mini|250px|Wappen von Batavia mini|250px|Rathaus von Batavia, um 1710 gebaut, jetzt Historisches Museum Jakarta, Zeichnung Johannes Rach (1770) mini|250px|Rathaus seit 1710 mini|250px|Reproduktion eines Grundrisses von Batavia circa 1627 mini|250px|Grundriss von Batavia circa 1681 mini|250px|Ansicht von Batavia 1780 mini|250px|Ansicht von Batavia 1897 Batavia war von 1619 bis 1799 das Hauptquartier der Niederländischen Ostindien-Kompanie in Asien und bis zur Unabhängigkeit Indonesiens in den 1940er Jahren die Hauptstadt Niederländisch-Indiens. Seitdem ist es unter dem Namen Jakarta Hauptstadt Indonesiens. Die Stadt liegt an der Nordküste Javas, an einer gut geschützten Bucht, in einer flachen und an manchen Stellen morastigen Umgebung, durchzogen von Kanälen und Flüssen.

Batavia bestand aus einer Altstadt im tiefsten und ungesunden Teil und einer etwas höher gelegenen Neustadt im modernen Stil. Generalgouverneur Herman Willem Daendels war der Initiator der Ausweitung im 19. Jahrhundert.

Zur Zeit der Niederländischen Ostindien-Kompanie zählte Batavia 30.000 bis 50.000 Einwohner. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs es zu einer Stadt mit 800.000 Einwohnern an. Zum Ende der niederländischen Kolonialzeit wurde die Millionengrenze erreicht. 1905 zählte die Stadt 9000 Europäer, einschließlich der juristisch gleichgestellten „Indo-Europäer“. Die Europäer und die sogenannten Mestizen stellten ein Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Region zählte 2,1 Millionen Einwohner, wovon 14.000 Europäer, 93.000 Chinesen und 2800 Araber waren.Oosthoek’s Geïllustreerde Encyclopædie. (1917)

Batavia hatte in der Vergangenheit zwei Beinamen: „Der Kirchhof Europas“, der hohen Sterblichkeit der Neuankömmlinge in der Epoche der Niederländischen Ostindien-Kompanie wegen, und „Königin des Ostens“ wegen seiner städtebaulichen Schönheit.

Geschichte Batavia entstand als Hafenstadt zu Zeiten des hinduistischen Königreichs Sunda (Pajajaran) im 14. Jahrhundert und hieß ursprünglich Sunda Kelapa (nach alter Schreibweise Soenda Kelapa). Die Stadt wurde am 22. Juni 1527 durch Fatahillah aus dem Sultanat Demak erobert, was als offizielles Gründungsdatum der Stadt angesehen wird. Er nannte die Stadt Jayakarta, auch Djajakarta oder Jacatra geschrieben, was „ruhmreicher Sieg“ bedeutet.

Im November 1610 schloss Jacques L’Hermite einen Vertrag mit dem vom Sultanat Bantam abhängigen Regenten Prinz Jayawikarta,Auch Widjaja krama genannt. der wegen seiner Jugend durch den listigen Pangeran Aria Ranamanggala vertreten wurde.Jan Pietersz. Coen: Couste que couste auf DBNL.org. Der erste Generalgouverneur in Niederländisch-Indien, Pieter Both, erhielt 1611 keine Zustimmung zum Bau eines Forts, wohl aber für eine Faktorei, die im chinesischen Viertel am Ufer des Ciliwung (Tjiliwan) gebaut wurde. 1614 wurde Jan Pieterszoon Coen zum Direktor aller Faktoreien benannt. Im Jahr 1618 wurde er zum Generalgouverneur ernannt. Open Access version via Utrecht University Repository. Ein weiterer Grund waren die Konkurrenz und die älteren Rechte der Chinesen aus Fujian in Bantam.L. Blussé, F-J. van Luyn: China en de Nederlanders. Geschiedenis van de Nederlandse-Chinese betrekkingen 1600–2007. Walburg Pers, cop., Zutphen 2008, ISBN 978-90-5730-545-0, S. 36. Im November begann er ohne Zustimmung mit der Ausdehnung des Forts. Um die Sache im Gleichgewicht zu halten, erhielten auch die Engländer die Zustimmung, einen Handelsposten zu verstärken.Dutch (V.O.C.) Conquest of Jakarta (Batavia) 1619. auf Zum.de.VOC-kenniscentrum.nl Daraufhin wurde am 24. Dezember der englische Handelsposten verwüstet. Am 2. Januar 1619 kam es vor der javanischen Küste zu einem Treffen mit den Engländern unter Sir Thomas Dale, das ergebnislos blieb. Coen segelte anschließend heimlich auf die Molukken, um Hilfe von Herman van Speult und Adriaen Maertensz zu holen.

