Die Gersprenz ist ein 51,3 km, (mit dem Hauptquellast Mergbach 62,1 km) langer, im Odenwald entstehender, südwestlicher und orographisch linker Nebenfluss des Mains in Hessen und in Bayern (Deutschland). Sie ist ein Gewässer II. Ordnung und nicht schiffbar.

Name Die Gersprenz wurde 786 (Caspenza) zum ersten Mal im Lorscher Codex urkundlich erwähnt. Die Endung *-antiā deutet auf einen keltischen Namensursprung hin. Für die erste Silbe vermutet Albrecht Greule einen Zusammenhang mit dem keltischen Wort *gasto- für 'Weidenbaum, Weidenrute'.

Historische Schreibweisen

Gerspentz Gaspenz Gernsprintz Gernspring Gernspritz

Geographie mini|320px|Verlauf der Gersprenz unter anderem mit Main und Rhein

Verlauf Quellbäche Die Gersprenz entsteht im Odenwald, südwestlich des Reichelsheimer Ortsteils Bockenrod auf einer Höhe von etwa durch den Zusammenfluss von Mergbach und Osterbach.

Mergbach

Der Mergbach ist der etwa 10,9 km lange, westliche und linke Quellbach der Gersprenz. Er hat ein 28,00 km² großes Einzugsgebiet und einen mittleren Abfluss (MQ) von 399,1 l/s. Als der wasserreichere der beiden Oberläufe ist er Teil des hydrologischen Hauptstrangs der Gersprenz. Deshalb wird seine Quelle an der Neunkircher Höhe () im Vorderen Odenwald als Gersprenzquelle (2013 kurzzeitig Mergbach-Quelle) bezeichnet; sie ist als Naturdenkmal Gersprenzquelle ausgewiesen.

Osterbach

Der Osterbach ist der etwa 7 km lange, südliche und rechte Quellbach der Gersprenz. Er hat ein 19,93 km² großes Einzugsgebiet und einen mittleren Abfluss von 280,5 l/s und ist somit als der weniger wasserführende Oberlauf ein Nebenstrang der Gersprenz.

Er entspringt beim Fürther Ortsteil Weschnitz am Nordhang des hohen Kahlbergs.

Gersprenztal Die Gersprenz fließt zunächst nordwärts. Zwischen ihrem Entstehungsbereich bei Reichelsheim und dem Bereich von Reinheim wird ihr Einzugsgebiet als Gersprenztal bezeichnet. Ab dem Reinheimer Hügelland weitet sich das Tal zunehmend auf und die Gersprenz fließt in die Ebene des Dieburger Beckens, einem westlichen Ausläufer der Hanau-Seligenstädter Senke.

Unterlauf Ab dem Bereich von Groß-Zimmern teilt sich die Gersprenz in mehrere Arme auf, die als Mühlkanäle und dann im Stadtgebiet von Dieburg als Stadt- und Burggräben dienten. Nördlich von Dieburg macht die Gersprenz einen Bogen nach Nordosten. Fortan durchfließt sie über Münster bis Babenhausen den Ostteil des Kreises Darmstadt-Dieburg. Den nördlichen Bachgau streifend, erreicht sie Bayern.

Mündung Früher mündete die Gersprenz am Ortsrand von Stockstadt in den Main. Seit 1970/1971 wird die Gersprenz vor dem linksmainischen Deich auf etwa 3 km Länge – die Bundesautobahn 3 unterquerend – nach Nordnordwesten bis hinter die Mainstaustufe Kleinostheim umgeleitet. Dort – etwa 500 m vor der Mainbrücke der A 45 – mündet sie in das Unterwasser der Staustufe. Die letzten 7 km und die Mündung der Gersprenz befinden sich in der Gemarkung Stockstadt am Main, im bayerischen Landkreis Aschaffenburg, östlich der noch zu Hessen gehörenden Mainhausener Waldrandsiedlung. An dieser Stelle trifft die Landesgrenze von Bayern und Hessen auf den Main, der von da an Grenzfluss ist.

