Der TSV Havelse (offiziell: Turn- und Sportverein Havelse 1912 e. V.) ist ein Sportverein aus dem Garbsener Stadtteil Havelse in der Region Hannover. Der Verein entstand im Jahr 1912 und hat die Abteilungen Fußball, Tennis, Tischtennis, Ballett und Turnen. Die Vereinsfarben sind Rot und Weiß.
Bekannt wurde der TSV durch seine Fußballabteilung. Die erste Männermannschaft spielte in der Saison 1990/91 in der 2. Bundesliga und zwischen 2010 und 2021 in der viertklassigen Regionalliga Nord. Zur Saison 2021/22 stieg die Mannschaft in die 3. Liga auf, jedoch direkt wieder ab, sodass man seit 2022 erneut in der Regionalliga Nord an den Start ging. Zur Saison 2025/26 stieg der TSV erneut in die 3. Liga auf. Darüber hinaus gewann die Mannschaft 2012 und 2020 den Niedersachsenpokal.
Heimspielstätte des TSV Havelse ist das Wilhelm-Langrehr-Stadion mit einer Kapazität von 3500 Plätzen. Da dieses nicht drittligatauglich ist, spielt die Mannschaft in Hannover im Eilenriedestadion. Die erste Frauenmannschaft spielte zwischen 2008 und 2017 in der drittklassigen Regionalliga Nord.
Geschichte Gründung und frühe Jahre Seit November 1911 trafen sich in dem damals 250 Einwohner zählenden Dorf Havelse eine Gruppe junger Männer zum Fußball spielen. Am 5. August 1912 gründeten diese den FC Pelikan Havelse. Namensgeber war jedoch nicht der gleichnamige Vogel, sondern das erste Spielgerät des Vereins, das die Mitglieder für 7,50 Mark im Hannoverschen Sporthaus Stoffregen erwarben.
Während des Ersten Weltkriegs konnte der Spielbetrieb bis ins Jahr 1916 aufrechterhalten werden. Infolge der Hyperinflation in Deutschland musste der FC Pelikan 1923 aufgelöst werden. Sechs Jahre später wurde mit dem TV Havelse ein Nachfolgeverein gegründet, der 1933 wieder eine Fußballabteilung gründete. Wenige Jahre später wurde aus dem TV Havelse der TSV Havelse.tsvhavelse.de: Die Historie Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs spielte der TSV Havelse lediglich auf Kreisebene.
Im Jahre 1947 wurde der TSV in TSG Havelse-Marienwerder umbenannt. Hintergrund der Umbenennung war der Wunsch des Vereins, weiterhin mit den leistungsstärkeren Vereinen aus Hannover zu spielen. Havelse gehörte seinerzeit zum Landkreis Neustadt am Rübenberge, dessen Fußballvereine sportlich bedeutungslos waren. Havelses Nachbarort Marienwerder gehörte hingegen zu Hannover. Ein Jahr später übernahm Heinz Göing den Vereinsvorsitz. Der Direktor des niedersächsischen Fußball-Totos modernisierte den Verein und schaffte die Grundlagen für den sportlichen Aufschwung.
