mini|hochkant|Edgar Geissner (2013) Edgar Geissner (* 5. Juli 1952 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Psychologe.

Leben Nach dem Abitur 1971 an der Liebigschule Frankfurt studierte Edgar Geissner zunächst Erziehungswissenschaften und Soziologie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt (Vordiplom / B.A. 1974). Er war in verschiedenen pädagogischen Feldern und Einrichtungen aktiv, in einer davon 16 Monate Zivildienst (1972/1973). 1975 wechselte er an die Universität Trier und in das Fach Psychologie, welches er 1981 mit einer grundlagenpsychologischen Arbeit zum Thema Angst und dem Grad Diplompsychologe (heutige Bezeichnung M.Sc. Psychologie) abschloss.

Seit 1979 war er in klinisch- und entwicklungspsychologischen Forschungsprojekten beschäftigt, danach 1982 bis 1988 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Klinische Psychologie und Promotion zum Dr. rer. nat. Seine Dissertationsschrift Schmerzerleben, Schmerzverarbeitung und psychische Beeinträchtigung wurde als Buch veröffentlicht.Roderer Verlag, Regensburg, 1988 (ISBN 3-89073-406-5; 365 S.). Katalog der Deutschen Nationalbibliothek https://d-nb.info/880908351. Abgerufen am 12. Mai 2023

1988 bis 1991 hatte er eine Position als Psychologe in der Testentwicklung und -beratung bei der Beltz Test Gesellschaft, Weinheim (heute zu Hogrefe Test, Göttingen gehörend) inne; 1991 bis 1994 als Leitender Diplompsychologe an der Psychosomatischen Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee. 1993 erhielt er den Ruf auf eine Professur für Psychologie an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Standort Münster (FB Soz.-Päd.), den er 1994 antrat.Psychologische Rundschau 1995, 46, 1, 73. Universitätsbibliothek Trier, z 1884. (nicht Online verfügbar)

Parallel hierzu wurde er 1997 am Fachbereich Psychologie der Universität Münster habilitiertPsychologische Rundschau 1997, 48, 3, 253. Universitätsbibliothek Trier, z 1884. (nicht Online verfügbar) und wirkte dort als Privatdozent für klinische Psychologie. Die (C 3-)Professur im Sozialwesen kündigte er 2000, um einem Rückkehrangebot der Klinik Roseneck zu folgen. Hier amtierte er erneut als Leitender Diplompsychologe, zugleich als Mitglied des medizinisch-therapeutischen Leitungsteams der Klinik (2001 – 2018). 2001 habilitierte er sich darüber hinaus von der Universität Münster an das Department Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München um,Psychologische Rundschau 2002, 53,1, 43. Hogrefe Verlag, eContent. Abgerufen am 12. Mai 2023 erhielt die Lehrbefugnis für Psychologie und die Ernennung zum Universitätsprofessor.Psychologische Rundschau 2004, 55, 1, 53. Hogrefe Verlag, eContent. Abgerufen am 12. Mai 2023

Neben seinen Leitungsfunktionen in der Klinik nahm er an der Universität Aufgaben in Lehre und Forschung wahr.Personen, auf psy.lmu.de Seit 2018 ist Geissner freiberuflich als Dozent, Supervisor und wissenschaftlicher Autor tätig.

Wirken Geissner ist Autor und Herausgeber von mehr als 200 Fachpublikationen (s. Research Gate) aus den Bereichen Klinische Psychologie und Psychologische Diagnostik/Differentielle Psychologie. Seine inhaltlichen Gebiete sind/waren u. a. Angst, Essstörungen, Schmerz, komplexe Trauer, Zwangserkrankungen; ferner fachmethodisch Diagnostik und Evaluation sowie Supervision.

Als Experte für Test- und Fragebogenentwicklung publizierte er zwei große manualgestützte diagnostische Verfahren für chronische Schmerzen, die „Schmerzempfindungsskala-SES“ Deutsche Testzentrale, abgerufen am 27. Januar 2025 und den „Fragebogen zur Erfassung der Schmerzverarbeitung-FESV“ Deutsche Testzentrale, abgerufen am 27. Januar 2025 , die in Diagnostik und Therapie-Outcome bei Schmerzpatienten deutschsprachiger Standard sind, daneben in Co-Autorenschaft acht weitere psychologische Messinstrumente. Im Einzelnen sind dies ein neuropsychologischer Test zur Erfassung von Neglect Deutsche Testzentrale, abgerufen am 27. Januar 2025 , ein diagnostisches Verfahren für die Angstbehandlung doi:10.23668/psycharchives.5249 Europäisches Testarchiv, abgerufen am 27. Januar 2025 , ein Verfahren zur Erfassung von Hypochondrie Hypochondrie - Erfassung und erste klinische Ergebnisse. In: Zeitschrift für Klinische Psychologie, Jg. 23, Heft 1, 1994, S. 34 – 42, ISSN 1616-3443. Mit W. Rief, W. Hiller und M. Fichter (nicht Online verfügbar), zwei Verfahren im Bereich Zwangserkrankungen doi:10.23668/psycharchives.5247 Europäisches Testarchiv, abgerufen am 27. Januar 2025 doi:10.23668/psycharchives.5248 Europäisches Testarchiv, abgerufen am 27. Januar 2025 , die deutsche Version des Children of Alcoholics Screening Test-CAST doi:10.23668/psycharchives.5250 Europäisches Testarchiv, abgerufen am 27. Januar 2025 , das Inventory of Complicated Grief-ICG (deutsche Version) doi:10.23668/psycharchives.5251 Europäisches Testarchiv, abgerufen am 27. Januar 2025 und die Skala Dysfunktionaler Einstellungen-DAS 18 für die Depressionsbehandlung doi:10.23668/psycharchives.5252 Europäisches Testarchiv, abgerufen am 27. Januar 2025 .

