Muhr ist eine der 15 Gemeinden im Bezirk Tamsweg (Lungau), Land Salzburg in Österreich und hat Einwohner (Stand ). Im Gemeindegebiet entspringt der – fast – gleichnamige Fluss Mur.
Geographie
Das Gemeindegebiet umfasst das oberste Murtal. Unter „Oberstes Murtal“ kann man im weiteren Sinne auch den ganzen Lungau verstehen – Oberes Murtal bezeichnet speziell den steirischen Abschnitt bis Bruck an der Mur. Hierorts versteht man unter Murtal aber insbesondere den Abschnitt von St. Michael über Ramingstein bis an die Landesgrenze bei Kendlbruck/Predlitz, der als Talweitung von St. Michael bis Tamsweg den Kernraum des Lungau darstellt, und auch als Teil des Lungauer Beckens gesehen werden kann.Den Mitterberg als Inselberg im Beckenraum betrachtet.(F.C. Weidmann, Hrsg.:) Touristen-Handbuch auf Ausflügen und Wanderungen in Salzburg. Band 1 (Erster Haupttheil Allgemeine Uebersicht. Stadt Salzburg, Umgebung der Stadt, Pongau und Lungau.), Verlag Carl Gerold, Wien 1845, Abschnitt Die Thauerntäler des Pongau’s und Lungau’s, 7. Murwinkel und Murthal (Lungau), S. 290–303 (): (Zitat S. 292). Um das Tal von Muhr als eines der Nebentäler dieses Kernraumes zu kennzeichnen, hat sich der Begriff Muhrtal – wie die Gemeinde in der alten Schreibung mit «h» – eingebürgert.so etwa: Peter Holl: Niedere Tauern. Reihe Alpenvereinsführer: Zentralalpen, Bergverlag Rother, 2005, ISBN 978-3-7633-1267-2, Zur Geographie der Niederen Tauern, S. 18 und Täler und Talorte: Murtal, S. 396 f und Muhrtal, S. 397 f.
Ortsüblich bezeichnet man die Talung, wie im Oberdeutschen häufig, schlicht nur als die Muhr.So etwa: Christian Steinwender, Lukas Plan: Kontaktkarst im Bereich Murursprung-Rosskar (Lungau, Salzburg). In: Die Höhle 62 (2011), S. 15–26, (Zitat S. 16 unten).
Daneben findet sich auch der Name Murwinkel.: . Dieser alte Flurname bezeichnet ursprünglich die Pfarrei,So etwa: desgleichen Touristen-Handbuch 1845, S. 294: also die Gegend um Hl. Rupert und die Bergbauregion Rotgülden. Er findet sich sowohl für das ganze Muhrtal im Sinne des Gemeindegebiets,So etwa: Adolph Schaubach: Die deutschen Alpen. Band 1, Verlag F. Frommann, 1845, Kapitel I) Die Centralalpen, 4. Die Muhrtaler Alpen, 1) Die Lungauer Alpen, insb. S. 100 (Kap. I.4 ab S. 98; ): Der Autor spricht in Folge von . auch entsprechend den heutigen Ortschaften Vorder- und Hintermuhr als Vorderer und Hinterer Murwinkel, als auch speziell für das unbesiedelte oberste Tal oberhalb von Rotgülden.
Das Muhrtal misst etwa 20 Kilometer. Es bildet in seinem äußeren Teil noch eine Fortsetzung der Mur-Mürz-Furche, und um Schellgaden noch einen Ausläufer des Lungauer Beckens. Es zieht sich etwas südlich von St. Michael am Fuß des Katschbergs westwärts. Es führt dann über Hemrach und die Vordermuhr bergeinwärts; letztere gliedert sich in Untere und Obere Au. Auf etwa halber Länge ist es durch den Murfall gegliedert, ab diesem Raum spricht man von Hintermuhr.Die Ortslage Unterm Fall gehört aber schon zu Hintermuhr. Hier zweigt das Altenbergtal südwestwärts ab. Ab Rotgülden führt es stärker nordwestwärts und bildet den Murwinkel im engeren Sinne. Hier zweigt südwestwärts das Rotgüldental zum Rotgüldensee ab. Bei Jagdhaus Muritzen folgt ein weiteres Nebental, das Muritzental mit dem Karwassersee. Bei der Sticklerhütte knickt dann auch das Tal der Mur – noch immer taleinwärts gesehen – südwestwärts. Der allerhinterste Teil heißt dann Schmalzgrube. Hier entspringt am Fuß des Frauennocks die Mur (Murursprung).
