Der Schleidener Zoll war eine Gruppe von Flusszöllen und Wegezöllen des „Brabantschen Landzolls“ auf der unteren Maas zwischen Maastricht und Venlo, mit denen nacheinander die Herren von Valkenburg, Hoorn und Loon-Heinsberg, die Grafen von Blankenheim-Schleiden, Manderscheid-Schleiden, Neuenahr-Bedburg und Moers, die Freiherren von Mirlaer-Milendonk und ihre Erben durch die Herzöge von Limburg und ihre Rechtsnachfolger belehnt waren.
Geschichte Auf der Maas erhobener Zoll (theloneum) wird bereits in einer Urkunde Kaiser Ludwig des Frommen (778–840) erwähnt, der 814 das Kloster Stablo-Malmedy von allen Abgaben für seine Schiffe auf Rhein und Maas befreite.Vgl. Friedrich Pfeiffer: Rheinische Transitzölle im Mittelalter. Akademie-Verlag Berlin 1997, S. 20, 26, 34, 67f und 658. Schon Childerich III. († um 755) hatte das Kloster vom Zoll in Dinant und Huy auf der mittleren Maas befreit; vgl. Ebenda, S. 20 und 67. Flusszoll zu Maastricht wird 779, 908 und 987/88 urkundlich erwähnt; vgl. Marc Suttor: Les ports de la Meuse moyenne (Mézières, Dinant, Namur, Huy, Liège et Maastricht) des origines à la fin du XVIe siècle: topographie, fonctions, infrastructures. In: Ports maritimes et ports fluviaux au Moyen Age (Actes des congrès de la Société des historiens médiévistes de l'enseignement supérieur public 35). Publications de la Sorbonne, Paris 2005, S. 149–169, bes. S. 158 und 163 (Digitalisat der Universität Lyon). In einer auf das Jahr 1118 datierten Urkunde des Lütticher Bischofs Otbert († 1119) für Abt Herimann von St. Panthaleon in Köln werden Zolleinnahmen in Wessem (Wesheim) aus dem Schiffsverkehr auf der Maas erwähnt, die dem Stift vom Kölner Erzbischof Bruno von Sachsen († 965) hinterlassen wurden.Vgl. Stanislas Bormans (Hrsg.): Recueil des ordonnances de la principauté de Liège, Bd. I 974–1506. F. Gobbaerts, Brüssel 1878, S. 16 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau); Stanislas Bormans, Émile Schoolmeesters (Hrsg.): Cartulaire de l'église Saint-Lambert de Liége, Bd. I. F. Hayez, Brüssel 1893, Nr. 34 („curtem … cum omnibus appenditiis, theloneo, moneta, piseatione, portu - das Hofgut … mit allen zugehörenden Rechten, dem Zoll, der Münzstätte, dem Fischereirecht, dem Hafen“). Bruno war zugleich der letzte Herzog von Lothringen aus dem Haus der Liudolfinger.
Herzog Walram V. von Limburg († 1279) besaß nach Urkunden von 1253 und 1275 „seit alters her“ (ab antiquo) durch kaiserliche Konzession, d. h. als Reichslehen, das Geleit- und Schutzrecht für den Flusshandel zwischen Rhein und Maas (conductus et tuitio inter Renum et Mosam).Vgl. Gerard Venner: Die Grafschaft Geldern vor und nach Worringen. In: Blätter für deutsche Landesgeschichte 124 (1988), S. 267–288, bes. S. 278; Urkunden von 22. August und 15. Dezember 1275. In. Christian Quix: Geschichte der Stadt Aachen, Bd. I. Anhang Codex Diplomaticus Aquensis, Bd. I/1. J. Hensen, Aachen 1839/40, Nr. 219, S. 146–148, und Nr. 220, S. 149 (Google-Books). 1256 gewährte er dem Deutschen Orden für sechs Wagenladungen Wein Zollfreiheit an allen Zollstätten.Vgl. Klaus van Eickels: Die Deutschordensballei Koblenz und ihre wirtschaftliche Entwicklung im Spätmittelalter. (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 52). Elwert, Marburg 1995, S. 158. Seine Tochter Irmgard von Limburg († 1283) heiratete 1270 Reinald I. „den Streitbaren“ von Geldern († 1326). Nach dem Limburger Erbfolgestreit kam Limburg 1289/92 an das Herzogtum Brabant.
