Die Interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft für Klinische Hämotherapie IAKH gem. e. V. ist eine deutsche wissenschaftliche Fachgesellschaft auf dem Gebiet der klinischen Hämotherapie (Therapie mit Blut). Sie befasst sich mit den klinischen Aspekten der Blutspende und der Anwendung von Blutprodukten sowie mit der Diagnostik und Therapie von Gerinnungsstörungen des Blutes.

Die IAKH hat sich vor allem der Aus- und Weiterbildung der Ärzte verschrieben, die gemäß Transfusionsgesetz und den Hämotherapie-Richtlinien der Bundesärztekammer als sogenannte „Transfusionsverantwortliche“ (TV), „Transfusionsbeauftragte“ (TB) sowie Qualitätsbeauftragte für Hämotherapie (QB) die Anwendung von Blut und Blutprodukten organisieren und sie in den medizinischen Einrichtungen (Arztpraxis, Krankenhaus, Rehabilitationsklinik o. Ä.) anleiten beziehungsweise überwachen. Laut Transfusionsgesetz muss jede Einrichtung, die Blut und Blutprodukte anwendet, einen Verantwortlichen TV und in jeder transfundierenden Abteilung einen Beauftragten TB sowie einen Qualitätsbeauftragten QB speziell für die Bluttransfusion und die Anwendung von Blutprodukten ernennen.

Die IAKH ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein und neutraler Zusammenschluss von Transfusionsbeauftragten, Transfusionsverantwortlichen, Qualitätsbeauftragten für Hämotherapie, niedergelassenen Transfusionsmedizinern sowie in der Klinik und Praxis tätigen Hämostaseologen und allen Ärzten, die mit der Durchführung klinischer Hämotherapie befasst sind. Ihr Ziel ist die Verbesserung der medizinischen Qualität der Patientenversorgung mit der wertvollen Ressource Blut, Erhöhung der Patientensicherheit und verbesserte Ausbildung der klinisch tätigen Ärzte auf dem Gebiet der Therapie mit Blutbestandteilen, Eigenblut, Blutprodukten und Gerinnungsfaktoren.

Aufgaben Information der Kliniken zu aktuellen Themen der Hämotherapie und der Umsetzung des Transfusionsgesetzes Erarbeitung und Veröffentlichungen von Stellungnahmen und Empfehlungen für kritische Aspekte der Hämotherapie Durchführung und Organisation von Fortbildungen („Transfusionsgesprächen“) für Transfusionsbeauftragte und -verantwortliche sowie Hämostaseologen und alle weiteren Ärzte, die mit der Durchführung klinischer Hämotherapie befasst sind Unterstützung der Landesärztekammern bei der Qualifizierung, Fort- und Weiterbildung der Qualitätsbeauftragten, Transfusionsverantwortlichen und Transfusionsbeauftragten Fachliche Begleitung des Peer-Review-Programms der Landesärztekammern auf dem Gebiet der Hämotherapie nach dem Curriculum der Bundesärztekammer sowie die Einberufung und Organisation der Steuerungsgruppe Peer Review Hämotherapie Führen und Besetzung der Auswertungskommission des nationalen Fehlerregisters für Hämotherapie in Zusammenarbeit mit der Sektion Hämotherapie, Hämostaseologie der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin Vertretung der praktischen Anwenderaspekte der Therapie mit Blut und Blutprodukten im Arbeitskreis Blut im Robert Koch-Institut Mitarbeit bei den Revisionen der Richtlinien für die Therapie mit Blut und Blutprodukten der Bundesärztekammer Zusammenstellung und Besetzung der Leitlinienkommission der Bundes-/Landesärztekammern Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Organisationen der Hämotherapie und Hämostaseologie

Aktivitäten Tagungen/Veranstaltungen Die IAKH organisiert 1 bis 2 Fortbildungstagungen ("Transfusionsgespräche") im Jahr mit Schwerpunkt auf die praktischen Inhalte der Anwendung von Blut- und Blutprodukten, Hämostaseologie, Patient Blood Management, Transfusionssicherheit, Immunhämatologie, Berufsumfeld und Aufgabenbereich von Transfusionsverantwortlichen, Transfusionsbeauftragten, Qualitätsbeauftragten für Hämotherapie. Der Erfahrungsaustausch für die Qualitätsbeauftragten Hämotherapie ist angegliedert. Auf der Internetseite informiert die IAKH über alle wichtigen Fortbildungs- und Qualifizierungsveranstaltungen in Deutschland. Seit 2022 finden auch Webinare zu ausgesuchten Themen mit gefragten Referenten statt. Zusätzlich bildet die IAKH Qualifikationsseminare Peers in der Hämotherapie aus und führt Peer Review Hämotherapie Besuche der Einrichtungen deutschlandweit mit den jeweiligen Landesärztekammern durch.

