mini|Wüppelser Kirche – vom Dorfplatz aus gesehen Die Evangelisch-lutherische Kirche Wüppels (auch Wüppelser Kirche oder Kirche zu Wüppels genannt) ist eines der beiden Gotteshäuser der wangerländischen Kirchengemeinde St. Joost/Wüppels und Station des Wangerländischen Pilgerweges.Stille trifft Andacht – Wangerländischer Pilgerweg. Auf Wangerland.de, eingesehen am 18. Mai 2017. Sie stammt aus dem späten 13. Jahrhundert und gehört zu den ältesten Kirchen Frieslands. Eine erste urkundliche Erwähnung der Wüppelser Kirche ist für 1350 belegt.Hans Bernhöft: Die evangelische Kirche [im Landkreis Friesland]. In: Der Landkreis Friesland (Hrsg. Peter Oltmanns in Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung). Oldenburg (Oldb) 1971 (zweite, völlig neue Auflage). S. 26, Sp I. Ein früheres Patrozinium ist unbekannt.

Baubeschreibung mini|Kirch- und Dorfwarft Wüppels um 1790Aquarell von E. Ch. Dunker (1735–1817) mini|Westgiebel und Nordseitemini|links|Findlinge als Fundament (Nordseite der Wüppelser Kirche) mini|Südseite Bei dem spätromanischen Wüppelser Gotteshaus handelt es sich um eine rechteckige Saalkirche mit einer nach Osten ausgerichteten, deutlich abgesetzten halbrunden Apsis. Sie steht auf einer eigenen Kirchwarft, die sich von Westen her an den mittleren Teil der Wüppelser Langwarft anlehnt,Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung: Mittelalterliche Landschaftsentwicklung und Besiedlungsgeschichte der Marsch im Wangerland mit Karte der Crildumer Bucht; abgerufen am 15. Januar 2025. Auf der Karte ist die Wüppelser Langwarft und ihre westliche Ausbuchtung, die Wüppelser Kirchenwarft, zu erkennen. diese aber um einige Meter überragt. Auf der Kirchwarft befinden sich auch der Glockenturm und der Dorffriedhof.

Kirchenäußeres Die Wände des Kirchengebäudes, die in zweischaliger Ziegelbauweise ausgeführt sind und einen Kern aus Gussmauerwerk besitzen, ruhen auf einem Fundament von Findlingen.Almuth Salomon: Historisch-landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen 1:50000 (Teil 10 von Historisch-landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen: Maßstab 1: 50.000; Hrsg. Almuth Salomon, Erhard Kühlhorn). Göttingen 1986. ISBN 3-7848-3630-5. S. 134. Das sichtbare Mauerwerk besteht aus Ziegelsteinen im sogenannten Klosterformat.Unsere Kirchen – Evangelisch-lutherische Kirche zu Wüppels. Website der Evangelischen Kirche Hooksiel, eingesehen am 17. Mai 2017.

Die Apsis lässt drei kleine Fenster erkennen, von denen allerdings zwei, das nördliche und das südliche, zugemauert sind. Sie besitzt ein eigenes, ihrer Rundform entsprechendes polygones Dachwerk, das sich an den Giebel der Saalkirche anlehnt.

Die Südseite der Kirche weist drei Fensteröffnungen späteren Datums auf. Sie sind größer als die ursprünglich romanischen Fenster. Das vordere und das mittlere Fenster sind von ihrer Größe her identisch. Die hintere Fensteröffnung besteht aus zwei Fenstern, die übereinander angeordnet sind. Das obere Fenster sowie die im vorderen Mauerwerk sichtbaren Umrisse eines früheren Fensters lassen die ursprüngliche Größe der ehemaligen Fensteröffnungen deutlich erkennen. Im hinteren Drittel der südlichen Wand befindet sich das schlichte zweiflügelige Eingangsportal. Die Fensteröffnungen der Nordwand entsprechen in etwa denen der Südwand. Das Nordportal, dessen Umrisse im Mauerwerk noch deutlich zu erkennen sind, wurde zugemauert. Im mittleren Bereich der Nordwand ist das Findlingsfundament in Teilen erkennbar. Der schmucklose Westgiebel besitzt in der vertikalen Mittelachse zwei übereinander liegende Fenster. Die kleinere Fensteröffnung befindet sich im oberen, die größere im mittleren Bereich des Giebels.

