mini|Kurt Spurey 2018 mini|Drei Schalen mit Stab (1981)
Kurt Spurey (* 1941 in Mariazell) ist ein österreichischer Keramikkünstler, Bildhauer und Maler.
Leben und Wirken Biografie, Ausbildung und Tätigkeitsfelder Kurt Spurey studierte nach kaufmännischer Lehre und Militärdienst ab 1961 technische Keramik am Technologischen Gewerbemuseum, einer Technischen und Gewerblichen Lehranstalt in Wien. Er begann die Ausbildung an der dortigen Fachschule für industrielle Keramik und wechselte 1962 in die 5-jährige Ausbildung an deren sog. „Höheren Abteilung“ in der Fachrichtung Silikattechnik, die er 1967 mit Matura abschloss. 1962 heiratete er Gerda Gruber (* 1940), mit der er schon ab 1964 parallel zur Ausbildung (zusammen mit Iris Brendel (1929–2007)Infos zu Iris Brendel, abgerufen am 13. September 2021. und Elisabeth Schaffer (* 1935)Infos zu Elisabeth Schaffer, abgerufen am 14. September 2021). in einer gemeinsamen Werkstatt in der Juchgasse in Wien arbeitete.Infos Bio Spurey, abgerufen am 13. September 2021.
Die ästhetisch-künstlerische Seite keramischer Arbeiten interessierte Kurt Spurey nach Abschluss seiner Ausbildung dann weitaus mehr als deren technische Seite, und ab 1969 bis 1975 betrieb er als freischaffender Künstler gemeinsam mit Gerda Spurey-Gruber ein Atelier für Porzellangestaltung in Wien (in der Schüttelstraße).
Er war parallel von 1968 bis 1971 auch mit dem Aufbau und der Leitung eines Designstudios bei der ÖSPAG (früher Wilhelmsburger Steingut- und Porzellan-Fabrik) in Wilhelmsburg beauftragt. Hier entwickelte er Entwürfe und Prototypen vor allem für die Porzellanserie Lilienporzellan.
1975 trennten sich Gerda und Kurt Spurey, und das gemeinsame Produktions-Atelier wurde von Kurt Spurey eine Zeit lang alleine weitergeführt. 1977 heiratete er die aus den USA nach Österreich gekommene Künstlerin Beverly Piersol (* 1944, † 2023), mit der er deren 2 Kinder aus erster Ehe großzog und bis 2023 gemeinsam lebte und arbeitete.
Kurt Spurey arbeitet nicht nur als Keramikkünstler, sondern auch als Maler, Bildhauer und Installationskünstler (siehe dazu den Abschnitt #Zum Werk). Kurt Spurey war neben seiner künstlerischen Tätigkeit auch weltweit als Lehrender und Jurymitglied im Bereich Keramik und Porzellangestaltung tätig (siehe #Lehrtätigkeit, Jurymitgliedschaften (Auswahl)). Er war auch bei Symposien aktiv und hatte zahlreiche Arbeitsaufenthalte in Europa, den USA und China. Darüber hinaus hat er etliche Fachbeiträge zu Keramikkunst und Keramikkünstlern veröffentlicht.
Kurt Spurey ist Mitglied des Künstlerhauses Wien (seit 1977), der Künstlervereinigung MAERZ (seit 1990), und war 1972–1994 Mitglied der „Academie Internationale de la Ceramique / International Academy of Ceramics“ (AIC/IAC) Genf.
Lehrtätigkeit, Jurymitgliedschaften (Auswahl) 1973 Jurymitglied, International Academy of Ceramics: „Ceramics International '73“ World Exhibition, Alberta College of Art, Calgary, Kanada.siehe Zeitschrift „craft horizons“ (American Crafts Council, New York), Vol. 33 No. 4 (August 1973), , S. 13. 1973–1976 Vorträge und Workshop-Leitungen in den USA und Kanada, u. a. Ottawa Guild of Potters, Ottawa, Kanada.;Bericht über die Ottawa Guild of Potters und das Workshop, auf Seite 6, abgerufen am 28. September 2021. Rockford College, Rockford (Illinois); Banff School of Fine Arts (Banff, Kanada).Infos zum Workshop 1976 „Cast Porcelain“ von Kurt Spurey, abgerufen am 24. September 2021. 1981 Lehrauftrag, Summer School, McGregor College, Toowoomba (Australien).siehe „Pottery in Australia“, vol. 33 no. 2 (winter 1994), S. 22. Abgerufen am 28. September 2021. 1982 Lehraufträge Niederlande: Keramisch Werkcentrum Heusden; Academie voor beeldende Kunsten Sint-Joost, Breda (beide: Niederlande). 1983, 2005 Jurymitglied, 34° & 54° Concorso Internazionale della Ceramica d'Arte Contemporanea Faenza, Italien. 1984 Lehrauftrag, Kunsthøgskolen, Oslo (Norwegen). 1985–1987 Lehrbeauftragter, Europäische Kunstakademie Trier, Deutschland. 1988–1989, 1991-1992 Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Niederrhein (Fachbereich Design), Krefeld, Deutschland. 1993–1996 Leitung der Ausbildung „Tonplastik“, Akademie für Bildende Kunst Vulkaneifel, Steffeln, Deutschland. 2010 Guest Lecturer, „Fusion 2010“ (51st New Zealand Potters Convention), Otago Polytechnic, Dunedin, Neuseeland.s. Dunedin School of Art: A History. In: Scope: Contemporary Research Topics (Art & Design). hg. Otago Polytechnic (Dunedin, NZ), , no. 12 (2016), S. 161, thescopes.org, abgerufen am 27. September 2021. 2015 Jurymitglied, Salzburger Keramikpreis 2015. 2016 Gastdozent, Suzhou Art & Design Technology Institute, Suzhou (Jiangsu), China.
