Die Carrozzeria Sibona-Basano, s.n.c., kurz Sibona-Basano,Mitunter finden sich auch abweichende Schreibweisen des Firmennamens, namentlich beim zweiten Familiennamen die Schreibweise Bassano, eine Trennung der Familiennamen durch ein Leerzeichen oder deren Verbindung mit dem &-Zeichen, dem +-Zeichen, der italienischen Konjunktion „e“ oder der englischen Variante „and“. ist ein ehemaliges italienisches Unternehmen für Karosseriebau und Automobildesign.

Der Sitz der Gesellschaft lag in Turin, die maßgeblichen Personen waren Pietro Sibona sowie die Brüder Elio und Emilio Basano.Detaillierte Informationen zu dem Unternehmen Carrozzeria Sibona-Basano mit Bildern auf dem Webportal osi20mts.com, abgerufen am 16. Januar 2016 (englisch). (englisch/polnisch), abgerufen am 16. Januar 2016 (englisch/polnisch).Die Carrozzeria Sibona-Basano mit Bildern von zwei verschiedenen Ausführungen des Strandwagens Decathlon auf dem Webportal fiat500.ch, abgerufen am 16. Januar 2016.Eine einzelne Quelle nennt statt Emilio Basano durchgängig den Namen Walter Basano mit dem Geburtsdatum 8. September 1933 in Turin: Elvio Deganello, in: Auto Italia (Zeitschrift), Ausgabe 227 (Januar 2015), „Italian Coachbuilders – Carrozzeria Sibona-Basano“, S. 50 bis 54, Hintergrundbericht zu dem Unternehmen Carrozzeria Sibona-Basano (englisch), abrufbar auf dem Webportal porschecarshistory.com. Die Angaben sind insofern erwähnenswert, als Deganello (geb. 1946) als ein führender Automobilhistoriker gilt und Autor von verschiedenen Fachbüchern zu mehreren Abarth-Modellen und der Automobilmarke Abarth im Allgemeinen, zum Fiat 500, zum Automobildesigner Pietro Frua und dem Fahrzeugunternehmen Carrozzeria Scioneri ist. Das Unternehmen, das überwiegend im handwerklichen Stil arbeitete, stieg 1963 zum Automobilhersteller auf, als es den selbst entworfenen offenen Strandwagen Decathlon einzelstückweise produzierte und vertrieb.

mini|hochkant=1.35|Ein Abarth Simca 1300 GT (Serie 2/Longnose) mit einer Leichtmetall-Karosserie von Sibona-Basano aus den Jahren 1965/66

Das Unternehmen bestand nur von 1962 bis 1966 und zeichnete sich durch eine ungewöhnlich breite Modellpalette von der Design- und Konzeptstudie eines Stadtwagens bis hin zum Hochleistungssportwagen aus. Manche Aufbauten zeigten ungewöhnlich gestaltete Details und bestanden bereits aus Kunststoff; das Turiner Unternehmen war damit – jedenfalls im italienischen Automobilbau – ein Vorreiter in der Kunststoffverarbeitung. Ein weiteres Merkmal war die Zusammenarbeit mit verschiedenen namhaften Designern aus unterschiedlichen Ländern.

Automobile mit Karosserien von Sibona-Basano sorgten vielfach für außergewöhnliche Aufmerksamkeit in Zeitungen und Fachzeitschriften sowie auf den zeitgenössischen Automobilausstellungen, vor allem in Italien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich und den Vereinigten Staaten von Amerika. Von Sibona-Basano eingekleidete Automobile erzielten seit 2010 wiederholt Verkaufspreise im sechsstelligen Dollar- und Euro-Bereich.mini|hochkant=1.35|Ein Fiat Abarth 1000 Bialbero (Longnose) mit einer Leichtmetall-Karosserie von Sibona-Basano aus den Jahren 1963 bis 1966 und geringfügig kleineren Abmessungen als beim Abarth Simca.

Überblick Sibona-Basano gehört zu den weniger bekannten italienischen Unternehmen für Karosseriebau und Automobildesign und war mit einer Bestandsdauer von nicht einmal fünf Jahren vergleichsweise kurzlebig. Die Gründung fiel in eine Zeit, als viele Großserienhersteller von Automobilen ihre Fertigung umstellten und mehrere alteingesessene Karosseriebauer ihren Betrieb aufgaben. Der Wechsel von Fahrgestellen mit separat aufgesetzten Karosserien zu selbsttragenden Konstruktionen erschwerte die Gestaltung und den Bau eigenständiger Karosserievarianten sowie die Kleinserienfertigung allgemein.

