Funk ([] Eigenschreibweise funk) ist ein deutsches Online-Content-Netzwerk der ARD und des ZDF, das sich insbesondere an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 29 Jahren richtet.Jugendkanal von ARD und ZDF: Länderchefs stimmen zu 4. Dezember 2015. Dabei schneidet das öffentlich-rechtliche Angebot seine Produktionen und Podcasts auf populäre Onlineportale zu, auf denen das Angebot primär genutzt wird. ARD und ZDF sind gemeinsam Träger und gleichberechtigte rundfunkrechtliche Veranstalter von Funk. Die Federführung liegt beim Südwestrundfunk (SWR).
Zielgruppe und Konzept Funk richtet sich an Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren, die ansonsten kaum oder gar nicht die Fernsehproduktionen der öffentlich-rechtlichen Sender nutzen. Der Projektumfang liegt bei 45 Millionen Euro im Jahr, wovon zwei Drittel von der ARD und ein Drittel vom ZDF finanziert werden. Funk produziert über 70 verschiedene, regelmäßig publizierende Formate für Social-Media-Plattformen. Diese werden auf jeweils eigenen Kanälen bzw. Accounts ausgespielt. Zu den Plattformen gehören YouTube, Facebook, Instagram, TikTok, Spotify und Snapchat. Dabei werden alle Funk-Formate auf maximal zwei Plattformen veröffentlicht. Eine der beiden Plattformen gilt als Primärplattform. Die individuellen Anforderungen der Community dieser Plattform müssen von den Redakteuren besonders berücksichtigt werden. Alle Inhalte sind zusätzlich auf der eigenen Webapp funk.net abrufbar. Die Sendungen haben den Fokus Information, Orientierung oder Unterhaltung. Es handelt sich unter anderem um Erklär-Videos, Reportagen, Comedy-Videos und Fiction-Produktionen. Produziert werden die einzelnen Sendungen von unterschiedlichen privaten Produktionsfirmen, anstaltseigenen Produktionsfirmen oder den Rundfunkanstalten selbst.
Das Funk-Netzwerk steht unter Regelungen des Rundfunkstaatsvertrages. Dazu gehört eine festgelegte Überprüfung aller Sendungen in Form von Gesprächen mit den Produzenten, die mindestens jedes halbe Jahr stattfinden.
Geschichte mini|hochkant|alt=Turm A der beiden Bonifazius-Türme, perspektivkorrigiert|Bonifazius-Turm A (rechts), Zentrale von funk in Mainz
Als Intendant des SWR setzte sich Peter Boudgoust öffentlich ab 2011 für ein öffentlich-rechtliches Angebot für die junge Zielgruppe ein. Am 27. November 2012 äußerte der SWR den Wunsch, EinsPlus mit ZDFkultur zu fusionieren. Der bei dieser Fusion neu entstehende Sender sollte gemeinsam von ARD und ZDF produziert werden und sich vorrangig an ein junges Publikum richten. Das ZDF äußerte sich zurückhaltend und wies darauf hin, dass dazu ein Beschluss der Politik unumgänglich wäre. Jedoch hatte sich das ZDF bereits im Vorfeld ähnlich geäußert und schloss beispielsweise eine Einstellung von ZDFkultur zugunsten eines gemeinsamen Jugendkanals nicht aus.
In der ersten Folge von Neo Magazin vom 31. Oktober 2013 gab es eine satirische Marketingkampagne zum neuen Jugendkanal von ARD und ZDF als Einspieler.
Die Ministerpräsidentenkonferenz beschloss am 17. Oktober 2014 in Potsdam, die Sender EinsPlus und ZDFkultur zu Gunsten eines neuen Online-Jugendkanals von ARD und ZDF einzustellen, der ursprünglich auch im linearen Fernsehen ausgestrahlt werden sollte.Alexander Krei: EinsPlus muss neuem Online-Jugendkanal weichen. DWDL.de vom 17. Oktober 2014 (vgl. auch DWDL-Kommentar: Endlich jung: Viele Chancen und ein neuer Zombie?) Am 3. Dezember 2015 wurden die Regelungen zum neuen Jugendangebot im Rahmen der Unterzeichnung der 19. Novelle des Rundfunkstaatsvertrages von den Ministerpräsidenten ratifiziert. Die Novelle enthielt auch eine neue Regelung zum Jugendmedienschutz-Staatsvertrag sowie weitere Modifikationen beim Rundfunkbeitrag. Die Landesparlamente konnten vorher über diese Novelle nur kompakt abstimmen, eine Ablehnung der neuen Regulierungen zum Jugendmedienschutz hätte auch zu Verzögerungen beim Jugendangebot und dem Rundfunkbeitrag geführt. Im April 2016 wurde der Öffentlich-rechtliche Vertrag über die Veranstaltung des Jungen Angebots von ARD und ZDF zwischen den unter ARD zusammengeschlossenen Landesrundfunkanstalten sowie dem ZDF beschlossen.