Forum Im oft genutzten, frei zugänglichen Internetforum der IAKH können Fragen zu den Themen „Allogene Transfusion“, „Autologe Transfusion“, „Qualitätssicherung“, „Rechtliche Grundlagen, Richt- und Leitlinien“, „Gerinnung“, „Individuelle Hämotherapie/Patient Blood Management“ und „Verschiedenes“ gestellt werden und andere Mitglieder mit Erfahrung auf dem Themenbereich antworten.

Nachrichten/Newsletter Die IAKH veröffentlicht regelmäßig Empfehlungen und Stellungnahmen zu Rechts- und Richtlinienänderungen, Themen der Transfusionssicherheit, hämotherapeutischen Konzepten und bedeutsamen wissenschaftlichen Publikationen auf ihrer Internetseite, seit 2016 auch als regelmäßigen Newsletter über einen Mailverteiler an alle Mitglieder.

Peer Review Hämotherapie Die IAKH ist der Verfahrenseigner des Peer Review Hämotherapie nach dem Curriculum der Bundesärztekammer. Das Peer Review ist ein Instrument der ärztlichen Qualitätssicherung in Institutionen des Gesundheitswesens, das auf dem kollegialen Erfahrungsaustausch und lernendem Dialog basiert. Die IAKH begleitet das Peer Review Programm der Landesärztekammern in allen Bundesländern auf dem Gebiet der Hämotherapie. Sie erstellt den jährlich aktualisierten Inhaltskatalog des Peer Reviews Hämotherapie in der von ihr organisierten und einberufenen Steuerungsgruppe. Zusätzlich veranstaltet die IAKH Seminare zum Erwerb der Eignung als Peer Hämotherapie nach dem Curriculum der Bundesärztekammer.

Fehlerregister Seit 2009 betreibt die IAKH zusammen mit der DIVI Sektion Hämotherapie/Hämostaseologie und dem CIRS AINS der DGAI/BDA bzw. dem CIRS-Medical der Bundesärztekammer eine frei zugängliche Meldeplattform im Internet, in die Fehler und Beinahe-Verwechslungen bei der Anwendung von Blut und Blutprodukten von klinisch tätigem Personal anonym gemeldet werden können. Die interdisziplinäre Auswertekommission wertet die Meldungen hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Patienten, Mitarbeiter und Institutionen aus und gibt Empfehlungen zur Vermeidung, zum Beispiel in Form einer neuen Arbeitsanweisung, Fortbildung (Prozessqualität) oder strukturellen bzw. technischen Lösung eines Problems (Strukturqualität). Sie erstellt in regelmäßigen Abständen einen zusammenfassenden Bericht zur Sicherheit und Verbesserungsmöglichkeiten der Anwendungssicherheit von Blut und Blutprodukten in Deutschland.

Hämostaseologischer Konsildienst der IAKH Für Fragen zur Thromboseprophylaxe, Überbrückung von gerinnungshemmenden Medikamenten bei Operationen und Blutstillung bei angeborenen und erworbenen Gerinnungsstörungen betreibt die IAKH bislang nur für Mitglieder einen telefonischen Konsildienst mit ausgewiesenen Experten auf dem Gebiet der Blutgerinnung.

Individuelle Hämotherapie Seit ihrem Bestehen berät die IAKH hinsichtlich der erprobten Alternativen zur Fremdblutgabe wie Vermeidung der präoperativen Anämie, Vermeidung des intraoperativen Blutverlusts, Aufbereitung von Wundblut, Gerinnungsanalytik und -therapie, Toleranz der postoperativen Blutarmut. Unter dem publikationswirksamen Schlagwort „Patient Blood Management“ betreibt sie dies seit 2014 in Kooperation mit der Initiative Patient Blood Management der DGAI von mehreren Universitätskliniken in Deutschland und Österreich.

Geschichte Die Interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft für Klinische Hämotherapie gem. e. V. wurde 2002 auf den Marburger Transfusionsgesprächen gegründet. Sie hat sich thematisch der klinischen Anwendung von Blut und Blutprodukten, der Gerinnungsstörungen und der Eigenbluttechniken verschrieben. Sie ist nicht in die Herstellung von Fremdblut und Gerinnungsprodukten involviert. Sie strebt aber die enge Zusammenarbeit mit allen staatlich-kommunalen, universitären, gemeinnützigen (z. B. dem DRK) Blutspendediensten an.