Eine Besonderheit von Sibona-Basano war das ungewöhnlich breite Spektrum an Fahrzeugkarosserien. In nicht einmal fünf Jahren fertigte das Unternehmen einschließlich der beiden Ausführungen des Strandwagens Decathlon nicht weniger als 17 verschiedene Karosserien. Dabei nutzte es mit Bodengruppen von Abarth, AC Cars, Bizzarrini, Fiat, Ghia, Glas, NSU, Simca und Studebaker eine ungewöhnlich große Vielfalt an Ausgangsfahrzeugen.

Mit Rennsportwagen, die von Sibona-Basano karossiert wurden, gewann Abarth von 1965 bis 1967 dreimal in Folge die Sportwagen-Weltmeisterschaft in der Division I (bis 1300 cm³ Hubraum)., abgerufen am 4. März 2016 (englisch). Hinzu kam der Klassensieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1967.

Wiederholt lobten Designer die Zusammenarbeit mit Pietro Sibona und den Basano-Brüdern. Der US-amerikanische Designer Brooks Stevens, der Anfang der 1960er-Jahre bei Studebaker unter sehr starkem Kostendruck stand, beschrieb die Zusammenarbeit mit Sibona-Basano wie folgt:

Stevens bezeichnete sie als „juwelenhaft“ und erinnerte sich weiter, dass Sherwood H. Egbert (der Generaldirektor von Studebaker) von ihnen sehr angetan gewesen sei. „Von ganzem Herzen empfahl“ Brooks Stevens das Turiner Unternehmen weiter, als Virgil M. Exner sen. und jun. einen preiswerten Betrieb zum Bau der Mercer-Cobra suchten. Virgil Exner jun. sagte zu der Kooperation mit Sibona-Basano: „Es war wunderbar, mit ihnen daran zu arbeiten.“Zitate und Bewertungen wiedergegeben anhand des Webportals osi20mts.com, abgerufen am 16. Januar 2016 (englisch).

Während der Vorgeschichte des Unternehmens sowie in seinen Anfängen und am Ende bestanden Verbindungen zu den großen Turiner Karosseriebauunternehmen Ghia unter Führung von Luigi Segre und OSI mit Sergio Sartorelli., abgerufen am 16. Januar 2016.

Während des Bestehens existierten Verbindungen zu dem italienischen Sportwagen-Hersteller Abarth über dessen Gründer Carlo Abarth, zu dem US-amerikanischen Automobilhersteller Studebaker über den Designer Brooks Stevens, zu den US-amerikanischen Designern Virgil M. Exner sen. und Virgil M. Exner jun., über den italienischen Designer Pio Manzù zu dem in der Bundesrepublik Deutschland entstandenen Team Autonova um den deutschen Motorjournalisten Fritz B. Busch sowie zu dem italienischen Sportwagenhersteller Bizzarrini über das Designhaus Stile Italia.

Unter den italienischen Fahrzeugunternehmen war die Carrozzeria Sibona-Basano eines der ersten, das neben den damals üblichen Materialien wie Leichtmetall oder Stahlblech bereits glasfaserverstärkten Kunststoff (GFK) nutzte, um große Karosserieteile mit niedrigem Gewicht herzustellen. Treibende Kraft war hierbei derjenige der Basano-Brüder, der für die Gestaltung verantwortlich war. Eines der ersten Projekte mit diesem Material betraf den Oberdeckaufbau eines Doppelstockbusses mit Berliet-Fahrgestell. Aus dem gleichen Material produzierte Sibona-Basano 1963 Kabinen für Standseilbahnen in Serie. Außer Fahrzeugteilen stellte Sibona-Basano auch große Dach-Elemente aus GFK her, insbesondere zweihundert Stück, mit denen zeitweise ein Teil des Marktplatzes an der Porta Palazzo in Turin überdacht war. Jedes Element maß 350 × 350 × 60 Zentimeter und bildete ein Pyramidendach. Achtzig Elemente waren transparent, die übrigen durchgefärbt. Die Fläche, die damit überdacht werden konnte, entsprach somit annähernd einem halben Fußballplatz.Alessandra Rinaldi, Evoluzione delle materie plastiche nel design per l’edilizia: 1945–1990, FrancoAngeli s.r.l., Mailand, Italien 2014, ISBN 978-88-917075-9-8, S. 77 (italienisch).

