mini|Martin Sonneborn (2024) rahmenlos|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Martin Sonneborn Martin Hans Sonneborn (* 15. Mai 1965 in Göttingen) ist ein deutscher Satiriker, Journalist und Politiker (Die PARTEI). Er war Chefredakteur des Satiremagazins Titanic. Seit der Gründung der Partei Die PARTEI ist er Parteivorsitzender und seit 2014 Mitglied des Europäischen Parlaments.

Werdegang Familie, Studium und Wehrdienst Sonneborn ist der Sohn des Berufsberaters Engelbert Sonneborn. Er wuchs zusammen mit einem Bruder auf.Britta Stuff: Der komische Mann. In: Berliner Morgenpost. 11. Juli 2010. Er besuchte die Ursulaschule, ein katholisches Privatgymnasium in Osnabrück,Daniel Benedict: Friedensschinken versaut die politische Botschaft: Partei-Mann Martin Sonneborn. In Neue Osnabrücker Zeitung, 15. September 2011. an der er sein Abitur ablegte.

Nach dem Grundwehrdienst 1990 und dem Abschluss einer Ausbildung als Versicherungskaufmann in Osnabrück studierte er Publizistik, Germanistik und Politikwissenschaft in Münster, Wien und Berlin. Ab 1993 schrieb er für die taz, wo er später eine Kolumne hatte. Seine MagisterarbeitMartin Sonneborn: Das Satiremagazin TITANIC, Berlin, Magisterarbeit, 1994. schrieb er 1994 über das Satiremagazin Titanic und „die absolute Wirkungslosigkeit moderner Satire“. Er fälschte dafür nach eigenen Angaben Interviews. 1995 machte er ein Praktikum beim Satiremagazin Eulenspiegel und arbeitete anschließend als Redakteur beim Konkurrenzblatt Titanic, dessen verantwortlicher Chefredakteur er 2000 wurde. Diese Stellung gab er im Oktober 2005 an seinen Redaktionskollegen Thomas Gsella ab. Ab 2006 war Sonneborn verantwortlicher Redakteur der Satire-Rubrik „Spam“ auf Spiegel Online bis zu deren Einstellung 2016.

Politische Laufbahn

Gründung der PARTEI (2004 bis 2005) Am 2. August 2004 gründete Sonneborn gemeinsam mit weiteren Redakteuren der Titanic die Partei Die PARTEI, als deren Bundesvorsitzender er amtiert, und in deren Jargon er „GröVaZ – Größter Vorsitzender aller Zeiten“ genannt wird; siehe Gröfaz. Während des Bundestagswahlkampfs 2005 war Sonneborn in mehreren Fernsehwahlwerbespots zu sehen. Diese wurden von seiner Partei im Vorfeld als „TV-Werbezeit im ZDF“ versteigert und enthielten bei Ausstrahlung massive Werbung für das Flugunternehmen Hapag-Lloyd Express. Dies führte zu einer Debatte in Medien und Politik über eine Verschärfung der Bestimmungen für Wahlwerbespots. Sonneborn erklärte, man habe sich lediglich wie die ARD verhalten: „Auffällig unauffällig Schleichwerbung platzieren.“Martin Sonneborn: Das PARTEI Buch. Verlag Kiepenheuer & Witsch, S. 145 ff. mini|Martin Sonneborn (2014)

Mitglied des Europäischen Parlaments (seit 2014)

8. Wahlperiode (2014 bis 2019) Bei der Europawahl 2014 wurde er als Spitzenkandidat in das Europäische Parlament gewählt. Die PARTEI erreichte 0,6 % der Stimmen.IEx-Titanic-Chef Sonneborn ins EU-Parlament gewählt. Der Tagesspiegel 26. Mai 2014. Sein „Bericht aus Brüssel“ wurde bis 2022 in der Titanic veröffentlicht. Er war Mitglied im Ausschuss für Kultur und Bildung sowie der Delegation für die Beziehungen zur Koreanischen Halbinsel.

Auf Vorschlag der Fraktion der Piratenpartei wurde Sonneborn vom Landtag Nordrhein-Westfalen zum Mitglied der 16. Bundesversammlung gewählt. Dort schlug er seinen Vater Engelbert Sonneborn als Bundespräsidenten vor. In der Wahl am 12. Februar 2017 unterlag dieser Frank-Walter Steinmeier und den anderen drei Kandidaten im ersten Wahlgang.

Im August 2018 traf sich Sonneborn mit dem armenischen Premierminister Nikol Paschinjan, welcher sich bei ihm für seinen Einsatz für Armenien im Europaparlament bedankt hat, insbesondere im Hinblick auf den Völkermord an den Armeniern und den Bergkarabachkonflikt. Sonneborn kritisierte mehrfach den Umgang mit dem nicht anerkannten Staat Arzach, vor allem von Seiten Aserbaidschans. Er betonte, dass Arzach im Gegensatz zu Aserbaidschan eine Demokratie sei und die Europäische Union Arzach deshalb unterstützen solle.