Einzugsgebiet und Zuflüsse mini|300px|Einzugsgebiet der Gersprenz Das Einzugsgebiet der Gersprenz ist 512,98 km² groß und liegt zu 97,1 % in Hessen. Der Fluss entwässert einen Teil der Nordabdachung des vorderen Odenwalds. Zu ihren Zuflüssen gehören flussabwärts betrachtet (Quellbäche sind in der Spalte „l/r“ durch ein „Q“ gekennzeichnet; Längen wenn nicht anders genannt laut ):

Name l/r Länge(km) Mündungsort(bei/in/nahe) EZG(km²) MQ(l/s) DGKZ Mergbach (Gersprenz) lQ 10,9 Bockenrod 27,98 399,1 2476 Osterbach rQ 7,0 Bockenrod 19,93 280,5 2476-12 Steinbach r 2,6 Bockenrod 2476-1312 Bach an dem Margrund r 1,0 Kirch-Beerfurth 2476-1316 MainsbachBezeichnung nach der Liegenschaftskarte auf dem Hessenviewer l 0,4 Kirch-Beerfurth 2476.1318 Bach an dem Seegrund l 1,5 Pfaffen-Beerfurth 2476-1392 Bach von dem Vierstöck r 2,3 Kirch-Beerfurth 2476-15122 Michelbach l 3,2 Fränkisch-Crumbach 2476-15926 Crumbach (Grumbach) l 2,3 Fränkisch-Crumbach 8,07 97,2 2476-15926 Kainsbach (Stierbach) r 6,1 Nieder-Kainsbach 9,04 124,9 2476-16 Affhöllerbach r 4,5 Nieder-Kainsbach 2476-17116 Kilsbach r 1,8 Brensbach 2476-17118 Bierbach l 2,9 Wersau 2476-17192 Brensbach r 5,2 Brensbach 2476-1732 Küh-Bach l 1,0 Wersau 2476-1734 Moorbach (Dorfbach) l 1,4 Wersau Kohlbach r 2,3 Wersau 2476-1794 Gräbenackersbach l 2,6 Wersau 2476-1796 Brechelser Floß r 1,4 Groß-Bieberau 2476-1912 Fischbach l 9,7 Groß-Bieberau 37.89 396,4 2476-2 Schaubach l 1,4 Groß-Bieberau 2476-3194 Wembach l 7,9 Reinheim 14,71 113,9 2476-32 Dilsbach l 7,4 Reinheim 2476-3342 Hirschbach l 5,0 Groß-Zimmern 9,33 60,0 2476-34 Erbesbach (Erbsenbach) l 9,0 Dieburg 2476-3722 Stillgraben (Glaubersgraben) l 4,4 Münster 2476-372 Graben v. d. Fohlenweide l 4,7 Münster 2476-3724 Erlenbach l 6,3 Münster 2476-37294 Semme (Semder Bach) r 20,5 Hergershausen 2476-4 Ohlebach r 22,7 Babenhausen 64,74 347,4 2476-6 Lache l 15,4 Harreshausen 44.91 10,1 2476-8 Romesbach l 2,7 Stockstadt Speckgraben l 1,1 Waldrandsiedlung

Ortschaften +BundeslandLandkreisGemeinde/StadtGemarkungHessenOdenwaldkreisReichelsheimBockenrodKirch-BeerfurthPfaffen-BeerfurthGersprenzFränkisch-CrumbachFränkisch-CrumbachBrensbachNieder-KainsbachBrensbachWersauDarmstadt-DieburgGroß-BieberauGroß-BieberauReinheimUeberauReinheimOtzbergHabitzheimGroß-ZimmernKlein-ZimmernGroß-ZimmernGroß-UmstadtSemdDieburgDieburgMünsterMünsterEppertshausenEppertshausenBabenhausenHergershausenSickenhofenBabenhausenHarreshausenSchaafheimer WiesenBayernAschaffenburgStockstadt am MainStockstadt am Main

Landkreise Odenwaldkreis (Hessen) Landkreis Darmstadt-Dieburg (Hessen) Landkreis Aschaffenburg (Bayern)