Ausstattung mini|links|Kirchenfenster mini|Altar von 1523 mini|Kanzel mini|Taufe Wer das im Sommer „verlässlich“ geöffnete Gotteshaushorizont E: Offene Kirchen – Verlässlich geöffnete Kirchen im Oldenburger Land, PDF, S. 18, abgerufen am 3. September 2024. betritt, befindet sich direkt in den Gottesdienstraum. Ein Vorraum existiert nicht. Im hinteren Bereich der Kirche befindet sich die Orgelempore, die rechts und links des Instruments einige zusätzliche Sitzplätze bietet. Der Bereich unterhalb der Empore wurde vom Kirchenraum durch eine mit einer Tür versehenen Holzwand abgetrennt. Er dient als Sakristei und Technikraum. Die Kirche besitzt einen Mittelgang. Die Bänke rechts und links sind neueren Datums. Die beiden vorderen Kirchenbänke links sind auf die Kanzel ausgerichtet.

Die Kirchenfenster sind bis auf wenige farbige Elemente schmucklos und sorgen für ein helles Kircheninneres. An den Wänden befinden sich verschiedene Gedenktafeln, darunter solche, auf denen die Wüppelser Prediger seit der Reformationszeit verzeichnet sind, und andere, die an die Gefallenen der beiden Weltkriege erinnern.

Im Chor, der um eine Stufe über dem Niveau des übrigen Kirchraumes liegt, finden sich links (Nordwand) ein mit einem Holzgitter versehener Pfarrstuhl, in dem ein Bildnis Luthers hängt, und rechts (Südwand) ein auffälliger Kanzelaufgang sowie die Taufe. Ebenfalls an der Nordwand findet sich ein aufgerichteter Grabstein mit dem Namen Rike van Fischhus. In der Apsis sind noch deutlich die beiden zugemauerten Fenster zu erkennen. Das mittlere noch offene Fenster wird vom Aufsatz des Altares verdeckt.

Im Mauerwerk der Apsis ist zur Rechten des Altars eine Piscina eingelassen. Sie ist mit einem Segmentbogen versehen und gehört zu den 15 besterhaltenen Piscinen der ostfriesischen Halbinsel. Das Becken besteht aus rotem Sandstein, ist aber (fälschlicherweise) mit weißer Farbe übertüncht. Der Abfluss ist ebenfalls aus rotem Sandstein gefertigt.Die Angaben zur Wüppelser Piscina finden sich bei Justin Kroesen, Regnerus Steensma: Kirchen in Ostfriesland und ihre mittelalterliche Ausstattung. Petersberg 2011. S. 139; 141–143.

Altar Der Altar, der zwei Stufen über dem Niveau des Chorraumes liegt, stammt aus dem Jahr 1523. Er besteht im unteren Bereich aus weiß getünchten Klosterformatsteinen und schmiegt sich mit seinem zweiflügeligen hölzernen Aufsatz harmonisch in das Rund der Apsis ein. Der Überlieferung nach verdankt er seine Existenz einer Schenkung des Häuptlings Ricklef von Fischhausen. Das eigentliche Altarbild, das von einem unbekannten Künstler gefertigt wurde, zeigt Jesus und seine Jünger beim sogenannten Letzten Abendmahl. Auffällig ist an diesem Bild, dass der Lieblingsjünger Jesu nicht an der Brust seines Meisters lehnt, sondern auf dessen Schoß sitzt. Ähnliche, ältere Darstellungen finden sich unter anderem bei Matthias GrünewaldHNA.de: Ein Grünewald zu Gast; eingesehen am 8. Juni 2017. und bei Hans Schäufelin (Kreuzaltar des Ulmer Münsters).

Flankiert wird das Altarbild von geschnitzten Figuren der Apostel Simon Petrus, Andreas, Jakobus (Sohn des Zebedäus) und Johannes. Die acht übrigen Apostel zieren die beiden Seitenflügel des Altars.Willkommen in der Kirche zu Wüppels, abgerufen am 2. August 2018. Gekrönt wird der Altar durch ein Kruzifix.

Kanzel Die aus Eiche gefertigte Kanzel ist eine Stiftung des Freiherrn von Schwarzenberg und seiner Gattin Anne von Waddewarden, Herrin auf Burg Fischhausen. Sie stammt aus dem Jahr 1634. Der Kanzelkorb, der auf der Figur des die Gesetzestafeln zeigenden gehörnten Mose ruht, zeigt die alabasterfarben gefassten vier Evangelisten mit den sie kennzeichnenden Attributen: Löwe (Markus), Stier (Lukas), Adler (Johannes) und Mensch (Matthäus). Auf der unteren Seite des Schalldeckels findet sich das Bild einer schwebenden Taube, Symbol des Heiligen Geistes. Die Figur des Christus, die eine Siegesfahne in der Hand hält, krönt den Kanzelhimmel. Der langgestreckte Laufgang verband früher Kanzel und Pastorenstuhl. Er ist mit gemalten Personifikationen der drei christlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung sowie der vier Kardinaltugenden (Gerechtigkeit, Tapferkeit, Klugheit und Mäßigung) geschmückt.Dietmar J. Ponert, R. Schäfer: Ludwig Münstermann, Der Meister-die Werkstatt-die Nachfolger. Text- und Tafelband, Oldenburg 2016, S. 615–617.

