miniatur|Camber Castle von Nordwesten Camber Castle, früher auch Winchelsea Castle genannt, ist eine Burgruine in der Nähe von Rye in der englischen Verwaltungseinheit East Sussex. König Heinrich VIII. ließ die Festung zum Schutz der Küste von Sussex gegen befürchtete französische Angriffe zwischen 1512 und 1514 errichten. Das erste Verteidigungsbauwerk auf dem Gelände war ein kleiner, runder Geschützturm, von dem aus man den Ankerplatz von Camber und die Einfahrt zum Hafen von Rye überwachen konnte. 1539 führten wachsende Spannungen mit Frankreich dazu, dass König Heinrich seine Pläne zum Küstenschutz überdachte. Im Folgejahr wurde Camber Castle unter Leitung des mährischen Ingenieurs Stephan von Haschenperg umgebaut und erweitert. Das Ergebnis allerdings wurde als unbefriedigend angesehen und so wurden 1542 und 1543 weitere, sehr aufwändige Arbeiten durchgeführt, um die Probleme zu beheben. Heraus kam dabei eine große Ringfestung mit zentralem Donjon, umgeben von vier runden Bastionen und einer Eingangsbastion aus Steinen und Ziegeln.

Die fertiggestellte Burg war anfangs mit 28 bronzenen und eisernen Kanonen und einer Garnison von 28 Mann bestückt, die von einem Captain befehligt wurden. Die Festung war eventuell 1545 in vollem Betrieb, als eine französische Flotte die englische Südküste angriff, aber ihre militärischer Nutzung war kurzlebig. Der Ankerplatz von Camber und die umgebenden Häfen begannen, zu kolmieren, und waren für die Schifffahrt nicht mehr nutzbar. Die Küstenlinie verlagerte sich weiter seewärts, sodass das Fort bald weit landeinwärts lag. Darüber hinaus war die Festung durch neuere militärische Konstruktionen in Europa überholt, noch bevor sie fertiggestellt war, und ein Frieden mit Frankreich im weiteren Verlauf des 16. Jahrhunderts ließ den Bedarf an Küstenfestungen sinken. Die Festung wurde noch bis 1637 genutzt und dann auf Weisung König Karls I. geschlossen. Beim Ausbruch des englischen Bürgerkrieges 1642 wurde sie größtenteils von parlamentaristischen Truppen geschleift, damit die Royalisten sie nicht nutzen konnten.

Die Ruinen wurden im 18. und 19. Jahrhundert zu einem beliebten Picknickplatz und wurden auch von William Turner gemalt. Pläne, die Festung zu einem Martello-Turm oder einem Clubhaus für den örtlichen Golfclub umzubauen, wurden nicht realisiert. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Anwesen genutzt, vermutlich als Vorwarnposten. Das archäologische Interesse an dem Fort stieg nach dem Krieg und 1967 wurde es unter staatlichen Schutz gestellt. 1977 wurde das Anwesen an Privatleute verkauft. Heute verwaltet es English Heritage und es ist nach einem ausgedehnten Erhaltungsprogramm zwischen 1968 und 1994 wieder öffentlich zugänglich. Die Festung ist ein unübliches Beispiel für ein unverändertes Device Fort und als historisches Gebäude I. Grades gelistet.

Geschichte 16. und 17. Jahrhundert Erster Turm, 1512–1514 miniatur|Camber im Spätmittelalter. Legende: A – Rye; B – Ankerplatz von Camber; C – Camber Castle am Kevill Point; D – Winchelsea; gepunktete Bereiche – Sanddünen und Sandbänke Camber Castle wurde etwa auf halbem Weg zwischen den Häfen von Rye und Winchelsea (etwa 1,5 km entfernt von beiden Häfen) an der Südküste von England errichtet und überwachte ein Seegebiet namens The Camber an den Mündungen der Flüsse Brede, Rother und Tillingham. Die beiden Städte waren Teil der Cinque Ports, einer strategischen Kette von Seehäfen, die verantwortlich für die Zurverfügungstellung von Schiffen für die königliche Marine waren. Allerdings war Winchelseas Hafen schon vor dem 16. Jahrhundert versandet, was seine Nutzbarkeit einschränkte, und der Hafen von Rye hatte bald mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Ebenfalls war die Mündung The Camber im Spätmittelalter davon betroffen, auch wenn dieser Prozess einen wichtigen neuen Ankerplatz für Schiffe geschaffen hatte.

