mini|hochkant=1.3|St.-Josef-Kirche im Jahr 2008 mini|hochkant=1.3|Feier der Osternacht 2012 Sankt Josef war bis 2013 eine römisch-katholische Pfarr- und Gemeindekirche im Essener Stadtteil Kupferdreh. Sie stand auf einem Hügel an der Schwermannstraße und war dem Patronat des heiligen Josef von Nazaret anvertraut. Das Gotteshaus wurde 1902 bis 1904 erbaut, da wegen des starken Bevölkerungswachstums im vorangegangenen Jahrhundert in Kupferdreh eine eigene katholische Gemeinde gegründet werden sollte. Der Baumeister Heinrich Wassermann hatte die Bauleitung. Die 1909 selbstständig gewordene Gemeinde bestand bis zu ihrer Zusammenlegung mit mehreren Nachbargemeinden im Jahr 2008. Die Kirche Sankt Josef wurde nach dem Zweiten Weltkrieg umgestaltet (1951) und 1957/1958 bedeutend erweitert. 1969 kam es zu einer Erneuerung des Erweiterungsbaus.

Im Jahr 1976 wurde ein Gemeindeheim errichtet. Nach der Auflösung der Kirchengemeinde 2008 zeigte sich ein erheblicher Sanierungsbedarf am Gotteshaus. Aufgrund der damals „nicht tragbaren wirtschaftlichen Lage“ wurde die Pfarrkirche deshalb 2013 profaniert und 2015 abgerissen. Das Grundstück ist seitdem im Besitz des St. Josef-Krankenhauses, für das auf dem Gelände ein Erweiterungsgebäude errichtet werden soll. Das Kirchengebäude war im neugotischen Stil erbaut und bestand aus rotem Ziegelmauerwerk. Bei der Erweiterung 1957/1958 wurde das bisherige Hauptschiff um ein Querschiff ergänzt, sodass die Kirche insgesamt einen kreuzförmigen Grundriss erhielt. Der Neubau war mit Klinkermauerwerk verkleidet. Bei seiner Errichtung wurde eine Marienkapelle angebaut. Einen Kirchturm gab es nicht. Zu den besonderen Ausstattungsstücken des Gotteshauses gehörte neben dem zweimal durch eine Neuanfertigung ersetzten Hauptaltar ein Flügelaltar der Goldschmiedin Lioba Munz.

Geschichte Vorgeschichte Der heutige Essener Stadtteil Kupferdreh ist keine historisch gewachsene Gemeinde, sondern setzt sich aus den ehemaligen Orten Hinsbeck, Rodberg und Dilldorf zusammen. Hinsbeck und Rodberg gehörten bis zu deren Auflösung 1802 zur Reichsabtei Werden. Die beiden Dörfer erwirkten im Jahr 1800 beim Werdener Abt die Genehmigung zum Bau einer Kapelle in Hinsbeck, die 1801 fertiggestellt wurde. Dilldorf gehörte bis Anfang des 19. Jahrhunderts zur Herrschaft Hardenberg, die katholischen Bewohner besuchten trotzdem traditionell die Abteikirche St. Ludgerus in Werden und ab 1801 die Kapelle in Hinsbeck. Bei der kirchlichen Neuorganisation der Region 1821 wurde die Grenze zwischen dem Erzbistum Köln und dem Bistum Paderborn mitten durch Hinsbeck gezogen, sodass die dortige Kapelle kirchlich zu einer anderen Diözese gehörte als der Großteil des restlichen Ortes. Daraufhin wurde die Kapelle bald als Teil des benachbarten Dilldorf angesehen, da es zum selben Bistum gehörte.

1875 wurden Hinsbeck und Rodberg zur neuen politischen Gemeinde Kupferdreh zusammengeschlossen. In den folgenden beiden Jahren wurde die „Dilldorfer“ (politisch weiterhin in Hinsbeck bzw. Kupferdreh gelegene) Kapelle durch eine tatsächlich in Dilldorf befindliche Pfarrkirche, St. Mariä Geburt, ersetzt. Für die Hinsbecker Katholiken ergab sich damit das Problem, dass sie in Dilldorf zwar eine nahegelegene Kirche hatten, aber kirchenrechtlich zur Pfarrei in Niederwenigern und damit zu einem anderen Bistum gehörten. Gegen eine „Umpfarrung“ von Hinsbeck und den Zusammenschluss mit Dilldorf gab es allerdings ebenfalls Widerstand. Daher wurde der Bau einer eigenen Kirche in Kupferdreh gefordert, wobei unter anderem mit dem starken Bevölkerungsanstieg durch die Industrialisierung argumentiert wurde.

