miniatur|Katholische Kirche St. Joseph in Paderborn-Marienloh St. Joseph ist die Pfarrkirche der römisch-katholischen Pfarrgemeinde St. Joseph in Paderborn, Ortsteil Marienloh. Sie steht an der Detmolder Straße im Ortskern von Marienloh. Die Pfarrkirche ist zugleich eine Wallfahrtskirche zur „Mutter der sieben Freuden“.

Die Pfarrgemeinde St. Joseph bildet mit acht weiteren Pfarrgemeinden den Pastoralen Raum An Egge und Lippe.

Geschichte

Geschichte der Pfarrkirche Einen ersten Hinweis auf eine Kapelle in „Mergenloh“ gibt es im Jahre 1565. In diesem Jahr inkorporierte Bischof Rembert die Kapelle vom Klokenhof dem Busdorfstift in Paderborn. Sie war zu der Zeit in den Händen adeliger Grundherren und völlig verfallen.

Auf die Initiative des Generalvikars Laurentius von Dript hin wurde 1678 mit dem Neubau der Kapelle begonnen. Nach den Maßen des heiligen Hauses in Loreto entstand die Kapelle neu. Zwei Jahre später konnte Weihbischof Niels Stensen diese zu Ehren der Jungfrau Maria zum Schnee konsekrieren.

Seit unvordenklicher Zeit war der Nachbarort Neuenbeken Pfarrort für die Bewohner Marienlohs. In der Loretokapelle fanden daher keine regelmäßigen Gottesdienste statt. Allein die Paderborner Franziskaner feierten jedes Jahr am Fest der Dreifaltigkeit Gottesdienst in Marienloh.

Erst in den Jahren von 1833 bis 1840 fand regelmäßig ein Gottesdienst in der Kapelle statt. Mit Schreiben vom 15. Oktober 1833 erteilte das Generalvikariat von Paderborn dem Pfarrer von Neuenbeken die widerrufliche Genehmigung, das Allerheiligste in der Kapelle aufzubewahren. Bereits 1835 beklagte der zuständige Vikar, dass kaum ein Drittel der Einwohner von Marienloh Platz in der Kapelle fänden und der Priester vor dem Altar den Leuten so nahe stehe, dass er sich kaum umdrehen könne. Ein erster Versuch im Jahre 1838, zu einem Neubau zu kommen, misslang.

miniatur|Marienloh 1851, Zeichnung von Franz Josef BrandIn den Jahren 1846 und 1847 übernahm ein ehemaliger Kanoniker am Busdorfstift von Paderborn, Herrmann von Hartmann (1787–1860), die Planung einer neuen Kapelle, die Finanzierung erfolgte aus seinem Privatvermögen. Die größere Kapelle benötigte mehr Platz, zumal von Hartmann auch den Bau eines Pfarrhauses mit zugehörigem Garten plante. Gefunden wurde er dort, wo noch heute die Pfarrkirche steht. Am 28. März 1848 wurde der Grundstein für einen Neubau gelegt und bereits am 16. November desselben Jahres in dem neuen Gotteshaus die erste Messe gefeiert. Es kann unterstellt werden, dass die Kirche bei ihrer Weihe das Patrozinium St. Joseph erhielt. Es bleibt ungeklärt, weshalb Marienloh (von Bendesloh in ad Sanctum Mariam in dem Lo umbenannt) keine Marienkirche erhalten hat.

Zielstrebig und hartnäckig verfolgte Kanonikus von Hartmann seinen Plan einer eigenständigen Pfarrgemeinde. Nach erheblichem Widerstand gab die bischöfliche Behörde von Paderborn schließlich nach. Friedrich Johann Hartmann begann am 16. Mai 1858 seinen Dienst und wurde damit der erste in Marienloh ansässige und für die Seelsorge zuständige Geistliche.

Die Marienloher Kirche blieb zunächst eine Filialkirche von Neuenbeken. Die geringe Seelenzahl und die mit der Abpfarrung verbundenen Finanzfragen zögerten die Errichtung einer eigenen Pfarrei bis zum Jahre 1894 hinaus.

Auch der größere Kirchenbau genügte Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr den Anforderungen einer gewachsenen Gemeinde. „An den Sonn- und Feiertagen herrschte eine beängstigende Fülle im Gotteshaus“ (Kirchenchronik). Im Sommer 1935 begannen die Arbeiten zu einem Erweiterungsbau, am 22. Dezember 1935 konnte der erneuerte und vergrößerte Kirchenraum eingeweiht werden. Der Wunsch, die Kirche wegen des starken Verkehrs an der unmittelbar gelegenen Reichsstraße an einem ruhigeren Ort neu zu bauen, scheiterte an den finanziellen Möglichkeiten.