Hochwasserrückhaltebecken Reichelsheim-Bockenrod Unmittelbar oberhalb der bei Bockenrod gelegenen Mündung des Steinbachs in die Gersprenz liegt das Hochwasserrückhaltebecken Reichelsheim-Bockenrod. Es wurde von 2008 bis 2010 zur Verminderung von Hochwassern angelegt. Sein etwa 3 m hoher und 200 m langer Staudamm mit Brücke der Neuhausstraße weist ein Durchlassbauwerk aus Stahlbeton für das Wasser der Gersprenz auf. Die dortigen Abschnitte von Gersprenz und Steinbach wurden wasserbautechnisch gesichert. Der Probestau fand im Februar 2012 statt. Das normal trockenliegende Becken mit einem 47,7 km² großen Einzugsgebiet weist etwa 100.000 m³ Stauraum auf einer rund 8 ha großen Fläche auf.

Hochwasserrückhaltebecken Wersau/Groß-Bieberau Zwischen Wersau und Groß-Bieberau wurde im Jahr 2003 ein Hochwasserrückhaltebecken mit einem maximalen Stauinhalt von 495.000 m³ in Betrieb genommen. Endgültiger Anstoß zum Bau dieses Beckens waren die Hochwasserereignisse im Jahr 1993 und insbesondere am 27. Januar 1997, die zu großen Schäden in den niedrig gelegenen Bereichen des Stadtgebiets von Groß-Bieberau führten. Das Einzugsgebiet umfasst 113,3 km². Aufgrund der dort vorliegenden flachen Geländeform wird mit einer geringen Stauhöhe ein relativ großes Retentionsvolumen erreicht. Die Überflutungsfläche umfasst etwa 40 ha. Das Durchlassbauwerk im Staudamm ist so konzipiert, dass ein Regelabfluss von 27,5 m³/s gewährleistet ist. Die Anlage kann somit ungesteuert betrieben werden. Im Falle eine Hochwasserlage regelt der entstehende Wasserdruck den Aufstauvorgang selbsttätig. Im Zusammenspiel mit den anderen Rückhaltebecken wird ein Schutz vor 50-jährlichen Hochwasserereignissen erreicht.

Naturschutz Naturdenkmal Gersprenzquelle mini|Die Quelle des Mergbachs auf der Neunkircher Höhe. Sie gilt inoffiziell als Gersprenzquelle und ist seit 1952 als Naturdenkmal ausgewiesen Die Gersprenzquelle ist seit 1952 als Naturdenkmal (ND) ausgewiesen. Sie zählt zu den bekanntesten Quellen des Odenwaldes und gilt als Ursprung einer der bedeutendsten Bäche des Mittelgebirges. Die „Verordnung zum Schutz von Naturdenkmalen im Kreis Bergstraße“ weist die Quelle aufgrund ihrer natürlichen Quelleigenschaft als Naturdenkmal „Gersprenzquelle“ aus.

Oberläufe der Gersprenz Der Verlauf von Mergbach und Osterbach mit einigen Zuflüssen bildet das Natura-2000-Schutzgebiet „Oberläufe der Gersprenz“ (FFH-Gebiet DE 6319-302).

Untere Gersprenz Die Gersprenzaue zwischen Reinheim und Babenhausen ist als Natura-2000-Schutzgebiet „Untere Gersprenz“ (FFH-Gebiet 6019-303) geschützt.

Geschichte mini|Die historische Gernsprintz bei Stockstadt auf einer Karte von 1695 In römischer Zeit lässt sich eine Nutzung des kleinen Flusses durch Treideln oder kleinere Kähne nachweisen. Funde wie ein Schifferhaken in Groß-Bieberau weisen auf diese Nutzung bis weit in die Täler des vorderen Odenwalds hin.Martin Eckoldt: Schiffahrt im Umkreis des Odenwaldes. In: Der Odenwald. Zeitschrift des Breuberg-Bundes 1, 1989, S. 3–18, bes. S. 14. Über den Fluss konnten Waren den römischen Hauptort Dieburg erreichen. Nahe der Mündung in den Main befand sich das Kastell Stockstadt.