1893 beschloss das bischöfliche Generalvikariat in Paderborn, zu dem Kupferdreh gehörte, dort eine Filialkirche Niederwenigerns zu errichten. Zwei Jahre darauf wurde Dilldorf politisch nach Kupferdreh eingemeindet, behielt jedoch seine eigene Kirchengemeinde. In Hinsbeck wurde daher 1898 ein Vikar des Pfarramts Niederwenigern eingesetzt, der provisorisch die Kirche und den Friedhof in Dilldorf benutzen durfte. 1899 bezeichnete das Paderborner Generalvikariat die Verhandlungen über eine kirchliche Zusammenlegung von Kupferdreh und Dilldorf als abgebrochen. Genauso wenig kam es aber zum Bau einer Filialkirche Niederwenigerns, weil sich abzeichnete, dass die Kupferdreher Kirchengemeinde komplett selbstständig werden sollte.

Entstehung der Pfarrei St. Josef Kupferdreh und Kirchenbau Da die im Entstehen begriffene Kirchengemeinde Kupferdreh ein Kirchengebäude brauchte, gründete sich am 14. Mai 1900 ein Kirchenbauverein. Als Bauplatz ausgewählt wurde der auf einer Erhebung liegende Feldmannskotten im Zentrum von Kupferdreh. Der Kirchbauverein erwarb am 26. Juni 1901 das Grundstück, wobei ihr der Voreigentümer einen halben Morgen Land unentgeltlich überließ und den Kaufpreis für die restlichen eineinhalb Morgen deutlich reduzierte.

Die bischöfliche Genehmigung des Kirchbaus erhielt die Gemeinde im März 1901, die Zulassung von Seiten der Behörden im September desselben Jahres. Bereits ab Juli 1901 begannen Bauarbeiter, den Bauplatz zu planieren. Im März 1902 fiel die Wahl des Patroziniums auf den heiligen Josef von Nazaret. Am 13. April 1902 folgte die Grundsteinlegung.

Bereits am Nachmittag des 26. Oktober 1902 wurde das Gotteshaus benediziert. In den Sommermonaten des Jahres 1903 lieferte eine Düsseldorfer Werkstatt die Chorfenster. Am 6. Mai 1904 konsekrierte der Bischof von Paderborn, Wilhelm Schneider, das fertige Kirchengebäude. Zur gleichen Zeit wie die Kirche wurde in der Nähe des Haupteingangs das Pfarrhaus errichtet. In der ersten Etage des Hauses stand eine steinerne Josefstatue, die im Zuge eines Umbaus entfernt und später durch eine neue Figur an gleicher Stelle ersetzt wurde. Diese Figur stand dort bis zum Abriss im Jahr 2015. Nach einer umfangreichen Restaurierung wurde sie im Dezember 2015 vor dem renovierten Gemeindeheim aufgestellt. Nach jahrelangen Verhandlungen fand 1909 die Abpfarrung von Niederwenigern statt. Im selben Jahr erhielt die Gemeinde St. Josef ihre Selbstständigkeit.

Entwicklung bis zur Profanierung (1904–2012) mini|Die Kirche St. Josef (links) und das Pfarrhaus, um 1917 Im Jahr 1913 wurde beschlossen, die Gasbeleuchtung in der Kirche durch elektrisches Licht zu ersetzen. Anfang Dezember 1921 wollte der Kirchenvorstand das etwa neun Morgen große Gelände hinter der Kirche mit Haus und Scheune für über 100.000 Mark aufkaufen. Dazu kam es jedoch nicht, weil das Gehöft kurze Zeit später in den Besitz der Essener Steinkohlenbergwerke überging. 1923 brachte die Gemeinde unter der Orgelempore Gedenktafeln zur Erinnerung an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Kupferdreh an. Den Entwurf für eine Ehrentafel hatte das damals in Essen-Steele ansässige Unternehmen Weber und Eberling am 19. Juli 1922 vorgelegt und wegen der steigenden Inflation umgehend umgesetzt. Die Tafeln stehen mittlerweile im Archiv der Bürgerschaft Kupferdreh.

Die politische Gemeinde Kupferdreh war am 1. August 1929 der Stadt Essen eingegliedert worden, und Essen gehörte zum Erzbistum Köln. Im Jahr 1930 wechselte auch die bischöfliche Zuständigkeit für Kirche und Gemeinde St. Josef vom Erzbistum Paderborn zum Erzbistum Köln, als das Bistum Paderborn durch das Preußenkonkordat und die Bulle Pastoralis officii nostri von Papst Pius XI. zum Erzbistum erhoben und sein Gebiet neu umschrieben wurde. Bereits 1931 gab es erste Überlegungen, das Gotteshaus St. Josef zu erweitern, die sich jedoch zu dieser Zeit nicht verwirklichen ließen. Zu Ehren des 1930 im Amt gestorbenen ersten Pfarrers an St. Josef, Friedrich Schwermann, wurde am 5. Juni 1934 die an die Kirche angrenzende Kirchstraße in Schwermannstraße umbenannt. Ende der 1930er-Jahre kamen anstelle der Windfänge neue Türen hinzu. Die Fenster wurden im Zweiten Weltkrieg zum Teil beschädigt, insgesamt trug die Kirche St. Josef jedoch nur geringe Schäden durch Artilleriebeschüsse oder Bombeneinschläge davon.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zeichnete sich ab, dass die Kirche St. Josef ein Jugendheim brauchte. Andere Örtlichkeiten hielt die Jugend der Pfarrei für ungeeignet. Die Bauleitung hatten zwei Kupferdreher Kapläne. Ursprünglich sollte das Jugendheim 35.000 DM kosten, konnte aber durch Materialspenden und Unterstützung vieler Gemeindemitglieder mit nur 16.000 DM aufgebaut werden. Einweihung war am 15. Juli 1950. Mitte der 2010er-Jahre wurde das Haus abgerissen.