Die alte Kirche war ein Bau von 9,5 m Länge mit einer Reihe von drei Fenstern an der Südseite und einem Dachreiter für die Glocke. Der Architekt erweiterte die Kirche, indem er nach Osten hin ein Querschiff von 9 mal 14 Metern und ein Chorrechteck von 5 mal 7 Metern vor den Altbau setzte. Der Innenraum wurde dadurch um das Doppelte vergrößert und erhielt zudem durch den Einbau weiterer Fenster viel Licht. Der kleine Dachreiter wich einem Glockenturm von 5 mal 5 Meter Grundfläche.

Die Pfarrkirche blieb in ihren äußeren Maßen bis auf zwei kleinere Anbauten bis heute unverändert.

Geschichte des Wallfahrtsorts Marienloh Die Pfarrkirche St. Joseph ist zugleich eine Wallfahrtskirche. Gläubige aus der näheren und weiteren Umgebung kommen, um vor dem Gnadenbild der „Mutter der sieben Freuden“ zu beten.

Auf einen mittelalterlichen Marienkult in Marienloh deutet schon der Name des Ortes hin, der ursprünglich Bendeslo, aber schon 1340 Marienloh hieß. Also muss damals hier bereits eine Marienverehrung bestanden haben und vermutlich auch ein Gnadenbild vorhanden gewesen sein.

Eine Kapelle vom Klokenhof in Mergenloh wird 1565 urkundlich erwähnt, als sie vom Bischof Rembert (1547 – 1568) dem Busdorfstift in Paderborn inkorporiert, d. h. einverleibt wird. Sie befand sich bis dahin in den Händen adeliger Grundherren. In der Folgezeit haben sich die Dechanten des Stiftes um die Förderung des Marienkultes in Marienloh verdient gemacht.

In einem Bericht aus dem Jahr 1674 wird die Kapelle als vollständig verfallen bezeichnet. Sie wurde denn auch 1678 abgebrochen. Aber sofort wurde auf Kosten des Generalvikars Laurentius von Dript und des Pfarrers Kriger von Neuenbeken – Marienloh gehörte bis 1894 zur Pfarrei Neuenbeken – an derselben Stelle eine neue Kapelle gebaut, und zwar nach dem Vorbild des Heiligen Hauses in Loreto, darum auch Loretokapelle genannt.

miniatur|links|Loreto-Kapelle in Marienloh, erbaut 1678–1680, abgebrochen 1855, Zeichnung von Franz Josef BrandDie Marienloher Loretokapelle wurde im Auftrag des Fürstbischofs Ferdinand von Fürstenberg am 1. August 1680 geweiht durch den berühmten, inzwischen seliggesprochenen Weihbischof Niels Stensen.

Nun setzten auch wieder die Wallfahrten ein. Der Dechant des Busdorfstiftes, Theodor Holter, richtete 1714 an Papst Clemens XI. die Bitte, dieser Kapelle für den 10. Dezember die Messe von der Übertragung des Heiligen Hauses in Loreto zu genehmigen, da die Kapelle nach dessen Vorbild erbaut sei und besonders an Marienfesten vom Volke fleißig besucht werde. Zu dieser Loretokapelle ging von der Pfarrei Neuenbeken, zu der, wie erwähnt, Marienloh bis 1894 gehörte, am Pfingstdienstag eine Prozession. Wallfahrer aus Paderborn, Schloss Neuhaus und anderen Nachbarorten strömten dann in Marienloh zusammen und es wurde eine Prozession durch den Ort gehalten. Diese Prozession wurde in der Aufklärungszeit, im Jahre 1785, auf Wunsch des Pfarrers Kösters von Neuenbeken abgeschafft.

Der Fürstbischof Friedrich Wilhelm von Westphalen, der das Prozessionswesen in den Pfarreien regelte, billigte den Entschluss des Pfarrers, die Prozession ganz einzustellen und sie auch nicht, wie sonst allgemein vorgeschrieben, auf den folgenden Sonntag zu verlegen, da „durch solche Bittgänge den Landleuten der höchstnötige Unterricht, den sie an den Feiertagen aus den Predigten und nachmittägigen Erklärungen der christlichen Glaubens- und Sittenlehren in ihren Pfarrkirchen erhalten müssten, entzogen wird“.

miniatur|125px|Stele zum Gedenken an die Loretokapelle in MarienlohDie Loretokapelle verfiel und wurde 1848 bis 1850 ersetzt durch eine neue an der jetzigen Detmolder Straße. Diese Kapelle wurde 1935 zur jetzigen Pfarr- und Wallfahrtskirche umgebaut. Eine Steinstele an der Detmolder Straße, Ausgang Marienloh, rechts Richtung Bad Lippspringe erinnert an den ungefähren Standort der Loretokapelle.

Das Gnadenbild mit seiner Holzgewandung überstand zwar die Aufklärungszeit, teilte aber im Übrigen das Schicksal anderer Gnadenbilder. Die Verehrung des Bildes und die Wallfahrten hörten auf. Das Gnadenbild selbst wurde in einer dunklen Nische in der Rückwand des Hauptaltares der neuen Kapelle aufgestellt.