Gründungsmitglieder im damaligen Vorstand: Volker Kretschmer, em., damaliger Chef des Instituts für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie der Universitätsklinik Marburg Eberhard Götz, em., damaliger Chefarzt des Institutes für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Klinikums Darmstadt Arnulf Weiler-Lorentz, a.d., damaliger Oberarzt des Instituts für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin des Universitätsklinikums Mannheim Rainer Moosdorf, em., damaliger Klinikdirektor der Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Marburg

Kooperationen DIVI – Sektion Hämotherapie und Hämostaseologie der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin DGAI/BDA – gemeinsamer Arbeitsausschuss Bluttransfusion der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin NATA – Scientific Board des "Network for the Advancement of Patient Blood Management, Haemostasis and Thrombosis" GTH – Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung SABM – Society for the Advancement of Blood Management StKB – Arbeitsgemeinschaft für Ärzte staatlich-kommunaler Blutspendedienste e. V. DGTI – Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunologie BDT – Bund deutscher Transfusionsmediziner

Organe und Besetzungen derzeitiger Vorstand (Fischer D, Juratli M, C. Höhnemann, Wittmann G, Steinbicker A, Klein P, Leo A, Rünz T, Frietsch T) Geschäftsstelle (Wittenberg G) Auswertekommission des Fehlerregisters (Fleiter B, Frietsch T, Karger R, Knels R, Moosdorf R, Poetzsch B, Schanz S, Schipplick M, Schoeler M, Spannagl M, Wittmann G, Wittenberg G, Krombholz K, Kühl-Burmeister R, Wittenmeier E, Fischer D, Henschler R, Pötzsch B) Leitlinienkommission ärztliches Peer Review Hämotherapie der Ärztekammern (Erhard J, Frietsch T, Moosdorf R, Schipplick M, Stichling F, Meybohm P, Spannagl M, Welte M, Dietrich G) Arbeitsgruppe "TERZ" transfusionsassoziierte Ereignisse, Reaktionen und –Zwischenfälle, Leitung Dietrich G, Eggenfelden Arbeitsgruppe "Autologe Therapien", Leitung Seyfried T, Regensburg; Guertler K, Augsburg, Arbeitsgruppe "AG Hämotherapie Ausbildung I – Theorie", Leitung Hannibal H, Lohr am Main Arbeitsgruppe "AG Hämotherapie Ausbildung II – Simulation", Leitung Fiedler F, Köln; Frietsch T, Mannheim Arbeitsgruppe "AG RF-TS" Transfusionssicherheit, Leitung Knels R, Dresden; Frietsch T, Mannheim Arbeitsgruppe "Immunhämatologie-Labor und Blutdepot", Leitung Wittmann G, München Arbeitsgruppe "Junge IAKH", Leitung Hafner A, Heidelberg; Aschauer S, Heidelberg Arbeitsgruppe "Pädiatrische Hämotherapie" Prof. Steinbicker, Köln Arbeitsgruppe "Point of Care" Leitung PD Dr. Florian Piekarski, Bonn Redaktion News Letter und Webseite (Frietsch T, Spiess A, Hinrichs A)

Publikationen Frietsch T, Fischer D. Erythrozytenkonzentrate – vermeidbare Risiken und Komplikationen [Packed red blood cells-Avoidable risks and complications]. Anaesthesiologie. 2026 May;75(5):359-375. German. doi:10.1007/s00101-026-01669-z. Epub 2026 Apr 23. PMID 42024258. SurshKumar H, Schenz J, Water J, Weigand MA, Seyfried T, Juratli MA, Frietsch T, Fischer D. Revisiting the safety of intraoperative cell salvage in cancer surgery: how to evaluate the functional properties of remaining cancer cells. Eur J Surg Oncol. 2025 Dec;51(12):110532. doi:10.1016/j.ejso.2025.110532. Epub 2025 Oct 22. PMID 41326218. Dania Fischer et al. Incorporating the concept of overtransfusion into hemovigilance monitoring: An expert-based definition and criteria from the International HIT-OVER Forum. Transfusion. 2025 Jan;65(1):110-121. doi:10.1111/trf.17973 Frietsch T, Rondinelli MB, Levy JH. Congratulation, Appraisal, and Comment on the 25 Years Anniversary of Serious Hazards of Blood Transfusion. Transfus Med Hemother. 2023 Nov 27;51(3):193-197. doi:10.1159/000532049. Erratum in: Transfus Med Hemother. 2024 Aug 16;51(5):360. doi:10.1159/000540591