9. Wahlperiode (2019 bis 2024) Sonneborn erklärte am 22. August 2018 in Brüssel, wieder zur Wahl für das Europaparlament anzutreten. Der Kabarettist Nico Semsrott gehörte zu seinem Team. Man wolle auch Kandidaten mit Nachnamen von „bekannten Nazigrößen“ aufstellen, um AfD-Wähler sowie „verwirrte CSU-Wähler“ oder „demente CDU-Wähler“ zu einem Kreuz für Die PARTEI zu verleiten. Hintergrund war, dass CDU/CSU und SPD eine Sperrklausel planten, die deutschen Kleinstparteien den Einzug ins Europaparlament erschweren würde.Deutscher Satiriker will bei Europawahl antreten orf.at, 22. August 2018, abgerufen am 22. August 2018.

Die PARTEI erreichte bei der Europawahl 2019 2,4 %. Während sich Semsrott der Fraktion Grünen/EFA anschloss, blieb Sonneborn weiterhin fraktionsloser Abgeordneter. Im Februar 2023 war Sonneborn einer von 69 Erstunterzeichnern des von der Politikerin Sahra Wagenknecht und der Publizistin Alice Schwarzer initiierten Manifests für Frieden,Change.org: Manifest für Frieden das einen Stopp von Waffenlieferungen an die Ukraine und einen Waffenstillstand im russisch-ukrainischen Krieg sowie Friedensverhandlungen mit Russland fordert.

10. Wahlperiode (seit 2024) Bei der Europawahl 2024 erhielt die Partei 1,9 Prozent der abgegebenen Stimmen und damit zwei Mandate. Das zweite Mandat nach Sonneborn erhielt Sibylle Berg.Autorin Sibylle Berg zieht für Satirepartei in EU-Parlament. In: Berliner Morgenpost, 10. Juni 2024.

Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2021 Um Die PARTEI ins Berliner Abgeordnetenhaus zu führen, ließ sich Sonneborn trotz seiner Tätigkeit im Europaparlament bei der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) 2021 als „Maskottchen“ aufstellen. Die Partei erreichte mit 33.000 Zweitstimmen Platz 2 hinter der 5-Prozent-Hürde und zwei Sitze in der BVV von Friedrichshain-Kreuzberg. Auch bei der Wahlwiederholung trat er wieder an.

Fernsehen

Rolle des Außenreporters bei der heute-show (2009 bis 2014) Vom 26. Mai 2009 bis zum 26. September 2014 war Sonneborn in der Rolle eines Außenreporters im Ensemble der ZDF-Satiresendung heute-show zu sehen. Nach der Ausstrahlung eines Interviews zwischen ihm und dem Pharmalobbyisten Peter Schmidt am 14. Mai 2010 geriet die Sendung in die Kritik, da Sonneborn in den Interviewpausen geäußerte Aussagen Schmidts nutzte, obwohl diese nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Schmidt zeigte sich über die Ausstrahlung verärgert und bezeichnete sie als „echte Schweinerei“, da Sonneborn ihn mit der Anfrage für ein ZDF-Interview gelockt habe, das man „nach Möglichkeit in einer der heute-Sendungen [...] platzieren“ wolle. Thomas Bellut, Programmdirektor des ZDF, untersagte der Redaktion der heute-show daraufhin, mit den Marken heute und heute-journal zu arbeiten.ZDF-Programmchef rügt „heute-show“ In: Spiegel Online, 21. Mai 2010. Nach seiner Wahl in das Europäische Parlament wurde seine Mitwirkung an der heute-show durch den Sender beendet.Martin Sonneborn bei Fernsehkritik-TV YouTube.de, abgerufen am 21. Januar 2016, ab Minute 2:50