Die erste Befestigung in Camber wurde vermutlich kurz nach 1486 von Sir Richard Guildford, dem Master General of the Ordnance, errichtet, der von König Heinrich VII. die Grundherrschaft Higham in Kent als Lohn für den Bau eines Verteidigungsturms zum Schutz des Ankerplatzes erhalten hatte. Es ist allerdings kein Beweis für den tatsächlichen Bau eines solchen Turmes durch Guildford bis heute erhalten, und König Heinrich VII. investierte bis zum Ende seiner Regentschaft nicht viel in den Schutz der Küsten. Viele Burgen in ganz England waren damals in schlechtem Zustand und galten oft als überholt und zu teuer im Unterhalt.

Heinrich VIII. wurde im Jahr 1509 zum König gekrönt und folgte einer aggressiveren Politik gegenüber dem benachbarten Frankreich als sein Vater. Die Spannungen nahmen im Jahr 1512 zu und Heinrich VIII. ordnete den Bau eines Geschützturmes und einer neuen Brücke in Camber an. Die Arbeiten wurden unter der Leitung von Edward Guildford, Richards Sohn, zum Preis von £ 1309 in den folgenden beiden Jahren durchgeführt. Der steinerne Rundturm hatte 20 Meter Durchmesser und war 9,1 Meter hoch, womit er den Kieselstreifen von Kevill Point ausfüllte und The Camber und den Hafen von Rye kontrollierte. Diese Festung bot vermutlich nur relativ begrenzte Einrichtungen und Wohnquartiere und war daher wohl nicht dauernd mit einer Garnison belegt.

Obwohl es sich um einen Geschützturm mit flachem Dach zur Aufnahme schwerer Kanonen handelte, war der Turm anfangs nicht mit Artillerie ausgestattet und konnte daher Rye gegen die feindlichen Angriffe von See her nicht schützen, die in den 1520er-Jahren gegen die Küste geführt wurden. Nach vielen Briefen, die Guildford an den Lordkanzler, Kardinal Thomas Wolsey, schrieb, trafen um 1536 schließlich einige Kanonen in Form stählerner Feldschlangen ein. Mitte der 1530er-Jahre ließ sich bereits erahnen, dass weitere Kolmation The Camber in absehbarer Zeit als Ankerplatz unbrauchbar machen würde.

Ringburg, 1539–1540 miniatur|Der Donjon, der auf dem ursprünglichen Geschützturm basiert 1539 wuchs die Furcht vor einer Invasion durch Frankreich und Spanien, und König Heinrich befahl die Verbesserung des Schutzes der englischen Küsten. Es wurde eine Reihe von „Device Forts“ in ganz England errichtet. Sie sollten Kanonen tragen, die feindliche Schiffe attackieren könnten, wenn diese sich der Küste annäherten, und so jede feindliche Landung verhindern. Als Teil dieser Arbeiten wurde Camber Castle zum Preis von £ 5660 entscheidend ausgebaut.

Die erste Phase dieser Arbeiten wurde von 1539 bis Herbst 1540 durchgeführt. Der mährische Ingenieur Stefan von Haschenperg war für die Konstruktion des Forts verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit an diesem und anderen, gleichartigen Projekten wie Calshot Castle, Hurst Castle, Sandgate Castle und Sandown Castle mit einem Jahressalair von £ 75 sehr gut bezahlt. Philip Chute, John Fletcher und William Oxenbridge, alle bekannte Lokalgrößen, dienten als Kommissionäre für das Projekt; Oxenbridge wurde der Zahlmeister. Noch vor Beendigung der Arbeiten wurden weitere Kanonen nach Camber Castle gesandt und vermutlich in vorläufigen Batterien rund um das Burggelände installiert.

Anfangs wurde der alte Turm in einen stärkeren Donjon umgewandelt, der Kanonen auf seinem Dach tragen konnte, und ein Torhaus wurde dazu errichtet; vier “Rührertürme” – so genannt wegen ihrer Form – und eine Kurtine entstanden außerhalb der Burg und Bastionen wurden um die Mauer errichtet. Gegen Ende dieser Arbeitsphase ging die ganze Burg in einer Baustelle auf, vermutlich wegen des Drängens durch den König selbst. Die Kurtine wurde aufgestockt, das Torhaus in eine Eingangsbastion umgebaut, ein neues Netzwerk von unterirdischen Gängen eingebaut und Vorwerke außen um die Bastionen hinzugefügt. Zum Jahresende 1540 wurde die Burg mit einer Garnison von 17 Männern belegt und mit Artillerie ausgestattet. Chute wurde zum Kapitän ernannt.

