Volksgruppenführer waren in der Zeit des Nationalsozialismus die anerkannten Politischen Leiter der außerhalb der Grenzen des Deutschen Reichs (1933 bis 1945) lebenden Menschen deutscher Volkszugehörigkeit mit fremder Staatsangehörigkeit; darunter Rumäniendeutsche (550.000 „Volksdeutsche“ im Jahr 1944),Immo Eberl, Konrad G. Gündisch: Die Donauschwaben. Kapitel 6: Die Statistik der deutschen Siedlung Südosteuropas. Innenministerium Baden-Württemberg, Jan Thorbecke Verlag, 1987. Jugoslawiendeutsche (500.000 im Jahr 1931),Hans Harmsen: Soziale Dienste für Spätaussiedler. Konrad-Adenauer-Stiftung für Politische Bildung und Studienförderung. Eichholz-Verlag, 1976, ISBN 3-87198-074-9, S. 18. Ungarndeutsche (465.000 im Jahr 1941), Karpatendeutsche (126.000 im Jahr 1930),Ernst Hochberger: Einführung in die Geschichte der Karpatendeutschen in der Slowakei. Sinn, Juli 2000. in Südtirol (200.000 im Jahr 1939)Niederschrift der Besprechung über die Südtiroler Frage, stattgefunden am 23. Juni 1939 von 16-17.50 im Geheimen Staatspolizeiamt, Berlin SW 11, Prinz-Albrecht-Str. 8. (Text der deutschen Delegation) und Dänemark (30.000 nach 1920).Jørgen Kühl: Nationale Minderheiten in der Europäischen Union am Beispiel der deutschen Minderheit in Dänemark. In: Archiv für Sozialgeschichte. 44, 2004, S. 571.

Die Verwendung des Ausdrucks „Volksgruppenführer“ im heutigen deutschen Sprachgebrauch hat keinen zwingenden nationalsozialistischen Nachklang und bezeichnet allgemein ethnopolitische Spitzenvertreter von Volksgruppen.Als Beispiel sollen die Volksgruppenführer der Zyperngriechen oder Zyperntürken gelten: in Deutschland Überwindung der Teilung Zyperns. Zyprische Volksgruppenführer kündigen Treffen an. In: n-tv. 28. April 2015 Zypern. Volksgruppenführer verständigen sich auf Zeitplan. In: Frankfurter Allgemeine. 16. Januar 2002 in Österreich In: Wirtschaftsblatt. 25. Dezember 2015 Zyperns Volksgruppenführer suchen historische Annäherung. In: Salzburger Nachrichten. 23. April 2015 in der Schweiz Treffen der griechischen und türkischen Volksgruppenführer. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. November 2013 Zyprische Volksgruppenführer schlendern durch das geteilte Nikosia. In: Blick. 23. Mai 2015.