Der Kamm nördlich ist die Weißeckgruppe der Radstädter Tauern, mit dem Weißeck (). Dahinter liegt das Zederhaustal als Nachbartal des Muhrtals. Südlich liegt die Hafnergruppe der Ankogelgruppe, mit dem Kareck () über dem Katschbergpass und dem Großen Hafner () als Hauptgipfel. Dieser Kamm ist die salzburgisch-kärntnerische Landesgrenze, dahinter befindet sich im Süden das Pöllatal, das oberste Tal der Lieser, und im Westen das oberste Maltatal um den Kölnbreinspeicher. Der Kamm des Schöderhorns () verbindet die beiden Bergzüge, über ihn leitet das Murtörl zum Pongauer Großarltal. Diese Grat gehört zum Alpenhauptkamm, und das Murtörl trennt die Hohen Tauern, zu denen der Hafner gehört, von den Niederen Tauern, zu denen das Weißeck gerechnet wird.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende drei Ortschaften und Katastralgemeinden (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Hintermuhr () am Talschluss, mit Jedl, Reit, Rotgülden und Unterm Fall Schellgaden () talauswärts, mit Hemerach Vordermuhr () mit Laas, dem Kirchweiler Muhr, Obere Au, Untere Au
Einziger Zählsprengel ist Muhr für das ganze Gemeindegebiet.
Die Gemeinde gehört zum Gerichtsbezirk Tamsweg. Bis Ende Jänner 1962 gehörte sie dem Gerichtsbezirk Sankt Michael im Lungau an.
Die Gemeinde kooperiert mit den anderen Lungaugemeinden und den angrenzenden Kärntner Gemeinden im UNESCO-Biosphärenpark Salzburger Lungau und Kärntner Nockberge. Außerdem gehört sie – als einzige Lungauer Gemeinde – zu den Nationalparkgemeinden Nationalpark Hohe Tauern, wobei zum Nationalpark nur die jeweiligen Talschlüsse des Rotgüldentals, des Muritzentals und beim Murursprung gehören.
Nachbargemeinden
Geschichte Über die Besiedlung gibt es bis in die Römerzeit, die im Lungauer Kernraum gut erhalten ist, keine Nachweise.Historisches, auf vs-muhr.salzburg.at (abgerufen am 14. November 2016).
Ab dem Mittelalter war das Muhrtal eine bedeutende Bergbauregion. Schon im späteren Hochmittelalter, Mitte des 14. Jahrhunderts, sind der Goldbergbau Schellgaden In: taurachsoft.at: und der Arsenbergbau Rotgülden In: taurachsoft.at: Lungauer Bergbau-Geschichte nachweislich. Sie wurden von den Salzburger Erzbischöfen betrieben. Die Blütezeit des Bergbaus fällt in das 16. Jahrhundert, zu der Zeit waren 150 Abbaustellen namentlich bekannt. 1523 ist auch die Rupertkirche in Muhr (ecclesia s. Ruperti in valle mur) nachweislich.Pfarrgemeinde, auf vs-muhr.salzburg.at (abgerufen am 14. November 2016). 1670 wurde ein Vikariat von St. Michael eingerichtet.Joseph Ernst von Koch-Sternfeld (Hrsg.): Salzburg und Berchtesgaden in historisch-statistisch-geographisch- und staats-ökonomischen Beyträgen. Verlag Mayr, 1810, S. 294 und 323 ().