Pfarrer Stracke, von 1934 bis 1955 Pfarrer in Marienloh, ließ das Gnadenbild restaurieren. Es wurde am 8. September 1934, am Fest Mariä Geburt, benediziert und auf dem rechten Seitenaltar der Pfarrkirche, dem Marienaltar, aufgestellt. Seitdem ist die Verehrung des alten Gnadenbildes wieder aufgelebt; es kommen geschlossene Wallfahrten aus der näheren und weiteren Umgebung und auch viele Einzelbesucher. Die Hauptwallfahrtszeit ist im Mai und im Oktober.

Architektur und Ausstattung Außen alternativtext=Bild vom Rundbogenportal der Kirche St. Joseph in Paderborn-Marienloh|miniatur|Rundbogenportal der Kirche St. Joseph in Paderborn-Marienloh Die Marienloher Pfarrkirche ist aufgrund ihrer Lage an der Durchgangsstraße (jetzige Detmolder Straße) von Paderborn nach Detmold nach Norden ausgerichtet. Sie ist ein einschiffiger Bau mit eingeschobenem Querschiff. Vom ursprünglichen Bau des Jahres 1848 stehen noch die Umfassungsmauern des Kirchenschiffs. Alle anderen Bauteile sind 1934 bzw. 1996 und 2013 erweitert und renoviert worden. Der Außenbau folgt vom Grundriss her einer schlichten Rechteckform für das Hauptschiff, dem quergelagert das Querschiff eingeschrieben ist. An der Ostseite des Querschiffs wurde ein kleiner kapellenartiger Raum angebaut, der zum Kirchenschiff hin durch eine Glasabtrennung verschlossen ist. So kann das Gnadenbild „Mutter der sieben Freuden“ besucht werden, ohne dass das Hauptschiff der Kirche betreten werden muss. An der Westseite des Querschiffs wurde bei der letzten Renovierung 2012/2013 eine Beichtkapelle angefügt. Ein schlichtes Rundbogenportal bietet Einlass in die Kirche. In der kleinen Nische darüber steht eine Skulptur des hl. Nepomuk, rechts vom Portal ist ein Steinrelief des apokalyptischen Lammes auf dem Buch mit den sieben Siegeln, das aus dem 1900 errichteten, nun aber zerstörten Hochaltar stammt, eingelassen; links davon eine 1693 datierte, teils als Chronogramm abgefasste Inschrift.

Innenraum Der Innenraum öffnet sich als weite rechteckige Halle. Die Raumstruktur wird von einem 80 m² großen Deckengemälde betont. Der Chorraum ist etwas schmaler als der übrige Kirchenraum. Ihm sind tiefe, raumhohe Nischen vorgeblendet, in denen im Westen die Skulptur des Kirchenpatrons St. Joseph und im Osten das Gnadenbild stehen. Die Form der rundbogigen Nischen wird aufgegriffen in der bogenförmigen Umrahmung der plastischen Kreuzigungsgruppe im Zentrum der Chorrückwand, die optisch mit Altar und Tabernakel eine Achse bildet.

Vor dem Altar befinden sich die Gräber des Kanonikus Herrmann von Hartmann (1787–1860), Stifter und Erbauer der Kirche, und des Vikars Johannes Pollmeyer (1802–1893).

Prinzipalien Die liturgische Einrichtung des Chorraums mit Altar, Ambo und Tabernakelschrein wurde von den Gebrüdern Christoph und Michael Winkelmann in Möhnesee-Günne geschaffen.

mini|links|Altar der Pfarrkirche MarienlohDer Altar ist aus Stein gehauen und nimmt in der Gestaltung der eigentlichen Altarplatte mit den volutenartigen Ausläufern rechts und links spätantike Formen auf. Die Schauseite zum Kirchenschiff zeigt als figürlichen Schmuck Maria und das Jesuskind, dem die Heiligen Drei Könige ihre Gaben bringen. Die rechte Schmalseite schmückt ein Relief mit dem Emblem der seligen Pauline von Mallinckrodt, einer Nichte des Kirchenstifters Kanonikus von Hartmann; auf der linken Seite das Wappen des seligen Weihbischofs Niels Stensen, der den Altar der Loretokapelle weihte.

Im Mittelpunkt der Rückwand befindet sich der Tabernakelschrein, der die Volutenform des Altars aufnimmt, in Kombination mit einer Kreuzigungsgruppe. Die Holzschnitzarbeiten des Tabernakels sind ebenfalls von den Gebrüdern Winkelmann ausgeführt worden und zeigen das Lamm Gottes als Apokalyptisches Lamm, umgeben von den Edelsteinen aus der Stadtmauer des Himmlischen Jerusalems und der griechischen Inschrift (Licht – Leben).