Die Ära der Toto-Elf (1951 bis 1975) Saisondaten 1953–1975 Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1953/54 Amateurliga 3 III 1. 78:35 38:14 1954/55 AOL Niedersachsen-West II 2. 85:31 48:12 1955/56 AOL Niedersachsen-West II 5. 70:47 34:22 1956/57 Amateurliga 3 III 3. 110:50 52:16 1957/58 Amateurliga 3 III 2. 101:45 50:18 1958/59 Amateurliga 3 III 7. 66:52 31:29 1959/60 Amateurliga 3 III 2. 57:35 38:18 1960/61 Amateurliga 3 III 11. 51:56 26:34 1961/62 Amateurliga 3 III 13. 32:54 24:36 1962/63 Amateurliga 3 III 12. 50:69 26:34 1963/64 Amateurliga 3 IV 7. 60:50 34:26 1964/65 Bezirksliga 3 V 5. 51:38 34:26 1965/66 Bezirksliga 3 V 14. 43:62 25:35 1966/67 Bezirksliga 3 V 13. 45:53 23:37 1967/68 Bezirksliga 3 V 11. 44:50 27:33 1968/69 Bezirksliga 3 V 5. 58:43 34:26 1969/70 Bezirksliga 3 V 5. 55:55 31:29 1970/71 Bezirksliga 3 V 5. 56:38 33:27 1971/72 Bezirksliga 3 V 2. 53:29 41:19 1972/73 Bezirksliga 3 V 5. 63:43 37:23 1973/74 Bezirksliga 3 V 8. 45:42 30:30 1974/75 Bezirksliga 3 VI 6. 45:39 33:27 AOL = Amateuroberliga
Im Jahr 1951 gelang den Havelsern erstmals der Aufstieg in die Bezirksliga. Bereits zwei Jahre später errang der TSV dort die Meisterschaft und schaffte nach einem 5:4-Sieg über die SpVg Laatzen den Aufstieg in die damals drittklassige Amateurliga 3. Dort sicherte sich der TSV durch einen 2:0-Sieg vor 3.000 Zuschauern gegen den TuS Seelze die Meisterschaft. Auch in der folgenden Aufstiegsrunde setzte sich die Mannschaft durch und stieg in die Amateuroberliga West auf. Darüber hinaus sorgten die Havelser durch einen 3:1-Pokalsieg über den Oberligisten Werder Bremen für Aufsehen.
Die von Neidern als „Toto-Elf aus Totohausen“ verunglimpfte Mannschaft setzte auch in der Amateuroberliga ihren Siegeszug fort. Mit drei Punkten Rückstand auf Eintracht Nordhorn wurde der TSV Vizemeister und zog damit in die Aufstiegsrunde zur Oberliga Nord ein. Dort erreichte die Mannschaft nur drei Punkte und wurde hinter Nordhorn und Concordia Hamburg Dritter. Der einzige Sieg wurde am Grünen Tisch errungen, weil der VfB Lübeck einen nicht spielberechtigten Akteur eingesetzt hatte.
Während der Saison 1955/56 wurde der TSV-Vorsitzende Göing wegen verkappten Profitums angezeigt. Wegen des Verstoßes gegen das Amateurstatut wurde der Verein zum Zwangsabstieg in die Amateurliga verurteilt. Göing verlor seinen Posten beim Niedersächsischen Toto und trat als Vereinsvorsitzender zurück. Zurück in der Amateurliga kämpfte der neue Vorstand lange gegen eine hohe Schuldenlast. In den Jahren 1958 und 1960 wurden die Havelser jeweils Vizemeister hinter Sportfreunde Ricklingen bzw. Springe. Mit zwei Punkten Rückstand auf die SpVgg Wunstorf verpasste der TSV 1964 die neu geschaffene Verbandsliga Süd.
Gestützt durch die erfolgreiche Jugendarbeit hielten sich die Havelser ab 1964 in der fünftklassigen Bezirksliga 3 auf. Während 1966 nur knapp die Klasse gehalten werden konnte, erlebte der Verein in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre einen sportlichen Aufschwung. 1972 konnte die Vizemeisterschaft gefeiert werden, wobei die Havelser zehn Punkte Rückstand auf den Meister Polizei-Sportverein Hannover aufwiesen. Dennoch litt die Fußballabteilung darunter, dass sie im Verein keine große Rolle mehr spielte. Erst als die Fußballer 1974 mit dem Austritt drohten, verbesserte sich die Situation.
Der Weg in die 2. Bundesliga (1975 bis 1990) Saisondaten 1975–1990 Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1975/76 Bezirksliga 3 VI 1. 60:38 48:20 1976/77 Verbandsliga Süd V 5. 60:38 40:20 1977/78 Verbandsliga Süd V 2. 73:32 43:17 1978/79 Verbandsliga Süd V 2. 74:30 46:14 1979/80 Landesliga West V 1. 79:26 52:8 1980/81 Verbandsliga Niedersachsen IV 3. 65:36 40:20 1981/82 Oberliga Nord III 10. 46:47 36:32 1982/83 Oberliga Nord III 6. 64:53 38:30 1983/84 Oberliga Nord III 4. 65:53 39:29 1984/85 Oberliga Nord III 15. 44:63 29:39 1985/86 Oberliga Nord III 16. 38:55 28:40 1986/87 Oberliga Nord III 7. 60:65 37:27 1987/88 Oberliga Nord III 9. 53:53 32:36 1988/89 Oberliga Nord III 1. 68:37 48:20 1989/90 Oberliga Nord III 2. 70:33 45:23
1975 verpflichtete Abteilungsleiter Wilhelm Langrehr den ehemaligen Nationalspieler Hans Siemensmeyer als neuen Trainer. Mit einer fast ausschließlich aus Eigengewächsen bestehenden Mannschaft sicherte sich der TSV ein Jahr später die Bezirksligameisterschaft. Vorentscheidend war ein 3:0-Sieg vor 4.000 Zuschauern beim Konkurrenten TSV Burgdorf, bei dem der spätere Profi Frank Pagelsdorf zweimal traf. Zwei Jahre später wurden die Havelser mit einem Punkt Rückstand auf den TuS Hessisch Oldendorf Vizemeister der Verbandsliga Süd. 1979 wurde der TSV erneut Vizemeister und gewann durch ein 3:0 gegen den TuS Hessisch Oldendorf den Bezirkspokal von Hannover.
mini|links|Frank Pagelsdorf Ein Jahr später sicherten sich die Havelser die Meisterschaft der Landesliga West und stiegen in die Verbandsliga Niedersachsen auf. Mit einem 10:3-Sieg beim VfL Germania Leer sicherte sich der TSV überraschend den dritten Platz und zog in die Aufstiegsrunde zur Oberliga Nord ein. Am letzten Spieltag schafften die Havelser durch ein 3:1 über Eutin 08 den Durchmarsch, weil Tabellenführer Urania Hamburg gleichzeitig mit 5:8 beim TuS Celle verlor.
Der von den Medien als TSV Siemensmeyer bezeichnete Verein etablierte sich schnell im norddeutschen Amateuroberhaus. Schon in der Saison 1982/83 zog die Mannschaft an Arminia Hannover vorbei und wurde die sportliche Nummer zwei im Großraum Hannover. Ein Jahr später war der TSV gar die beste niedersächsische Mannschaft. Trainer Siemensmeyer legte am Saisonende sein Amt nieder. Unter seinem Nachfolger Günter Blume sorgte der TSV im DFB-Pokal für Aufsehen, als er sich gegen den Bundesligisten VfL Bochum ein 2:2 nach Verlängerung erkämpfte. Im Wiederholungsspiel siegten die Bochumer dann mit 4:0.
In der Liga kämpfte die Mannschaft gegen den Abstieg, der trotz einer Serie von 14 sieglosen Spielen in der Rückrunde noch vermieden werden konnte. Nach Streitigkeiten zwischen Trainer Blume und Abteilungsleiter Langrehr übernahm Volker Finke im Februar 1986 das Traineramt. Finke führte das Team aus dem Tabellenkeller, ehe ein 3:2-Sieg über den 1. SC Göttingen 05 am letzten Spieltag noch den Klassenerhalt sicherte. In der Folgezeit baute Finke zahlreiche eigene Nachwuchsspieler in die Mannschaft ein.