Symposien und Arbeitsaufenthalte (Auswahl) 1966, 1970 Medzinárodni Symposium Keramiki Bechyně – International Symposium of Ceramics Bechyně, Tschechoslowakei (Teilnahme).Infos zur Teilnahme und Fotos von Werken Kurt Spureys, abgerufen am 14. September 2021. 1967, 1969 Fünftes und Sechstes Internationales Keramiksymposium Gmunden (Teilnahme). 1972 Primo Simposio Internazionale della Ceramica, Nove und Bassano del Grappa, Italien (Co-Leitung, mit Umberto dal Negro). 1972 Internationales Keramikersymposium, Stoob (Burgenland) (Leitung). 1973 First US International Ceramic Symposium, Memphis, Tennessee, USA (Teilnahme).Infos zu Kurt Spurey in Memphis, abgerufen am 14. September 2021. 1975 Internationellt Keramisk Symposium, Nässjö, Schweden (Co-Leitung, mit Ulla Viotti). 1978 Siebtes Internationales Keramiksymposium Gmunden (Leitung). 1982 International Ceramics Symposium, Carrigaline (Cork, Irland; Teilnahme).Kurt Spurey realisierte dort als Mitglied der Gruppe „Architectural Ceramics“ ein 4 Tonnen schweres Tonkreuz, das als „prozessurale Skulptur“ dann wieder Schicht für Schicht abgetragen wurde; siehe: Irish International Symposium. In: Ceramics Monthly. Westerville (Ohio), Vol. 31, No. 2 (February 1983), , S. 83–84. 1987, 1992 Artist in Residence, Porzellanmanufaktur Herend, Ungarn. 1993 ŠIPS ’93 (2nd Šternberk International Painting Session / Šternberský mezinárodní malířský plenér), Šternberk, Landkreis Olmütz, Tschechien (Teilnahme). 2004 Arbeitsaufenthalt in Rom, Italien. 2016 Arbeitsaufenthalt in Longquan, China (Seladon-Keramiken).
Preise, Stipendien und Auszeichnungen 1974 Förderungspreis für Bildende Kunst, Bundesministerium für Unterricht und Kunst (gemeinsam mit Gerda Spurey). 1976 Förderungspreis der Stadt Wien für Bildende Kunst (Ankaufspreis, gemeinsam mit Gerda Spurey). 1979 Westerwaldpreis des Keramikmuseums Westerwald (Anerkennung/Einladung zur Ausstellung). 1984 Förderungspreis des Landes Steiermark für zeitgenössische bildende Kunst (Ankaufspreis). 1996 Stipendium des Bundes („Kunstsektion“, damals Bundeskanzleramt), Arbeitsaufenthalt und Ausstellung, Krakau. 2004 Auslandsatelierstipendium des Bundes („Kunstsektion“, damals Bundeskanzleramt), Tätigkeit in Rom. 2010 Salzburger Keramikpreis (Kategorie: Anerkennungspreis). 2012 „Goldener Lorbeer“, Künstlerhaus Wien., abgerufen am 18. Jänner 2016. 2016 Auslandsatelierstipendium des Bundes („Kunstsektion“, damals Bundeskanzleramt), Tätigkeit in Suzhou (Jiangsu), China.