Differentialpsychologisch untersuchte er zum einen die Wirksamkeit von Psychotherapieansätzen im Vergleich Psychologische Behandlungsansätze bei Schmerz - Eine Therapievergleichsstudie an Patienten mit chronischer Polyarthritis. In: Zeitschrift für Klinische Psychologie, Psychopathologie und Psychotherapie, 1994, 42, 4, 319 – 338. Mit G. Jungnitsch und J. Schmitz. Universitätsbibliothek Trier, z 1971. (nicht Online verfügbar) . Zum anderen isolierte er – neben spezifischen, auf die Therapiemethode zurückgehende – auch sogenannte unspezifische Faktoren, die sich auf das Ergebnis einer Therapie auswirken können. Diesen Analysen gemäß tragen allein Änderungs- und Handlungsmotivation sowie ausdauernde Zielverfolgung mit deutlich mehr als einem Drittel zu einem positiven (respektive bei niedriger Ausprägung zu einem geringeren) Behandlungserfolg bei Motivationale Faktoren in der Gruppenpsychotherapie am Beispiel Angst: So wichtig wie das Interventionsprogramm selbst. In: Psychotherapie, 2019, 24,1, 252 – 268. Mit P. Ivert. https://www.nomos-elibrary.de/zeitschrift/2364-1517 (Abgerufen am 21.06.2025)Absicht und Ausführung im Prozess der Verhaltensänderung – am Beispiel Angstbehandlung. In: Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin, 2021, 42, 1, 5 – 19. Mit P. Ivert. PDF ISSN 1013-1973 (Abgerufen am 21. Juni 2025), unabhängig vom Therapieverfahren selbst.

Geissner leitete klinische Evaluationen zu Angst, Bulimie, Schmerz und komplexer Trauer Motivationale Faktoren in der Gruppenpsychotherapie am Beispiel Angst: So wichtig wie das Interventionsprogramm selbst. In: Psychotherapie, 2019, 24,1, 252 – 268. Mit P. Ivert. https://www.nomos-elibrary.de/zeitschrift/2364-1517 (Abgerufen am 21. Juni 2025) Expositionsverfahren in der Behandlung der Bulimia nervosa - Evaluation eines verhaltenstherapeutischen Intensivansatzes. In: Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Jg. 35, Heft 1, 2006, S. 1–11. Mit N. Baltruschat, H. Bents. ISSN 1616-3443 (Abgerufen am 29. Januar 2026) Stationäre verhaltensmedizinische Therapie bei Patienten mit chronischen Schmerzen - Behandlungsansatz und Evaluation. In: Zeitschrift für Gesundheitspsychologie, Jg. 4, Heft 2, 1996, S. 152–176. Mit J. Heuser et al. ISSN 2190-6289 (Abgerufen am 29. Januar 2026) Effectiveness of an Inpatient Group Therapy for Comorbid Complicated Grief Disorder. In: Psychotherapy Research, Jg. 21, Heft 2, 2011, S. 210–218. Mit R. Rosner, G. Lumbeck. ISSN 1050-3307 (Abgerufen am 29. Januar 2026) und war an der Leitung weiterer großer Auswertungsstudien beteiligt Follow-up Ergebnisse stationärer verhaltenstherapeutisch orientierter Schmerztherapie. In: Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Jg. 28, Heft 4, 1999, S. 267–272. Mit R. Klinger et al. ISSN 1616-3443 (Abgerufen am 29.01.2026) A two-year-follow-up study of patients with somatoform disorders. In: Psychosomatics, Jg. 36, Heft 4, 1995, S. 376–386. Mit W. Rief et al. ISSN 0033-3182 (Abgerufen am 29. Januar 2026). In neueren Arbeiten beschäftigt er sich mit Grundlagen der Evaluation. Zur Outcomebestimmung von Psychotherapie plädiert er - störungs- und erkrankungsbezogen - für den Einsatz spezifischer, hierfür geeigneter Messverfahren; er stellt diese vor und erläutert Auswerteprozeduren sowie Regeln zur Beurteilung der erhaltenen Werte. Sein Augenmerk gilt der Versorgungspraxis, aber auch der sachgerechten Durchführung empirischer Studien. Eine umfassende Darstellung liefert das gemeinsam mit Stefan Koch und Manfred Schmitt verfasste Handbuch „Psychotherapieerfolg messen und beurteilen“ Kohlhammer Verlag, Stuttgart, 2025 (ISBN 978-3-17-042771-6; 345 S.) https://www.kohlhammer.de. Abgerufen am 21. Juni 2025 .

