The Birth of a Nation – Aufstand zur Freiheit (Originaltitel: The Birth of a Nation) ist ein US-amerikanischer Historienfilm von Nate Parker, der am 25. Januar 2016 beim Sundance Film Festival uraufgeführt und am 7. Oktober 2016 in den US-amerikanischen Kinos veröffentlicht wurde. Das Filmdrama erzählt die Geschichte des amerikanischen Sklavenanführers Nat Turner (1800–1831). Regisseur Nate Parker übernahm selbst die Rolle des Protagonisten und entwickelte das Drehbuch gemeinsam mit dem haitianischen Autor Jean McGianni Celestin. Der Film kam am 13. April 2017 in die deutschen Kinos.
Handlung Der Afroamerikaner Nat Turner wächst zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Virginia auf, wo er in seiner Kindheit gemeinsam mit dem weißen Sohn des Plantagenbesitzers, Samuel Turner, seinem späteren Plantagenbesitzer, aufwächst. Man lehrt Nat, anders als auf anderen Plantagen üblich, das Lesen. Samuels Mutter, Elizabeth Turner, erlaubt ihm allerdings nur ein Buch zu lesen: die Bibel. Er beginnt diese zu erforschen und daraus zu predigen. Dieses Privileg unterscheidet ihn von den meisten anderen Sklaven. Ihm wird vorhergesagt, er werde einst ein Prophet sein, und Nat wird zum Prediger seiner Mitsklaven.
Als Nat älter ist, heiratet er die Sklavin Cherry. Weil Nat ein intelligenter und leidenschaftlicher Christ und überzeugender Prediger ist, will der Plantagenbesitzer von seinen Künsten profitieren. Er soll überall im Land Sklaven das Evangelium predigen, damit diese hierdurch jeden Gedanken an Rebellion aufgeben und ihr Los als den Willen Gottes annehmen. Als Nat als Wanderprediger in verschiedene Orte geschickt wird, wofür sich Samuel Turner bezahlen lässt, sieht er, wie schlecht viele Sklaven behandelt werden: Ein kleines Mädchen wird an einer Leine herumgeführt und einem Mann schlägt man die Zähne mit einem Meißel heraus. Nat beginnt das Ausmaß der Sklaverei zu erkennen und will sich nicht weiter in der Rolle als Prediger missbrauchen lassen. Er beschließt, in Zukunft eine andere Art von Anführer zu sein, befreit seine Frau von einem Sklavenmarkt und zettelt einen Aufstand der versklavten Schwarzen an. Eine blutige und äußerst gewalttätige Schlacht beginnt, bei der viele Weiße, aber noch mehr Schwarze getötet werden.
mini|Illustration der Gefangennahme von Nat Turner durch Benjamin Phipps am 30. Oktober 1831
Historischer Hintergrund Die Figur des Protagonisten des Films Nat Turner basiert auf einer realen Person. Nat Turner war ein amerikanischer Sklave, der im Oktober 1800 zur Welt kam, von den Kindern seines Besitzers Bibelunterricht erhielt und sich selbst das Lesen beibrachte. Als methodistischer Laienprediger versammelte er später die Sklaven der Umgebung um sich. Ab 1830 war Turner im Besitz von Joseph Travis, der ihn nach eigenen Aussagen freundlich behandelte. Turner sah im Februar 1831 in einer scheinbaren Sonnenfinsternis ein Zeichen Gottes, einen Befreiungsschlag zu unternehmen. Am 21. August töteten er und sieben andere Sklaven ihre Besitzer. Begonnen hatte Turner mit seinem eigenen Herrn, den er mit einem Beil in dessen Schlafzimmer erschlug. Der von Turner angeführten Gruppe schlossen sich über 70 weitere Afroamerikaner an. Die Männer zogen mit Messern, Äxten und Hacken bewaffnet von Siedlung zu Siedlung, um gezielt ihre Unterdrücker zu töten. Bei diesem Sklavenaufstand kamen 55 Weiße ums Leben. Nach 36 Stunden wurde der Aufstand durch eine Übermacht des zu Hilfe geholten Militärs niedergeschlagen. Turner floh und versteckte sich sechs Wochen lang in den Wäldern. Nachdem Turner am 30. Oktober 1831 gefangen genommen werden konnte, wurde er am 11. November 1831 für seine Taten hingerichtet. Auf den Plantagen der Südstaaten arbeiteten zu diesem Zeitpunkt noch vier Millionen Schwarze als Sklaven. Erst nach dem Ende des Bürgerkrieges 1865 wurde die Sklaverei endgültig abgeschafft. Neben dem Vernehmungsprotokoll nach seiner Verhaftung existiert als einziges authentisches Zeugnis von Turner nur ein 5000-Worte-Dokument, das 1831 unter dem Titel Die Bekenntnisse des Nat Turner in Baltimore erschienen war.