Unter diesem Rechtstitel des Geleitrechtes hatten sich im 13. Jahrhundert auf der unteren Maas sechs limburgische Zölle bei Maastricht sowie zwei geldrische Zollstellen in Roermond und Kessel etabliert.Vgl. Friedrich Pfeiffer: Rheinische Transitzölle im Mittelalter. Akademie-Verlag Berlin 1997, S. 10f, 59 u. a. Der Hauptteil der Zölle wurde auf Steinkohlen-, Bauholz- und Kalk-Transporte erhoben.Vgl. Horst Kranz: Energie für die niederen Lande. Kohlenhandel auf der Maas im 14. Jahrhundert. In: Horst Kranz, Ludwig Falkenstein (Hrsg.): Inquirens subtilia diversa. Festschrift Dietrich Lohrmann. Aachen 2002, S. 359–373 (PDF; 1,09 MB). Durch Veränderungen des Flussverlaufs wurden im Laufe der Jahrhunderte stellenweise Verlegungen der Zollstellen erforderlich. Zum später so genannten „Schleidener Zoll“ gehörten die – bis auf eine alle auf dem linken Flussufer gelegenen – Maas-Zollstellen Uikhoven (Udekoven, Adickhoven) bei Rekem (Reckheim), lag bis zum späten 12. Jahrhundert noch rechts der Maas und gehörte zu Geulle aan de Maas, Stokkem (Stockheim, Stochem), Heppeneert bei Maaseik, Pol (Foel) bei Wessem / Heel en Panheel (Maasgouw), Ool (Ole, Oeil, Uelle) (heute Teil von Roermond) auf der rechten Seite der Maas, Furt bzw. Fährstelle; hier wurde die Maas 1342 auf ca. 7 km Länge ihres Bettes nach Osten verlegt, Buggenum (Bugenheim, Buckenem); das früher Buggenumer Flurstück de Tol liegt heute an der Alten Maas (Oude Maese) in Swalmen-Asselt, Kessel sowie die Wege-Zollstellen Meerssen bei Maastricht, Wegegeld auf dem Maastrichterweg auf der Brücke über die Kleine Geul, Station auf der Karrestraat über Ransdaal und Ubachsberg nach Jülich, Kathagen über der Brücke („tzo Kathag-over-brug“ oder „boven de brug“) in Nuth-Vaesrade; Wegezoll für die Benutzung der steinernen Brücke über die GeleenbeekVgl. Karl von Veith: Cäsars Schlacht gegen die Usipeter und Tencterer im Jahr 55 v. Chr. In: Monatsschrift für die Geschichte Westdeutschlands 6 (1880), S. 1–23, bes. S. 9 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). auf dem Trichterweg von Geilenkirchen nach Maastricht (Tricht) bzw. auf dem Heereweg über Schinveld und Gangelt nach Nijmegen.
Der Wegezoll zu Meerssen, die Brücke zu Kathagen und der Maaszoll zu Geulle aan de Maas bzw. UikhovenDas Dorf Uikhoven lag auf dem Gebiet der Grafschaft Reckheim. standen ursprünglich der Herrschaft Valkenburg (Fauquemont) im Herzogtum Limburg zu.Vgl. Egidius Slanghen: Bijdragen tot de geschiedenis van het tegenwoordige hertogdom Limburg. A. van den Hoeven / J. K. Alberts, Amsterdam / Sittard 1865, S. 10f (Google-Books). Die Zollstätten Stokkem, Heppeneert, Pol und Buggenum befanden sich auf dem Gebiet der Herrschaft Hoorn, die ein Lehen der Grafschaft Loon im Bistum Lüttich war. Ool lag in der Herrschaft Heinsberg-Dalenbroek, die später an das Herzogtum Jülich-Berg fiel. Der Zoll zu Kessel (Kastellburg Keverberg) war zunächst im Besitz der Grafschaft Kessel. 1279 erwarb Graf Reinald I. von Geldern Burg und Maaszoll Kessel von Graf Heinrich V. von Kessel und Grevenbroich für das Herzogtum Geldern.Vgl. Friedrich Pfeiffer: Rheinische Transitzölle im Mittelalter. Akademie-Verlag Berlin 1997, S. 313.
Wasserzölle auf dem rechten Ufer der Maas – außer in Ool – oder in der Stadt Maastricht gehörten nicht zum „Schleidener Zoll“.
Herren von Valkenburg Walram der Rossige (Rote) von Valkenburg, Montjoie und Sittard (1254–1302) kaufte vor 1298 die Rechte in Geulle und Uikhoven von der Reichsabtei Kornelimünster.Vgl. Norbert Kühn: Die Reichsabtei Kornelimünster im Mittelalter. Geschichtliche Entwicklung, Verfassung, Konvent, Besitz. (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Aachen 3). Mayer, Aachen 1982, S. 93. Er war mit Philippa von Geldern († 1294), einer Schwester Rainalds I. von Geldern, verheiratet. 1334 wurde sein Enkel Dirk IV. von Valkenburg-Montjoie († 1346), der kinderlos starb, von Herzog Johann III. von Brabant mit 50 Pfund auf den Maastrichter Zoll belehnt.Vgl. Marc Habets: Dirk IV heer van Valkenburg-Montjoie (1333–1346). Stichting Vestingstad Valkenburg, Valkenburg 2004.
Herren von Hoorn 1359/60 wird der Herr von Kranenburg, Parwys (Perwez-le-Marché), Duffel und Herlaer, Dietrich (Thierry, Dirk, Theodoricus) van Hoorn (* um 1320; † 1378), als Inhaber des Zolls (teloneum) in Wessem, Buggenum (Buggenheym), Ool (Ole) und Kessel erwähnt.Vgl. Algemeen Rijksarchief Brüssel (Tolrekeningen 2437 Rekening (Brab.) domeinen Maastricht); Gemeentearchief Roermond Regesten, Nr. 304.