1989 wurde der TSV Havelse Meister der Oberliga Nord und zog in die Aufstiegsrunde ein. Gegen renommierte Mannschaften wie den MSV Duisburg und Preußen Münster waren die Havelser chancenlos und belegten den letzten Platz. Ein Jahr später war die Mannschaft erfolgreicher. Als Vizemeister hinter dem VfB Oldenburg sicherte sich der TSV am vorletzten Spieltag durch einen 3:2-Sieg über den Wuppertaler SV den Aufstieg. Lars-Peter Beike erzielte vor 6.000 Zuschauern mit einem direkt verwandelten Freistoß den Siegtreffer.
Niedergang nach dem Zweitligajahr (1990 bis 2005) Saisondaten 1990–2005 Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1990/91 2. Bundesliga II 19. 44:82 19:57 1991/92 Oberliga Nord III 3. 50:30 39:25 1992/93 Oberliga Nord III 16. 30:50 22:38 1993/94 Verbandsliga Niedersachsen IV 4. 81:42 46:26 1994/95 Oberliga Niedersachsen/HB IV 3. 71:24 44:16 1995/96 Oberliga Niedersachsen/HB IV 6. 69:49 50 1996/97 Oberliga Niedersachsen/HB IV 10. 49:48 40 1997/98 Oberliga Niedersachsen/HB IV 4. 50:33 56 1998/99 Oberliga Niedersachsen/HB IV 5. 48:43 45 1999/00 Oberliga Niedersachsen/HB IV 4. 59:32 56 2000/01 Oberliga Niedersachsen/HB IV 15. 52:61 41 2001/02 Niedersachsenliga West V 14. 41:53 41 2002/03 Landesliga Hannover VI 6. 43:36 48 2003/04 Landesliga Hannover VI 5. 57:40 54 2004/05 Landesliga Hannover VI 2. 84:34 66 HB = Bremen
Der Aufstieg ins Profilager erwies sich für den Verein als zu große Hürde. Binnen weniger Wochen musste das Stadion ausgebaut werden, namhafte Spieler konnte man sich finanziell nicht leisten und die meisten Spieler gingen weiterhin ihrem Hauptberuf nach. Zudem herrschte Unruhe im Verein, da Hannover 96 sich wochenlang um Trainer Volker Finke bemühte. Zwar konnten die ersten drei Heimspiele gewonnen werden, doch auch infolge der schweren Verletzung des Spielmachers Lars-Peter Beike verblieb die Mannschaft im Tabellenkeller. Am 5. Oktober 1990 löste Finke seinen Vertrag auf und wurde durch Karl-Heinz Mrosko ersetzt. Am Saisonende standen sechs Siege, sieben Unentschieden und 25 Niederlagen zu Buche und der TSV stieg als Vorletzter ab.
Durch die Teilnahme an der 2. Bundesliga durfte der TSV Havelse in der Saison 1991/92 am DFB-Pokal teilnehmen. Im Erstrundenspiel gegen den 1. FC Nürnberg gelang den Havelsern mit einem 4:2 nach Elfmeterschießen eine Sensation. In der dritten Runde scheiterte man mit 0:4 am SC 08 Bamberg. In der Oberliga erreichte der TSV durch das bessere Torverhältnis gegenüber dem 1. SC Norderstedt die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Dort waren die Havelser gegen die Drittletzten der beiden Zweitligastaffeln, Fortuna Köln und TSV 1860 München, jedoch chancenlos. mini|links|Volker Finke Zahlreiche Leistungsträger verließen daraufhin den Verein, der in der Saison 1992/93 unter Trainer Ronald Worm als Tabellenletzter abstieg. Im DFB-Pokal erreichte der TSV die zweite Runde, in der er auf den Karlsruher SC traf. Der KSC, für den damals die späteren Nationalspieler Jens Nowotny und Oliver Kahn aufliefen, gewann das Spiel mit 3:0. Als Tabellenvierter der Verbandsligasaison 1993/94 qualifizierten sich die Havelser für die Oberliga Niedersachsen/Bremen.