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Pfarrkirche wurde am 2. September 1951 während einer Nachmittagsandacht der Grundstein von 1902 geöffnet und danach mit einer zweiten Urkunde höher wieder eingemauert. Durch den Entschluss, den Chorraum um einige Stufen höher zu legen, wäre der Grundstein, der nahe dem Boden in der Wand hinter dem Altar eingelassen war, übermauert worden. Beim Umbau des Chorraums wurde unter anderem auch das farbige Mittelfenster an die Rückwand der Kirche versetzt, die Chorfenster zugemauert und die Seitenfenster erhielten eine neue Gestaltung in kleinteiliger Bleiverglasung.

mini|hochkant=0.6|Grundriss, mit Anbau von 1958

Da zunehmend deutlich wurde, dass die Kirche zu klein für den örtlichen Bedarf wurde, zogen die zuständigen Stellen in Erwägung, sie abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Dies geschah damals an vielen Orten; letztlich entschied sich der Kirchenvorstand in Kupferdreh jedoch 1957 dafür, das bestehende Gebäude um- und auszubauen. Das Projekt kostete 400.000 DM; die Pläne für die Erweiterung fertigte der Architekt Emil Jung an. Die Baugenehmigung erteilte die erzbischöfliche Behörde in Köln am 12. August 1957. Durch den Umbau erhielt die Kirche ein neues, weites Querschiff und einen daran anschließenden neuen Chor. Das Richtfest des Erweiterungsbaus war am 16. Januar 1958 und am 1. Oktober 1958 legte die Gemeinde den Grundstein.

Ursprünglich war bei der Erweiterung geplant, einen freistehenden Kirchturm zu errichten. Dafür war neben dem Haupteingang ursprünglich eine Fläche von 6 × 6 Metern vorgesehen. Der alte Glockenstuhl hingegen sollte weichen. Diese Überlegungen haben die Kupferdreher allerdings nicht umgesetzt. Warum der Bau nicht ausgeführt wurde, ist unbekannt. Der Glockenstuhl blieb später mit einem neuen Geläut erhalten.

Im Jahr 1965 folgte eine Neugestaltung des Innenraums mit einer Holzfaltdecke aus nordamerikanischen Kiefernhölzern, die die Dortmunder Architekten Hans-Ulrich Gastreich und Mechthild Gastreich-Moritz entworfen hatten. Das alte Kreuzrippengewölbe war im Laufe der Jahrzehnte marode geworden. Die Rückwand des erst 1958 gebauten Chorraumes musste 1969 saniert werden, vor der alten Wand wurde dafür auf einem 1,80 Meter tiefen Fundament eine Sandsteinwand hochgezogen. Um den Altarraum den neuen liturgischen Erfordernissen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil anzupassen, wurden die alten Altarstufen entfernt und der Altar drei bis vier Meter vorgezogen. Gleichzeitig wurden neue Glasbausteine in die Fenster des Neubaus eingesetzt. Die Kosten dieser Bauarbeiten beliefen sich auf 108.000 DM. 1976 bekam die Kirchengemeinde St. Josef ein Gemeindeheim, das am 3. Juli eingeweiht wurde. Eine vollständige Innenrenovierung der Kirche, bei der der Innenraum hell gestrichen wurde, führte der Essener Architekt Rolf Grundmann Anfang der 1980er-Jahre durch. In darauffolgenden Jahren wurden Instandsetzungsarbeiten vollzogen.

Eine neue Orgel wurde 1995 angeschafft und zwei Jahre später die Heizungsanlage erneuert.

mini|Mittelschiff der Kirche St. Josef, nach 1965

In den letzten Jahren vor der Profanierung übertrug das Patientenfernsehen Gottesdienste aus der Pfarrkirche in das benachbarte St. Josef-Krankenhaus Kupferdreh.

Profanierung und Abriss mini|Gemeindemitglieder stellten am Tag der Profanierung Grablichter vor der Kirche auf