Produktion Vorproduktion und Finanzierung mini|hochkant|Nate Parker (2014) Im Jahr 2014 kündigte Parker an, dass er an einem Film über Nat Turner, der ein Held für viele Afro-Amerikaner wurde, arbeite und er den Film The Birth of a Nation nennen wolle, was eine ironische Anspielung auf den als rassistisch verrufenen Film Die Geburt einer Nation (Originaltitel The Birth of a Nation) aus dem Jahr 1915 sein soll, der bis heute als erfolgreichster Stummfilm aller Zeiten gilt und diverse filmische Innovationen einführte, wodurch er von Filmhistorikern gar als Schlüsselwerk der Filmgeschichte angesehen wird. Der Film propagierte klar rassistische Inhalte und trug durch seine Verherrlichung offenbar maßgeblich zur Neugründung des rassistischen Geheimbundes Ku-Klux-Klan bei. Zudem prägte der Film nach Parkers Aussage die Filmindustrie, wie wir sie heute kennen. Es sei daher an der Zeit gewesen, einen Film zu machen, der die Sklaverei aus den Blickwinkeln von Widerstand und Selbstbestimmung betrachte. Auch im Buch The Confessions of Nat Turner von William Styron, für das der Autor 1968 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, sieht Parker seinen Protagonisten und die Sklaverei im Allgemeinen falsch dargestellt.
Der Regisseur stammt, wie auch der Protagonist des Films, aus Virginia. Der Film ist Parkers Regiedebüt.Jen Yamato: Armie Hammer Joins Nate Parker’s Nat Turner Biopic 'The Birth Of A Nation' In: deadline.com, 12. November 2014. Parker sagte über den historischen schwarzen Anführer des Sklavenaufstandes: Schon lange bevor ich Künstler wurde, war Nat Turner mein Held. Das Wissen um seine Heldentaten hat mir Mut gegeben, meine künstlerischen Ziele zu verfolgen. Ich denke, es ist nur passend, sein Leben schließlich auf die Leinwand zu bringen. Parker hatte nach eigenen Aussagen ein paar Jahre, bevor er das Buch oder den Film 12 Years a Slave kannte, mit den Arbeiten am Film begonnen.
Insgesamt hatte Parker sieben Jahre am Film und der Entwicklung des Drehbuchs gearbeitet, und nach mehreren gescheiterten Kreditverhandlungen selbst den größten Teil der Anfangsfinanzierung des Films übernommen und insgesamt 100.000 US-Dollar seines eigenen Geldes investiert, was exakt den damaligen Produktionskosten des Films Die Geburt einer Nation von 1915 entsprach. Viele potenzielle Geldgeber waren sich laut Parker unsicher, ob überhaupt jemand für das Thema interessiert werden könnte. Parker hatte sich sogar anhören müssen, die Menschen hätten grundsätzlich kein Interesse an Filmen mit schwarzen Protagonisten. Letztlich konnte Parker elf verschiedene Investorengruppen finden, die 60 Prozent des Produktionsbudgets von 10 Millionen US-Dollar finanzierten. Die Restfinanzierung übernahm der Produzent Aaron L. Gilbert.
Besetzung und Synchronisation Nate Parker, Produzent, Regisseur und Drehbuchautor des Films, übernahm selbst die Rolle des Protagonisten Nat Turner. Parker, der selbst mehrfach für den Image Award und den Black Reel Award nominiert war, besetzte die Rollen der Schwarzen im Film überwiegend mit Schauspielern, die ebenfalls etliche, explizit an Personen afroamerikanischer Herkunft gerichtete, Filmpreise erhalten hatten. So erhielten Gabrielle Union und Aja Naomi King, die im Film Ned Turners spätere Frau spielt, im April 2015 ihre Rollen. Später stießen Aunjanue Ellis, Dwight Henry, Roger Guenveur Smith, Tony Espinosa und Griffin Freeman zur Crew. Colman Domingo, der im Film die Rolle von Hark Turner übernahm, war zuvor überwiegend als Theaterschauspieler bekannt und wurde hierfür mehrfach ausgezeichnet.