Zum Werk Porzellanplastiken und Porzellanobjekte Design für Gebrauchsporzellan (1968–1971) mini|Objekt „Sparraupe Lilienporzellan“ (1971)
Kurt Spurey entwickelte als Leiter des damaligen Designstudios für die ÖSPAG in Wilhelmsburg verschiedene Entwürfe und Prototypen für Gebrauchskeramik, wie die sog. „Sparraupe“,Beschreibung der „Sparraupe“ inkl. Bild, abgerufen am 5. Oktober 2021. oder ein Gewürzset (Essig, Öl, Pfeffer, Salz) der Lilienporzellan-Serie „Daisy“.Kurt Spurey schreibt hier: „Das vorliegende Gewürzset wurde von mir als Ergänzung zum bestehenden Geschirr "Daisy" entwickelt. Die Formen folgen den vorgegebenen Modulen des Geschirrs, sind aber dem bestimmten Gebrauch angepasst. Das ganze Geschirrset schien vollständig zu sein. Auffällig aber war, dass ein Set für Salz und Pfeffer bzw. Essig und Öl nicht im Programm vorkam. Diese Ergänzung wurde leider nie realisiert und blieb im Entwurf stecken. Durch die zu dieser Zeit herrschende Voreingenommenheit gegenüber dem noch bestehenden Studio, das sich auch als Zelle für neue Entwürfe verstand, war die Voraussetzung einer Realisierung gering. Es gab eine von mir erstellte Nullserie, die jedoch im Zuge der Auflösung der Geschirrproduktion verloren ging …“, siehe Text Kurt Spurey zum Gewürzset „Daisy“, abgerufen am 12. Oktober 2021.Beschreibung des Gewürzsets von Kurt Spurey, abgerufen am 7. Oktober 2021.Essigspender Kurt Spurey Lilienporzellan, abgerufen am 13. Oktober 2021.
Frühe Porzellanobjekte (1969 – ca. 1981) mini|Objekt „Zungenrelief“ (1978)
Kurt Spurey erlangte mit der seit 1969 gemeinsam mit Gerda Gruber-Spurey entwickelten und damals revolutionären Nutzung des Werkstoffs Porzellan in der Keramikkunst rasch weltweite Aufmerksam- und Bekanntheit. Die beiden waren Pioniere der Erschließung von Porzellan in diesem Bereich, und ihre damaligen Porzellanobjekte wurden weltweit ausgestellt und gesammelt. Hier schreibt die Kunsthistorikerin Silvia Glaser: „Zu anfangs entstandenen gegenständlichen Arbeiten wie Vasen und Schalen traten im Laufe der Zeit vor allem Reliefs und skulpturale Objekte kleineren und größeren Formates hinzu. Gerade die Entstehung Letzterer forderte den beiden … große Sachkenntnis ab, bewegten sie sich doch in der Verarbeitung des Porzellans an der Grenze des Möglichen; um beispielsweise eine optimale Transparenz von Porzellanplatten zu erreichen, wurde der flüssige Schlicker extrem dünn auf Gipsplatten aufgegossen. Durch die hohe Brenntemperatur bestand die große Gefahr, dass diese im Verlauf des Brandes zerbrachen. Aus den entstandenen dünnen Porzellanblättern erarbeiteten die beiden Künstler ihre skulpturalen Werke. Überwiegend blieben die Arbeiten weiß … die Porzellanmasse wurde nicht gefärbt.“Silvia Glaser: Überformte Kugel. In: Kulturgut – Aus der Forschung des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, 1. Quartal 2009 (Heft 20), , S. 2, gnm.de, abgerufen am 5. Oktober 2021.
Kurt Spurey setzte diese Technik der „feinen Porzellanblätter“ nach der Trennung von Gerda Gruber-Spurey (1975) in eigenständiger Weiterentwicklung v. a. durch sog. „Faltformen“ fort. Dazu schreibt er selbst: „Produktionsbedingt wird hauptsächlich eine flüssige Masse verwendet. Es war die Frage zu lösen, wie man zu freier Gestaltung gelangt. Die Lösung fand sich in der Möglichkeit, dünne gegossene „Platten“ zu verarbeiten – die Faltformen entstanden. Durch die geringe Wandstärke ist es möglich, die Transparenz des Porzellans als Gestaltungselement einzusetzen. Die Wechselwirkung von Licht zwingt zu meist weißen Flächen. Diese werden nur spärlich durch kobaltblaue Linien akzentuiert.“.Text zu „Faltformen“ homepage Kurt Spurey, abgerufen am 11. Oktober 2021.
Ab 1981 kehrte er Porzellan als Werkstoff teilweise des Rücken und arbeitete als Bildhauer und Maler sowie mit anderen keramischen Materialien,
Vasen, Schalen, „Falling Leaves“ (ab 1987)
Kurt Spurey fertigte dann in einer „ersten Rückkehr“ zum Werkstoff Porzellan u. a. bei Aufenthalten als „artist in residence“ der Porzellanmanufakturen Herend (1987, 1992) und Augarten (1992) Porzellanobjekte, die einerseits zur modifizierten oder verfremdeten Vasen- oder Schalenform zurückkehrten, und andererseits die Technik „feiner Porzellanblätter“ als „Falling Leaves“ (1992) neu aufgriffen. Hier schreibt er selbst: „Ein ganz anderes Konzept liegt den »Falling Leaves« zu Grunde. Es wurde versucht, die Leichtigkeit eines nach unten schwebenden Blattes als Gestaltungsidee zu realisieren. Die Schaleninnenseite ist mit eingelegtem färbigen Porzellan gestaltet.“Text zu „falling leaves“ homepage Kurt Spurey, abgerufen am 3. Oktober 2021.
„Porcelain brut“ (ab 2002)