief sich dabei darauf, dass er zu der Ehe gezwungen wurde und dass er mit seiner Frau zu nah verwandt wäre. Seine Frau wies dies zurück, nach ihrer Darstellung hätte Warenne die Heirat selbst vorgeschlagen. Dieser Streit dauerte über zwei Jahre lang, während dessen sowohl eine Versammlung der Bischöfe wie auch eine Versammlung der Barone über Warennes Ehe beriet. 1316 bot Warenne schließlich seiner Frau als Entschädigung für die Aufhebung der Ehe eine jährliche Zahlung in Höhe von £ 200, dazu bot er ihr, falls die Ehe tatsächlich aufgehoben würde, Ländereien an, die ihr jährliche Einkünfte in Höhe von 740 Mark brachten. Als es dennoch zu keiner Einigung kam, übergab er im Sommer 1316 den Großteil seiner Familiengüter dem König, der sie ihm zur lebenslangen Nutzung zurückgab. Der König legte dabei fest, dass die Güter nach seinem Tod zuerst an seinen Sohn John aus seiner Beziehung mit Maud Nereford fallen würden. Falls dieser kinderlos sterben würde, sollte dessen jüngeren Bruder Thomas und erst dann an weitere Angehörige der Familie Warenne die Besitzungen erben. Im Gegenzug willigte Warenne ein, dass bei seinem Tod zwei seiner einträglichsten Güter an die Krone fallen würden. Damit schwächte er die Stellung seiner Familie entscheidend zugunsten seiner unehelichen Kinder, wobei er die Hoffnung nicht aufgab, dass seine beiden Söhne noch legitimiert würden. Vermutlich mit Hilfe des Earls of Pembroke wandte er sich an den Papst, um seine Ehe aufheben zu lassen, während seine Frau Joan im August 1316 England verließ und fortan bei ihren Verwandten in Frankreich lebte.
Fehde mit Lancaster