Organisation und Status mini|500px|Zentralisierung der Volkstumspolitik unter SS-Einfluss (VoMi) – Stufe II vom 27. Januar 1937Tammo Luther: Volkstumspolitik des Deutschen Reiches 1933–1938: Die Auslandsdeutschen im Spannungsfeld zwischen Traditionalisten und Nationalsozialisten. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-515-08535-1, S. 156; seinerseits angelehnt an H.-A. Jacobsen: NS-Außenpolitik. S. 245, Übersicht 7. Die Volksdeutsche Mittelstelle (VoMi), geleitet von SS-Obergruppenführer Werner Lorenz, wurde ursprünglich 1936 als Instrument nationalsozialistischer Außenpolitik ins Leben gerufen. Das Ziel der Organisation war, die „Volksdeutschen“ im Ausland finanziell und politisch zu unterstützen und gleichzeitig für die NS-Volkstumspolitik zu instrumentalisieren, zusammen mit der Ernennung nationalsozialistisch orientierter „Volksgruppenführer“, die oftmals im Geiste des Nationalsozialismus und der SS in Deutschland geschult waren. Den „Volksgruppenführungen“ oblag auch die Jugendarbeit.Michael Buddrus: Totale Erziehung für den totalen Krieg: Hitlerjugend und nationalsozialistische Jugendpolitik. Walter de Gruyter, 2003, ISBN 3-11-096795-2, S. 773. Das Bestreben der VoMi war es, auf Basis des „Führerprinzips“ und der „Volksgemeinschaft“ durch „Gleichschaltung“ der Institutionen der Deutschen Volksgruppe im jeweiligen Gastgeberland solche „Volksgruppenführer“ aufzubauen und durchzusetzen, die einerseits den Anordnungen der VoMi und des Außenamtes gegenüber gefügig waren, anderseits aber in ihrer minderheitlichen „völkischen“ Politik ihre mit dem Deutschen Reich oft verbündeten Heimatstaaten nicht brüskierten oder verärgerten.Wie groß war der Einfluss des Nationalsozialismus auf die Donauschwaben? Analyse zum Vorwurf der Verstrickung in die „faschistische Gewaltherrschaft“. Donauschwaben in Oberösterreich. In diesem Sinne wurden auch sämtliche Hilfsorganisationen gleichgeschaltet, die bis dahin mit Auslandsdeutschen zusammengearbeitet hatten.Hans Buchheim: Die SS – das Herrschaftsinstrument, Befehl und Gehorsam. München 1967, S. 192 ff. Bis 1942 baute der Reichsführer SS Heinrich Himmler, nun auch Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums, die VoMi zu einem SS-Hauptamt aus, dem ab September neben der Volkstumspolitik, der Betreuung der Deutschen Volksliste, der Absiedlung, dem Transport und der Versorgung von Umsiedlern nun auch offiziell die „Führung der deutschen Volksgruppen mit fremder Staatsangehörigkeit“ zufiel. Die deutschen Volksgruppen verloren damit ihre Eigenständigkeit und gerieten unter das Kommando reichsdeutscher nationalsozialistischer Amtswalter.

Die Regierungen der mit dem Deutschen Reich verbündeten oder von ihm abhängigen Länder sahen sich schon aus Gründen des Selbsterhalts zu einer weitgehenden Kollaboration gezwungen. Die VoMi sicherte die Existenz der Volksgruppen, indem sie im Staatsleben dieser Nationen den Volksgruppen und ihrer Führung vielfach eigene Rechtspersönlichkeiten schuf.Günter Kaufmann: Das Kommende Deutschland: Die Erziehung der Jugend im Reich Adolf Hitlers. Junker & Dünnhaupt, 1940. In: Michael Buddrus: Totale Erziehung für den totalen Krieg: Hitlerjugend und nationalsozialistische Jugendpolitik. Walter de Gruyter, 2003, ISBN 3-11-096795-2, S. 773. „Da“, so das Grenz- und Auslandsamt der HJ-Führung, „der deutsche Mensch seine Kräfte und Fähigkeiten nur unter einer deutschen Führung entfalten“ könne, und „alles das, was deutsch [sei] im Menschen, nur im Schutz und in der Geborgenheit des Deutschen Reiches zur völligen Entwicklung“ kommen könne, habe die „Führung des Reichs ihn [den Volksdeutschen] in ihre Obhut genommen“ und „alle Mühe“ darauf verwandt, „die stärksten und schönsten Eigenschaften des deutschen Menschen in jeder erdenklichen Weise zu festigen und zu fördern“. Dies sei geglückt, denn „heute“ „verfüge das Volksdeutschtum in Europa über sechs straff ausgerichtete Volksgruppen unter Führung ihrer Volksgruppenführer“.Lagebericht des Grenz- und Außenamtes der Reichsjugendführung, Dezember 1941. In: Michael Buddrus: Totale Erziehung für den totalen Krieg: Hitlerjugend und nationalsozialistische Jugendpolitik. Walter de Gruyter, 2003, ISBN 3-11-096795-2, S. 773.