Herren von Loon-Heinsberg Über Walrams Sohn Johann I. von Valkenburg († 1356) und dessen Tochter Philippa von Heinsberg und Valkenburg († 1388), verheiratet mit Johann II. von Salm-Obersalm († um 1400), Graf von Chiny, kam ein Teil des Erbes an deren Sohn Graf Simon II. von Salm-Obersalm († 1397), den Herrn von Sittard, Born, Ravenstein und Süsteren. 1396 überließ Graf Simon II. von Salm seinem Onkel Johann II. von Loon († 1438), Herr von Heinsberg und Löwenberg, seinen Anteil am Ertrag der Zölle von Heppeneert, Linne, Pol und Buggenum.Regest vom 19. März 1396; vgl. Christoph Jacob Kremer: Akademische Beiträge zur Gülch- und Bergischen Geschichte, Bd. I. Akademische Schriften, Mannheim 1769, S. 45f (Google-Books); Joseph Habets: Aanteekeningen op het Vrijdorp Heel en de Heerlijkheid Poll en Panheel. In: Publications de la Société Historique et Archéologique dans le Duché de Limbourg 4 (1867), S. 288–368, bes. S. 299 (Google-Books).
In der Schlacht von Kleverhamm geriet Johann II. von Loon-Heinsberg 1397 als Verbündeter des Verlieres Wilhelms II. von Berg (1348–1408) in Gefangenschaft.Vgl. Ernst von Schaumburg: Die Schlacht im Cleverhamm, den 7. Juni 1397. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein (1861), S. 81–106, bes. S. 97, 99, 101 und 103f (Google-Books). Er musste ein gewaltiges Lösegeld zahlen, das nur durch weitreichende Verpfändungen aufgebracht werden konnte. Bei der Erbteilung 1424 nach dem kinderlosen Tod seines Verwandten Rainald von Jülich-Geldern († 1423) erhielt Johanns II. jüngerer Sohn Wilhelm I. von Loon-Heinsberg († 1438) den Zoll auf der Maas.Regest vom 18. Februar 1424, Gemeentearchief Roermond Regesten, Nr. 1708. Der Besitz des Zolls dürfte um diese Zeit verpfändet gewesen sein.
Herren von Blankenheim-Schleiden Ende des 14. Jahrhunderts waren die Masszölle pfandweise in den Besitz der Herren von Blankenheim-Schleiden gelangt. Johann I. von Schleiden († 1379/81) hatte als „Lantfoyt“ (Landvogt; Obermann und Gerichtsvorsitzender) des Landfriedensbündnis Maas-Rheins von 1351/52 eine herausragende Stellung bei dem römisch-deutschen König Karl IV., Herzog von Luxemburg, (1316–1378) und den beteiligten regionalen Landesherrschaften (Erzstift Köln, Erzstift Trier, Erzstift Mainz, Pfalzgrafschaft, Herzogtum Brabant, Markgrafschaft Jülich, Grafschaften Loon-Heinsberg, Berg, Reichsstädte Köln und Aachen) erworben. Heppeneert an der Maas lag an der Westgrenze des Bündnisgebietes.Vgl. Margarete Kühn (Bearb.): Dokumente zur Geschichte des Deutschen Reiches und seiner Verfassung 1350–1353. (Constitutiones et acta publica imperatorum et regum 10). Böhlau, Weimar 1979–1991, S. 275–282, 319, 330–339 und 363f, bes. S. 278 (Digitalisat bei Monumenta Germaniae Historica).
Konrad IV. von Blankenheim-Schleiden (* um 1361; † 1419/20), Sohn des Johann I. von Schleiden, war vor 1381 mit Irmgard van Hoorn (* um 1355 oder 1367; † 1394) verheiratet, einer Tochter des Dietrich van Hoorn zu Kranenberg und Parwys. Bei der Eheberedung zwischen ihrer Tochter Katharina von Blankenheim-Schleiden († um 1441)Sie heiratete 1409 in zweiter Ehe Rorich III. von Rennenberg († um 1469). und Johann IV. von Saffenberg († 1398/1400), Graf von Neuenahr, verschrieb Konrad IV. von Blankenheim-Schleiden 1397 ablösbar 100 Gulden auf seinen Zoll auf der Maas (Masen) für einen Anteil von 1000 Gulden der Mitgift.Vgl. Christian Renger (Bearb.): Inventar des herzoglich arenbergischen Archivs in Edingen / Enghien (Belgien), Bd. II. (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz 75). Verlag der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Koblenz 1997, S. 133. Sein Sohn Johann II. von Blankenheim-Schleiden († 1434) beerbte ihn. Dessen Tochter Elisabeth von Blankenheim-Schleiden († 1469) – Witwe des Wilhelm I. von Loon-Heinsberg – heiratete 1443 in zweiter Ehe Dietrich III. von Manderscheid (* um 1420; † 1498), Herr zu Jünkerath, ab 1457 Reichsgraf.
Grafen von Manderscheid-Schleiden