Taufe Die Taufe ist das Geschenk einer Landrichterwitwe aus dem 17. Jahrhundert, genannt Moder Lohe [Mutter Lohe]. Es wurde 1634 der Kirchengemeinde übereignet Das Material des kunstvoll verzierten Taufbeckens besteht aus Holz. Es hat die Form eines blütenförmigen Kelches.Axel Bürgener, Klaus Siewert: Saalkirchen im Wangerland. Verlag Auf der Warft, Hamburg/Münster 2015. S. 143.

Orgel Die erste Wüppelser Orgel wurde 1795 errichtet und stammt aus der Werkstatt des Wittmunder Orgelbauers Hinrich Just Müller. Das Instrument verfügte über acht Register auf einem Manual; ein Pedal war nicht vorhanden. Der fünfachsige Prospekt wird durch schlichte Lisenen gegliedert. Der überhöhte runde Mittelturm wird durch zwei geschwungene Flachfelder mit den äußeren Rundtürmen verbunden. Rocaillen verzieren die Pfeifenfelder unten und oben, bekrönen die drei Türme mit ihren profilierten Gesimsen und bilden die seitlichen Blendflügel. Umbauten erfolgten durch den Orgelbauer Johann Martin Schmid (Oldenburg) in den Jahren 1908 und 1912. Nachdem Schmid zunächst einige Register ausgetauscht und ein Pedal mit einem Subbass 16′ ergänzt hatte, baute er 1912 eine pneumatische Traktur und eine zweimanualige Spielanlage ein. Das jetzige einmanualige Instrument mit sieben Registern ist ein Werk der Orgelbaufirma Alfred Führer (Wilhelmshaven) aus dem Jahr 1964 in dem historischen Gehäuse von Müller. Die Disposition lautet wie folgt:Wüppels, Evangelische Kirche zu Wüppels – Orgel von Alfred Führer (1964) im historischen Gehäuse von Hinrich Just Müller (1795) bei NOMINE e. V., abgerufen am 15. September 2026. mini|Historischer Prospekt der Wüppelser Orgel I Manual C–f3 Gedackt 8′ Quintade 8′ Principal 4′ Rohrflöte 4′ Oktave 2′ Mixtur IV 1′ Pedal C–d1 Subbass 16′

Koppel: I/P

Grablege Im Wüppelser Gotteshaus finden sich vier aus Sandstein gefertigte Steinplatten. Zwei von ihnen haben ihren Platz direkt vor dem Altar, ein weiterer liegt im Chorbereich und ein vierter direkt hinter der Schwelle des Kirchenportals. Sie stammen aus dem 13. Jahrhundert, besitzen keine Inschriften, nur schlichte Symbole und Verzierungen, zum Beispiel Kreuze und Krummstäbe sowie stilisierte Bänder, die dem Eisenbeschlag einer Holztruhe ähneln. Nähere Untersuchungen haben ergeben, dass es sich bei diesen Steinplatten um Deckel steinerner Großsarkophage handelt. Diese bestanden ebenfalls aus Sandstein, waren aus einem Block gehauen und jeweils als vorläufige Ruhestätte mehrerer Verstorbener gedacht. Nach einer gewissen Liegezeit wurden die zuerst Bestatteten dem Sarkophag entnommen und auf dem Friedhof beigesetzt. Der so entstandenen Platz konnte wieder für neue Beisetzungen genutzt werden. Die Funktion dieser namenlosen Steinsärge ist den in älteren Kirchen vorfindlichen Grabkellern zu vergleichen.Carl Woebcken: Jeverland. Gewesenes und Gebliebenes. Jever o. J. [1961?]. S. 167 f.

Im 16. und 17. Jahrhundert war die Wüppelser Kirche Grablege der adeligen Familie zu Fischhausen. Darauf verweisen die wappengeschmückte Grabplatten im Mittelgang des Gotteshauses. Der Adelssitz der hier bestatteten Familienmitglieder war die Burg Fischhausen.Evangelische Kirche Hooksiel: Willkommen in der Kirche Wüppels; eingesehen am 8. Juni 2017. Sie befindet sich im Osten des Wüppelser Kirchspiels und ist bis heute – wenn auch erheblich verändert – erhalten.

Glockenturm mini|Glockenturm