Geissner ist approbierter und bei der kassenärztlichen Vereinigung eingetragener Psychologischer Psychotherapeut. Als behördlich anerkannter Supervisor wirkt er an mehreren postgradualen Aus- und Weiterbildungsinstituten für Psychotherapie VfkV.de/Institut/Personen/#Supervisoren (Abgerufen am 9.12.2024) ift-supervision.de/supervisorenliste.html (Abgerufen am 21. Juni 2025)Kirinus.de/fileadmin/user_upload/KIRINUS_CIP/Akademie/pdf/Kirinus_E-VT_Muenchen_20230718.pdf (Abgerufen am 21. Juni 2025) .

Auszeichnungen / Engagement Von 2011 bis 2018 wurde Geissner in der jährlichen Focus-Liste „Top-Mediziner: Deutschlands renommierte Ärzteliste“ im Fachgebiet Psychotherapie geführt.

2016 erhielt er (mit Arbeitsgruppe) den Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie DGSP.DGSP-ev.de/forschung/forschungspreis

Geissner ist im wissenschaftlichen Beirat und Gutachter für nationale und internationale Fachzeitschriften.

Mitgliedschaften (Auswahl) Association for Psychological Science (APS) Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) Psychotherapeutenkammer

Publikationen (Auswahl) Mit G. Jungnitsch (Hrsg.): Psychologie des Schmerzes. Psychologie Verlags Union, Weinheim 1992, ISBN 3-621-27125-2. Mit J. Kagelmann (Hrsg.): Magersucht und Bulimie. (= Themenheft Zeitschrift Psychomed). Jg. 6, Heft 3, Quintessenz, München 1994. ISSN 0935-2937. Die Schmerzempfindungs-Skala SES – Manual und Testmappe. Hogrefe – Verlag für Psychologie, Göttingen 1996, ISBN 3-8017-0972-8. Mit M. Fels: Neglect-Test NET. Ein Verfahren zur Erfassung visueller Neglectphänomene – Manual und Testmaterial. Hogrefe, Göttingen 1996. Mit B. Kröner-Herwig, C. Franz (Hrsg.): Praxisfeld Schmerztherapie. Psychologische Behandlung chronischer Schmerzsyndrome. Thieme, Stuttgart 1999, ISBN 3-13-117261-4. Mit H. Flor (Hrsg.): Klinisch-psychologische Schmerzforschung. (= Themenheft Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie). Jg. 28, Heft 4. Hogrefe, Göttingen, 1999. ISSN 0084-5345 Schmerzverarbeitung – Manual zum FESV. Fragebogen zur Erfassung der Schmerzverarbeitung. Hogrefe, Göttingen 2001, ISBN 3-8017-1486-1. Risikofaktoren und Präventionsmaßnahmen bei Essstörungen. (= Themenheft Zeitschrift für Gesundheitspsychologie). Jg. 13, Heft 2. Hogrefe, Göttingen 2005. ISSN 0943-8149. Mit R. Rosner et al: Anhaltende Trauerstörung – Manuale für die Einzel- und Gruppentherapie. Hogrefe, Göttingen 2015, ISBN 978-3-8017-2435-1. Mit A. Hütteroth: Beck Anxiety Inventory deutsch – ein reliables, valides und praxisgeeignetes Instrument zur Messung klinischer Angst. In: Psychosomatik, Psychotherapie und medizinische Psychologie, Jg. 68, Heft 3, 2018, S. 118–125. ISSN 0937-2032. Mit L. Knechtl et al.: Schulderleben bei Zwangspatienten - Guilt Experience in Patients with obsessive-compulsive Disorders. In: Verhaltenstherapie, Jg. 30, Heft 3, 2020, S. 246–254. ISSN 1016-6262. Mit M. Schmitt: Fug und Unfug in der Auswertung von Psychotherapien – Tipps und Empfehlungen für die Praxis. In: Verhaltenstherapie und Psychosoziale Praxis, Jg. 55, Heft 1, 2023, S. 95–108, ISSN 0721-7234. Mit M. Schmitt, S. Koch: Psychotherapieerfolg messen und beurteilen – ein Handbuch. Kohlhammer, Stuttgart 2025, ISBN 978-3-17-042771-6.

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Einzelnachweise