Lösmühle ist ein Gemeindeteil der Stadt Hilpoltstein im Landkreis Roth (Mittelfranken, Bayern). Lösmühle liegt in der Gemarkung Hilpoltstein.
Lage Die Einöde liegt an der Roth 3,4 km nordwestlich des Ortskerns von Hilpoltstein und 1,3 km südöstlich des Ortskerns von Eckersmühlen. Von der von Hilpoltstein aus nach Eckersmühlen führende Staatsstraße 2220 zweigt circa 800 Meter vor dem Ortsrand von Eckersmühlen ein Anliegerweg in Richtung Westen zur Lösmühle ab. Bei der Mühle befindet sich ein circa drei Hektar großer Angelweiher, der seit 2010 zur Befischung freigegeben ist.
Geschichte Die Einödmühle wurde im 13. Jahrhundert von Heinrich von Stein errichtet. 1385 besaß das Nürnberger Patriziergeschlecht der Stromer die Mühle. Sie hieß laut der rentamtlichen Registratur, die Nürnberg 1544 anlegen ließ, „Mühl an der reißenden Leiten“, da die Roth bei Hochwasser hier zum reißenden Fluss werden konnte, oder „Loesmül/Leßmühl“ nach dem wohl zu dieser Zeit hier sitzenden Müller Cunz Leßmeister.Heimatblätter, S. 3; Carl Siegert: Geschichte der Herrschaft, Burg und Stadt Hilpoltstein, ihrer Herrscher und Bewohner. In: Verhandlungen des historischen Vereines von Oberpfalz und Regensburg 20 (1861), S. 215 Karl Kugler allerdings deutet den Mühlennamen „ohne Zweifel“ als „Mühle am Damme, Mühle mit einem Damme, von leo (Genitiv lewes) für hlaiv, Damm, Hügel.“Karl Kugler: Erklärung von tausend Ortsnamen der Altmühlalp und ihres Umkreises. Ein Versuch. Eichstätt 1873: Verlag der Krüll’schen Buchhandlung, S. 188 (Nr. 837)
Ab 1505 unterstand die Mühle hochgerichtlich und niedergerichtlich dem pfalz-neuburgischen Pflegamt Hilpoltstein. Dieses war von 1542 an für 36 Jahre an die Reichsstadt Nürnberg verpfändet. Aus der Nürnberger Zeit ist bekannt, dass die Mühle „unter der (Waldung) Hegellach“ aus drei Mahlrädern, einer Sägmühl und aus Haus und Hof bestand.Siegert, S. 215 In der Beschreibung des Amtes Hilpoltstein von 1604 ist von der „Lößlmuhl“ oder „Loselmuhl/Loßlmuhl“ die Rede.heimatforschung-regensburg, S. 10, 27, 37
Gegen Ende des Alten Reiches unterstand die Mühle hochgerichtlich dem nunmehrigen kurbayerischen Pflegamt Hilpoltstein. 1806 wurde die Mühle mit dem Amt Hilpoltstein in das neue Königreich Bayern eingegliedert und kam zum Steuerdistrikt und zur Gemeinde Heuberg. Am 9. Februar 1822 wurde die Lösmühle zusammen mit der Stephansmühle, der Knabenmühle und der Seitzenmühle der Munizipalgemeinde Hilpoltstein beigegeben.
1836 errichtete die damalige Müllerfamilie ein neues Mühlenwohnhaus.Lübbeke/Braasch, S. 466 1853 kam die Müllerfamilie Dirsch durch Einheirat auf die Lösmühle, die neben den drei Mahlgängen und der Säge ein Leinölschlagwerk aufwies.Mühlenweg, S. 11 Sie errichtete 1859 eine Marienkapelle in der Mühle.Lübbeke/Braasch, S. 466 1863 erklärte sich der Müller Dirsch bereit, Tierknochen versuchsweise zu Knochenmehl zu stampfen, das als Düngemittel zum Einsatz kam.Allg. bayrische Hopfen-Zeitung, Nr. 34 vom 26. April 1863, S. 433 1875 hielt der Müller vier Pferde und zehn Rinder.
Die in den späten 1880er Jahren in Betrieb genommene „Gredlbahn“ verläuft am westlichen Rand des Gemeindeteils mit mehreren Brücken und Bahnübergängen.Hilpoltsteiner Kurier vom 22. August 2012 Die Bauarbeiten begannen 1884. 1886 wurde die ursprünglich geplante Linienführung über Brückleinsmühle durch eine Trasse oberhalb der Lösmühle ersetzt. Damit wurde auch einem Gesuch von Anton Dirsch gefolgt, wonach die unterhalb seines Betriebes geplante Brücke für dessen Wasserabtrieb weit genug entfernt sein müsse. Die Einweihung der Strecke fand am 22. Oktober 1887 statt. Der beim Streckenkilometer 8,04 gelegene Haltepunkt Lösmühle wurde 1922 wegen zu geringem Verkehr aufgegeben.
Der Mahlbetrieb wurde von der Müllerfamilie Dirsch 1972 aufgegeben; das Sägewerk wurde allerdings ausgebaut und unter anderem mit einem Hobelwerk und einer Trocknungsanlage versehen.Heimatblätter, S. 4; Website dirsch-holz.de
Einwohnerentwicklung 1818: 8 („Leesmühl“: 2 Feuerstellen, 2 Familien) 1836: 10 (2 Häuser)Th. D. Popp: Matrikel des Bissthumes Eichstätt. Eichstätt: Ph. Brönner 1836, S. 82 (Nr. 73) 1837: 7 (1 Gebäude) 1861: 14 (5 Gebäude) 1871: 19 (4 Gebäude) 1900: 7 (1 Wohngebäude) 1937: 8 (Katholiken)Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. I. Band: Eichstätt 1937, S. 507 1950: 9 (1 Wohngebäude) 1961: 12 (2 Wohngebäude) 1970: 16 1987: 10 (2 Wohngebäude, 3 Wohnungen)
Baudenkmäler Die Marienkapelle der Mühle von 1859 und das Mühlenwohnhaus von 1836 aus Sandsteinquadern mit Satteldach und Fachwerkgiebeln gelten als Baudenkmäler.Lübbeke/Braasch, S. 466
Literatur Heimatblätter für Hilpoltstein, Allersberg, Greding, Heideck und Thalmässing, 47 (2006), Nr. 10, S. 3 f. Hans Wolfram Lübbeke und Otto Braasch: Denkmäler in Bayern. Mittelfranken: Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Geländedenkmäler, München 1986 Sonja Maier u. a. (Red.): Der Mühlenweg von Hilpoltstein nach Roth, Roth o. J. (2008)
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ortsteil von Hilpoltstein Kategorie:Einzelsiedlung im Landkreis Roth Kategorie:Ort an der Roth (Rednitz)