Inzwischen wurde in Batavia unter Leitung von Pieter van den Broecke Tag und Nacht am Fort gearbeitet. Die Niederländer wurden durch die Javaner in Geiselhaft genommen und kapitulierten am 1. Februar 1619. Im Weiteren schloss Broecke einen Vertrag mit den Engländern und dem Sultan. Es entstand eine Sackgasse, die am 30. Mai 1619 durch Coen, der mit 17 Schiffen einlief, durchbrochen wurde. Die Bantamer wurden verjagt, alle 15 englischen Schiffe zogen ab, Jacatra wurde niedergebrannt und die Bevölkerung vertrieben. Es blieb fast nichts übrig. Der Prinz zog sich ins Binnenland zurück und Coen einigte sich nach einer Blockade des Hafens mit Bantam. So wurde die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) Herr über die ganze Region.H. T. Colenbrander: Jan Pietersz. Coen. Levenbeschrijving. 1934, S. 159–169.

Das Fort war schon am 12. März durch den Befehlshaber van Raay mit dem Namen Batavia benannt worden. Coen hingegen wollte die Niederlassung Nieuw-Hoorn nennen (nach seinem Geburtsort Hoorn), erhielt aber keine Zustimmung der Heeren XVII, den Direktoren der VOC.

An der Ostseite des Ciliwung wurde eine viereckige Burg mit großen vorspringenden Bastionen an den Ecken errichtet. Schon seit der Gründung 1619 waren Javaner unerwünscht, weil man erneute Aufstände fürchtete. Coen ließ Willem Ysbrandsz. Bontekoe tausend Chinesen aus Macau entführen und nach Batavia verbringen. Nur ein paar Dutzend von ihnen überlebten die Strapaze. 1621 wurden achthundert Bandanesen, die einzigen Überlebenden der 15.000 Einwohner, nach Batavia verbracht; ungefähr 600 kamen lebend an.

Nach einer javanischen Belagerung im August 1628 entstand eine Festung nach den seinerzeit geltenden Vorstellungen, die vor allem von Simon Stevin vertreten wurden. Jacques Specx baute Batavia weiter aus; es entstand die sogenannte Oosterstad (Oststadt) umgeben von einer Stadtgracht.F.W. Stapel: Gouverneurs-Generaal van Nederlandsch-Indië. 1941, S. 19. Um 1646 wurde ein typisch niederländisches Grachtensystem angelegt, mit vier Kanälen; der Ciliwung wurde kanalisiert. Aus Angst vor einem Aufstand wurden die Stadtmauern so angelegt, dass von diesen auch die Straßen der Stadt eingesehen werden konnten.

1656 mussten sich alle Javaner, als Folge von Feindseligkeiten mit Bantam, außerhalb der Mauern niederlassen. Nachdem 1659 mit Bantam Friede geschlossen worden war, konnte die Stadt wachsen. Immer mehr Landhäuser und Lauben wurden errichtet. Ab 1667 wurden Bambushäuser wie auch das Halten von Vieh in der Stadt verboten. Weil die Stadt viele Menschen anzog, entstand eine Vielzahl von Vorstädten außerhalb der Stadtmauer.

mini|250px|Die Festung Batavia, gesehen von West Kali Besar. (Andries Beeckman, circa 1656–58) Das Außengebiet blieb für die nichteinheimische Bevölkerung noch lange unsicher. Erst als im Jahre 1684 erneut Frieden mit Bantam geschlossen worden war, kam die Kultivierung des Preangers (des Umlands) voran. Langsam wurde die Umgebung von Batavia in Kulturland umgewandelt. Nach der Befestigung vieler Landhäuser kam auch die Landwirtschaft voran. Insbesondere die Chinesen machten den Anfang und bauten Zuckerrohr an, woraus Zucker gewonnen und Arrak hergestellt wurden.

Durch großflächiges Einschlagen von Holz, das unter anderem zur Zuckerraffinierung benötigt wurde, kam es rund um Batavia zu Erosion. Dadurch versandeten die Grachten in der Stadt. Trotz Ausbaggerung wurden die Stadtgrachten stinkende Schlammlöcher und die Fischteiche vor der Stadt Brutstätten der Malariamücke. Im 18. Jahrhundert wurde Batavia von zahlreichen Epidemien heimgesucht, und wer es sich leisten konnte, zog in höher gelegene Gebiete. Schließlich wurde die alte Stadt um 1810 abgerissen.

mini|250px|Der Binnenplein des Kastells von Johannes Rach im Jahre 1767 Inzwischen hatte sich in einigem Abstand Richtung Süden ein neues Zentrum gebildet, ein Villenviertel, genannt Weltevreden. Hier befand sich auch der enorme Koningsplein (Königsplatz), heute Medan Merdeka (Freiheitsplatz) genannt.