Folge bei Zimmer frei! (2009) Die für den 4. Oktober 2009 geplante Folge der Sendung Zimmer frei! mit Sonneborn als Gast wurde vom WDR nicht wie vorgesehen ausgestrahlt. Eine Sendersprecherin erklärte, Sonneborn habe in der Sendung als Privatmann auftreten sollen, stattdessen habe er sich nur in die Rolle des „PARTEI-Chefs“ begeben. Beim WDR war man der Meinung, dass dies für eine 60-Minuten-Sendung uninteressant und nicht lustig gewesen sei. Sonneborn bestätigte, dass es von Seiten des WDR die Bitte gab, nicht als „PARTEI-Vorsitzender“ aufzutreten, jedoch habe man ihm auch die Freiheit gelassen, in der Sendung zu tun, was ihm gefällt. Sonneborn war der Ansicht, Moderatorin Christine Westermann sei nicht mit ihm klargekommen. Anschuldigungen, dass die Nichtausstrahlung der Sendung mit Sonneborns Boykottaufruf bei GEZ-Gebühren oder der Bezeichnung von Johannes B. Kerner als überbezahlten Moderator zusammenhänge, entgegnete der WDR: „Wenn man den ehemaligen Chefredakteur der Titanic einlädt, dann sicher nicht, um eine politisch korrekte Sendung zu machen“.WDR: Sonneborn ist nicht lustig. In: Der Tagesspiegel. 9. Oktober 2009. Nach einem medialen Wirbel und zahlreichen Zuschaueranfragen wurde die Ausstrahlung schließlich am 20. Oktober 2009 kurz nach Mitternacht nachgeholt.Umstrittene „Zimmer frei!“-Folge mit Martin Sonneborn wird am kommenden Dienstag ausgestrahlt. Pressemitteilung Westdeutscher Rundfunk, 14. Oktober 2009.

Satire-Aktionen

Ausstellung im Historischen Museum Frankfurt

Aufsehen erregte ein „Bestechungsversuch“ bei der FIFA im Jahr 2000. Daraus entstand die Ausstellung Wie Titanic einmal die Fußball-WM 2006 nach Deutschland holte im Historischen Museum Frankfurt. Hintergrund war Sonneborns Vorschlag an die FIFA, die Fußball-WM 2006 in Deutschland stattfinden zu lassen. Im Gegenzug erhalten die Funktionäre einen „Präsentkorb mit echtem Schwarzwälder Schinken und eine Kuckucksuhr“.

Frankfurter Buchmesse

2009: Kritik an Menschenrechtsverletzungen in China Diplomatische Verstimmungen zwischen Deutschland und der Volksrepublik China löste Sonneborn 2009 aus, als er auf der Frankfurter Buchmesse, die in jenem Jahr als Gastland China eingeladen hatte, Schriftstellern und Besuchern Sätze über Menschenrechtsverletzungen in China in den Mund legte.Andreas Lorenz: China wirft deutschen Medien vulgäre Berichterstattung vor. In: Spiegel Online, 22. Dezember 2009. Daraufhin wurde ihm in Staatsmedien des Landes vorgeworfen, „die Gefühle des chinesischen Volkes“ verletzt zu haben. mini|Sonneborn mit Parteikollegen Nico Wehnemann und Maximilian Hahn auf der Frankfurter Buchmesse 2018

2018: Verkleidung als Claus Schenk Graf von Stauffenberg bei Buchvorstellung von Björn Höcke Der AfD-Politiker Björn Höcke stellte sein Buch Nie zweimal in denselben Fluss unter Polizeischutz auf der Frankfurter Buchmesse 2018 vor. Sonneborn versuchte – verkleidet als Claus Schenk Graf von Stauffenberg – eine Aktentasche in Höckes Nähe abzustellen, um an Stauffenbergs Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler zu erinnern. Sonneborn wurde jedoch nicht eingelassen.

Parodien auf verschiedene Politiker bei Wahlkämpfen Sonneborn trat gemeinsam mit Redaktionskollegen der Titanic mehrfach als vermeintlicher Politiker großer deutscher Parteien auf und parodierte mit fiktiven politischen Positionen bei Wahlkämpfen.

Gerhard Frey Mirko Mokry (1998) 1998 mobilisierte er als angeblicher Büroleiter des damaligen Bundesvorsitzenden der DVU Gerhard Frey, Mirko Mokry und andere DVU-Landtagsabgeordnete zum „Marsch auf Berlin“ unter dem Motto „Arbeit macht Frey“.

Klaus Schneider (2002) In Eisenach trat Sonneborn als Klaus Schneider im Straßenwahlkampf auf und verwendete dabei Parolen wie „Deutsche wehrt euch – Wählt FDP“ und „Gib endlich Friedman – Judenfrei und Spaß dabei.“ Hintergrund waren Angriffe des damaligen FDP-Spitzenpolitikers Jürgen Möllemann auf den Journalisten und Politiker Michel Friedman. Schneider kündigte daraufhin an, ihn zu verklagen.

Gerhard Bökel (2003) In Hessen gab sich Martin Sonneborn 2003 als SPD-Spitzenkandidat Gerhard Bökel aus und leistete in einer Wohnsiedlung mit gefälschten Wahlhandzetteln „Basiswahlkampf“, indem er von Tür zu Tür ging und sich vorstellte. Den meisten Anwohnern fiel der Schwindel nicht auf.Martin Sonneborn: Das Partei Buch. Verlag Kiepenheuer & Witsch, S. 30 ff.

Kontroversen

„Ick bin ein Obama“-Wahlplakat