In den weißen Rollen sind Armie Hammer als Samuel Turner, Penelope Ann Miller als seine Mutter Elizabeth Turner, Mark Boone Junior als Reverend Walthall und Jackie Earle Haley als der brutale Raymond Cobb zu sehen.
Im April 2015 wurde ein Casting-Aufruf für die Suche von Neben- und Statistenrollen gestartet. Letztlich umfasste die Liste der Darsteller mehr als 70 Personen.
Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch und der Dialogregie von Christoph Cierpka im Auftrag der RC Production Kunze & Wunder GmbH & Co. KG in Berlin.
Darsteller Synchronsprecher RolleNate ParkerDaniel FehlowNat Turner Armie HammerSascha RotermundSamuel Turner Penelope Ann MillerCathlen GawlichElizabeth Taylor Jackie Earle HaleyJürgen HeinrichRaymond Cobb Mark Boone JuniorGuntbert WarnsReverend Walthall Colman DomingoFalilou SeckHark Aunjanue EllisSanam AfrashtehNancy Dwight HenryRobert GlatzederIsaac Turner Aja Naomi KingCynthia MicasCherry Esther ScottRegina LemnitzBridget Roger Guenveur SmithWolf FrassIsaiah Danny VinsonBodo WolfBenjamin Turner Katie GarfieldMarleen LohseCatherine Turner Jayson Warner SmithIngo HülsmannEarl Fowler Dominic BogartDejan BućinHank Fowler Kai NorrisFinn PosthumusJasper Justin M. SmithTorsten MünchowJethro Jason StuartRainer GerlachJoseph Randall Chiké OkonkwoRalf DavidWill
Dreharbeiten und Marketing Die Dreharbeiten fanden an 27 Tagen im Mai 2015 in Savannah, Georgia statt, unter anderem in der dort gelegenen River Street.Mary Carr Mayle: In: businessinsavannah.com, 22. Januar 2016. Der Film wurde teils auf einer Plantage gedreht, in welcher wirklich früher Sklaven arbeiteten. Für viele der beteiligten Schauspieler war dies nach eigenen Aussagen sehr emotional.
Für die Kampfszenen, die im Film zu sehen sind, hatte Parker einige Tipps von Ed Zwick, dem Regisseur von Last Samurai, erhalten. Parker erklärte: Er hat mir die Wichtigkeit von Rauch im Vordergrund beigebracht. Einer der Tricks, die er mich gelehrt hat: Er sagte: 'Dafür muss man eine Menge von gemahlenem Kork besorgen.' Lassen Sie einen ihrer Assistenten oder sonst jemanden, der sich hinter der Kamera befindet, eine Handvoll werfen, wenn eine Schuss losgeht. Dies, so Zwick, werde Dynamik ins Bild bringen. Um das Kunstblut in die Kampfszenen einzubringen, besorgte Parker nach eigenen Aussagen Ketchupflaschen, mit deren Hilfe seine Assistenten dieses während der Dreharbeiten ins Bild spritzten. Kein Blut zu zeigen, so Parker, sei das, was in vielen Kampfszenen oft falsch gemacht werde.Steve Greene: Nate Parker’s 10 Huge Lessons from Making 'The Birth of a Nation' In: indiewire.com, 3. Juni 2016.
mini|hochkant|Der Grammy-nominierte Song Rise Up im Langtrailer stammt von Andra Day Am 15. April 2016 wurde von Fox Searchlight ein erster offizieller Kurztrailer zum Film veröffentlicht, der mit einer Coverversion des Liedes Strange Fruit von Nina Simone unterlegt war.Erik Pedersen: ‘The Birth Of A Nation’: First Trailer For Nate Parker’s Sundance Triumph In: deadline.com, 15. April 2016.
Im Mai 2016 veröffentlichte Fox Searchlight ein erstes Filmplakat. Dieses stellt durch vier rote Reihen von Personen, abwechselnd eine Reihe mit Weißen und eine Reihe mit Afroamerikanern, und den in ein blaues Rechteck gesetzten Filmtitel eine vereinfachte US-amerikanische Flagge dar. Diese Grafik wurde in Verbindung mit einem Video eines animierten Filmplakats veröffentlicht, das bei der Figur von Nate Turner beginnend, der sich in der Mitte einer Reihe von Afroamerikanern befindet, aus dem Bild herauszoomt und letztlich das vollständige Plakat zeigt.Tambay Obenson: Check out the stirring Motion Poster for Nate Parker’s 'Birth of a Nation' In: shadowandact.com, 16. Mai 2016.