Bevölkerung mini|250px|Japanische Christen in Batavia von Andries Beeckman Batavia wurde als Umschlagplatz und Verwaltungszentrum gegründet. Ziel der VOC war nicht die Gründung einer Ansiedlung. Coen wollte eine Handelskolonie mit treuen und fleißigen Einwohnern, die für die Produktion und Anlieferung von Lebensmitteln und für die Verteidigung eingesetzt werden konnten. Allerdings gelang die Ansiedelung niederländischer Familien zunächst nicht. Die niederländischen Männer zeugten Kinder mit asiatischen Frauen. Ihre Kinder wurden Mestizen genannt, später wurden sie als Indo-Europäer (Indische Niederländer) bekannt.

Weil die VOC den gesamten Handel in der Hand behalten wollte, wurde die Ansiedelung freier Bürger soweit möglich abgewehrt. Batavia wurde unattraktiv gemacht für Personen, die außerhalb der VOC Handel treiben wollten.

Die Mehrzahl der Bewohner war asiatischer Abkunft. Auch wurden aus Indien und Arakan viele tausend Sklaven eingeführt. Später kamen die Sklaven aus Bali und Celebes. Um Aufstände zu vermeiden, wurden keine Javaner als Sklaven gehalten.

Durch nach Batavia gelockte Chinesen (teils auch unter Zwang) entstand eine große chinesische Bevölkerungsgruppe, gleichermaßen aus Kaufleuten und Arbeitern. Diese Gruppe war für die Entwicklung der Stadt sehr bedeutend.

Auch gab es eine große Gruppe Mardijker, portugiesisch sprechende asiatische Christen, die von den Portugiesen als Sklaven gehalten worden waren. Diese waren von der VOC in den vielen Auseinandersetzungen mit den Portugiesen als Kriegsgefangene hergebracht worden. Lange Zeit, bis in das späte 18. Jahrhundert, war das Portugiesisch der Mardijker die dominierende Sprache in der Stadt noch vor Niederländisch und Malaiisch. Danach wohnten in Batavia Menschen aus allen Teilen des Archipels, wie auch Handelsgemeinschaften indischer Muslime, Hindus und Malaien. Anfänglich lebten alle Bevölkerungsgruppen zusammen, aber schnell separierten sie sich in verschiedenen Stadtvierteln.

1688 kam es zu einer vollständigen Trennung von der einheimischen Bevölkerung. Jede Gruppe musste sich unter eigenen Oberhäuptern in den Umlanden in Wohnstädten (Kampongs) ansiedeln. Alle Einwohner bekamen eine bleierne Identitätsplakette, auf der die Zugehörigkeit zur entsprechenden Bevölkerungsgruppe vermerkt war.Später wurde die Plakette durch ein Pergament ersetzt. Außerhalb der eigenen Bevölkerungsgruppe durften sie ohne Zustimmung nicht heiraten. mini|250px|Das Massaker an der chinesischen Bevölkerung am 9. Oktober 1740 Obgleich die Chinesen als die Vertrauenswürdigsten galten, sorgten sie für die meisten Unannehmlichkeiten. Chinesische Banden machten die Umgebung unsicher und fielen 1740 in die Stadt ein. Als die Niederländer bei einzelnen Chinesen in der Stadt Waffen fanden, führte das zu einem Gemetzel, das als Chinesenmord bekannt wurde. Später bekamen die Chinesen ein eigenes Viertel im Süden der Stadt und durften wieder in der Stadt wohnen.

Stadthäuser und Landhäuser 250px|mini|Das Observatorium von Johan Maurits Mohr in Batavia mini|250px|Altes holländisches Haus, Batavia Batavia glich in vieler Hinsicht einer niederländischen Stadt. Die Häuser waren jedoch an die indonesischen Umstände angepasst. So gab es überstehende Dächer als Schutz vor der Sonne und Nebengebäude für die Sklaven. Die Reichen ließen sich große Landsitze zunächst im niederländischen, später im javanischen Stil errichten.

Frauen von Batavia Es waren wenige niederländische Frauen in Batavia. Männer hatten deshalb oft Beziehungen mit asiatischen Frauen, ohne diese zu heiraten, weil sie dann nicht mehr in die Niederlande zurück gekonnt hätten. Hierdurch entstand eine Mischkultur in Batavia.