Die Rantzau-Kaserne war eine Kaserne der Bundeswehr in Boostedt, Schleswig-Holstein, in der hauptsächlich Panzer-, Artillerie- und Logistikeinheiten der Panzerbrigade 18 und der 6. Panzergrenadierdivision stationiert waren. Sie umfasste eine Fläche von 121,17 Hektar.Bundesanstalt für Immobilienaufgaben: Konversion und mehr. Chancen für Investitionen 2015/2016. Wohn- und Gewerbeimmobilien in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Bonn/Rostock, 1. Auflage 2015, S. 7 Ihren Namen erhielt sie 1966 zu Ehren des schleswig-holsteinischen Adelsgeschlechts Rantzau. Die Kaserne wurde Ende 2015 durch die Bundeswehr aufgegeben. mini|Leopard 1A2A1 des ehemaligen PzBtl. 184 (Panzermuseum Munster)

Geschichte In der Gemeinde Boostedt bestand zwar vor 1958 keine Garnison. Doch bereits 1776 war auf dem später von der Bundeswehr genutzten Gelände für das „Nordische Leib-Regiment Reuter (Reiter) bey Neumünster“ ein Truppenübungsplatz angelegt worden. Anfang des 20. Jahrhunderts trainierte hier das Infanterieregiment 163 des kaiserlichen deutschen Heeres unter Führung seines Kommandeurs Oberst von dem Borne. Die Rantzau-Kaserne in Boostedt wurde ab 1956 für etwa 35 Millionen DM errichtet, die in Unterkünfte, Wirtschaftsgebäude, eine Energiezentrale, Stabs-, Lehrsaal und Kammergebäude, Straßen sowie Wasser-, Klär- und Heizwerke flossen. Zudem wurden 86 Wohnungen für verheiratete Soldaten gebaut. Der Komplex wurde in seinem Baustil der ländlichen Umgebung angepasst. Der Neubau war seinerzeit das größte militärische Bauprojekt der Bundesrepublik. Am 3. Juni 1958 wurde die Anlage von Ministerpräsident von Hassel an die Bundeswehr übergeben. Sie hieß zunächst „Truppenunterkunft Boostedt“. Im Gegensatz zu anderen Bauvorhaben der Bundeswehr war die Gemeinde Boostedt in den Planungsprozess und die Baumaßnahmen im Wesentlichen nicht eingebunden.

Der Bildhauer Karlheinz Goedtke gewann die Ausschreibung für Kunst-am-Bau und schuf drei Werke für die spätere Rantzau-Kaserne. Hierzu gehört der Betonsteinfries „Kämpfer“ an der Haupteinfahrt zur Kaserne. Die Arbeit zeigt zwölf kampf- und verteidigungsbereite Männer in historischen Szenen als Reliefs. Damit sollte die Bundeswehr, die wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst auf Ablehnung traf, in einen verallgemeinerten historischen Zusammenhang eingeordnet werden.

Das Panzerbataillon 13 (das durch erste Vorschläge für Erkennungszeichen an M47 Panzern bekannt wurdehttps://www.panzerbaer.de/colours/a_relaunch/bw_tarn_fz_kennz-c.htm) war die erste Einheit, die ab 17. März 1958 die Kaserne bezog. Es war am 16. Juli 1956 in der Grenzlandkaserne in Flensburg als Teil der Kampfgruppe B 6 der 3. Panzerdivision aufgestellt worden. In Boostedt erfuhr die Einheit am 16. März 1959 mit der Heeresstruktur 2 ihre Umgliederung zum neuen Panzerbataillon 183 sowie die Unterstellung unter die Panzerbrigade 18, wobei die 2. Kompanie des Panzerbataillons 13 zur 3./Panzerbataillon 184 wurde. Das Panzerbataillon 183 war bis zu seiner Auflösung zum 31. März 2007 in Boostedt in der Rantzau-Kaserne stationiert.

Die Stationierung der Bundeswehr am Standort gestaltete sich zunächst schwierig. Teile der Bevölkerung standen der Wiederbewaffnung kritisch gegenüber und es kam zu gewalttätigen Übergriffen auf Soldaten. Erst durch verschiedene Veranstaltungen konnte die Bundeswehr diesen Umstand mildern. Hinzu kam, dass die Quartiere beim Einzug teilweise noch nicht fertiggestellt waren, sondern noch allerorts Baustellen bestanden.

Das Grenadierbataillon 46 kam am 1. April 1958 in die Kaserne nach Boostedt. Es war aus dem Grenadierbataillon 11 hervorgegangen, das am 1. Juli 1956 in der Hanseaten-Kaserne in Lübeck als Teil der Kampfgruppe B1 der 1. Grenadierdivision aufgestellt und am 24. August 1956 zunächst nach Hamburg in die Boehn-Kaserne verlegt worden war. Am 1. April 1958 zog das Bataillon nach Boostedt in die Rantzau-Kaserne und wurde in Grenadierbataillon 46 umbenannt sowie der 6. Grenadierdivision unterstellt. Doch schon am 16. März 1959 folgte eine weitere Umgliederung: aus dem Grenadierbataillon 46 wurde das Panzergrenadierbataillon 182 der Panzerbrigade 18 der 6. Panzergrenadierdivision. Nach seiner Verlegung an den Standort Bad Segeberg zwischen dem 27. Dezember 1961 und dem 13. Januar 1962 verblieb es bis zu seiner Auflösung zum 31. Dezember 2008 in der dortigen Lettow-Vorbeck-Kaserne.