Das Ergebnis war eine Ringfestung, von der von Haschenperg gehofft hatte, sie würde die besten italienischen Architekturen kombinieren, schwere Kanonen tragen können, aber ein niedriges Profil zeigen, das sie vor feindlichem Artilleriefeuer schützen würde. Verschiedene Unzulänglichkeiten wurden jedoch bald offenbar. Die Konstruktion der Festung war auf Verteidigung ausgerichtet, was dazu führte, dass die Kanonen nicht leicht auf feindliche Schiffe ausgerichtet werden konnten, was ja der ursprüngliche Zweck des Baus einer Festung in Camber gewesen war. Das Eingangsbauwerk zur Festung sorgte dafür, dass einige Seegebiete im Feuerschatten lagen, und der hohe Grundwasserspiegel sorgte vermutlich für ernste Probleme mit Feuchtigkeit im Erdgeschoss. Darüber hinaus unterschied sich die Konstruktion von Camber Castle von der anderer Küstenfestungen in der ganzen Region, galt somit als unüblich und widersprach der grundsätzlichen Absicht des Königs, eine Kette von Forts bauen zu lassen.

Überarbeitete Ringburg, 1542–1543 miniatur|Die Ringburg aus der Luft Wegen der Probleme mit der ursprünglichen Konstruktion begannen im Sommer 1542 erneut Arbeiten an der Burg, lange nach dem Ende der anfänglichen Furcht vor einer Invasion. Sie dauerten bis August 1543. Die Entscheidung, die Probleme an der Burg zu beheben, fällte vermutlich König Heinrich selbst. Oxenbridge scheint weiterhin Zahlmeister gewesen zu sein und übernahm auch die Funktion des Projektleiters, wobei von Haschenperg trotz der Schwierigkeiten mit seinen früheren Arbeiten fast bis zum Ende des Projektes in seiner Rolle als Bauingenieur verblieb. Die Kosten dieses zweiten Bauabschnittes waren deutlich höher als die des ersten, um £ 10.000.

Die Konstruktion unterschied sich deutlich von der von Haschenbergs erster Burg. Der Donjon und die „Rührertürme“ wurden erhöht und die Ebene der Decken angehoben, die Kurtine wurde verstärkt, die alten Bastionen vollständig entfernt und stattdessen vier neue, größere Bastionen angebaut, während die alten Vorwerke um die Burg abgerissen wurden. Das Flachdach des Donjons wurde in ein geneigtes Dach umgebaut und die Kanonen, die es trug, in die äußeren Bastionen verlegt. Obwohl die Burg etwas kleiner geworden war, bot die neue Konstruktion sehr viel mehr Wohnraum für die Garnison.

In der Praxis ignorierte auch die neue Konstruktion den Trend zu spitzwinkligen Bastionen, der sich in Europa durchsetzte; die runden Türme schufen große Flächen im Feuerschatten um die Burg, in die die Kanonen nicht feuern konnten; die hohen Mauern boten ein größeres Ziel für feindliches Feuer, die innere Aufteilung war kompliziert und man konnte sich im Fort nur mit Schwierigkeiten bewegen. Tatsächlich beschreibt der Geschichtswissenschaftler Peter Harrington die endgültige Konstruktion der Festung als noch „archaischer als ihr Vorgänger“. Chutes Rolle wurde im Januar 1544 auf die Aufgaben eines Kustodians und Captains von Camber Castle sowie eines Kustodians der Wasser von Camber und eines Puddlers erweitert, wofür er zwei Shillings pro Tag erhielt. Von Haschenperg verließ England 1544 in Schimpf und Schande; er sah sich Anschuldigungen gegenüber, er sei „ein Mann, der mehr Wissen vortäusche als er tatsächlich habe“.

Der größte Teil der Bausteine, die für die beiden Bauphasen benötigt wurden, stammte aus der Auflösung des Klosters in Winchelsea und aus den nahegelegenen Steinbrüchen von Fairlight und Hastings. Steine besserer Qualität wurden aus ‚‘Mersham‘‘ in Hampshire und von verschiedenen Zulieferern aus der Normandie gekauft. Das Holz kam aus Udimore, Appledore und Knell; die letztgenannten beiden Baumfällaktionen wurden direkt vom Projektteam von Camber Castle durchgeführt. Kreide wurde aus Dover beschafft, um Kalk herzustellen, und mindestens 16.000 Ziegel wurden anfangs gekauft, um die notwendigen Öfen zu bauen; vermutlich über 500.000 weitere Ziegel wurden mit Fortschreiten der Arbeiten vor Ort gebrannt. Stahl, Eisen und Fliesen wurden vor Ort in Sussex zugekauft, zusammen mit 10 Tonnen Kränen für den Kai der Baustelle.

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