Vorgeschichte und Gründung der Gesellschaft Die ganz überwiegende Mehrzahl der Quellen behandelt die Geschichte des Turiner Unternehmens Sibona-Basano nur am Rande. Im Mittelpunkt dieser Quellen stehen zumeist andere Karosseriebauunternehmen wie OSI oder Ghia, einzelne Designer wie Brooks Stevens oder Virgil Exner sen. oder bestimmte Automobilmodelle von Abarth, Studebaker oder die Mercer-Cobra. Erstmals 2015 stellte ein Automobilhistoriker, der Italiener Elvio Deganello, das Unternehmen Sibona-Basano in den Mittelpunkt einer Veröffentlichung. Seine Ergebnisse weichen jedoch in mehreren Punkten erheblich von dem bisherigen Kenntnisstand ab, so zu der Stellung von Elio Basano im Unternehmen, zu dem Vornamen seines Bruders und zur Vorgeschichte der Gesellschaft.

Der Kenntnisstand nach der ganz überwiegenden Mehrzahl der Quellen Schon um 1960 hatten die beiden jungen Brüder Elio und Emilio Basano in Turin eine kleine Werkstatt zum Bau von Prototypen-Fahrzeugen aufgebaut. Sie lag in der Nähe der Carrozzeria Ghia und des noch jungen Unternehmens OSI, die wirtschaftlich eng miteinander verbunden waren und in den Bereichen Karosseriedesign, Karosseriebau sowie Fertigung von automobilen Einzelstücken und Kleinserien einen guten Ruf genossen. Gemeinsam arbeiteten die Brüder Basano als selbstständige, unabhängige Unternehmer im handwerklichen Stil an verschiedenen Ghia- und OSI-Projekten mit.

Pietro Sibona war zu dieser Zeit als Meister für Metallbearbeitung und -verarbeitung bei Ghia tätig. Im Jahr 1962 verließ er das Unternehmen und wurde zum maßgeblichen Partner der Brüder Basano. Gemeinsam gründeten sie in Turin das Unternehmen Carrozzeria Sibona-Basano, s.n.c. mit Geschäftsräumen in der Via Eritrea, 23. Als Rechtsform nutzten sie die Società in nome collettivo, der in Deutschland die Offene Handelsgesellschaft (oHG) entspricht, in Österreich die Offene Gesellschaft (OG) und in der Schweiz die Kollektivgesellschaft, jeweils mit persönlicher Haftung aller Gesellschafter.

Neuere, abweichende Rechercheergebnisse mini|hochkant=1.2|Ein Renault Floride: Für Pietro Frua arbeiteten Sibona und Basano um 1958 als selbständige Subunternehmer an einem Prototyp dieses Modells. mini|hochkant=1.2|Ein Simca 1000: Arbeiten an Prototypen dieses Modells führten um 1959 zu einem vorübergehenden Wechsel von Sibona und Basano von Turin nach Paris.

In einer Veröffentlichung von 2015 bezeichnet der Fachbuchautor Deganello abweichend von der überwiegenden Mehrzahl der Darstellungen Elio Basano nicht als Mitbegründer und -inhaber, sondern „nur“ als angestellten Büroleiter von Sibona-Basano.Elvio Deganello, in: Auto Italia (Zeitschrift), Ausgabe 227 (Januar 2015), „Italian Coachbuilders – Carrozzeria Sibona-Basano“, S. 50 bis 54 (50), Hintergrundbericht zur Carrozzeria Sibona-Basano (englisch), abrufbar auf dem Webportal porschecarshistory.com. Schon vorher hatten zwei Internetquellen neben Sibona nur einen – nicht näher bezeichneten – Mann namens Basano, abgerufen am 16. Januar 2016 (englisch). beziehungsweise nur Emilio Basano als Mitbegründer und -inhaber des Unternehmens angegeben.

Zudem nennt Deganello in seiner Veröffentlichung von 2015 statt Emilio Basano durchgängig und erstmals den Namen Walter Basano, ferner als Geburtsdatum den 8. September 1933 in Turin. Walter und Elio Basano sind hiernach die Neffen des Fahrzeugdesigners und Karosseriebauers Alfredo Vignale. Bei der Carrozzeria Sibona-Basano befasste sich Walter Basano demnach in leitender Funktion mit den handwerklichen und gestalterischen Aufgaben.

Bei dem Fahrzeugdesigner und Karosseriebauer Battista „Pinin“ Farina hatte Walter Basano das Formen von Blechen gelernt und sich anschließend das Zeichnen und Gestalten von Automobilkarosserien angeeignet. Im Jahr 1956 erhielt er dort trotz seines Ansehens nach mehrjähriger Betriebszugehörigkeit die Kündigung, als sein Beitritt zu einer als linksextrem angesehenen Gewerkschaft bekannt wurde. Er wechselte daraufhin zur Carrozzeria Boano, wo er erstmals auf den damals 31-jährigen Pietro Sibona traf. Als Sibona später wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Sohn des Inhabers kündigte, folgte ihm Basano aus Solidarität nach.