1813 wurde das vormalig Michaeler Vikariat zur Pfarre Muhr im Lungau (urspr. Murwinkel) erhoben.Pfarre Muhr im Lungau. Erzdiözese Salzburg: kirchen.net → Wen finde ich wo? (abgerufen am 14. November 2016). Während der Goldabbau in Schellgaden 1818 beendet wurde, war das Bergwerk Rotgülden noch Ende des 19. Jahrhunderts das größte Arsenikwerk der Habsburgermonarchie.
Die Produktion in der Arsenhütte wurde 1994 eingestellt. Die britische Bergbaufirma Noricum Gold hatte im Mai 2015 die mehrjährige Goldsuche um das ehemalige Goldbergwerk Rotgülden aus Kostengründen wieder eingestellt. Mehrere Probebohrungen waren bis in 150 m Tiefe vorgetrieben worden.Goldsuche im Lungau eingestellt. ORF.at, 11. Mai 2015 (abgerufen am 11. Mai 2015).
Am 29./30. Oktober 2018 wurde der tiefliegende Ortskern nach starken Regenfällen von der ausufernden Mur überschwemmt.Zehntausende Haushalte ohne Strom orf.at, 30. Oktober 2018, abgerufen am 30. Oktober 2018.
Bevölkerungsentwicklung
Politik
Gemeinderat
Die Gemeindevertretung hat insgesamt 9 Mitglieder.
Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2004 hatte die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 5 ÖVP, 3 SPÖ, und 1 FPÖ. Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2009 hatte die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 4 SPÖ, 4 ÖVP, und 1 FPÖ. Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2014 hatte die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 4 SPÖ, 4 ÖVP, und 1 FPÖ. Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2019 hatte die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 5 ÖVP, 3 SPÖ, und 1 FPÖ. Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2024 hat die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 5 ÖVP, 3 SPÖ und 1 FPÖ.
Bürgermeister
bis 2004 Hans Hohenwarter (ÖVP) 2004–2009 Hubert Gruber (ÖVP) 2009–2019 Ernst Josef Kandler (SPÖ) seit 2019 Hans-Jürgen Schiefer (ÖVP)
Wappen 60px|links Blasonierung: Ein Schild, schräg geteilt von einem doppelten Wellenband in Blau, darüber im linken Feld in Silber ein Mann mit rot-silber verwechselten Kleidern, rechts ein Schwert, links einen goldenen Ring mit Rubin haltend, darunter im rechten Feld in Gold ein Blahhaus in Schwarz.
Der Mann ist der örtliche Samson. Blahhaus meint eine kleine Hochofenanlage und bezieht sich insbesondere auf den Arsenbergbau Rotgülden.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche Muhr im Lungau
Katholische Pfarrkirche Muhr im Lungau hl. Rupert Prangstangen Die Riesenfigur Samson
Wirtschaft Auf dem Gemeindegebiet von Muhr befinden sich die Kraftwerke Murfall, Rotgülden und Hintermuhr der Kraftwerksgruppe Lungau der Salzburg AG, dem Infrastrukturunternehmen der Stadt Salzburg für Energie, Verkehr und Telekommunikation.
In Muhr beginnt der über 300 km durch Österreich führende Murradweg. Bis hinauf zur Sticklerhütte führt ein grober, zuletzt sehr steiler Fahrweg aus Schotter. Ganz hinauf zum Murursprung im Kar verläuft ein eher flacher Wanderpfad. Schattseitig, in der Hafnergruppe, liegt die Rotgüldenseehütte.
Persönlichkeiten Ehrenbürger der Gemeinde Franz PfeifenbergerSalzburger Nachrichten. 15. April 1950, S. 6. Vgl. 1950: Heinrich HummerSalzburger Nachrichten. 15. April 1950, S. 6. Vgl. Söhne und Töchter der Gemeinde Matthias Premm (1890–1973), Theologe
Weblinks
Website der Gemeinde
Einzelnachweise
Kategorie:Radstädter Tauern Kategorie:Ankogelgruppe Kategorie:Besiedelung des Einzugsgebiets Mur