Die zunächst dem Feldzeuginstandsetzungsbataillon 511 in Hamburg unterstellte mittlere Feldzeuginstandsetzungskompanie 546 wurde ebenfalls in der Boostedter Kaserne untergebracht. Am 2. März 1959 wurde die Kompanie der 6. Panzergrenadierdivision zugeordnet und in mittlere Instandsetzungskompanie 6 umbenannt. Sie bildete gemeinsam mit der in Itzehoe stationierten Nachschubkompanie 6, die aus der Quartiermeisterkompanie 6 hervorgegangen war, den Grundstock für die Bildung des Versorgungsbataillons 6 der 6. Panzergrenadierdivision, die ab 5. August 1966 in der Kaserne in Boostedt erfolgte und schließlich am 1. Oktober 1972 ihren Abschluss fand. Dabei wurde die 1./Versorgungsbataillon 186 zur 1./Versorgungsbataillon 6. Am 1. Oktober 1975 erfolgte eine weitere Umgliederung zum Nachschubbataillon 6. Am 1. Oktober 1980 bildete das Bataillon die Nachschubausbildungskompanie 7/6. Im Dezember 1983 begann der Auszug des Bataillons mit der Ausbildungskompanie 7/6 aus der Rantzau-Kaserne nach Neumünster in die Scholtz-Kaserne, der am 30. März 1984 abgeschlossen ist. Das Bataillon wurde zum 1. April 2003 zunächst in einen nichtaktiven Truppenteil umgewandelt und zum 31. März 2006 aufgelöst.

Als am 1. April 1959 in der Sick-Kaserne in Neumünster das Versorgungsbataillon 186 der Panzerbrigade 18 gebildet wurde, erhielt die Kaserne in Boostedt dessen 3. (Instandsetzungs-)Kompanie. Am 1. Oktober 1972 wurde in der Rantzau-Kaserne aus der 3./Versorgungsbataillon 186 die Instandsetzungskompanie 180 aufgestellt, die zum 1. April 1994 in das Instandsetzungsbataillon 6 als 2. Kompanie eingegliedert wurde.

Das Panzeraufklärungsbataillon 6 der 6. Panzergrenadierdivision verlegte am 6. April 1959 aus der Scharnhorst-Kaserne in Lingen. Die Geburtsstunde des Bataillons hatte am 1. Juni 1958 geschlagen, als die Panzeraufklärungskompanie 6 durch das Panzeraufklärungsbataillon 3 in Lingen aufgestellt worden war. Diese Kompanie wuchs zum 1. Oktober 1958 zum Bataillon auf. In Boostedt verbrachte das Bataillon, das hier mit Stab, 2. und 3. Kompanie stationiert war, während die 1. Kompanie in der Scholtz-Kaserne in Neumünster lag, jedoch nur eine kurze Zeit und zog am 11. April 1961 in die Rettberg-Kaserne in Eutin um. Dort verblieb es bis 1. April 2008, als es zum Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ umgegliedert wurde. Das Aufklärungsbataillon 6 ist bis heute aktiv und weiter in Eutin beheimatet.Helmut R. Hammerich, Dieter H. Kollmer, Martin Rink, Rudolf J. Schlaffer: Das Heer 1950 bis 1970: Konzeption, Organisation und Aufstellung. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2006, S. 313Panzeraufklärungsbataillon 6 „Holstein“ und Sparkassen-Kulturstiftung Ostholstein (Hrsg.): 50 Jahre Panzeraufklärungsbataillon 6. 1958 – 2008. Eutin, 2. Auflage 2008, S. 147

Am 1. April 1959 wurde in der Boostedter Kaserne die Panzeraufklärungskompanie 170 der Panzergrenadierbrigade 17 aufgestellt. Noch im selben Jahr verlegte sie nach Hamburg in die Graf-Goltz-Kaserne. Zum 1. April 1962 erfolgte die Eingliederung als 4. Kompanie in das Panzeraufklärungsbataillon 6 in Eutin.Stephan-Thomas Klose: Hamburger Hausbrigade: 1959 - 1993 : Geschichte der Panzergrenadierbrigade 17, O. Heinevetter, 1993, S. 40

Im August 1959 brach in der hygienisch veralteten Anlage eine Typhusepidemie aus. Erst nach zwanzig Tagen Quarantäne durften die Soldaten die Liegenschaft wieder verlassen.