Im Jahr 1827 wurde der Fluss vom Herzoglich Hessischen Geometer Georg Wilhelm Justin Wagner in der „Statistik und Topographie des Landratsbezirks Reinheim im Großherzogtum Hessen“ von der Quelle auf der Neunkircher Höhe bis zur Mündung bei Stockstadt in den Main ausführlich beschrieben.

Die Gersprenz wurde außerdem in weiteren „Statistiken und Topographien“ aus den Jahren 1802,1828 und 1840 beschrieben sowie in einer Flusskarte vom Rhein von 1712 dargestellt.

In Messbriefen von 1900 bzw. 1910 taucht im Bereich von Winterkasten der Name „Gersprenz“ auf, ebenso im amtlichen Liegenschaftskataster.

Gersprenztalbahn Von der Gersprenz wurde der Name der inzwischen stillgelegten Gersprenztalbahn abgeleitet. Durch diese Bahnstrecke, die ebenfalls stillgelegte Teilstrecke der Rodgaubahn (Dieburg–Groß-Zimmern–Reinheim) und die noch betriebene Rhein-Main-Bahn (Darmstadt–Dieburg–Aschaffenburg) waren sämtliche Orte an der Gersprenz untereinander verbunden.

Mühlen Mühlen an der Gersprenz

Siehe auch Liste der Nebenflüsse des Mains

Einzelnachweise und Anmerkungen Hochwasserrisikomanagement-Plan – Einzugsgebiet bayerischer Main, auf hopla-main.de

Bayerischer Hochwassernachrichtendienst (Stand: 6. September 2011) Pegelwert Harreshausen vermehrt um den Gebietsabfluss des Resteinzugsgebietes (49,88 km²), ermittelt aus den Daten der Pegel Rück, Hainstadt, Goldbach, Harreshausen, Alzenau, Hanau, Kleinheubach und Frankfurt a. M. Osthafen Gersprenzquelle: Geopark gestaltet Platz noch einmal um, vom 12. Dezember 2014, abgerufen am 18. Januar 2016, auf morgenweb.de , vom 30. September 2013, auf echo-online.de Zur besseren Übersicht und Sortierung flussabwärts ist pro Fließgewässer in die Fließgewässerkennziffer (DGKZ) nach der Ziffer „2476“, die für die Gersprenz (bzw. ihren Quellbach Mergbach) steht, jeweils ein Bindestrich eingefügt. Längenmessung auf Google Earth , auf gfg-fortbildung.de (PDF; 3,2 MB) Hochwasserrisikomanagementplan für die Gersprenz, auf hlnug.de (PDF; 5,43 MB) Gersprenzquelle (u. a. Antrag auf Unterschutzstellung als Naturdenkmal; 1952), abgerufen am 3. Februar 2016, auf oberes-gersprenztal.de (PDF; 871 KB) Schrift von 1802 (Naturdenkmal Gersprenzquelle), abgerufen am 8. Februar 2016, auf oberes-gersprenztal.de Schrift von 1828 (Naturdenkmal Gersprenzquelle), abgerufen am 8. Februar 2016, auf oberes-gersprenztal.de Schrift von 1840 (Naturdenkmal Gersprenzquelle), abgerufen am 8. Februar 2016, auf oberes-gersprenztal.de Flusslaufkarte von 1712 (Naturdenkmal Gersprenzquelle), abgerufen am 8. Februar 2016, auf oberes-gersprenztal.de

Messbriefe von 1900/1910 (Naturdenkmal Gersprenzquelle), abgerufen am 8. Februar 2016, auf oberes-gersprenztal.de

Weblinks

Hochwasserrisikomanagementplan für die Gersprenz

Retentionskataster Flussgebiet Gersprenz (Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie), auf hlnug.de (PDF; 41,4 kB) Gersprenz (ASV-Hergershausens 1960 e. V.), auf asv-hergershausen.de