Marseille ist eine französische Fernsehserie von Dan Franck mit Gérard Depardieu in der Hauptrolle. Die Serie ist das erste französische Projekt der Online-Streaming-Plattform Netflix. Die erste Staffel besteht aus acht Episoden. Obwohl das Projekt extrem starke Ähnlichkeiten mit der Serie Boss des Senders starz aufweist, sehen viele Kritiker Parallelen zur ebenfalls von Netflix stammenden Serie House of Cards. Die Serie steht seit dem 5. Mai 2016 in allen von Netflix bespielten Ländern zur Verfügung. Am 6. Juni 2016 orderte Netflix eine zweite Staffel der Serie. Am 23. Februar 2018 wurde die zweite Staffel auf Netflix veröffentlicht. Nach zwei Staffeln wurde die Serie eingestellt.

Handlung Robert Taro war 20 Jahre Bürgermeister der Stadt Marseille. Seiner erkrankten Frau zuliebe will er sich aus der Politik zurückziehen und das Amt seinem Stellvertreter Lucas Barrès überlassen.

Taros Tochter Julia ist aus dem Ausland zurückgekehrt und beginnt ein Volontariat bei der Zeitung „La Provence“. Ihre Recherchen führen sie in die Problemviertel der Stadt, wo sie den Kleinkriminellen Selim kennenlernt. Die beiden beginnen eine stürmische Affäre und provozieren damit Julias ehemaligen Freund Eric.

Als Taros designierter Nachfolger Lucas Barrès gegen eine geplante Luxus-Bebauung des Hafengeländes votiert, sieht der Bürgermeister sein politisches Vermächtnis in Gefahr. Hin- und hergerissen zwischen dem Wohl seiner Familie und den eigenen Ambitionen sieht Taro sich gezwungen, erneut zur Wahl anzutreten.

Er tritt gegen seinen ehemaligen Protegé an, der einen unerbittlichen Wahlkampf voller Hass und Intrigen führt. Letztlich stellt sich heraus, dass Lucas Barrès Taros unehelicher Sohn ist.

Besetzung und Synchronisation

Die deutschsprachige Synchronisation der Serie erfolgt durch die VSI Berlin GmbH, Berlin unter Dialogbuch und Dialogregie von Marianne Groß.

Hauptdarsteller SchauspielerRollenname dt. SynchronsprecherGérard DepardieuRobert TaroManfred LehmannBenoît MagimelLucas BarrèsMarcus OffGéraldine PailhasRachel TaroAnke ReitzensteinStéphane CaillardJulia TaroJanin StenzelNadia FarèsVanessa d'AbrantesKatrin Zimmermann

Nebendarsteller SchauspielerRollennamedt. SynchronsprecherGuillaume ArnaultEricKonrad BösherzHedi BouchenafaFaridMarcel ColléNassim Si AhmedSelimJacob WeigertJean-René PrivatAnge CosiniMatthias DeutelmoserPascal ElsoPierre ChasseronLutz RiedelCarolina JurczakBarbaraSarah RiedelEric SavinPharamondUwe BüschkenHippolyte GirardotDr. Jean-Michel OsmontBernd RumpfLionel ErdoganAlain CostaboneFlorian HoffmannMaruschka Detmers Sabine AveryFranziska PigullaNozha KhouadraChaïma JosteVictoria Sturm

Episodenliste

Staffel 1 (2016)

Staffel 2 (2018)

Kritiken Carolin Ströbele von Der Zeit kritisiert ein „Drehbuch, das wenig Überraschungen vorsieht“, sieht in maghrebinischen Drogenhändlern Stereotype statt Realismus und vermisst andererseits in den glatt polierten „Image-Bildern von Hafen, Kathedrale und Altstadtgässchen“ die „unfertige, wilde, chaotische Stadt“. „[D]ie üblichen graffitibesprühten Hochhausflure, die zerkratzten Aufzugtüren“ der Großwohnsiedlung Felix Pyat genügen ihr nicht.

Moze Halperin von Flavorwire bezeichnet insbesondere die Dialoge als albern („silly“) und weist darauf hin, dass die dramatische Bild-Montage des Vorspanns den falschen Eindruck erweckt, die Serie behandele Marseilles soziogeografische Problemzonen („the title sequence gives the very false impression of a show that will be about the geopolitics of Marseille, and the cultural intersections therein“).

James Poniewozik von der NYT bringt sein Urteil auf den Punkt, indem er Marseille als Telenovela und Seifenoper bezeichnet („The story is straight political soap.“). Er sieht in der Serie eine verpasste Gelegenheit, die Realitäten dieser Stadt zu nutzen als Ausgangspunkt für eine politische Erzählung über das gegenwärtige Europa mit seinen Spannungen zwischen Einwanderung, kulturellen Konflikten und dem Aufstieg rechtsextremer Strömungen („for a political story of modern Europe, with its tensions involving immigration, culture clashes and the rise of the right wing“).

Literatur Jonathan Beierl, Yannick Chougrani, Ilka Rasch, Sören Witt, Almut Zimmer: Sex, Drugs and Politics: Die Polit-Serie Marseille. In: Niko Switek (Hrsg.): Politik in Fernsehserien: Analysen und Fallstudien zu House of Cards, Borgen & Co. Transcript, Bielefeld 2018, ISBN 978-3-8376-4200-1, S. 201–224.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Fernsehserie (Frankreich) Kategorie:Fernsehserie der 2010er Jahre Kategorie:Netflix