Amtsträger In Rumänien Wolfram Bruckner folgte Fritz Fabritius von der „Deutschen Volksgemeinschaft in Rumänien“ im November 1939 bis September 1940 ad interim als Landesobmann. Er wurde im Dezember 1939 von der VoMi als „Volksgruppenführer“ der neubenannten „Deutschen Volksgruppe in Rumänien“ (DViR) eingesetzt.Johann Böhm: Nationalsozialistische Indoktrination der Deutschen in Rumänien 1932–1944. Peter Lang, 2008, ISBN 978-3-631-57031-9, S. 90.Paul Milata: Zwischen Hitler, Stalin und Antonescu: Rumäniendeutsche in der Waffen-SS. Böhlau Verlag, Köln / Weimar 2007, ISBN 978-3-412-13806-6, S. 333. mini|127px|Andreas Schmidt Andreas Schmidt, Volksgruppenführer der „Deutschen Volksgruppe in Rumänien“ vom 27. September 1940 bis Herbst 1944, SS-Hauptsturmführer Der Leiter der VoMi Werner Lorenz ernannte Schmidt am 27. September 1940 in BrașovArbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde: Zeitschrift für Siebenbürgische Landeskunde. Ausgabe 27. Böhlau Verlag, 2004. zum „Volksgruppenführer“.Klaus Popa: Die Herrschaftsbestrebungen des Volksgruppenführers und Machtmenschen Andreas Schmidt und die Deutsche Volksgruppe in Rumaenien (1940–1944) als Paradebeispiel für NS-Fanatisierung und -Instrumentalisierung.Schmidt heiratete Christa Berger, die Tochter Gottlob Bergers, dem Chef des SS-Hauptamtes (vgl. Dieter Schlesak: Capesius, der Auschwitzapotheker. Dietz, Bonn 2006, ISBN 3-8012-0369-7). Die NSDAP der Deutschen Volksgruppe in Rumänien (NSDAP der DViR) war am 20. November 1940 auf Druck des Deutschen Reiches per Dekretgesetz Nr. 830 von der faschistischen Regierung Rumäniens unter Ion Antonescu als juristische Person öffentlichen Rechtes anerkannt und zum „alleinigen Willensträger der Deutschen Volksgruppe in Rumänien“ bestimmt. Sie arbeitete im Rahmen des nationalen rumänischen Legionärstaates.Dekretgesetz betreffend die Rechtsstellung der Deutschen Volksgruppe in Rumänien. (PDF) In: Dokumente der Deutschen Politik. Band 8/1. Berlin 1943, S. 410–411. Die einigermaßen selbständige Politik seiner Vorgänger wandelte sich nun in eine radikale Militarisierung aller Lebensbereiche der deutschen Minderheit.Johann Böhm: Nationalsozialistische Indoktrination der Deutschen in Rumänien 1932–1944. Peter Lang, 2008, ISBN 978-3-631-57031-9, S. 91f. Dabei erwies sich Schmidt als reiner Karrierist und war bereit jegliche Befehle der übergeordneten Stellen im Deutschen Reich auszuführen, auch wenn diese mit Risiken und Nachteilen für die deutsche Minderheit verbunden waren. Obwohl Schmidt sich mehr mit dem Deutschen Reich und der SS identifizierte als alle anderen „Volksgruppenführer“ Südosteuropas trat er doch erst Anfang 1945 förmlich als SS-Hauptsturmführer bei.Paul Milata: Zwischen Hitler, Stalin und Antonescu: Rumäniendeutsche in der Waffen-SS. Böhlau Verlag, Köln / Weimar 2007, ISBN 978-3-412-13806-6, S. 56. Schmidt wurde 1945 verhaftet und verstarb im Frühjahr 1948 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft unter ungeklärten Umständen im Lager „1 Kapitalnaia“ in Workuta, Republik Komi.Paul Milata: Zwischen Hitler, Stalin und Antonescu: Rumäniendeutsche in der Waffen-SS. Böhlau Verlag, Köln / Weimar 2007, ISBN 978-3-412-13806-6, S. 342.Milata hält es für am wahrscheinlichsten, dass einige Häftlinge auf Anleitung der Lagerleitung Schmidt mit Beilen erschlugen (vgl. Paul Milata: Zwischen Hitler, Stalin und Antonescu: Rumäniendeutsche in der Waffen-SS. Böhlau Verlag, Köln / Weimar 2007, ISBN 978-3-412-13806-6, S. 342).

In Serbien mini|127px|Josef Janko Josef Janko, Volksgruppenführer der Deutschen Volksgruppe im Banat (Vojvodina) und Serbien ab April 1941 bis 1944, SS-ObersturmführerEkkehard Völkl, Zsolt K. Lengyel: Westbanat, 1941–1944: die deutsche, die ungarische und andere Volksgruppen. Rudolf Trofenik, 1991, S. 49.