Das System Fachinformationsdienste für die Wissenschaft (FID) ist ein Förderprogramm für wissenschaftliche Bibliotheken der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das Informationsinfrastrukturen für die Forschung stärken und verbessern soll. Es bildet die Weiterentwicklung der seit 1949 geförderten Sondersammelgebiete (SGG) an wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland.
Ziel Das Ziel der Fachinformationsdienste ist es, Wissenschaftlern einen schnellen und direkten Zugriff auf Spezialliteratur und forschungsrelevante Informationen zu ermöglichen.
Fachinformationsdienste entwickeln dazu Angebote für die einzelnen Disziplinen. Je nach Ausrichtung und spezifischen Interessen eines Fachs können im Austausch mit der Fachcommunity somit verschiedene Services entwickelt werden, z. B. können Tools für den Zugriff auf digitale Ressourcen bereitgestellt werden, es kann aber auch der Bestandsaufbau konventioneller Veröffentlichungen vertieft werden. Durchschnittlich wird der Aufbau von Services mit ähnlich hohen finanziellen Mitteln gefördert wie Printliteraturerwerb. Fachinformationsdienste bieten eine Informationsversorgung der Wissenschaft als Ergänzung zur Grundversorgung durch wissenschaftliche Bibliotheken.
Im Gegensatz zu den Sondersammelgebieten haben Fachinformationsdienste nicht mehr das Ziel eines möglichst umfassenden Sammelns und Archivierens von Veröffentlichungen. Dies sei „vielmehr eine kooperativ wahrzunehmende Aufgabe der Nationalbibliotheken und -archive oder vergleichbarer Einrichtungen nationalen Rangs rund um den Globus“.
Details Als forschungsunterstützende Infrastrukturen bieten Fachinformationsdienste eine am Spezialbedarf der wissenschaftlichen Fächer orientierte, vorrangig digitale und standortunabhängige Informationsversorgung an, die die lokalen Angebote von Hochschulen und Forschungseinrichtungen ergänzen. Die Förderung der Fachinformationsdienste erfolgt mit dem Anspruch, sich an einem von der Wissenschaft formulierten Bedarf in der Informationsversorgung zu orientieren. Dabei stehen die Interessen der Forschung in den jeweiligen Fachbereichen im Mittelpunkt. Die Leistungen der FID sollen über die Grundaufgaben wissenschaftlicher Bibliotheken und Informationseinrichtungen hinausgehen und einen Mehrwert gegenüber lokalen Informationsangeboten bieten. Um den spezifischen und durchaus heterogenen Bedürfnissen der einzelnen Fachbereiche standortunabhängig gerecht werden zu können, greifen die Fachinformationsdienste auf webbasierte, wissenschaftliche Informations- und Kommunikationssysteme zurück, die sich in nahezu allen Fällen im Aufbau und der Betreibung von Webportalen widerspiegelt: Hierbei sind die Webpräsenzen der Fachinformationsdienste von klassischen Fachportalen abzugrenzen. Letztere sind integrierte Webangebote, die verschiedene Inhalte und Funktionen für spezifische Fachbereiche oder wissenschaftliche Gemeinschaften bereitstellen, die im Regelfall von Redaktionen ausgewählt, redigiert oder erstellt werden. Fachportale decken einen breiten Informationsbedarf ab, der von wissenschaftlichen Institutionen über Forschungsprojekte bis hin zu aktuellen Nachrichten und Veranstaltungen reicht, jedoch besteht ihr darin, den Alltagsbedarf an wissenschaftlichen Informationen zu decken. Die von den Fachinformationsdiensten etablierten Informations- und Kommunikationssysteme hingegen bieten zusätzlich einen schnellen Zugriff auf Spezialliteratur und andere relevante Informationen für die Forschung. Im Vergleich zu den klassischen Fachportalen konzentrieren sie sich also auf den Spitzenbedarf der Wissenschaftler und bieten Dienstleistungen wie Erwerbung, Lizenzierung und Bereitstellung von Publikationen sowie die Entwicklung von Recherchesystemen. Jedoch können beide Dienste in ihrem Merkmalen Überschneidungen aufweisen.
Eine wesentliche Aufgabe der Fachinformationsdienste besteht darüber hinaus in der kooperativen Vernetzungsarbeit der einzelnen Fachinformationsdienste. Aus diesem Grund haben sich diverse Gesprächsformate etabliert: Neben einer, seit Herbst 2022, regelmäßig stattfinden Coffee Lecture, in der jeweils ein FID seine Entwicklungen in einem halbstündlichen Format, inklusive einer anschließenden Diskussion auf der Leitungsebene präsentiert, haben sich zudem Unterarbeitsgruppen zu den Themenfeldern Elektronisches Publizieren, Forschungsdaten, Lizenzierung, Öffentlichkeitsarbeit, Sacherschließung und Technische Infrastruktur sowie die Netzwerke Asien, Geschichte, Künste & Kultur, NordOst, Philologien, Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (REWISO+), Regionale Fachinformationsdienste, Semantische Technologien und „Vufind“ gegründet.