Am 15. März 2016 ging der Blog des Kanals unter dem Namen Junges Angebot von ARD und ZDF online. Der Name des neuen Jugendkanals, funk, wurde am 29. September 2016 bekanntgegeben. Die Namensidee brachte ein Mitarbeiter der funk-Redaktion kurz vor Beginn des Angebots ein. Zuvor sind Kreativ-Agenturen angefragt worden, um Vorschläge zu machen. Diese waren unter anderem „WHOA!“, „tsching“ oder „Penyu“, jedoch konnten sie nicht überzeugen. Die Aussprache folgt der deutschen, wie in Rundfunk ([fʊŋk]). Am 1. Oktober 2016 startete das Content-Netzwerk mit über 40 Formaten.
Im April 2016 bezog funk ihren Sitz im 22. Stockwerk des Turms A der Bonifazius-Türme in Mainz.https://www.sensor-magazin.de/ard-zdf-starten-heute-ihr-junges-programm-funk/ Seit Oktober 2020 lassen sich funk-Inhalte neben der eigenen Webapp auch über die Mediatheken der ARD und des ZDF abrufen. Von Sommer 2015 bis 2020 war Florian Hager als Geschäftsführer des Jugendkanals tätig.Jugendkanal von ARD und ZDF: Vorbereitungen laufen an auf digitalfernsehen.de vom 9. Dezember 2015. Anfang Dezember 2015 stellte das ZDF die Journalistin Sophie Burkhardt als Beauftragte für den Jugendkanal vor.ZDF beruft neue Jugendkanal-Beauftragte – Hohe Onlineaffinität war natürlich Voraussetzung für den Job. auf quotenmeter.de vom 9. Dezember 2015. Am 1. November 2020 ersetzte Philipp Schild Florian Hager als Programmgeschäftsführer von Funk.70 Prozent der Zielgruppe nutzen funk-Formate / Philipp Schild wird neuer Programmgeschäftsführer, abgerufen am 23. November 2020.Philipp Schild, abgerufen am 23. November 2020.
Die umstrittene Journalistin und Fernsehmoderatorin Nemi El-Hassan ist nach Angaben des Zweiten Deutschen Fernsehen weiterhin für das Jugendangebot „Funk“ tätig, nachdem sich Anfang November 2021 der Westdeutsche Rundfunk gegen eine Zusammenarbeit mit El-Hassan ausgesprochen hatte.
mini|hochkant|funk-Logo von 2016 bis 2023
Anfang Februar 2023 änderte Funk das bis dahin schwarze Logo mit pastellfarbenen, bunten Buchstaben zu einem lila Logo mit weißen Buchstaben. Die Änderung ist Teil einer Neuausrichtung auf die nächste Generation der Zielgruppe, welche Portale wie TikTok weitaus häufiger nutzt als die bisher von Funk in den Blick genommenen Plattformen YouTube und Instagram. Die Neuausrichtung fiel zeitlich mit der Einstellung oder mit dem Spin-off einiger populärer Funk-Formate in eigenständige (monetarisierte) Kanäle auf YouTube zusammen.
Formate
Entwicklung Eine Idee für ein funk-Format kann über die Webseite von funk eingereicht werden. Hierfür ist die Beantwortung einiger Fragen wichtig, die einen Einblick geben sollen, ob das Format in das Portfolio passt. Wichtig hierbei ist der Fokus auf die Zielgruppe zwischen 14 und 29 Jahren und die Ausspielung der Inhalte auf Online-Plattformen, aber auch eine ausreichend aufgebaute Idee, die ggf. ausgebaut oder besprochen werden kann. Weitere Fragen umfassen unter anderem die Art der Zielgruppe, den Typ des Mehrwerts und das Team. Sobald ein Vorschlag eingereicht ist, prüft ein Team den Vorschlag. Die Auswahl erfolgt gemäß dem Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.
Neben der Möglichkeit des Einreichens eines Vorschlages bietet funk ein Talentnetzwerk, in dem Menschen gesucht werden, die Begabungen im Bereich der Entwicklung von Videos haben.
Innerhalb eines Turnus werden die einzelnen Formate analysiert und bewertet; die einzelnen Videos werden durch die funk-Redaktion betreut und vor der Veröffentlichung geprüft. Manche Formate werden nach einer bestimmten Zeit abgeschlossen, da die junge Zielgruppen dynamischer ist als die Ältere und Veränderungen schneller auftreten, auf die funk reagieren möchte. Weitere Gründe für ein Ende eines Formats können die eher niedrige Resonanz oder die Begrenzung der Content-Creator sein, wie bei „Broadcast My Ass“, das nach zwei Staffeln abgeschlossen wurde. Üblicherweise sind Formate etwa ein bis zwei Jahre im Netzwerk von funk, wobei diese Angabe variieren kann. So werden mit Stand Juli 2022 einige Formate betrieben, die bereits seit der Gründung 2016 existieren. Es gibt allerdings mehrere Formate, die nach dem Ende der Zusammenarbeit mit funk selbstständig weiterbetrieben werden. Beispiele hierfür sind Kurzgesagt, Simplicissimus oder Leeroy will's wissen. Teils geht es für die Creator auch ins öffentlich-rechtliche Fernsehen (wie dies bei Mai Thi Nguyen-Kim und dem ZDF der Fall ist).
Themen und Produktion Das Themenportfolio erstreckt sich auf mehrere Genres. Diese sind unter anderem Satire (z. B. Browser Ballett), Unterhaltung (z. B. Das schaffst du nie! von 2017 bis 2024), Orientierung und Jugendfragen (z. B. Kostas Kind, Okay oder Bubbles), Bildung (z. B. DIE DA OBEN! oder MrWissen2Go), Reportagen (z. B. ATLAS, STRG_F, Crisis, Die Frage oder follow me), Umwelt (z. B. Ozon) oder Webserien (z. B. DRUCK, FinalClash, BMA). Formate wie WALULIS stellen Mischformen dar. Ehemals wurden zudem einige Serien in Lizenz verbreitet, teilweise auch in der englischen Originalfassung.
Die Inhalte für funk werden entweder aus dem Bereich der öffentlich-rechtlichen Anstalten selbst (wie etwa das ZDF bei MrWissen2go Geschichte), oder von Firmen produziert, für die funk die Nutzungsrechte erhält. Lizenzen für Bildmaterial können von Stockfoto-Anbietern oder Presseagenturen wie der dpa stammen.
Rezeption Allgemein Die Berliner Zeitung wertete Funk als Erfolg. Die Finanzierung der Kanäle durch die Gebührengelder wirke sich positiv auf die Inhalte aus. Dies könne man insbesondere an dem Format maiLab sehen, bei dem es „nicht nur um Aufmerksamkeit, sondern auch um Aufklärung“ geht.
In RP Online kommentierte Christoph Wegener im Mai 2021, dass funk „inzwischen voller kreativer und innovativer Formate“ sei. Das von funk produzierte Format maiLab zeige den Wandel des digitalen Kosmos auf: Anstatt bloß „seichte Unterhaltung“ zu bieten, seien die Videos von Mai Thi Nguyen-Kim „bemerkenswert gehaltvoll, ohne jedoch zu überfordern“. Für ihre Aufklärungsarbeit während der COVID-19-Pandemie erhielt sie das Bundesverdienstkreuz.
Matthias Schwarzer vom Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) hob im August 2021 hervor, dass funk in puncto Reportagen und Journalismus mit Formaten wie Y-Kollektiv und STRG-F „herausragende Arbeit“ leiste. Zu sehen seien dort „aufwendig produzierte und teilweise investigative Recherchen“, die teils ein Millionenpublikum erreichen. Daneben kritisierte RND andere Formate wie „Die Frage“, „Tru Doku“, „follow me.reports” und „Reporter”, die sich ebenfalls als Reportagen bezeichnen, jedoch bloß Einzelschicksale präsentierten und keine externen Experten zu Wort kommen ließen. Es handele sich dabei „eher um Voyeurismus als um Journalismus“. funk rechtfertigt diese Formate mit dem Anspruch „mehrere Formate mit verschiedenen Erzählweisen [anzubieten], um […] alle Unterzielgruppen zu erreichen”. Die Grimme-Kommission Kinder & Jugend hob im Februar 2022 Formate wie Die Frage positiv hervor, die gesellschaftsrelevante Themen wie Psyche, Vielfalt und Inklusion mit Fingerspitzengefühl aufgreifen und ohne Stigma oder Tabu thematisieren.