Am 17. November 1960 erfolgte in der Truppenunterkunft in Boostedt die Bildung der 5. Batterie des Artilleriebataillons 62 (ab 1. Mai 1963: Raketenartilleriebataillon 62). Diese wurde am 25. März 1964 nach Kellinghusen verlegt. Zum 31. Dezember 1996 wurde das gesamte Raketenartilleriebataillon 62 außer Dienst gestellt.

Die Ausbildungskompanie 7/6 wurde am 1. September 1961 in der Kaserne in Boostedt aufgestellt. Diese Einheit verlegte zum 1. Januar 1968 in die Dithmarsen-Kaserne nach Albersdorf, wo sie 1970 aufgelöst wurde.

Mit dem Auszug des Panzergrenadierbataillons 182 standen in der Rantzau-Kaserne Unterkünfte zur Wiederbelegung zur Verfügung. Im Januar 1962 konnte daher das Panzerartilleriebataillon 185 aus der Hindenburg-Kaserne in Neumünster nach Boostedt verlegt werden. Dieses Bataillon ist aus der I./Feldartilleriebataillon 6 entstanden, die am 1. Oktober 1958 in Neumünster aufgestellt worden war. Daraus erwuchs sodann das Feldartilleriebataillon 177, das ebenfalls ab 1. Oktober 1958 gebildet wurde. Bereits am 2. Februar 1959 wurde es zum Panzerartilleriebataillon 185 umgegliedert. Zum 1. April 1972 wurde die 4. Batterie des Bataillons für eine atomare Einsatzfähigkeit umgegliedert. Dieser Auftrag endete am 28. Mai 1992. In Boostedt verblieb das Bataillon noch bis zu seiner Auflösung, die zum 30. September 1993 offiziell vollzogen, jedoch bereits Ende 1992 durch Abgabe von Gerät und Personal, insbesondere an das aus dem Feldartilleriebataillon 515 aufzustellende Panzerartilleriebataillon 515 in Kellinghusen umgesetzt worden war.

Die Ausbildungsbatterie 16/6, die am 1. November 1962 in der Boostedter Kaserne aufgestellt worden war, zog am 1. Oktober 1964 in die neu errichtete Dithmarsen-Kaserne nach Albersdorf um und wurde dem Feldartilleriebataillon 61 unterstellt.

Die Ausbildungskompanie 13/6, die zunächst der in Bad Segeberg stationierten Panzergrenadierbrigade 182 unterstellt war, wurde am 1. Juli 1964 nach Boostedt in die Rantzau-Kaserne verlegt und ging am 1. Oktober 1967 in der Panzerjägerkompanie 180 auf. Zwar erfolgte die Aufstellung der Panzerjägerkompanie 180 in der Lettow-Vorbeck-Kaserne in Bad Segeberg. Doch kurz nach Bildung der Kompanie war diese bis zum Oktober 1969 in der Rantzau-Kaserne untergebracht. Am 1. Oktober 1969 ging es zum Standort Bad Segeberg wieder zurück. Im April 1992 kehrte die Panzerjägerkompanie 180 nach Boostedt zurück und verblieb in der Rantzau-Kaserne bis zu ihrer Auflösung zum 30. Juni 1996.Karl-Heinz Rütz/Pionierbataillon 61 (Hrsg.): 30 Jahre Pionierbataillon 61, 1963 – 1993, Geschichte und Chronik des Pionierbataillon 61 und seiner Vorgänger, lePiBtl 537, lePiBtl 13, lePiBtl 610, Lübeck o. J., S. 32.Bernd Förstenberg/Heimatverein des Kreises Segeberg e. V. (Hrsg.): Bad Segeberg - 30 Jahre Garnison. In: Heimatkundliches Jahrbuch für den Kreis Segeberg 1992, 38. Jg., Verlag C. H. Wäser, Bad Segeberg, S. 146

Am 30. November 1966 erhielt die Kaserne in Boostedt den Namen „Rantzau-Kaserne“ zu Ehren des schleswig-holsteinischen Adelsgeschlechts Rantzau verliehen. Hierbei wurde am Kasernentor eine Namenstafel enthüllt.

Die zum 1. März 1959 mit Einnahme der Heeresstruktur 2 aus der 3. Kompanie des Pionierbataillon 6 in der Fünf-Seen-Kaserne in Plön aufgestellte Panzerpionierkompanie 180 der Panzerbrigade 18 wurde am 20. Dezember 1962 nach Eutin in die Rettberg-Kaserne verlegt, wo sie bis zum 10. November 1969 einquartiert war und sodann in die Rantzau-Kaserne nach Boostedt kam. Schließlich zog sie im Januar 1973 in die Trave-Kaserne nach Lübeck. Zum 1. April 1993 wurde die Einheit aufgelöst, ihr Personal und Gerät kam insbesondere zur neu aufzustellenden Panzerpionierkompanie 510 nach Plön.Karl-Heinz Rütz/Pionierbataillon 61 (Hrsg.): 30 Jahre Pionierbataillon 61, 1963 – 1993, Geschichte und Chronik des Pionierbataillon 61 und seiner Vorgänger, lePiBtl 537, lePiBtl 13, lePiBtl 610, Lübeck o. J., S. 113