FID-Netzwerk Das Netzwerk der Fachinformationsdienste (FID-Netzwerk) ist die kooperative (Gesamt-)Struktur der im DFG-Förderprogramm „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft (FID)“ engagierten wissenschaftlichen Bibliotheken und Informationseinrichtungen. Es umfasst sowohl die direkt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten FID als auch die nicht unmittelbar über die Programmlinie geförderten Zentralen Fachbibliotheken. Die Grundlage des gemeinsamen Handelns ist ein Aktionsplan, den das FID-Lenkungsgremium (FID-LG)FID-Lenkungsgremium zusammen mit der AG FIDAG FID jeweils für drei Jahre erarbeitet. Der Aktionsplan des FID-Netzwerks 2026–2028 betrifft auch die Einführung von FIDplus und bildet eine Grundlage für die von der DFG vorgesehenen Evaluierung der Förderlinie. Querschnittsprojekte übernehmen darüber hinaus fachübergreifende Aufgaben, die für mehrere FID oder das gesamte Netzwerk relevant sind. Dazu gehören das an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen und der BSB München angesiedelte Kompetenzzentrum für Lizenzierungen (KfL), das von der SUB Hamburg, der UB J.C.S. Frankfurt a.M. und der SB Berlin durchgeführte FID-Netzwerk-Projekt und das FID-Office, ebenfalls an der SUB Hamburg angesiedelt.
FIDplus Die im September 2024 vom Hauptausschuss der DFG beschlossene Förderlinie FIDplus ermöglicht es, dass FID nach positiver Begutachtung ohne zeitliche Begrenzung fortgeführt werden können. Eine Antragstellung für FIDplus ist erst nach abgeschlossener zwölfjähriger Förderung in der regulären Förderung möglich. Damit soll sichergestellt werden, dass ein ausreichend hoher Konsolidierungsgrad und fundierte Erfahrungen im Betrieb der Dienste vorhanden sind (DFG). Für eine Förderung in FIDplus müssen differenziert formulierte Qualitätskriterien erfüllt werden. So soll gewährleistet werden, dass nur diejenigen FID weiter durch die DFG gefördert werden, die für die angesprochenen wissenschaftlichen Communitys zu einem unverzichtbaren Dienst geworden sind und sich bedarfsorientiert weiterentwickeln. Die Qualitätskriterien sind in einer mehrdimensionalen Indikatorik abgebildet.FIDplus-Indikatorik: Präambel (PDF; 0,1 MB), auf dfg.deFIDplus-Indikatorik: Präambel
Geförderte Fachinformationsdienste Förderung seit 2014 (soweit nicht anders angegeben: 2. Förderphase 2017–2019)
Fachinformationsdienst internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz Fachinformationsdienst Kriminologie, Universitätsbibliothek Tübingen arthistoricum.net – Fachinformationsdienst Kunst, Universitätsbibliothek Heidelberg und Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden FID Media – Fachinformationsdienst Medien- und Kommunikationswissenschaft, Universitätsbibliothek Leipzig (2. Förderphase 2018–2020) Fachinformationsdienst Musikwissenschaft, Bayerische Staatsbibliothek, München, ab 2017 mit der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
Förderung seit 2015 (soweit nicht anders angegeben: 2. Förderphase 2018–2020) Fachinformationsdienst Darstellende Kunst, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Goethe-Universität Frankfurt am Main Fachinformationsdienst Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) Frankfurt, Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung Berlin, Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg, Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung Braunschweig und Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin Fachinformationsdienst Mathematik, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen und die TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften (Förderung bis 2017) Fachinformationsdienst Pharmazie, Universitätsbibliothek Braunschweig und Institut für Informationssysteme der Technischen Universität Braunschweig (Wolf-Tilo Balke) Fachinformationsdienst Theologie, Universitätsbibliothek Tübingen
Förderung seit 2016 (soweit nicht anders angegeben: 2. Förderphase 2019–2021) Fachinformationsdienst Afrikastudien, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main (Förderung bis 2018) Fachinformationsdienst Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main Propylaeum – Fachinformationsdienst Altertumswissenschaften, Universitätsbibliothek Heidelberg und Bayerische Staatsbibliothek, München Library of Anglo-American Culture & History, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen und Bibliothek des J. F. Kennedy-Instituts der Freien Universität Berlin CrossAsia – Fachinformationsdienst Asien, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und Universitätsbibliothek Heidelberg Fachinformationsdienst Benelux / Low Countries Studies, Universitäts- und Landesbibliothek Münster Fachinformationsdienst Geowissenschaften, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen und Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ Potsdam Fachinformationsdienst Geschichtswissenschaft, Bayerische Staatsbibliothek, München, und Bibliothek des Deutschen Museums, München Fachinformationsdienst Jüdische Studien, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main, und Hochschule der Medien, Stuttgart (Kai Eckert) Fachinformationsdienst Kartographie und Geobasisdaten, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz Fachinformationsdienst Lateinamerika, Karibik und Latino Studies, Bibliothek des Ibero-Amerikanischen Instituts – Preußischer Kulturbesitz, Berlin (Förderung bis 2018) Fachinformationsdienst Montan, Bergbau und Hüttenwesen, Universitätsbibliothek der Technischen Universität Bergakademie Freiberg Fachinformationsdienst Nahost-, Nordafrika- und Islamstudien, Universität- und Landesbibliothek Halle/Saale Fachinformationsdienst Nordeuropa, Universitätsbibliothek Kiel Fachinformationsdienst Ost-, Ostmittel-, Südosteuropa, Bayerische Staatsbibliothek, München Fachinformationsdienst Politikwissenschaft, Staats- und Universitätsbibliothek Bremen und GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, Köln (Philipp Mayr) Fachinformationsdienst Religionswissenschaft, Universitätsbibliothek Tübingen Fachinformationsdienst Romanistik, Universitäts- und Landesbibliothek Bonn und Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Fachinformationsdienst Slawistik, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz Fachinformationsdienst Sozial- und Kulturanthropologie, Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin Fachinformationsdienst Soziologie, Universitäts- und Stadtbibliothek Köln und GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, Mannheim (Christof Wolf)
Förderung seit 2017 Fachinformationsdienst Biodiversitätsforschung, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main, Lehrstuhl für Texttechnologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum