Heino Naujoks (* 30. April 1937 in Köln; † 22. Januar 2025Traueranzeige in der Süddeutschen Zeitung vom 1. Februar 2025, abgerufen am 1. Februar 2025 in MünchenTraueranzeige in der Süddeutschen Zeitung vom 8. Februar 2025, abgerufen am 8. Februar 2025) war ein deutscher Maler.
Leben Heino Naujoks wurde 1937 in Köln als vierter Sohn eines Arztes geboren und wuchs in Marburg/Lahn (ab 1943) und Frankfurt am Main (ab 1948) auf. Nach dem Abitur zog er 1957 nach München. Dort besuchte er zunächst Zeichenkurse an der städtischen Gewerbeschule. 1958 nahm er an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg (Schule des Sehens) bei Oskar Kokoschka teil. Im Herbst desselben Jahres trat er in die Malklasse von Erich Glette an der Akademie der Bildenden Künste in München ein.
Mit seinen Kommilitonen Florian Köhler und Helmut Rieger gründete er 1959 die Künstlergruppe WIR, der 1961 auch Reinhold Heller und Hans Matthäus Bachmayer beitraten. Im Jahr 1965 schloss sich die Gruppe WIR mit der Künstlergruppe SPUR zusammen, 1966 wählten die Künstler den neuen Gruppennamen GEFLECHT. Bis zur Auflösung von GEFLECHT im Jahr 1968 entstanden, teilweise in Gemeinschaftsarbeit, Werke zum Thema Technik und Automobil, aber auch dreidimensionale „Antiobjekte“.
Zwischen 1975 und 1989 schuf Naujoks großformatige Wandbilder für den öffentlichen Raum, etwa für die Technische Universität und das Klinikum Großhadern in München sowie für das Staatsarchiv Augsburg. 1990 erhielt er den Seerosenpreis der Stadt München. Ab 2007 war Heino Naujoks Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Der Künstler war seit 1968 mit Margot Dorothea Radloff verheiratet; das Paar hat eine Tochter.
Werk Seit seinen künstlerischen Anfängen beschäftigt sich Naujoks mit dem Spannungsfeld zwischen Figur und Abstraktion. Zunächst beeinflusst vom analytischen Kubismus, vom Informel und vom Bildraum Max Beckmanns, entwickelte er bereits während seiner Studienjahre an der Akademie eine spontane, gestisch geprägte künstlerische Handschrift. Eine wichtige Inspirationsquelle während der Zeit der Gruppe WIR war außerdem die süddeutsche Deckenmalerei des 18. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit entstanden zahlreiche Gemälde und Zeichnungen mit religiösen Themen. Unter dem Einfluss der Pop Art schuf Naujoks von 1965 bis 1967 starkfarbige, flächige Kompositionen, doch kehrte er bald zu einer expressiven Pinselschrift zurück. Eine wichtige Rolle spielt die Collage in seinem Werk, dabei verwendete er nicht nur Fragmente aus Zeitungen und anderen Publikationen, sondern auch Teile eigener Werke, die er nach dem Einfügen in seine Bilder wiederum übermalte. Seit den 1990er Jahren entstanden seine Gemälde teilweise als Bestandteile umfangreicher Werkreihen, etwa der Folgen „Katarakt“ oder „Ort als Geschehen“.
Ausstellungen (Auswahl) 1965: Gruppe WIR, BMW-Pavillon, Hamburg 1967: Gruppe GEFLECHT, Kunsthalle zu Kiel 1969: Galerie van de Loo, München 1971: Studio-Galerie, Kunstverein, Kassel 1978: Incontri, Goethe-Museum, Rom 1983–1985: COBRA, SPUR, WIR, GEFLECHT, KOLLEKTIV HERZOGSTRASSE, Galerie im Ganserhaus, Wasserburg/Inn; Kunstverein, Bonn; Gesellschaft für aktuelle Kunst, Bremen; Galerie Moderne, Silkeborg/Dänemark 1985: Galerie Ute Parduhn, Düsseldorf (1989, 1991, 1995, 2000, 2003, 2009) 1987: Gruppe WIR, Kunstverein, München; Kunstverein, Salzburg 1988: Gruppe WIR, Kunstverein, Bamberg 1990: Galerie von Loeper, Hamburg 1990: Rathausgalerie, München (Ausstellung anlässlich der Verleihung des Kunstpreises der Stadt München) 1992: Kunstverein, Rosenheim 1995: Galerie Schwind, Frankfurt am Main 1996: Galerie Pels-Leusden, Berlin 2000: Kunstverein, Würzburg 2003: Das große Format, Historischer Langhaussaal, Rathaus, Cham 2004: Kunsthalle Emden (Ankauf und Präsentation innerhalb der Schenkung Otto van de Loo) 2009: Arbeiten auf Papier, Karl & Faber Kunstauktionen, München 2011: Galerie Marie-José van de Loo, München 2012: Ort als Geschehen, Helmholtz-Zentrum München 2014/15: German Pop, Schirn Kunsthalle, Frankfurt am Main 2015: Gruppe WIR, Museum Lothar Fischer, Neumarkt/Oberpfalz; Kunsthalle, Schweinfurt 2017: Stationen, Karl & Faber Kunstauktionen, München 2025: in memoriam HEINO NAUJOKS, Galerie Ute Parduhn, Düsseldorf
Werke in öffentlichen Sammlungen Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München Städtische Galerie im Lenbachhaus, München Staatliche Graphische Sammlung München Neues Museum Nürnberg Kunsthalle Schweinfurt Kunsthalle Emden (Sammlung Otto van de Loo) Museum am Dom, Würzburg Museum Lothar Fischer, Neumarkt/Oberpfalz Museum für aktuelle Kunst – Sammlung Hurrle, Durbach Helmholtz-Zentrum München Sammlung Swiss Life, München ADAC-Kunstsammlung „Spuren“, München
Literatur (Auswahl) Heino Naujoks. Bilder 1959–1997. Werkverzeichnis. Galerie Schwind, Frankfurt 1997, ISBN 3-932830-22-9. Heino Naujoks. Katarakt. Galerie Schwind, Frankfurt 2000, ISBN 3-932830-40-7. Heino Naujoks. Ort als Geschehen. Helmholtz Zentrum, München 2012, . Pia Dornacher, Selima Niggl (Hrsg.): GRUPPE WIR. München 2015, ISBN 978-3-88960-146-9.
Weblinks
Biographie von Heino Naujoks auf der Homepage der Galerie van de Loo Projekte gruppe-wir.de
Einzelnachweise
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